Mal ne philisophische Frage

Wenn das Irrenhaus überfordert ist

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Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Hightech » Fr 9. Jun 2017, 18:35

Ich hab heute eine billige Ap-Doppelsteckdose montiert und mich grandios über diese billig Scheiße aufgeregt.
Aber ich bin ja selber schuld das ich diesen Mist gekauft habe.

So gingen die Gedanken weiter:

Wie sähe eine Welt aus in der es keine Billig-Scheiße gibt, sondern nur AP-Steckdosen wie die von Busch-Jäger ?

Oder z.B. in der der Fernseher garantiert 20 Jahre ohne Probleme läuft.
Und wo Autos auch 20 Jahre (wie mein alter Ford z.B.) lang ohne gravierende Mängel über den TÜV kommen.
Alles heute Problemlos möglich. Es wäre auch nicht teurer, weil kein Geld für Billig-Scheiße und ständigen Neukauf ausgegeben würde.

Aber in dieser Welt, wo alles Qualität, Langlebigkeit und Wertigkeit hat, was macht da der Frickler ?
Es gibt nix zu frickel, es läuft ja eigentlich alles.
Die Sachen werden auch immer repariert, denn es lohnt sich immer.

Ich meine "früher" war das oft so, in den 60er, 70er bis in die 80er. Der billig Ramsch kam so langsam.

Heute kann man sich leider auf nichts verlassen.
Nur weil etwas teuer ist und wertig ausschaut heißt das ja lange nicht das es sein Geld wert ist.

PS: Ist ne retorische Frage ;)
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon zauberkopf » Fr 9. Jun 2017, 19:27

He he.. also.. damals(tm)..
Also vor rund 30 Jahren.. da kann ich mich noch gut daran erinnern, wie ich von meinem Taschengeld so gut wie nix kaufen konnte.
Das war auch einer der Gründe, warum ich dann ziemlich komplett auf EDV-Technik umgestiegen bin, weil die versuche auf dem C64er kostenlos waren.
(Softwarefrickeln)
Dank der Wende, kam dann ein kostenloser Robotron EC-1834 zu mir... und damit der einstieg in die PC Welt.
Heute kämpfe ich mit einem Ausufernden Teilelager..

Allerdings ist die Frage von erheblicher Bedeutung.
Immer weniger Menschen produzieren immer mehr Güter.
Die z.Z. noch Gottseidank relativ schnell wieder neu gekauft werden.
Einige der Dreckseffekte sind interessant :
z.B. bei Lebensmitteln.
Lebensmittel die hier ja preislich ganz unten sind ( im vergleich) werden schnell von den Händlern bei geringsten Mängel aussortiert, und kostenpflichtig entsorgt.
"Lebensmittelretter" können also den Händlern einen gefallen tun, wenn sie diese einfach abholen, und in ihrem Magen vernichten...
(2 Paletten Ayran.. ich kanns kaum noch sehen.. überall in meine Bude habe ich gerade Chillis hängen.. es ist der Wahnsinn. )

Nun... und es gibt noch mehr solcher Effekte.
Meine Vermutung ist, das wir was Ethik und Wirtschaften angeht, der Technologie hinterher hinken.
Ich zitiere mal Einstein :
Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem die Technologie unsere Menschlichkeit übertrifft. Auf der Welt wird es nur noch eine Generation aus Idioten geben.



Heute kann man sich leider auf nichts verlassen.

Tja.. das hat auch was damit zu tun..
Ich erinnere mich noch an eine Diskussion mit einem QM-Auditor, der damals meinte, das wie alle mehr Verantwortung übernehmen müssten.
Ich war total fassungslos, weil ich schon total aus dem letzten Loch pfiff..
Aber irgendwann kapierte ich, das ich nicht gemeint war.
Im gegenteil : Mir wurde sogar vorgehalten, das ich doch bescheuert sei, wenn ich mich hier und da engagiere.. ja Verantwortung übernehmen will.
Letztens sass ich bei meinem Nachbarn beim Tee und es lief eine Dokumentation zur Lohngerechtigkeit.
Laut einer Umfrage sind höhere Löhne Okay bei entsprechender Ausbildung, etc..
Es wurde auch das Beispiel eines Piloten genannt.
Das einzigste was komplett gefehlt hatte, an der "alternativen" Lohngestaltung war die Vergütung der Verantwortung.
Gerade bei Piloten,Busfahrern, Servicetechnikern..
Was stattdessen gepredigt wird, ist so ekelhaft.. das ich es hier mal lasse..

PS: Ist ne retorische Frage ;)

Sorry.. dem Philosoph ist nichts zu doof.
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Hightech » Fr 9. Jun 2017, 19:41

Der Witz am Lohn ist ja, jeder Job ist wichtig und sollt ordentlich bezahlt werden.
Wenn die Putzfrau nicht sauber macht ist die schöne Welt des schicken Business schnell dahin.

Eine besondere Vergütung sollten die Personen bekommen, welche eine hohe Verantwortung gegenüber Menschen und Menschenleben haben.

Pfleger, Arzthelfer, Ärzte, Hygienekräfte, AKW-Bedienpersonal, Fluglotsen usw.

aber ich lass es lieber, das artet nur aus ;)
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon zauberkopf » Fr 9. Jun 2017, 20:23

Um Technisch zu bleiben..
.. Verantwortung und Technik... wir sehen ja immer öfter wo IoT geräte eben nicht gewartet werden.
d.H. Verantwortungslose "intelligente" vernetzte Technik, macht mittlerweile einen ähnlichen dünnschiss, wie wir Menschen.
Je mehr davon im Netz sind, desto schlimmer die Auswüchse.
Was wir nie wirklich wahrhaben wollen, ist das unsere Spezies, Sozial (Vernetzt) ist.
Ganz alleine bringen wir nix auf die Kette. Wir alleine können nicht aus den Rohmateriealien Eisenerz, etc.. mal eben ein Auto bauen.
Im gegenteil.. wir würden eher Selbstmord begehen.

Auf der anderen seite.. das ganze wird schon langsam auch wieder unfreiwillig komisch.
Wenn Erwachsene Menschen ihr Glück und Status an ein auf den ersten Blick flaches Teil ausmachen.
Oder sich streiten, ob das eine kleine brettchen besser als das andere ist..

Der gröste Jammer aber ist, das Douglas Adams nicht mehr unter uns weilt..
Digitaluhren.. wirken irgendwie so... fern.
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon video6 » Fr 9. Jun 2017, 20:56

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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Julez » Fr 9. Jun 2017, 21:24

Oder z.B. in der der Fernseher garantiert 20 Jahre ohne Probleme läuft.

Wer will heute noch irgendeine Unterhaltungselektronik, die 20 Jahre alt ist?

Klar kann man alles so bauen, dass es abartig lange hält, aber dann wäre es erstens teurer weil man viel hochwertigere Komponenten nehmen müsste, es wäre teurer weil man weniger davon verkauft weil die Nachfrage kleiner wäre (das alte Zeug würde ja noch funktionieren), und es wäre teurer weil man keine Ersatzteile verkauft.
Mercedes hat ja kurzzeitig mal, so um W124 rum, so hohe Qualität gebaut dass die fast dran pleite gegangen wären, hab ich gelesen.
So. Und bevor ich mir ein Auto für 60.000€ hole, was auf 20 Jahre ausgelegt ist, kauf ich mir lieber eins für 20.000€, was für 10 Jahre ausgelegt ist. Und hab dann 40.000€ übrig, die ich 10 Jahre lang anlegen kann, oder zur Verfügung habe in Notzeiten.
Ich mach's natürlich privat anders: Ich hol mir fürn Taui ein 20 Jahre altes Auto, was aber noch 10 Jahre halten wird bei guter Pflege.

Man hat also durchaus die Möglichkeit, sich selber privat mit Sachen zu versorgen die dem eigenen (sinnvollen) Anspruch an Haltbarkeit entsprechen, man muss sich bloß schlau machen.
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Gobi » Fr 9. Jun 2017, 21:48

Die Frage ist halt, kann das immer so weiter gehen, sprich: das Rad immer schneller drehen? Wir verbrennen gerade wahnsinnige Ressourcen und dem 08/15 Konsumenten ist es egal. Hauptsache bilig. In Wahrheit besitzen wir alle unvorstellbar viel und vergleichsweise hochwertigen Kram, weil er so billig ist. Die Generation meiner Eltern hätte es sich z.B schlicht nicht leisten können, ihre Wohnzimmereinrichtung alle paar Jahre zu erneuern.
Ich glaube aber, das wir langsam an einen Punkt kommen, wo sich das Rad nicht mehr schneller drehen lässt, man kann nur noch etwas Flitter drauf kleben. Nicht mal Apple fällt was neues ein, was ihrer Popularität im Moment leider noch keinen Abruch tut.

Zurück zum Frickeln: ich glaube, es gibt IMMER Potenzial dafür, die Frage ist eher ob es auch Intersse daran gibt- kann ich im Freundeskreis meiner Tochter nicht erkennen - schön, daß es hier einige Junge gibt!
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon zauberkopf » Fr 9. Jun 2017, 22:03

Zurück zu, Frickeln: ich glaube, es gibt IMMER Potenzial dafür, die Frage ist eher ob es auch Intersse daran gibt- kann ich im Freundeskreis meiner Tochter nicht erkennen - schön, daß es hier einige Junge gibt!

Keine Panik : Frickler musste man schon immer mit der Lupe suchen.. ;-)
Einmal.. auf dem Gymnasium für vertiefte Musikalische Ausbildung.. war ich sogar weit und breit der ein zigste.

Die Generation meiner Eltern hätte es sich z.B schlicht nicht leisten können, ihre Wohnzimmereinrichtung alle paar Jahre zu erneuern.

Das wirft bei mir dauernd die Frage auf : Macht es einen wirklich glücklich/zufrieden, das überhaupt zu tun ?

z.B. der effekt : Ausuferndes Teilelager... das beobachte ich nicht nur bei mir.
.. ich scheine sogar noch harmlos zu sein.
Aber es scheint ein Muster zu geben : Menschen sind unter Druck.. und es sammelt sich an.
Bei mir ist es mittlerweile gottseidank so, das es langsam wieder in die andere Richtung geht..
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon TDI » Fr 9. Jun 2017, 22:16

Julez hat geschrieben:
Oder z.B. in der der Fernseher garantiert 20 Jahre ohne Probleme läuft.

Wer will heute noch irgendeine Unterhaltungselektronik, die 20 Jahre alt ist?



Ja, das kann ein Problem werden. Mein alter Toshiba (Made in England) ist in etwa so alt und läuft seit dem ohne Ausfälle.
Der hat 81cm 16:9 Diagonale, 100Hz und Dolby Surround.
Qualität hatte damals seinen Preis. Als Ausstellungsstück 2500 Mark bei ~45Mark/kg.

Und nun? Beim Fußball erkennt man nicht mehr wer gegen wen spielt und wie es steht.
Ich warte darauf, dass die Kiste kaputt geht. Aber irgendwie will sie das nicht.
und wenn doch? Export auf die große nigerianische Recycling-Anlage? Lässt sich das verhindern?
Hm... :?
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon xanakind » Fr 9. Jun 2017, 22:22

Julez hat geschrieben:
Oder z.B. in der der Fernseher garantiert 20 Jahre ohne Probleme läuft.

Wer will heute noch irgendeine Unterhaltungselektronik, die 20 Jahre alt ist?

Stimmt leider.
Und spätestens nach 5 Jahren werden neue Standards eingeführt und das alte Gelumpe ist dann Schrott. Bestes Beispiel ist aktuell das DVBT-2.

Ich habe mir übrigens noch nie einen neuen Fernseher gekauft!
Ich hab die Immer endweder vom Schrott gezogen oder für ganz wenig Geld bekommen.
Aktuell habe ich einen alten 40" Samsung LCD, welcher mal ein Werbedisplay war.
kein Tuner, keine Lautsprecher, kein Standfuss und Kratzer im Panel.
Da mir aber am Fernsehen nichts liegt, bzw. auf dem Teil fast kein "echtes" Fernsehen läuft, ist mir das völlig wurscht.
Aber das ist ein andres Thema.

Der Billigkram hat aber auch einen Vorteil:
Viele Projekte enthalten billigen Chinakram, den ich sonst nicht bekomme.
Oder man kann man eben etwas kaufen, nur um es zu schlachten oder irgendwo einzubauen :D
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon andreas6 » Fr 9. Jun 2017, 22:29

Den letzten Röhrenfernseher (Philips) habe ich vor einigen Monaten in der Garage geparkt. Hat 5 Av-Eingänge, tat hier lange Zeit tadellos den Dienst. Die neue flache Kiste kann zwar auch alles, aber Audio ist eher sehr dünn und scheppert bei mehr Leistung. Früher konnte ich das Dorf akustisch komplett versorgen, heute reicht es knapp fürs Wohnzimmer.

MfG. Andreas
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Toddybaer » Fr 9. Jun 2017, 22:32

Wenn alles immer länger hällt, dann haben immer weniger Menschen was zu tun....

Schaun wir uns doch mal in der Natur um. Kirschblüte, Verschwendung und Kurzlebigkeit PUR. Und im nächsten Jahr geht alles wieder neu los....

Es muss alles in Bewegung bleiben, sonst bleibt alles stehen
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Hightech » Fr 9. Jun 2017, 23:02

Toddybaer hat geschrieben:Wenn alles immer länger hällt, dann haben immer weniger Menschen was zu tun....

Schaun wir uns doch mal in der Natur um. Kirschblüte, Verschwendung und Kurzlebigkeit PUR. Und im nächsten Jahr geht alles wieder neu los....

Es muss alles in Bewegung bleiben, sonst bleibt alles stehen

Das ist aber aus dem Wirtschafts-Bullshit-Bingo !!

Die Natur kennt keine Verschwendung ! Alles hat einen tieferen Sinn und hat sich in Milliarden Jahren so entwickelt.

Dieser Wirtschaftswahnsinn: alles muss neu, kein Wachstum ist minus-Wachstum usw. treibt die Welt in den Ruin.

Mal kurz zusammen gefasst, was ich beobachtet habe:
Die Industrie produziert Dinge, die eigentlich (zu dem Preis) nicht möglich sind:
Ein Smartphone, fair und umweltfreundlich würde das doppelte bis dreifache Kosten und die Konzerne müssten beim Gewinn Abstriche machen.
Also wird das Unmögliche gemacht, scheiß auf Menschenrechte, scheiß auf Natur und Umwelt. Dann ist der Gewinn hoch und der Preis niedrig und es kann fröhlich weiter gemacht werden.
Das gilt für Lebensmittel so wie für Kleidung und alles weitere aus der Industrie.
Die Lebensmittel beim Aldi&Co können zu dem winzigen Preis weder Umweltgerecht, Tier-freundlich noch Menschenfreundlich hergestellt werden.

Das es auch anders geht zeigt z.B.
Manomama
Alles Made in Germany !
Es geht, nur kann man damit keine fetten Gewinne machen. Aber nur so funktioniert die Industrie, ohne Gewinn kann die Industrie angeblich nicht überleben.
Und die Industrie ist gezwungen jedes Jahr die Gewinne um mindestens 5% zu steigern, sonst ist es ein Verlustjahr.
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Heaterman » Sa 10. Jun 2017, 03:36

Da ist eine Menge Wahres dran, denn leider versteht der "herkömmliche" Kapitalist sein Geschäft genau so, wie geschildert. Er strebt immer höheren Gewinn an. Er muss Gewinn machen, sonst kann er nicht entwickeln und investieren, gute Leute einkaufen usw. Dazu zählt dann eben auch das Generieren von Kapital, die Teilhaber wollen Dividende. Soweit alles OK. Andere Wirtschaftsmodelle haben versagt und werden versagen. Auch der rot gestrichene Kapitalismus in China ist eben solcher, und zwar von der ganz schlimmen Sorte.
Das böse Wort heißt eben Gier, und wie das ausgeht, hat der olle Marx hinreichend beschrieben. Und es ist eben der Unterschied, wer den Laden führt: zugekaufter Manager oder Inhaber - positives Beispiel: der Trigema-Affenbändiger.
Genau auf den Marxschen Absturz steuern wir auf vielen Ebenen zu, das hat Hightech richtig beschrieben.

Wachstum kann man aber auch anders realisieren, Silikon Valley machts vor, und das erleben einige Industrien gerade: der Zwang zur intelligenten und flexiblen Produktion mit neuem Denken generiert zwar weniger benötigte Arbeitskräfte, dafür aber neue Betätigungsfelder für diese, wenn sie selber mitspielen (können).
Und Chancen für die Unternehmer, mal wieder innovativ zu sein, wie in den Gründerzeiten. (Zugekaufte) Manager sind zumeist nur innovativ, wenns um ihre Boni geht. Sie denken nicht in längeren Zeiträumen, sie denken an Optimierung. Ausnahmen sind eher selten.

Oder die Schlacht derzeit um das Thema Elektromobilität (wobei hier viiiiel Ideologie/Demagogie im Spiel ist): Ohne den Dieselskandal, der beinahe die teure Vollbremsung für den Diesel (-Besitzer) geworden wäre, hätten sich doch Firmen wie Daimler und VW niemals bewegt, bevor das Öl irgendwann tatsächlich alle gewesen wäre. Dazu kommt der staatliche Druck im weltgrößten Absatzmarkt. Dass die Ingenieure das Wissen fertig in der Schublade haben, wissen ja alle - das will aber keiner, erst, wenn Not am Mann ist. Oder woher stammt z. B. das KnowHow der über Nacht aus dem Boden gstampften Batteriefabriken in Kamenz und umzu?

Wandel statt Überproduktion von Müll, das ist m.E. der richtige Weg. Gilt genauso für den Lebensmittel-Wahnsinn.

Tut auch nicht weh, wenn man bildungsmäßig am Ball bleibt.

Auf das Thema runtergebrochen: ich steh z. B. in puncto Auto auf dem Standpunkt: einmal richtig in was Langlebiges investieren und dann für viele Jahre keinen Invest mehr in das Thema haben müssen. Mein letzter hat 17 Jahre nicht einmal außerplanmäßig eine Werkstatt gesehen (Bremsen lass ich machen, da geh ich nicht selbst ran, den Rest mach ich selbst). Und der wäre nochmal zehn Jahre gelaufen, wenn ich nicht geil auf was Neues gewesen wäre. Dabei hab ich vier Generationen übersprungen, die nicht gebaut werden mussten. Ich brauchte das nicht in neue Autos investierte Geld, um beim Bezahlen der Hütte nicht noch durch sowas belastet zu werden. Ob der Neue jetzt auch so lange lebt? Und genug zu frickeln gibts auch am allerneuesten Modell, da muss man keine Angst haben, nur dass ölige Pfoten heute meist durch OBD und Software ersetzt werden.

Anderseits, periodisch einen Gebrauchten ist auch nicht sooo ressourcenschädlich, der ist ja da und eh über, und zieht nicht immer automatisch eine Neuproduktion nach sich. Besser hier fahren und in Gang halten, als in Afrika den Boden der Müllhalde versauen.

Und das Thema lässt sich auch frickeltechnisch runterbrechen: früher hab ich Radios selbst gebaut, weil ich mir keins aus dem Laden leisten konnte. Das war irgendwann einfach obsolet, es gab billige und bessere Radios én masse. Dann kam ein neues Gebiet, wieder neu lernen: Computer selbst bauen. Irgendwann genauso obsolet, also nächstes Thema: Hausautomation und Haustechnik, Solaranlagen-Frickel und Smart Home. Heißt programmieren und vieles Weitere, z. B. Raspi lernen. Mal sehen, was noch so wartet... Auch das kann man für sich unter Wachstum einordnen.

Heute laufen bei mir fast ausschließlich DDR-Radios aus den 80ern - solide Geräte für die Ewigkeit, nach der Wende unterbewertet billig zu haben. Das West-Pendant heißt Grundig Satellit - auf ewig unkaputtbar. aber eben daran auch ist Grundig kaputt gegangen, weil sie alles an Entwicklung irgendwann verschlafen haben. Von einem Tecsun würde ich das Thema unkaputtbar nicht behaupten...


BTW: ich hab noch zwei funkionierende Grundig-Röhren-Flachglotzen aus Ende der Neuziger hier stehen, einsatzbereit. Die sollen auch nicht zur Elektronikmüll-Mafia. Jemand zum Treffen Interesse? Für lau!


Haua, wat`n langer Aufsatz - das ganze Thema gehört auch vielleicht eher in die Sozialstation?
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Hightech » Sa 10. Jun 2017, 09:04

Ich finde, viele von "unseren" Leuten tun viel für den Umweltschutz durch das mehrfache Neunutzen von kaputtem Zeug.
Oder allein durch die Reparatur.

Ich kaufe mein PC-Zeug jetzt immer gebraucht.
Für 300 Tacken kaufe ich mir lieber einen Business-Laptop der nicht voll auf der Höhe der Zeit ist, als einen 700 Euro Aldi-Monster welches von vorne bis hinten irgendwie billigst zusammen gewürfelt wurde.

Man merkt es ganz deutlich an dem Medion Zeug, wie wenig "Liebe" in alles investiert wurde. Es funktioniert zwar, aber meistens nicht lange und nie besonders toll.
Es hakelt an allen Stellen und nach einem Jahr ist es reif für die Tonne, weil es irgendwie nicht mehr so funktioniert wie am Anfang.

Ich hab jetzt schon 3 PC von Medion vom Schrott als Büro-PC durchgenutzt, allein die Motherboards sind Mist.

Das komplette Gegenteil sind z.B. die Business PC von HP oder Dell.
Die sind konsequent durch gedacht und super innen aufgebaut.
Auch der gebrauchte HP Elitebook 8470 begeistert durch hohe Qualität in der Fertigung.
Den werde ich scher noch ein paar Jahre benutzen.

Der Fujitsu Lifebook von meiner LV ist noch älter, aber läuft super.
Ist auch sehr schön und haltbar konstruiert.
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon video6 » Sa 10. Jun 2017, 10:17

Bin PC mäßig genau so alles vom Müll bzw von Zeug was da hin sollte.
Gestern kam nen Acer Desktop mit I3 Prozessor und 2Gb RAM soll wohl von der Polizei kommen.
Waren mehr einige waren schon zerrupft einer war noch komplett.
Das blöde ist nur BIOS PW. Ist gesetzt und dich clear CMOS ist es nicht weg
Boote erst mal mit SCSI
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Mechanix » Sa 10. Jun 2017, 11:42

Das man auch mit Qualität lange am Markt bleiben kann ist kein Geheimnis.
Man gehe mal in eine Großküche uns schaue sich da so einen Rührer, eine Herd etc an. Die halten Jahre trotz intensiver Benutzung. Ist doch mal was kaputt kriegt man idR auch nach 20 Jahren noch Ersatz. Ja ich weiß das ist Industrie, das kann man mit Zuhause nicht vergleichen (sagt der BWLer).
Offenbar doch dage ich. Weil das konzept von diesen Industrieausstattern ist das selbe wie von Sony, Moulinex oder AEG - verkaufen, die Kosten für Produktion, Entwicklung, Garantiefälle und Dividende reinholen und trotzdem ein kleines Puffer für schlechte Zeiten.
Wie das geht beweist Miele recht gut. Deren Waschmaschinen kann man bei Sachgerechter Bedienung/Benutzung weiter vererben. Und glüchlicher Weise sind die Wahnzeiten vorbei, als Waschmaschinen mit nem Fingerhut voll Wasser bei 2Watt Energieverbraucht 12KG Wäsche intelligent sauber gemacht haben. Also kein Grund sich alle 3 Jahre was neues zu holen. Ja ne Miele kostet was mehr (aber jetzt auch nicht unbezahlbar) und ist auf dem Papier immer etwas hunriger als ne vergleichbare Maschine aus der Saturn Billoliga. Dafür wird die Wäsche halt sauber, die Maschine ist unkaputtbar und wenn nach 10 Jahren doch mal wieder die Kohlen runter sind, hat man 7 Euro Reperaturkosten. Und das verblüffende? Miele gibt es immer noch. Und das obwohl mein Staubsauger aus dem Haus fast so alt ist wie ich und trotz "nur" 1kW aufnahme mindestens so gut zieht, wie der neue Dyson-Spacesauger mit doppeltem Appetit.

Bei der Unterhaltungselektronik ists sicher etwas anders, ich bin schon froh keine PCs von vor 20 Jahren mehr nutzen zu müssen, nur weil sie es noch tun. Da hat sich einiges geändert...
auf der anderen Seite sind PCs so billig geworden, das sich Programmierer nicht mehr hinsetzen müssen um ihren Code zu optimieren. Wenn Word2136 trotz kaum größeren Funktionsumfang als Word 98 40fache Rechenleistung für gleiche Performance braucht, dann hat sich der User halt nen neuen PC zu kaufen. Und wenn der nicht den Absatzmarkt ankurbeln möchte, dann führen wir halt DRM, Flash, 4k oder DolbySchlagmichtod ein, 'irgendwas wird er schon für nötig erachten und zu was neuem greifen'.
Dann kommt die Technikgläubigkeit der Nutzer hinzu, die teils aus Unwissenheit, teils aus Profilierungswahn brav der höchsten Auflösung, der meisten Kernanzahl etc hinterherlaufen.
Ja, vom iPhone1 bis zur Version 4 waren mit jedem Modell noch "Innovationen" erkennbar - ob man die alle 2 Jahre brauchte... Das ist ja nu auch vorbei. Jetzt werden neue Modelle im 6 Monats Rythmus rausgebracht, damit es immer schön für jeden auslaufenden Vertrag was neues gibt, das auch ja besser ist als das vom Nachbarn...
TV genauso: Vor der WM2006 wurden Tonnen von HDready Glotzen verramscht. Die TrueHD Teile mit doppelten Preisaufschlag hinten ins Regal geschoben, um dann nach der WM dicke Kampagnen zu starten das HDready ja sowas von 2006 sind und nur von Italienern genutzt wird. Das DVBt1 ausläufft war seit Jahren klar. Seit Jahren ist klar das der Rest Europas H264 nutzen wird. Nicht nur das man sich bei uns im letzten Moment umentscheidet und damit den "umsichtigen" Käufer bestraft der die vll defekte Settopbox vor zwei Jahren gegen ein "DVBt2 fertiges Gerät" austauscht, nein man lässt auch so mumpitz wie 2Klassenreciver zu. Der Markts wirds schon richten. Aber beim deutschen "Stirb Langsam" DAB bzw neuerdings DAB+, da muss in vorauseilendem Gehorsam ein Gesetz durchgeboxt werden, das die Funktion zwangsintergriert.

Man beachte nur mal den Konjunkturbeschleuniger Abwrackprämie, dank derer Mio eingestampfter, sparsammer französischer Kleinwagen in deutsche Mittelklassedieser verwandelt wurden... Und wir Zahlen jetzt dreifach.

Und bei allem gibt es immer was zu frickeln: Auch wenn meine Miele nicht kaputt geht, einenen Warmwassereinlass hat sie nicht... Und auch das perfekteste Auto mit angepasster Ausstattung bleibt Stangenware.

Puh, soviel Text für zwei einfache Aussagen:
Die Regierung war schon immer zu kurzsichtig und denkt max 4 Jahre in die Zukunft - neuerdings gepaart mit einer gehörigen Portion Lobbyhörigkeit -> Ade Soziale Marktwirtschaft.
Der Kunde, der blauäugig immer der neuesten Sau hinterherrent die durchs Dorf getrieben wird, ohne die Sinnhaftigkeit zu hinterfragen.
Dazu die Massenmedien unterstützte Elbogenmentalität, deren vorläufige Höhepunkte wohl Trump, Erdogan und Putin sind.

So ich habe fertig. Alle handeln wie Flasche leere!
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Desinfector » Sa 10. Jun 2017, 11:45

früher (tm) hielten Geräte viel länger als heute.
ein Bügeleisen konnte vererbt werden.

Wenn man Hersteller heute nach solchen Qualitäten fragt, kommen Antworten wie:
Was sollen wir machen, dann wird ja bald nichts mehr gekauft.

Tja lebe Hersteller, warum konntet ihr das früher denn? warum habt Ihr früher denn überlebt?
Direkt nach dem Krieg...? ist mit noch klar, jeder brauchte so ziemlich alles.
Ein Märchen für jeden Händler und Hersteller.

Aber:
1970 musste das Land jedenfalls nicht mehr aufgebaut werden, man hatte lägst alles.
Trotzdem halten Eure Geräte bis heute aus dieser Zeit.
Der Toaster meiner Omma (1971 gekauft) steht heute bei mir.
Andere Länder wurden zudem überhaupt nicht zerstört,
jedenfalls nicht so wie in Europa und insbesondere D.
Aber auch dort hielten die Geräte generationenübergreifend.

-muss also ein anderer Grund sein, der offensichtlich viel schlimmer als jeder Krieg ist.
denn warum sollte man ohne Not ein schlechtes Produkt auf den Markt werfen,
wenn der selbe Hersteller es früher besser konnte?

In der Anfangszeit der Industrialisierung hat es auch ein gewaltiges Plagiatsproblem gegeben.
Englische Maschinen wurden insbesondere von Deutschland "erspioniert",
ausser Landes geschmuggelt und in D im "Gewerbeinstitut" zur Forschung wieder aufgebaut.

daraus entwickelte deutsche Maschinen stellten sich bald als besser heraus
(Daher auch "Made in Germany")

vielleicht kommt ja mal eine Zeit in der dann auch fernöstliche Produkte besser und gleichzeitig billiger sind.
Noch muss man nur allzuoft Chinaware nachlöten.
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon PowerAM » Sa 10. Jun 2017, 12:29

Was auch zu Verdruss führt: Mit jedem Regierungswechsel ändert sich der politische Kurs um 180 Grad. Verlässlichkeit und Beständigkeit gibt es nur bei Steuern und Abgaben. Nun hat das oberste deutsche Gericht geurteilt, dass die Brennelementesteuer Unrecht war und vom Staat wieder zu erstatten ist. Auch wenn dadurch Stromkunden nicht nur theoretisch einen Erstattungsanspruch gegenüber ihrem Energieversorger haben, so werden sie dennoch leer ausgehen.

Thema DVB-T2: Fachlich nichts dagegen, nur warum muss Deutschland im nationalen Alleingang einen Codec einführen, der weltweit einzigartig ist? Klar, damit es nicht "Grundverschlüsselung" heißen muss und die Nachbarn trotzdem mit ihren Geräten nicht zugucken können. Zudem hält man den Binnenmarkt sauber, denn was nicht für den deutschen Markt produziert ist, das spielt hier auch nicht.

Der nächste Hohn ist die Autobahnmaut mit angeblicher Anrechnung der Kfz-Steuer. Klagen am EuGh sind dagegen bereits anhängig und haben beste Erfolgsaussichten. Das Ergebnis wird sein: "Tut uns leid, die Steueranrechnung war Unrecht. Die Maut kommt jetzt eben oben drauf." Wenn man es weiter kritisch betrachtet, dann hat der Bund mit der Gründungsabsicht einer bundeseigenen Autobahn GmbH die Privatisierung der Autobahnen erst möglich gemacht, auch wenn man nach außen hin das Gegenteil behauptet.

Auch wenn es langsam (zu) politisch wird, eins noch: Kommunaler Wohnungsbau findet praktisch nicht mehr statt. Die letzten politischen Eingriffe führten zu weiterer Wohnraumverknappung und dazu, dass nur noch hochpreisig gebaut oder luxussaniert wird, weil eben damit die höchste Rendite zu erwarten ist. Das, was es noch als kommunalen Wohnungsbestand gab, hat man an Heuschrecken verkauft. Ich habe drei Wohngebiete in meinem 6500 Einwohner-Dorf, die von einer luxemburgischen Holding gekauft und ausgepresst wurden. Regelmäßige Mieterhöhungen für Bestandsmieter, Dynamikklauseln prinzipell in Neuverträgen. Investiert wird nichts, es bersten inzwischen regelmäßig Rohrleitungen. Aufträge gibt es zwar für ortsansässige Handwerker, jedoch darf nur geflickt werden und es muss so wenig wie möglich kosten. Freunde haben wegen eines Wasserschadens in einem dieser Häuser eine unbewohnbare Wohnung, weil sich ein festgerosteter Schieber nicht mehr schließen ließ und es über Stunden in die Bude sprudelte. Leerstand gibt es nicht, ein Umzug ist unmöglich. Ich selbst bewohne eine Genossenschaftswohnung und werde hier wohl auch sterben. Umziehen würde die Miete mindestens verdoppeln, sofern man überhaupt etwas kriegt. Alles im Umland Berlins ist preislich explodiert. Erst dort, wo es weder ÖPNV noch dörfliche Infrastruktur mit Allgemeinmediziner, Einkaufsmöglichkeit und Geldautomat gibt, hat man ungefähr wieder das Preisniveau meiner Genossenschaftswohnung, jedoch auch nur wegen des Altvertrages von 1999. Neuverträge sind hier allerdings noch immer ein wenig preiswerter als bei der örtlichen Wohnungsmafia. Wenn man denn Geduld hat und auf der Warteliste ganz langsam nach oben gerutscht ist.
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Finger » Sa 10. Jun 2017, 13:12

In diesem Faden steckt mir entschieden zuviel Politik. Ich werde das mal im Auge behalten....
Und ihn in die Sozialstation verschieben.
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Chemnitzsurfer » Sa 10. Jun 2017, 13:35

Das Qualität unter aller Sau auch für Firmen nach hinten losgehen kann, hat man ja bei Opel gesehen. Seit die in den 80-90er Jahren dank López ihr Image weg hatten, kaputt gesparte Rosthaufen zu verhökern, ging es immer weiter Berg ab. Dann Standortschließungen und so weiter und so fort.
Andere seits, fragt man sich da , wenn geiz ist geil alles sein soll, wie Firmen wie z.B. Fein oder Festools überdauern könne. Dort sind Preise von 300-600€ für einen Akkuschrauber keine Seltenheit, dafür halten die aber auch diverse Misshandlungen ohne Probleme aus ( vorletztes Wochenende mit meinem 12V Fein Akkuschrauber und Lochkreissäge 68er Löcher in doppelt Verlegter OSB Platte gebohrt. Die Baumarkt Bohrmaschine meines Bekannten hat nach zwei Löchern das stinken angefangen, bei mir war nur nach einer halben Stunde einer der beiden 2Ah Akkus leer und einen Lochsäge gut durchgelüht ( so ein 3€ Satz aus dem Baumarkt...) . Die Akkus waren aber genauso schnell dank Schnellladegerät wieder vollgebrügelt und der Motor ( noch kein Brushless ) ist nicht nennenswert warm geworden...
Und genau deshalb können solche Firmen auch gut Überleben. Indem man statt Quantität auf Qualität setzt und sich damit einen guten Namen macht. ( Negativ Beispiel wäre hier in meinen Augen Bosch, die waren waren mal gut, aber inzwischen kann man meiner Meinung nach egal ob grün oder blau beides beim Händler stehen lassen. Dewalt ist (zumindest die Geräte die wir auf Arbeit haben) fast auf gleichen Niveau ihres Konzernbruders Black & Decker angelangt, die Bohrfutter taugen nichts ( gehen ständig auf oder verursachen Riefen an den Bohren) und die Schrauber steigen nach fast genau zwei Jahren aus...
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Hightech » Sa 10. Jun 2017, 16:18

Desinfector hat geschrieben:
vielleicht kommt ja mal eine Zeit in der dann auch fernöstliche Produkte besser und gleichzeitig billiger sind.
Noch muss man nur allzuoft Chinaware nachlöten.

Nein, das wird nicht geschehen.
Es steht eine komplett andere Sicht der Dinge in Fernost dem entgegen.
Seit Generationen wird abgekupfert.
Was die dort wirklich können, mit dem wenigsten, billigsten Verfahren unser Zeug nachbauen. Da staunt man doch sehr, wie die das schaffen das so zu minimieren.
Das dabei vieles auf der Stecke bleibt ist ja egal, das Zeug blinkt und tut und wird gekauft, weil es ja billig ist.
Wenn dann kaputt ist, Scheißegal, schmeiß weg, mach neu. Kost ja nix außer die Umwelt und Natur. Und die kostet ja bekanntlich auch nix.
Zumindest kein Geld.
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Julez » Sa 10. Jun 2017, 18:15

Da möchte ich mal widersprechen. Als die Japaner nach dem Krieg die Industrie aufbauten, war auch alles Schrott, was da herkam. "Jap Junk" nannte man es in den Staaten. Mit den Jahrzehnten aber, mit viel Fleiß und viel Ehrgeiz wurde die Qualität gesteigert, und in den 90ern waren die Autos in der Pannenstatistik auf einmal ganz oben. Es geht also, dauert nur halt ein bisschen. Und auch bei den Chinesen sehe ich, dass die Qualität gesteigert wird, z.B. im Modellbaubereich. Da gibt es nun E-Motoren für ganz kleines Geld die eine wirklich hervorragende Qualität haben, und viel besser sind als das was man vor z.B. 15 Jahren beim Ex-Marktführer Graupner kaufen konnte.
Es dauert natürlich etwas, auch hochwertige Autos hinzubekommen, aber wir haben ja auch 80 Jahre oder so Vorsprung.
Ist allerdings kein Problem: Die japanischen Autos sind zwar gut, aber auch genauso teuer geworden, und das wird überall so passieren.
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Gary » Sa 10. Jun 2017, 19:18

Da wird doch viel idealisiert, früher war alles besser.....

Es bleibt nur über was gut ist, das wird auch in Zukunft so sein. Nur wissen wir heute nicht welcher Toaster lange hält. Beim Toaster von Oma haben wir ein gutes Gefühl, tut ja schon 40 Jahre.

Es hat insgesamt viel mit Gefühlen zu tun.

Dann sehen wir noch Fehlverhalten von Mitbürgern, die sich Müll andrehen lassen und fleißig Müll produzieren. Aber das machen wir selber auch, vielleicht in weniger Bereichen wie andere.

Ich habe seit über 15 Jahren einen billigen Baumarkt Kompressor, der tut weil ich den selten brauche exact was er soll. Im Industriebereich ist das anders, da wird, natürlich mit zig Ausnahmen, das gekauft was gebraucht wird.

Der Markt regelt teilweise träge, mit allen regelfehlern die wir kennen, aber er regelt.

Ich habe noch einen Toshiba Laptop mit 120 MHz Pentium und funktionierenden Akku, super Qualität! Wer braucht ?
Ja, keiner !

Schwarz weiß denken ist gut wenn man es sich einfach machen will...., hat aber mit der Realität nichts gemein.

Mein Umdenken hat angefangen als ich im Flohmarkt den Kupferwurm gekauft habe. Ein Buch über die Elektrik in Mopeds und Motorrädern, zum großen Teil mit heute nicht mehr existierenden Marken.
Der Schreiber hat sich über die mangelnde Qualität ausgelassen, mit dem Wissen welches Modell wo Schwächen hat hätte er alles, aber auch wirklich alles besser gemacht. Nur hier und da etwas mehr Geld, blabla
Ich konnte es nicht lange aushalten, BMW gibt es noch, Zündapp nicht mehr. Wer hat was falsch gemacht?

Wir leben doch in einer super Zeit, wir können uns fast immer entscheiden!
Keiner muss das iPhone kaufen
Es gibt Autos aus zig Ländern, Kleinwagen bis SUV
Es gibt Konsumer Laptops oder Leasing Rückläufer vom Business Geräten. Oder Business Geräte neu, oder aus zwei mach eins Consumer "Schrott"
Es gibt Bio Gemüse und Fertig Gerichte
Ich kann sogar zwischen Atomstrom und Green Energie wählen

Wir können nur nicht in die Zukunft schauen, uns das gute Auto aussuchen und den richtigen Laptop wählen.
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Re: Mal ne philisophische Frage

Beitragvon Finger » Sa 10. Jun 2017, 19:26

Recycling ist ja in. Auch bei Beiträgen: http://www.fingers-welt.de/phpBB/viewtopic.php?f=14&t=6410&p=132233&hilit=Kupferwurm#p132233. Darf ich vorschlagen, das am 8.7. am Lagerfeuer weiter zu diskutieren? Dann diskutiere ich mit :mrgreen:
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