Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Wenn das Irrenhaus überfordert ist

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Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon SMD_Stefan » So 1. Nov 2015, 23:17

Hallo Freunde der Frickelei,

es ist zwar basteltechnisch leicht OT, aber sicher für den einen oder anderen Frickler extrem spannend.

Vielleicht noch kurz zu mir, ich bin seit über 10 Jahren mit Fingers Welt vertraut, und lese öfter mal still mit, da sich hier aber eine geballte Kompetenz das Stelldichein gibt, bleibt es zumeist beim lesen da Fragen häufig sehr schnell beantwortet werden. Dennoch - und gerade deswegen - finde ich das Forum sehr spannend. Grüße und Daumen hoch an Finger und den Rest der Crew! Ich bin ausgebildeter und anschließend studierter E-Techniker mit Promoabsicht. Daher beschränken sich aus Zeitgründen meine Basteleien leider hauptsächlich aufs berufliche, so dass ich hier wenig dazu schreiben kann und darf.

Doch nun zum eigentlichen Thema. Ich hatte diesen Sommer die Gelegenheit genutzt einen Solotrip in die Ukraine zu machen, bei dem ich unter anderem 2 Tage in der Sperrzone von Tschernobyl verbracht habe. Bevor Fragen auftauchen - das geht natürlich nur nach Voranmeldung, und mit einem zertifizierten Reiseführer (ich habe mich vor Ort in Kiew einer Gruppe angeschlossen). Natürlich habe ich mich vorab über die Risiken informiert und nach entsprechender Abwägung mich dazu entschlossen.

Das Sperrgebiet ist nach wie vor hoch kontaminiert, so dass ein Leben nur an den wenigsten Stellen dauerhaft ohne Einschränkung möglich ist. Aber gerade diese Tatsache, die dazu führt dass dort quasi niemand mehr wohnt machte meine Reise so faszinierend. Jeder kennt die Bilder der Geisterstadt Pripyat und vom Kraftwerk. Ein paar Eindrücke möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten:

Reaktorblock 4 mit altem Sarkophag:
Bild

Pripyat Riesenrad:
Bild

Blick auf die völlig überwucherte Stadt:
Bild

Ein völlig zerfallenes Klavier:
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Doch nun zum absolut igoristischen Teil: Es gibt unweit vom Kraftwerk entfernt eine ehemalige Abhörstation, den sogenannten "Russian Woodpecker" (= Russenspecht), namentlich "Duga 3". Diese "über den Horizont"-Radaranlage sollte Raketenstarts der Amerikaner detektieren. Genaueres findet ihr im entsprechenden Wikipedia-Artikel. Nach der Havarie im Kernkraftwerk wurde die Anlage, die auf Karten nur als "Sommerferienlager" zu finden war, stillgelegt. Viele der technischen Einrichtungen sind inzwischen geplündert worden (wie eigentlich alle Wohnungen und sonstigen Gebäude im Sperrgebiet). Dennoch befindet sich der Empfangsteil der Anlage immer noch auf dem Gelände, und viele der weniger wertvollen Schaltungsteile. Dazu auch hier ein paar Eindrücke:

Ein Teil der 500m langen Antenne:
Bild

Die Antenne im Gesamtbild:
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Platine mit Widerständen, nach fast 30 Jahren:
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Diverse andere geplünderte Elektronik:
Bild

Ich denke als erster Aufschlag sollte das an Bildern genügen, insbesondere um den Uploader nicht zu sehr zu strapazieren falls der Beitrag zu sehr OT ist. Sollte Interesse bestehen kann ich gern weitere Bilder uploaden, solange die Admins nicht Alarm schlagen.

Vielleicht hat ja der eine oder andere jetzt ne Menge Fragen, also immer raus damit.

Viele Grüße,

Stefan
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon Kuddel » So 1. Nov 2015, 23:40

*hiermitinteressebekunde*
Ich finde sowas immer wahnsinnig spannend. Quasi Urban Exploring der etwas anderen Art.
War das Reiseziel von vorneherein geplant oder hatte es sich zufällig ergeben?
Gruß
Kuddel
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon SMD_Stefan » So 1. Nov 2015, 23:52

Moin Kuddel,

jup, das ist praktisch Urban Exploring in einer extremen Form. Viel verlassener geht es wohl kaum...

Ich habe mich schon länger mit Tschernobyl beschäftigt, aber erst im März diesen Jahres ist mir in den Sinn gekommen mal zu gucken ob es möglich ist dort hin zu fahren - ich hatte noch keinen Sommerurlaub geplant und noch ne Menge Urlaubstage übrig... Über Google findet man diverse Reiseanbieter, die ich hier jetzt nicht auflisten möchte. Nach etwa 1-2 Monaten intensiverer Planung hatte ich dann alles organisiert, sprich Direktflug nach Kiew, Unterkunft in Kiew, Transport vom Flughafen zur Unterkunft, 2 tägige Stadtführung in Kiew, und den Ausflug.

Zu Kiew selber: Ein Besuch dort für 2 Tage lohnt sich in jedem Fall. Ich habe mich dort auch als offen erkennbarer Tourist sehr sicher gefühlt (Kamera immer gezückt), und mein Stadtführer konnte mir eine Menge geschichtliches zeigen (Majdan-Platz, diverse Museen, Kirchen, die wichtigsten Gebäude, das Olympiastadion, div. Austellung zu den Kriegen, an denen die ehemalige Sowjetunion beteiligt war,...). Leider sprechen in der Ukraine nur sehr wenig Leute Englisch, so dass eine Verständigung dort nur stark eingeschränkt möglich ist (Edit: abgesehen von meinem Reiseführer, der sehr gut Englisch sprach). Wer Russisch kann ist hier klar im Vorteil, das wird neben Ukrainisch sehr viel gesprochen, auch trotz der angespannten Situation. Ansonsten würde ich immer zu einem Reiseführer raten, insbesondere wenn man in kurzer Zeit viel sehen will. Ich habe alles vorab per Email klären können, und der Kontakt war hervorragend.

Viele Grüße
SMD_Stefan
 
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon uxlaxel » Mo 2. Nov 2015, 17:16

hallo stefan,
ich finde die bilder und den bericht auch sehr spannend, bitte mehr davon :)
lg axel
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon Heaterman » Mo 2. Nov 2015, 17:56

Find ich auch extrem spannend, besonders den gigantischen Woodpecker.

Im Funkamateur 10/2015 gab es einen Bericht über den aktuellen Zustand des Woodpeckers. Da organisert sogar einer Reisen dorthin:

Pripjat-Forum

Der Kollege Reiseorganisator hat das Ding auch selbst bestiegen:

hier lang

Nix für schwache Nerven...
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon SMD_Stefan » Mo 2. Nov 2015, 19:32

Freut mich dass es euch gefällt :) Dann mach ich hier mal weiter....

Zum Woodpecker zurück:

Der Woodpecker verfügt über eine grandiose Symmetrie. Direkt darunter kann man kaum glauben wie riesig das Teil ist. Schwer interessant sind auch die Windgeräusche, die bereits bei sehr schwachem Wind deutlich zu hören sind.
Bild

Parallel zum Woodpecker verläuft ein Gebäude, mit einem Gang der genauso lang ist:
Bild

In diesen Räumen standen riesige Racks, die wohl für jede Antenne eine Detektions/Verstärkereinheit beinhaltete. Auf dem Boden sind teilweise offene Kabelschächte, so dass man tierisch aufpassen muss nicht hinein zu fallen und sich das Bein an einem der vielen rostigen Kabelhalter aufzureissen:
Bild

Das hier muss wohl eine der "Kommandozentralen" gewesen sein, sprich eine der Leitwarte von denen die Anlage aus bedient wurde:
Bild

Immer wieder finden sich igoristisch-pompöse Relikte der Sowjetzeit:
Bild

Hochspannung, Lebensgefahr!
Bild

Selbst auf den Dächern der Station wachsen inzwischen Bäume:
Bild

Einer der ehemaligen Schulungsräume für das Bedienpersonal mit Schalttafeln, an denen verschiedene Übungsszenarien durchgespielt werden konnten:
Bild

Ein spannender Anblick: wenn durch die geplünderte Fronttafel das Licht von draussen fällt, sieht es so aus als wäre die Anlage noch in Betrieb:
Bild

Das Modell der Erde, mit dem den Schülern die Funktion der Station erklärt wurde:
Bild

Das wars fürs erste, melde mich später wieder wenn ich vom Sport zurück bin ;)
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon ferdimh » Mo 2. Nov 2015, 20:49

Geil ;-)
Immer wenn ich diese Anlage sehe oder von ihr höre, kommt mir die Idee, diese für Afuzwecke zu reaktivieren. Das wäre mal ne Station mit der man wirklich was reißen könnte. Bei entsprechendem Beamforming müsste man mit mW-Sendeleistungen (zumindest pro Antenne) jeden Fleck der Erde erreichen können.
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon Mista X » Mo 2. Nov 2015, 22:19

Wundervolle Igortechnik!

Was ich nur immer schade finde sind Vandalen die sinnlos alles zerstören weil es für sie keinen Wert darstellt.
Einen Bastler der sich einige Racks einsackt um diese zu verbasteln kann ich ja noch verstehen warum er dies tut, aber das.... naja...
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon SMD_Stefan » Mo 2. Nov 2015, 22:58

ferdimh hat geschrieben:Geil ;-)
Immer wenn ich diese Anlage sehe oder von ihr höre, kommt mir die Idee, diese für Afuzwecke zu reaktivieren. Das wäre mal ne Station mit der man wirklich was reißen könnte. Bei entsprechendem Beamforming müsste man mit mW-Sendeleistungen (zumindest pro Antenne) jeden Fleck der Erde erreichen können.


Die Anlage war ja damals auf 10MW ausgelegt, daher auch die Nähe zum AKW. Allerdings muss man dazu sagen dass dies nur den Empfangsteil darstellt - einmal die große Antenne für den LW-Bereich und die etwas kleinere für MW. Die verbratene Leistung ist dabei quasi nur für die Befeuerung der Verstärker und der sonstigen Elektronik notwendig gewesen. Der Sender steht an einem ganz anderen Ort...

Mista X hat geschrieben:Wundervolle Igortechnik!

Was ich nur immer schade finde sind Vandalen die sinnlos alles zerstören weil es für sie keinen Wert darstellt.
Einen Bastler der sich einige Racks einsackt um diese zu verbasteln kann ich ja noch verstehen warum er dies tut, aber das.... naja...

Nachdem die Anlage aufgegeben wurde, ist ein Großteil der Technik zurückgebaut worden und an anderer Stelle wieder montiert worden bzw. verschrottet worden, da es nicht mehr zum aktuellen Stand der Technik gehörte. Schon während ihres Betriebs musste die Technik dort modernisiert werden, um präziser messen zu können.
Man muss zu den Plünderungen leider sagen, dass die Ukraine ein vergleichsweise armes Land ist. Das heißt alles, was noch irgendwie verwertbar ist, wurde von dort mitgenommen. Gleiches gilt für die Stadt Pripyat. Ich habe dort keine Wohnung und kein Haus gesehen, das nicht aufgebrochen und geplündert wurde. Alles aus edleren Metallen wie Messung und Kupfer ist dort demontiert worden, teilweise die Kabel aus den Wänden gerissen, Schalter und Steckdosen abgeschraubt. Wer kaum was verdient und verzweifelt ist, dem sind "Kulturschätze" und igoristische Technik wurscht.

Ein Beispiel für diese Plünderung ist hier in einem Wohnhaus der Ofen, bei dem die Herdplatten ausgebaut und auf dem Schwarzmarkt verscherbelt wurden:
Bild

Ein aufgebrochener Aufzugsschacht in Pripyat, die Kabel wurden an der Wand abgerissen und soweit möglich mitgenommen:
Bild

Blick vom Hochhaus auf das Kraftwerk. Die bogenförmige Konstruktion ist die immer noch im Bau befindliche neue Reaktorschutzhülle. Ganz hinten rechts im Nebel zu erahnen ist die riesige Schaltanlage. Im übrigen: Wer sich wundert dass der Schornstein auf dem Dach von Reaktor 3+4 anders aussieht, dies ist nicht mehr der originale. Im Jahr 2013 wurde der zurückgebaut und gegen einen kleineren getauscht.
Bild

Dies ist die Bauruine von Reaktorblock 5+6. Diese sollten komplett identisch zu Block 3+4 aufgebaut werden, also ebenfalls als RBMK-1000. Die Baustelle wurde nach 1986 (laut Wikipedia am 1.1.1988) aufgegeben. In Planung befanden sich meinen Informationen nach noch weitere Reaktorblöcke, bnin mir grad nicht mehr sicher ob es insgesamt bis zu 10 oder 12 in Summe mit den bereits vorhandenen werden sollten.
Bild

Die Reaktoren 1-4 wurden direkt über den Fluss gekühlt. Für 5+6 waren zusammen 2 Kühltürme geplant und in der Bauphase, als das Unglück passierte. Dies hier ist die Ruine des fortgeschritteneren:
Bild

Die oben angebrachten Gerüste sind aus Holz und lassen sich ganz schön hängen. Nicht mehr lange, dann kommen die runter...
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Über diese gigantischen Rohrleitungen sollte das heiße Wasser verteilt und in die Beregnungsanlage gelangen. Soweit ich mich erinner (mein Besuch in ISAR-2 ist schon ein paar Tage her) verdampfen dann etwa 50% des eingeleiteten Wassers, während die andere Hälfte wieder zur Kühlung des Reaktors abgepumpt werden kann.
Bild
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon Bzzz » Di 3. Nov 2015, 03:07

Ich werfe mal zur Ergänzung (nicht zur Sabotage) den Youtube-Channel von bionerd ein -> https://www.youtube.com/user/bionerd23/videos
Praktisch alles Bildmaterial kannte ich jedenfalls schon von dort. Die ist z.B. auch auf den Woodpecker gestiegen, hat die riesigen Welse in den Kühlwasserzuflüssen gefüttert und wurde im AKW herumgeführt. Die letzten Videos mit den bekloppten Radlern einfach mal ignorieren.
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon BernhardS » Di 3. Nov 2015, 13:41

SMD_Stefan hat geschrieben:Über diese gigantischen Rohrleitungen sollte das heiße Wasser verteilt und in die Beregnungsanlage gelangen. Soweit ich mich erinner (mein Besuch in ISAR-2 ist schon ein paar Tage her) verdampfen dann etwa 50% des eingeleiteten Wassers, während die andere Hälfte wieder zur Kühlung des Reaktors abgepumpt werden kann.

1-2% verdampfen. Die 98% kühlen den Turbinenkondensator.
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon Niklas_R » Di 3. Nov 2015, 23:39

Mista X hat geschrieben:Einen Bastler der sich einige Racks einsackt um diese zu verbasteln kann ich ja noch verstehen warum er dies tut, aber das.... naja...


Nichtmal das würde ich tun. Ich würde überhaupt grundsätzlich von dort nichts mitnehmen, denn das war alles mal einer tödlichen Dosis Strahlung ausgesetzt. Auch wenn es mittlerweile auf ein ungefährliches Maß gesunken ist, könnte mir keiner garantieren, dass da jetzt wirklich nichts strahlt, an dem, was ich mitnehme.

Der Woodpecker wurde ja außer Betrieb genommen, weil unter anderem die Lüftung radioaktive Luft und Staub eingesogen hat und dadurch viele Geräte unbrauchbar machte und somit die ganze Anlage. Den Staub hat ja mit Sicherheit nie jemand weg gemacht..
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon Bzzz » Mi 4. Nov 2015, 00:00

Niklas_R hat geschrieben:Nichtmal das würde ich tun. Ich würde überhaupt grundsätzlich von dort nichts mitnehmen, denn das war alles mal einer tödlichen Dosis Strahlung ausgesetzt. Auch wenn es mittlerweile auf ein ungefährliches Maß gesunken ist, könnte mir keiner garantieren, dass da jetzt wirklich nichts strahlt, an dem, was ich mitnehme.


Dir ist schon klar, dass man sowas messen kann, ja? :o

Ansonsten bitte insbesondere den Bananenkonsum sofort einstellen (Kalium 40), Wasserkonsum ist wegen Tritium zu vermeiden, und grade in der Luft des Bastelkellers lauert tödlich strahlendes Radon.

Weitere Zeilen meinerseits würden nur weiter ins OT führen, wir sind doch hier nicht auf ner Tagung der Grünen...
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon Niklas_R » Mi 4. Nov 2015, 00:28

Bzzz hat geschrieben:Dir ist schon klar, dass man sowas messen kann, ja? :o


Doch klar, aber wer ist schon im Besitz eines Dosimeters? Ich jedenfalls nicht. ;)

Ja ein Wunder das die Menschheit noch existiert :mrgreen:
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon Bzzz » Mi 4. Nov 2015, 01:01

Ich glaub nicht, dass SMD_Stefan ohne ein (kleines) Rudel Dosimeter überhaupt in die Sperrzone gelassen wurde. Jedenfalls wenn er da offizielle Wege beschritten hat und sich nicht quer durch die Pampa geschlagen und/oder übermäßig viel Schmiergeld dort gelassen hat. Zertifizierter Reiseführer hört sich aber eher nach offiziellem Besuch an.
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon SMD_Stefan » Mi 4. Nov 2015, 01:10

Bzzz hat geschrieben:Ich glaub nicht, dass SMD_Stefan ohne ein (kleines) Rudel Dosimeter überhaupt in die Sperrzone gelassen wurde. Jedenfalls wenn er da offizielle Wege beschritten hat und sich nicht quer durch die Pampa geschlagen und/oder übermäßig viel Schmiergeld dort gelassen hat. Zertifizierter Reiseführer hört sich aber eher nach offiziellem Besuch an.


So ist es :) Also offizieller Besuch, kein Schmiergeld ;) Die Dosimeter machen übrigens einen Heidenlärm. Spannend ist auch die sehr volatile Verteilung der Kontamination. Wenn man vom Ortsschild Pripyat, das etwas außerhalb der Stadt steht, etwa 500-1000m weiter fährt Richtung Kraftwerk (Schaltanlagenseite) kommt man am roten Wald vorbei. Am Ortsschild ist alles in Ordnung, nach 500m rastet das Dosimeter völlig aus... Auf Höhe der Schaltanlage beruhigt sich das Gerät dann wieder. Die Fenster vom Fahrzeug mussten natürlich geschlossen bleiben und unser Fahrer hat ordentlich Gas gegeben, damit wir nicht zu lange in diesem wohl am Höchsten kontaminierten Bereich verweilen mussten.

Niklas_R hat geschrieben:
Bzzz hat geschrieben:Dir ist schon klar, dass man sowas messen kann, ja? :o


Doch klar, aber wer ist schon im Besitz eines Dosimeters? Ich jedenfalls nicht. ;)

Ja ein Wunder das die Menschheit noch existiert :mrgreen:


Ich denke es ist jedem davon abzuraten, etwas aus der Sperrzone mit zu nehmen. Das ist zum einen durch die Behörden verboten und kann empfindliche Strafen nach sich ziehen (die sich sicherlich durch eine entsprechende "Spende" umgehen lässt), und zum anderen - was ist nach 30 Jahren noch zu gebrauchen, wenn es schutzlos den Elementen ausgesetzt war? Davon abgesehen, soweit ich das beurteilen kann war das, was noch zu finden war, ohnehin absoluter Müll - die Einheimischen waren da sehr gründlich. Klar haben so manche Racks oder Schalttafeln mit igoristisch anmutenden Schaltern und Lampen für unsereins eine besondere Faszination, aber ich glaube dafür gibt es weitaus bessere Quellen.
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon SMD_Stefan » Mi 4. Nov 2015, 01:13

BernhardS hat geschrieben:
SMD_Stefan hat geschrieben:Über diese gigantischen Rohrleitungen sollte das heiße Wasser verteilt und in die Beregnungsanlage gelangen. Soweit ich mich erinner (mein Besuch in ISAR-2 ist schon ein paar Tage her) verdampfen dann etwa 50% des eingeleiteten Wassers, während die andere Hälfte wieder zur Kühlung des Reaktors abgepumpt werden kann.

1-2% verdampfen. Die 98% kühlen den Turbinenkondensator.


Oh, danke für die Info. Da lag ich weit ab von gut und böse...
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon Mista X » Mi 4. Nov 2015, 13:50

Das mit dem Racks mitnehmen war auf andere Ruinen bezogen, aus Tschernobyl würde ich auch nichts mitnehmen oder haben wollen.

Dosimeter ... gabs da nicht einen Bausatz von Pollin?
Halt das Ding mal an eine Armbanduhr aus den 60er / 70er Jahren mit Leuchtziffernblatt... :mrgreen:

Es gibt noch mehr so abgestellte und verlassene Militärgerätschaften. Mir geistert grad ein ganzer Tross an LKWs und Panzerfahrzeugen durch den Kopf vollgestopft mit feinster High Tech Russentechnik... (High Tech der 80er Jahre)
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon herr Schaft » Mi 11. Nov 2015, 18:01

Stefan, du hast keine Ahnung, wie weit mir der Mund offensteht. Danke!
Die alte Zentrale ist die Art von Igorismus die ich in meinem Bunker Brauch.
Wunderbare Bilder.
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon SMD_Stefan » Do 12. Nov 2015, 01:21

herr Schaft hat geschrieben:Stefan, du hast keine Ahnung, wie weit mir der Mund offensteht. Danke!
Die alte Zentrale ist die Art von Igorismus die ich in meinem Bunker Brauch.
Wunderbare Bilder.


Freut mich dass es dir gefällt :) Hier extra für dich noch zwei kleine Schmankerl (Igor-Pr0n):

Bild

Bild
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon Name vergessen » Sa 14. Nov 2015, 03:52

Hey, das sind ja mal schicke Bilder, danke! Da darf man einfach so in normalen Klamotten rumrennen statt in Vollschutz? Hätte ich jetzt nicht gedacht!
SMD_Stefan hat geschrieben:Ich denke es ist jedem davon abzuraten, etwas aus der Sperrzone mit zu nehmen. (...) die Einheimischen waren da sehr gründlich.
Deshalb ist mir auch immer etwas mulmig, wenn ich "russischen" NOS-Krempel (Anzeigeröhren z.B.), bzw. überhaupt Dinge mit kyrillischer Beschriftung, sehe. Wer weiß schon, wo das wie lang rumgelegen hat, bis man's bei Egay eingestellt hat?

BTW, das mit den Uhren geht aber nur, wenn man das Glas abmacht, denn das ist ja nur Alpha-Strahlung. :)

Die Antenne nehme ich aber mal als Hintergrundbildchen. :)
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon uxlaxel » Sa 14. Nov 2015, 11:51

Niklas_R hat geschrieben:Doch klar, aber wer ist schon im Besitz eines Dosimeters? Ich jedenfalls nicht. ;)


Nicht? Wir haben 2. Ein kleines für die Tasche und ein größeres (Größe fast wie Ziegelstein)

Unsere Familie hat ja von '87-92 in Moskau gelebt (Aussenhandel der DDR) und da legt man sich sowas halt zu. Die höchsten Strahlungswerte hat mein Vater nicht in Kiew oder Novosibirsk, sondern auf einem Transatlantikflug gemessen, die höchsten Werte auf festem Boden in Österreich auf den Bergen. (Wanderung in die 4tausender)

Dennoch würde ich vor Souvenir-Sammeln mal das Dosimeter verwenden. Gerade bei radioaktiver Strahlung gibt es unerklärlicherweise "Hotspots". Aber auch hierzulande Ecken, wo es unerwartet kritisch sein könnte. Wer kennt was über Atomunfälle in Deutschland?
Brand der Uranmaschine
Beitrag dazu in der Duröhre
Also es ist auch möglich, beim Urbexen sich in DL was einzufangen, ohne es zu erahnen. Ob die Hinterlassenschaften der GSSD (Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland) immer auch unbedenklich sind, mag ich auch nicht glauben. Schließlich waren in der DDR SS20-Reketen mit Atomsprengköpfen stationiert...

LG Axel
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon Kuddel » Sa 14. Nov 2015, 12:18

Weißt Du noch, wie hoch die Werte jeweils waren?
Gruß
Kuddel
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon uxlaxel » Sa 14. Nov 2015, 12:47

uff, da muss ich mal gut nachdenken.

aktuell habe ich soeben 0,14µSv/h gemessen. aus dem dosimeter fiel ein zettel von meinem vater, wo er nach fukushima diesen wert auch immer wieder gemessen hat. der wert zwischen 0,14 und 0,17µSv/h ist hier ziemlich konstant.
in moskau haben wir glaube sowas um 0,22 bis 0,25µSv/h gemesssen. das ist aber nun schon über 23 jahre her und ich war noch nicht mal teenager.
in ösiland sind wir glaube auf 0,40 gekommen, bitte mache mich aber an den zahlen jetzt nicht fest. auf hohen bergen hat man aber eine deutlich höhere natürliche radioaktivität, denn man ist ja der atmosphäre deutlich näher.

stimmen die werte? habe ich richtig abgelesen? die bedienungsanleitung ist russisch und ich verstehe etwa 1% der zusammenhänge dieser sprache.
das "große" dosimeter ist ein RKSB104, das kleine hat mein vater sicher wieder mit auf dienstreise in china.

lg axel
Zuletzt geändert von uxlaxel am Sa 14. Nov 2015, 13:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mein igoristischer Urlaub in Tschernobyl

Beitragvon Chemnitzsurfer » Sa 14. Nov 2015, 13:04

Werde mir wohl auch mal eins zulegen ( Meine Mutter (Schilddrüsenkrebs, die Schilddrüse wurde schon entfernt) bekommt im Dezember ne Iod 131 Tablette im Krankenhaus und muss dann solange dort bleiben, wie der Geigerzähler in 2m Entfernung weniger wie 3,5µS/h anzeigt :| )
https://de.wikipedia.org/wiki/Radiojodtherapie#Entlassung_nach_der_Therapie
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