Was mit winziger Röhrensammlung anfangen?

Der chaotische Hauptfaden

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Was mit winziger Röhrensammlung anfangen?

Beitragvon nero » Sa 16. Dez 2017, 18:06

Seit langer Zeit liegen bei mir diese Röhren im Regal:

EF804
T2742e
EM71
Osram 16692...??
763 sonst unbeschriftet (mglw EL42)
1T4 118 sonst nix
DY80
BL7

Kann mir einer der Röhrenprofis einen Tipp geben was ich damit anfangen kann. Also Sinnvolles aus Bastlersicht.
Falls jemand etwas davon brauchen kann, würde ich auch welche abgeben.
Ich würde mich auch freuen wenn ich bischen mehr Infos bekomme was die unbekannten Röhren eigentlich sind.


Bilder davon:
WP_20171216_13_27_41_Pro.jpg.JPG

WP_20171216_13_26_28_Pro.jpg.JPG

WP_20171216_13_26_01_Pro.jpg.JPG

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WP_20171216_13_23_05_Pro.jpg.JPG

WP_20171216_13_22_41_Pro.jpg.JPG


viele Grüße
Nero
Zuletzt geändert von nero am Sa 16. Dez 2017, 18:35, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Was mit winziger Röhrensammlung anfangen?

Beitragvon Roehricht » Sa 16. Dez 2017, 18:25

Hallo,
das obere sieht aus wie ne Blitzröhre.

DY80 ist ein HV Gleichrichter vonner Glotze.
Die 1T4 sind Batterieröhren für tragbare Radios & Funkgeräte.
Das darunter sieht aus wie ne EL42 mit Rimlock Sockel.

Die beiden anderen weiss ich nicht was das ist. Dann kommt die EM71, eien Anzeigeröhre (Magisches Auge) mit Loctalsockel. Sowas wird gelegentlich von Radiosammlern als Ersatz gesucht.

Die letzten beiden sind NF Pentoden für Mikrofon und Tonkopf Verstärker , jedenfalls wurden die da häufig verwendet.

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Re: Was mit winziger Röhrensammlung anfangen?

Beitragvon ferdimh » Sa 16. Dez 2017, 18:45

Ich fang mal an:
EF804: Extrem rausch- und brummarme NF-Pentode. Hat eigentlich nur in der Eingangsstufe nach einem Tonkopf oder Plattenspieler eine sinnvolle Anwendung. Der Ausgang ist zu hochohmig, um irgendwas außer einer weiteren Röhre zu treiben.

EM71: Wenn intakt, leuchtet die schön ;-). Man kann damit Aussteuerungsanzeigen u.Ä. bauen. Der Punkt der "Überschneidung" der Leuchtbänder kann als Markierung z.B. für "Vollanschlag" verwendet werden. Perverseste Idee, die mir einfällt, wäre ein Rückfahrwarner im KFZ mit entsprechender Anzeige, Überschneidung entspricht Berührung des Hindernisses.

DY80: Hochspannungsgleichrichter. VIEL Spannung, wenig Strom. Sinnvoller Einsatz eigentlich nur als Messgleichrichter für hohe Hochfrequenzspannung möglich (oder um HV für eine Bildröhre gleichzurichten). Das Ding ist schneller als übliche Hochspannungsdioden aus Sand. Heizen kann man das Ding aus einer 1,5V-Batterie, das löst Isolationsprobleme bei der Heizung.

Der Glimmstabi wird bauartbedingt nicht viel Strom können und nur als Spannungsreferenz geeignet sein (oder um den Saft für eine einzelne Stufe zu stabilisieren). Die wesentliche Funktion sehe ich im "schön leuchten", wenn man kein großes Projekt drumrumzimmert. Das Ding scheint relativ selten und gesucht zu sein.

Die BL7 ist eine Blitzlampe und gehört eigentlich nicht in die "Röhrensammlung". Was man damit bauen kann, sollte dann relativ klar sein. Ich vermisse im Bild aber den 3. (Zünd)pin.

Die "763" ist eine Rimlockröhre (8 pins, Nase am Fuß zum ausrichten und Einrasten). Das große Blech ist wie ein Anodenblech und nicht wie ein Schirmblech geformt. Das ist also eine Leistungsröhre. Die Typbezeichnung sitzt da, wo man die Röhre üblicherweise zum rausziehen greift, so dass die ziemlich sicher weggewischt wurde. Die Bauform legt nahe, dass das eine EL42 ist.
Als NF-Verstärker macht das Ding 2,5W in ca 10kΩ, die Nachfolgetype EL85 (angeblich genau gleiches System, nur anderer Sockel) ist auch als Sender bis 120MHz spezifiziert, ich denke, dass das mit der EL42 auch ginge...
Diese Röhre habe ich in freier Wildbahn noch nicht gesehen.

Zu den TT4 kann ich nichts sagen.
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Re: Was mit winziger Röhrensammlung anfangen?

Beitragvon Bastelbruder » Sa 16. Dez 2017, 19:20

Die 1T4 ist identisch mit der DF91, eine Batterie-HF-Pentode. Das weiß aber ziemlich sicher sogar Google.

Die BL7 hat zumindest eine Zündelektrode (der um die Spirale gewickelte dünne Draht), deren Anschluß vielleicht gaanz zufällig von einem anderen Pin verdeckt ist. Oder es gibt eine "Seitenelektrode" am Sockel.

Die Zahlenröhre von Osram könnte eine Glimm-oder Blitzlampe oder auch ein lichtempfindlicher Sensor sein. In den alten Schwarten habe ich diese Optik allerdings nicht gefunden. Vielleicht sind etwas aussagekräftigere Bilder möglich?
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Re: Was mit winziger Röhrensammlung anfangen?

Beitragvon ferdimh » Sa 16. Dez 2017, 19:34

Eben stand da noch "TT4" und die Erwartung "TT4" zu lesen hat gemacht, dass ich "TT4" auch im Bild gelesen habe...
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Re: Was mit winziger Röhrensammlung anfangen?

Beitragvon Chefbastler » Sa 16. Dez 2017, 23:06

Ob mann mit der DY80 schon sinnvoll Rötgen erzeugen kann? Die ist ja immerhin schon bis 27KV Spezifiziert.
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Re: Was mit winziger Röhrensammlung anfangen?

Beitragvon ferdimh » Sa 16. Dez 2017, 23:19

Das Ding kann thermisch nix ab.
Man kann vielleicht Röntgen erzeugen, um es nachzuweisen und mal Röntgen erzeugt zu haben.
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Re: Was mit winziger Röhrensammlung anfangen?

Beitragvon nero » Mo 18. Dez 2017, 19:31

Erstmal Danke für die Infos und tschuldigung fürs editieren des ersten Beitrags. Als Bastelbruder die 1T4 beschrieben hab, hab ichs auch richtig abgelesen.

Wenn ich mir das Datenblatt eben der DF91 ansehe, dann sieht mir das wie ein ein Mosfet aus.
Kann man die "blöd" so verwenden oder falle ich damit garantiert auf die Schnauze?

Die EM71 werde ich für irgendeine Anzeige verwursten. Sieht definitiv schick aus.

Das die BL7 eher irgendwas mit Licht macht, aber ohne Ahnung machen nichtmal viel Bäume im Google Ergebniswald Sinn.

Sehe ich das Richtig, dass aus EF804 + (wahrscheinlich) EL42 ein kleiner Mirkofon zu Lautplärrer Verstärker möglich wäre? Auch sinnvoll?

Für die DY80 fällt mir jetzt im Moment nix ein, aber eine >10kV Didoe im Schrank zu haben schadet eher nicht.
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Re: Was mit winziger Röhrensammlung anfangen?

Beitragvon Chefbastler » Mo 18. Dez 2017, 20:26

nero hat geschrieben:Wenn ich mir das Datenblatt eben der DF91 ansehe, dann sieht mir das wie ein ein Mosfet aus.
Kann man die "blöd" so verwenden oder falle ich damit garantiert auf die Schnauze?


Im gewissen Maße verhält die sich wie ein FET. Ein wichtiger vorteil gegenüber Sandbasierten Bauteilen, die Dinger sind schwerer kaputtzubekommen beim Experimentieren.

https://de.wikipedia.org/wiki/Pentode

Wenn du noch weitere 1T4 brauchst, hier oxydieren auch noch ne Handvoll rum. :mrgreen:
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Re: Was mit winziger Röhrensammlung anfangen?

Beitragvon Roehricht » Mo 18. Dez 2017, 21:20

Hallo,

Im gewissen Maße verhält die sich wie ein FET. Ein wichtiger vorteil gegenüber Sandbasierten Bauteilen, die Dinger sind schwerer kaputtzubekommen beim Experimentieren.


Nur mit dem Heizfaden aufpassen. Die 1,4V sollten schon genau passen bei 1,8V sind sie durch.

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Re: Was mit winziger Röhrensammlung anfangen?

Beitragvon ferdimh » Mo 18. Dez 2017, 22:18

Pentoden (Hier ist egal, ob das Ding jetzt EF804, EL42 oder DF91 heißt) sind generell erstmal JFETs auf Vakuumbasis im Glasgehäuse. Im Unterschied zu FETs brauchen sie aber am Schirmgitter (g2) eine feste Spannung...
Das Bremsgitter (g3) muss ungefähr auf Kathodenpotential und kann abseits von Kunstschaltungen erstmal ignoriert werden.
Die wesentliche Tücke ist, dass der Glasfet wesentlich weniger Steilheit hat als einer aus Silizium. Dadurch sind die erzielbaren Verstärkungen viel geringer bzw die Widerstände viel größer.

Mikrofon auf Brüll lässt sich mit EF804 und EL42 und einem Ausgangsübertrager (zur Not ein kleiner Netztrafo) zusammenwerfen. Besaftung mindestens 200V.

Zur Blitzröhre sei das hier verlinkt: http://www.b-kainka.de/bastel52.htm
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Re: Was mit winziger Röhrensammlung anfangen?

Beitragvon ESDKittel » Di 19. Dez 2017, 12:19

Roehricht hat geschrieben:Nur mit dem Heizfaden aufpassen. Die 1,4V sollten schon genau passen bei 1,8V sind sie durch.


Beim Experimentieren kann man ja je 2 Si-Dioden in Reihe und zwei solcher Reihenschaltungen antiparallel an den Heizer klemmen.
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Re: Was mit winziger Röhrensammlung anfangen?

Beitragvon ferdimh » Di 19. Dez 2017, 13:45

Oder berücksichtigen, dass eine 1T4 50 Cent kostet... Wenn man wirklich die Heizerbesaftung versaut, vernichtet man eher keinen Wertgegenstand. Und "die richtige Spannung anlegen" klappt ja sonst auch.
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