Finger´s elektrische Welt

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Das Forum für den durchgeknallten Bastler

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Maschinen und Apparate

Ritze Ratze


Max und Moritz, gar nicht träge, sägen heimlich mit der Säge, ritzeratze voller Tücke, in die Brücke eine Lücke !

Um mich von solchen sekundären Tätigkeiten zu befreien (hab´ihr schon mal 100er Rundeisen mit der Hand abgesägt ?) und solche Klapperatismen echt zuviel Platz wegnehmen

ist also ein Eigenbau fällig. Der besteht aus den Antriebteilen verschiedener Maschinen. Über ein zweistufiges Riemengetriebe wird die Drehzahl des Motors auf ca. 2 Umdrehungen pro Sekunde abgesenkt :

Der Keilriemen wird über 2 zusammengeschraubte Kugellager aus einer Festplatte gespannt und das Ganze auf ein schönes Eiche-Rustikal-Regalbrett geschraubt (ich hatte gerade nichts anderes zur Hand). Die Linearführungen sind nichts anderes als etwas stabilere Schubladenführungen :

Für den Pleuel mußte ich in Ermangelung einer Planscheibe eine etwas ungewöhnliche Spanntechnik anwenden :

Auf die Schubladenführung kommt dann ein Aluprofil, um die Befestigung weiterer Teile zu vereinfachen :

An das Scharnier kommt dann später die Bügelsäge aus dem Baumarkt :

Die Elektrik ist wie immer grundsolide und zuverlässig aufgebaut. Die Relais sind in Klebeband eingewickelt :

Der Schaltplan offenbart ebenfalls eine gewisse Ästhetik und besticht durch seinen einfachen und ebenso gradlinigen Aufbau und seine gekonnte Linienführung :

Mit einer Billigsäge aus dem Baumarkt, welche aber einen stabilen Bogen (nicht aus gebogenem Rohr) besitzt, nimmt das Teil langsam Form an. An zwei Scharnieren befestigt liegt oben drauf ein Eisenklotz mit einer Führungsrille als Andruckgewicht :

Das mitgelieferte Sägeblatt war so billig, das es beim ersten Einsatz sofort zerbrochen ist. Und sowas trägt ein GS-Zeichen ! Im übrigen gehört dort eine CE-Kennzeichnung drauf. Ich frage mich, wie so etwas noch verkauft werden kann. Dem Teil fehlt jetzt nur noch die Kühleinrichtung und ein Schraubstock. Den habe ich mal bei Westfalia bestellt. Ich denke, allzu hohe Präzision ist hier nicht gefordert ;-)
Der erste Probelauf hat das Ding glatt vom Tisch gerödelt. Auch werde ich wohl die Verbindung von der großen Zahnriemenscheibe zur Pleuelwelle demnächst ändern müssen. Die hat jetzt schon erhebliches Spiel.

Inzwischen ist der Schraubstock eingetroffen. Selten ein so billiges Teil gesehen. Damit es im Container auf dem Weg von Pakistan oder so nicht rostet, hat man ihn wohl in Altöl getaucht. Aber egal, es wird schon halten :

Hier kann man jetzt auch den Endschalter sehen, der den Motor abschaltet, sobald der Kram fertig ist. Damit ist da Moped fertig und kann auf dem Dachboden in der Nähe meiner Materialvorräte installiert werden. Auf eine Kühlung habe ich jetzt doch mit Rücksicht auf die Spanplatten verzichtet. Vielleicht muß ich dann jeweils von Hand ein bischen Öl spendieren, mal sehen.

Im ersten Härtetest mit ST37-Winkeleisen hat sich jedes, aber auch JEDES Teil an dem Klapperatismus einmal rausgedreht, ist abgefallen oder sonstwie zerbröselt. Einzig und allein die Verbindung von der großen Zahnriemenscheibe zur Pleuelwelle hält und hält und hält. Na ja, so langsam habe ich die Kinderkrankheiten von dem Teil im Griff.

Dazu gibts noch einen kleinen Film, damit ich nicht vergesse, wie das Ding geklungen hat.

8 Jahre war der Möller jetzt ein treuer Begleiter. Anders ausgedrückt : da kann echt mal was neues her!

In einem Anfall von Reichtum habe ich mir die Metallbandsäge MBS 115 E von Güde zugelegt. Der Eimer kostet knappe 250 Euronen und wiegt 68kg. Viel Schlitzi-Eisen fürs Geld. Selbstverständlich wird der Klumpen nicht mehr per 400€-Götterboten-Rentner ins häusliche Domizil geschleppt, sondern kommt per Spedition "frei Bordsteinkante".

Da steht er nun der Karton. Verbeult und eingerissen, aber mit fetter Güde-Werbung bedruckt kündet ein Aufkleber verheissungsvoll vom Inhalt *Sabber* und verspricht handarbeitsfreie Zukünfte. Problem Nummer 1 : entgegen der Anleitung ist der Eimer fast komplett montiert und somit auch ausgepackt ohne Helfer nicht zu bewegen. Leider bin ich gerade komplett alleine und das Ding muss ins Haus. Also trenne ich den oberen, schwenkbaren Teil vom Bett und schlöre die Brocken in meine Werkstatt. Dabei fallen diverse Kleinteile wie Hülsen und Nutensteine aus dem Gerät und suchen sich klöternd auf der Treppe ihren weg Richtung Erdmittelpunkt. Nebenbei bemerkt muss man für diesen Schritt die Kabel durchtrennen, da in den Klemmkästen keine Klemmen, sondern Quetschverbinder verbaut worden sind. Auserdem empfileht sich alte Kleidung, da sich an den unmöglichsten Stellen Öl- und Fettlachen bilden.

Kurz gewartet bis sich die Gummiarme regenriert haben und die Wartezeit mit einem Pils überbrückt. Alle Tüten ausgepackt stelle ich fest : zu wenig Schrauben dabei und die Transportrollen fehlen. Die Blechteile wie Riemenkasten und Sägebandabdeckung sind werksseitig krumm und abgestossen, quasi vorgealtert. Das Bett ist unten krumm und kippelt. Ein Aufbau auf der Werkbank scheidet also aus. Aber ich will ja sowieso das Untergestell nutzen. Wie und aus welchen Teilen es zusammengesetzt wird geht weder aus der Anleitung noch aus der Exposionszeichnung hervor. Also brauche ich drei Anläufe, bis das Ding auf seinem Ständer steht. Erinnert ein bischen an Ikea-Anleitungen aus den frühen 90er Jahren, welche Angeblich von einem drogenabhängigen Architekten namens Sören Poggenström aus Göteborg verfasst worden sein sollen. Die Blechteile passen auch nicht und haben teilweise Spiel von 1cm. Das hat der Chinamann durch Langlöcher (eventuell von der Lidstellung abgeleitet? Sozusagen Bionische Technologie) und dünneres Blech ausgeglichen. Hier ist es sinnvoll, einen Kantenschutz nachzurüsten um den Fußboden nicht zu zerschreddern.

Nebenbei bemerkt ist es unmöglich, das Ding ohne Helfer oder Kran auf dem Untergestell zu montieren. Das Blech ist so dünn, das sich erst zusammengebschraubt eine gewissen Stabilität einstellt. Dazu muss aber das schwere Bett ebenfalls draufliegen um dann die Schrauben anzuziehen. Im übrigen hat der kleine Chinese offenbar einfach Schrauben vom Fußboden zusammengekehrt, so das man sämltliche Schlüssenweiten von 10 bis 19mm sowie Schlitz- und Kreuzschraubenzieher in zwei Größen benötigt. Beiliegend erhält man einen Inbusschlüssel, welcher nirgendwo hineinpasst. Die Stückliste in der Anleitung hingegen verzeichnet an einigen Stellen bizarrerweise 5-Kant-Schrauben.

Ich habe nun eine Handvoll Schrauben ersetzt und vor mir liegen 3 weitere Blechteile, deren Zielort mir verborgen bleibt. Weder das Bild, noch die Anleitung oder die Explosionszeichnung geben mir Hinweise. Dafür ist der Zusammenbau des Antriebs beschrieben, welcher aber bereits vormontiert war. Ob die Bandführung eingestellt ist ist auch nirgendwo beschrieben. Dafür kann man die Vorrichtung zur Keilriemenspannung nicht benutzen, da der Motor im Weg des Spannhebels liegt. Also musste der Hebel durch eine Schraube ersetzt werden, wofür aber zuächst der Motor zerlegt werden musste, um den Hebel herauszubekommen.

Das Handrad für den Schraubstock wurde ebenfalls durch einen 5cm langen, spiddeligen Klapphebel ersetzt, womit der Schraubstock nicht vernünftig geschlossen werden kann. Die Spindel des Schraubstocks wird nur einseitig geführt und wurde werksseitig ebenfalls nicht korrekt eingestellt. Sämtliche Stellschrauben der Maschine sind normale Maschinenschrauben mit jeweils einer Kontermutter. Es empfiehlt sich also, einen kompletten Satz Schraubenschlüssel neben der Maschine liegen zu haben.

Der Motor macht beim Durchdrehen von Hand üble Geräusche. Deren Ursache ist eine schleifende Riemenscheibe, die am Kabel des Sicherheitsschalters scheuert. Also muss das Kabel verlegt werden. Der Sicherheitsschalter führt Netzspannung, der Riemenkasten hat aber keinen eigenen PE. Sicherheitshalber hat der Chinese hier den Kabelmantel etwas weiter abgezogen, so das hier die Basisisolierung weder Schutzklasse I noch II genügt. Teilweise wurden Metallschellen zur befestigung verwendet und das Kabel in Aquariumschlauch gesteckt. Nachdem das von mir umgebaut wurde hört man nur noch sehr preiswerte Motorlager und eine gehörige Lose im Getriebe. Die Lager sollten also Beizeiten auch mal gewechselt werden, aber erstmal muss das so gehen. Da das Getriebe ja nur in eine Richtung belastet wird sollte die Lose kein Problem darstellen.

Die Endabschaltung wird über einen Metalldorn bewerkstellingt, welcher auf den Ausschalter drückt. Dieser Dorn ist zweifach vorhanden. Leider passen beide Positionen nur schlecht, so das hier ein längerer, entsprechend gebogener Metallstreifen zum Einsatz kommt und der zweite Dorn in den Müll wandert.

In der Anleitung findet sich der Satz : "Reinigen Sie die Maschine nach jeder Arbeit und schmieren Sie es mit dem Rostschutzöl ein". Was ist mit "es" gemeint ? Und was ist "das" Rostschutzöl ? # Egal, ich werde die Anleitung genau jetzt der Sekundärrohstoffverwertung zuführen und meinen Bioprozessor für die weiteren Schritte einsetzen.

Die Räder fehlen. Also erstmal welche vom Klapproller drangetüdelt und die originalen Dinger reklamiert.

Und weil das Bild ein Handrad und keinen Klappstipel zeigt, dieses auch gleich angemeckert. Drei Monate später kam dann von Güde ein Paket. Drin ein Metallstipel und das Fahrwerk als Komplettteil. Dabei wollte ich nur die Räder haben. Noch einmal zwei Wochen später kam ein weiteres Paket. Darin eine handschriftliche Entschuldigung und ein Hinweis auf die fehlenden Räder. Dabei waren dann zwei von den Umlenkrollen für das Sägeblatt :

Die halten vermutlich am allerlängsten. Bisheriges Fazit : Man bekommt das, was man bezahlt. In diesem Fall heftigstes "Made in China". Man hat also gehöriges Frickelpotential vor sich und muss ca. 5 Stunden Arbeit investieren, bevor man das erste Mal sägen kann. Dann allerdings ist das DIng erstaunluch leise. Ich hatte eine Geräuschkulisse vom Typ flüchtender T34 nach 3 Stunden schwerem Feindbeschuss mit abgerostetem Auspuff erwartet und wurde positiv überrascht. Auch die Sägeleistung (zumindest in Alu) ist absolut befriedigend.

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