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Der chaotische Hauptfaden

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Baumarkt-Kompressor (Direktantrieb 2,2kW) mit Kolbenfresser

Beitragvon berlinerbaer » Fr 22. Sep 2017, 01:14

Ich habe hier so einen Baumarkt-Kompressor (Direktantrieb 2,2kW 230V ohne Keilriemen, Zwei Zylinder V, 50l Tank, 10 bar) mit Kolbenfresser.

Der Rest macht einen brauchbaren, recht neuen Eindruck.
Öl war genug drauf, als ich ihn veraalt bekam, die Geschichte, wie es zum Kolbenfresser kam, ist leider nicht bekannt.

Ich wollte mich jetzt eigentlich dranmachen und versuchen, durch erhitzen der Kühlrippen mit dem Gasbrenner die Kolben aus den Zylindern zu ziehen bzw. liebevoll rauszuklopfen.

Anschließend eventuelle Grate entfernen und das ganze mit passendem Öl wieder leichtgängig zusammenbauen.

Ist Kompressorenöl eigentlich was Besonderes oder kann ich auch hochwertiges Diesel-Motorenöl (wg. der Kompression) nehmen?
Tendenziell sollte es ja eher weniger gefordert werden, als im Verbrennungsmotor.
Angesichts der Leidensgeschichte werde ich wohl noch einen Teelöffel Graphitpulver unterrühren...

Hat jemand Praxistips, was man bei so einer Aktion beachten sollte?
Im Internet konnte ich erstaunlich wenig zu dem Thema finden.
Vielleicht habe ich aber auch falsch gesucht, her mit den hilfreichen links, wenn ihr was habt.

Mir ist klar das Restlebenszeit und maximaler Druck wohl etwas leiden werden, wenn ich keine frischen Ersatzteile verbaue, aber ich hoffe mal, daß er danach eine Weile klaglos funktionieren sollte.
Ich werde das Ding wohl relativ selten brauchen, ist mehr so ein Sahnehäubchen im Gerätepark. Deshalb auch kein budget für Teile.
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Beitragvon Mista X » Fr 22. Sep 2017, 08:59

Dichtungen schmiere ich immer mit Vaseline ein. Hält 1a und lässt sich Jahre später wieder lösen.
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Beitragvon Toni » Fr 22. Sep 2017, 09:25

Ich würde es mit der Kombination Wärme am Zylinder, Kälte am Kolben, Kriechöl dazwischen, und möglichst sanfter Gewalt versuchen.

Wenn danach an der Zylinderlauffläche Alureste vom Kolben verschweißt sind, lassen sich die gut mit NaOH-entfernen. Geht natürlich nur, wenn der Zylinder aus Stahl ist...
NaOH-Pulver (z.B. Abflussfrei, Zeug ist gefährlich!) möglichst konzentriert in Wasser auflösen, und auf die Stelle immer wieder aufpinseln, bis es nicht mehr schäumt. Je nach Alu-Schichtdicke kann das Stunden dauern, aber die Zylinderlauffläche wird dabei nicht beschädigt.
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Re: Kurze Frage -> schnelle Antwort

Beitragvon berlinerbaer » Fr 22. Sep 2017, 13:53

Toni hat geschrieben:Wenn danach an der Zylinderlauffläche Alureste vom Kolben verschweißt sind, lassen sich die gut mit NaOH-entfernen. Geht natürlich nur, wenn der Zylinder aus Stahl ist...

Das ist ein prima 'Tip, Zylinder sind aus Stahl, vielen Dank.
Schleifen wäre da sicher die weniger gute Idee, weil so der Zylinder zu weit und damit potentiell undicht würde.
Mit den Arbeitsschutzmaßnahmen für konzentrierte Natronlauge bin ich vertraut.

Danke auch an Mista X, die Ventilklappen werde ich vorm Zusammenbau auch nochmal dünn einfetten.
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Re: Kurze Frage -> schnelle Antwort

Beitragvon Weisskeinen » Fr 22. Sep 2017, 14:24

Toni hat geschrieben:NaOH-Pulver (z.B. Abflussfrei, Zeug ist gefährlich!) möglichst konzentriert in Wasser auflösen,

Ginge dafür auch flüssiges Abflussfrei?
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Beitragvon Mista X » Fr 22. Sep 2017, 14:56

Ich würde es einfach mal ausprobieren.
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Re: Kurze Frage -> schnelle Antwort

Beitragvon Später Gast » Fr 22. Sep 2017, 14:56

Weisskeinen hat geschrieben:
Toni hat geschrieben:NaOH-Pulver (z.B. Abflussfrei, Zeug ist gefährlich!) möglichst konzentriert in Wasser auflösen,

Ginge dafür auch flüssiges Abflussfrei?

Ich meine da sind andere Inhaltsstoffe drin. Anionische Tenside oder so'n Kram. Flüssiges NaOH ist wohl etwas zu heikel, um es auf Ottonormalnutzer lostzulassen. Das trockene Zeug kommt ja bei regelgerechter Anwendung nie in die Versuchung jemanden zu verletzen. Bei Füssigkeiten gehts ohne Extravorsicht im Haushalt schon schnell und man hat sich was über die Finger oder sonstwohin gekippt.

Bei Rohrfrei ist ja auchnoch Alu-Granulat dabei, damit bei bei der Reaktion mit Wasser kein H2 frei wird. Könnte ja auch böse enden...
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Re: Kurze Frage -> schnelle Antwort

Beitragvon Anse » Fr 22. Sep 2017, 15:00

Später Gast hat geschrieben:Bei Rohrfrei ist ja auchnoch Alu-Granulat dabei, damit bei bei der Reaktion mit Wasser kein H2 frei wird. Könnte ja auch böse enden...
Was soll das Alugranulat dann bewirken?
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Beitragvon Virtex7 » Fr 22. Sep 2017, 15:08

Schwachsinn. Alu und NaOH bringt Wasserstoff. 100%ig.
NaOH und Wasser bringt keinen Wasserstoff sondern nur Lauge.

so wie ich das verstanden habe, soll der Wasserstoff Blubberblasen erzeugen, die dann den Dreck bewegen.

Andere Frage: was soll an dem bisschen Wasserstoff gefährlich sein? Der steigt auf und diffundiert durch die Decke.

Nächstes: flüssiges NaOH ist wirklich gefährlich. Das ist aber auch eine hoffentlich wasserfreie Schmelze die Glas frisst und auch sonst recht aggressiv ist.
Davon reden wir hier aber nicht, sondern von Natronlauge, also der wässrigen Lösung...
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Re: Kurze Frage -> schnelle Antwort

Beitragvon Später Gast » Fr 22. Sep 2017, 15:09

Anse hat geschrieben:
Später Gast hat geschrieben:Bei Rohrfrei ist ja auchnoch Alu-Granulat dabei, damit bei bei der Reaktion mit Wasser kein H2 frei wird. Könnte ja auch böse enden...
Was soll das Alugranulat dann bewirken?

Mein Chemieunterricht ist schon n paar Jährchen her, kann dir jetzt kein Reaktionsschema aufpinseln, sorry. Ich hab aber abgespeichert, dass das da wäre, um der Entstehung von Knallgas vorzubeugen. Wikipediasagt: "Da das entstehende Wasserstoffgas in Mischung mit dem Luftsauerstoff zu hochexplosivem Knallgas führt, versucht man den Wasserstoff mit der Reduktion von Nitrat zu Ammoniak zu binden."

Demnach müsste das Alu aus anderen Gründen da drinne sein, wenn zur Knallgasverhinderung Nitrat drin ist. Fest steht, es ist Alu drin. ;)
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Beitragvon ferdimh » Fr 22. Sep 2017, 15:27

Alu macht Wasserstoff und Hitze. Hitze mach alles böser. Blubber macht alles wirksamer, weil es Reaktionsprodukte aus dem Weg räumt.
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Re: Kurze Frage -> schnelle Antwort

Beitragvon berlinerbaer » Fr 22. Sep 2017, 15:29

Ich weiß, wie man mit NaOH umgeht.

Wer nicht, dem wird hier geholfen:
https://www.carlroth.com/downloads/sdb/ ... _AT_DE.pdf

Hoffentlich können wir den Arbeitssicherheitsdiskurs zu NaOH damit beenden.
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Re: Baumarkt-Kompressor (Direktantrieb 2,2kW) mit Kolbenfres

Beitragvon uxlaxel » Fr 22. Sep 2017, 15:47

ich habe eine kompressor mal mit einem dicken holzklotz und einem amtlichen hammer wieder locker geklopft. kaputt machen konnte ich ihn ja nicht, er war ja schon kaputt ;)
einfach stumpf den kolben rausgeschlagen und dann mit sandpapier alles wieder plan gemacht. anschließend immer absichtlich viel zu viel öl rein. den hatte ich dann noch 3 jahre in der werkstatt zum dreck-auspusten und autoreifen aufpumpen, in dem kaufhaus wo ich mal arbeitete. ob der aktuell noch läuft, weiß ich nicht, die bude haben sie zu gemacht. damals lief er bis zu 10x die woche.
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Re: Kurze Frage -> schnelle Antwort

Beitragvon Weisskeinen » Fr 22. Sep 2017, 15:59

Bei den Ballonmissionen in Eiterfeld wurde doch Wasserstoff mit Abflussreiniger und Wasser hergestellt oder?
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Re: Kurze Frage -> schnelle Antwort

Beitragvon Chemnitzsurfer » Fr 22. Sep 2017, 16:02

Ja waren Aluschnipsel / -pulver Abflussfrei in Massen und Wasser.
Dürfte laut Wikipedia diese Reaktion gewesen sein
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Re: Kurze Frage -> schnelle Antwort

Beitragvon Toni » Sa 23. Sep 2017, 10:54

NaOH gibt's in manchen TEDI Filialen als Abflussfrei fast geschenkt, in reiner Kügelchenform ohne Zusatzstoffe.
Bei DM wird es incl. Aluschnipseln verkauft.
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Re: Kurze Frage -> schnelle Antwort

Beitragvon xanakind » Sa 23. Sep 2017, 19:52

Ich bin gerade dabei mir ein Mischpult vorzunehmen, welches ich vor den Schrott gerettet habe.
Da ist das Schaltnetzteil explodiert:
1.jpg

Bevor ich da ein anderes Netzteil reinfummel ( ist eh für mich), würde ich gerne versuchen das Originale zu retten.
Doch was für ein IC könnte das gewesen sein?!
Es ist übrigens ein Soundcraft Spirit M8.
Dazu findet man leider keinen brauchbaren Schaltplan.... :(
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Beitragvon andreas6 » Sa 23. Sep 2017, 20:30

UC3842 wäre mein erster Tip.

MfG. Andreas
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Re: Kurze Frage -> schnelle Antwort

Beitragvon xanakind » Sa 23. Sep 2017, 20:36

könnte passen..... Vielen Dank, ich schaue mir das mal an :)
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Beitragvon berlinerbaer » Sa 23. Sep 2017, 21:13

...vergiß R27 und Kollegen nicht, sonst ist der magische Rauch aus dem UC3842 eventuell gleich wieder raus ;) .
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Beitragvon xanakind » Sa 23. Sep 2017, 21:26

Oh, du kennst das Ding?!
Ja, R27 habe ich neben einigen anderen schon getauscht.

Glücklicherweise habe ich hier einen Schaltplan gefunden:
http://www.neufeld.newton.ks.us/electronics/?p=498
Dieser ist nahezu identisch mit meinem Netzteil.
Gerade für die abgebrannten SMD Bauteile auch sehr hilfreich :)
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Beitragvon video6 » Sa 23. Sep 2017, 21:33

Die transe ist doch sicher auch kaputt.
Vielleicht liegt der Schädel vom IC noch irgendwo mit drin.
Die Elkos bitte mit wechseln dadurch ist es mit Sicherheit geplatzt.
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Re: Kurze Frage -> schnelle Antwort

Beitragvon xanakind » Sa 23. Sep 2017, 22:47

Jap, der Mosfet war auch kaputt, genauso wie zwei Elkos, alle anderen sind noch ok.
Den Mosfet habe ich schon durch einen Ersatztyp ersetzt.
Ich vermute auch die Elkos als Ursache. dann folgte die Kettenreaktion :roll:
Alle bedrahteten Bauteile habe ich nun durch. Morgen kommen die SMD´s dran.
Den abgesprengten Deckel habe ich nicht mehr gefunden, der ist weg :(
Wahrscheinlich stecke ich das Ding dann an den Strom und mit einem kräftigen Knall zerpofft das Ding :?
Ich bin gespannt!
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Beitragvon Virtex7 » Sa 23. Sep 2017, 23:48

Frage am Rande: wie soll der Elko da schuld am dem Zerknall des Netzteils sein?
Das ist ein Standard Flyback, ich hätte da eher den Snubber im Verdacht.

Übersehe ich was?
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Re: Kurze Frage -> schnelle Antwort

Beitragvon berlinerbaer » So 24. Sep 2017, 01:39

xanakind hat geschrieben:Oh, du kennst das Ding?!

Nein, aber man sah R27 deutlich an, daß er unglücklich ist ;).

Hab mir die von Dir verlinkte Seite mal angeschaut.
Offenbar scheint das Netzteil öfter mal zu knallen, vielleicht ist es ja schlecht belüftet oder unterdimensioniert?

Angesichts des Riesen-Aufwands zur Demontage würde ich erwägen, auch nach der erfolgreichen Reparatur schonmal vorsorglich Strippen für eine externe Stromversorgung zu legen.
Nochmal möchtest Du das Ganze wahrscheinlich nicht aufschrauben...
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