Voodo - Die Lizenz zum Senden

Der chaotische Hauptfaden

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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon TDI » Sa 6. Jan 2018, 00:04

Moin,
am Ende des Drahtes kann der Strom nicht mehr irgendwohin fließen. Dort ist immer der Spannungsbauch.
Die Annahme, dass das Gebilde mit dem Gegengewicht quasi zum Dipol wird ist richtig. Wenn die Schwingung (halb Labda) vollständig auf die komplette Länge passen würde, bräuchte man keinen Tuner. In allen anderen Fällen bildet der Tuner die fehlende Länge quasi nach.

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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon ferdimh » Sa 6. Jan 2018, 00:08

Die Denke ist fragwürdig...
Erstmal:
Guck dir die Einfachen Dinge zuerst an: Wenn der Draht zuende ist, fließt kein Strom. Das ist sehr offensichtlich, hoffe ich. Damit ist die Spannung dort maximal. Überall, wo der Draht nicht zuende ist, fließt ein Strom. Ob er größer oder kleiner ist, hängt von der Länge und Verlegung des Drahtes ab.
Die Impedanz in der Mitte eines Dipols hängt davon ab, wie lang der im Verhältnis zur Wellenlänge ist. Bei Lambda/4 vom Ende ist da ein Strombauch, bei Lambda/2 ein Spannungsbauch, bei 3/4 Lambda wieder ein Strombauch usw. Dazwischen ist "irgendwas".
Langer Rede kurzer Unsinn: Man weiß garnix, der Tuner muss es richten.
Ein Dipol gehört über Balun gespeist, wenn eine Seite "Erde" ist, verbrennt man sich am Tuner mächtig die Finger (und wenn man es nicht von Hand tut, verbrennt sich mittelfristig die Elektronik im Tuner die Finger).
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Bastelbruder » Sa 6. Jan 2018, 00:15

Bei allen Drahtantennen ist der Strombauch λ/4 (und ungerade Vielfache davon) vom offenen Ende entfernt. Abhängig von der Länge bis zum Einspeisepunkt ist die Impedanz im Strombauch niederohmig und im Spannungsbauch hochohmig.

Die zweimal 17,5 m sind auf 70 m und den ungeraden Harmonischen resonant und angepaßt. D.h. die Speisepunktimpedanz paßt grob zum Koaxkabel, es treten kaum stehende Wellen auf. Der Strombauch ist direkt am Speisepunkt.

Wenn die Antenne auf 80 verwendet wird, dann wandert der Strombauch ins Koaxkabel und selbiges wird mit stehenden Wellen belastet. Abhängig von der Kabellänge ist der Speisewiderstand auf der Senderseite ziemlich unbestimmt, das ist ein Job für den Tuner.

Die Mantelwellensperre ist für die HF ein mehr oder weniger hoher Widerstand. Der erfüllt seine Funktion im Strombauch hervorragend, im Spannungsbauch eher garnicht. Für die Beurteilung des Strombauchs ist die äußere Drahtlänge ohne Verkürzungsfaktor relevant, Mantelwellen sind hier allerdings kaum zu erwarten wnn der Dipol einigermaßen symmetrisch im Raum hängt. Eine zweite Mantelwellensperre in einigen Metern Entfernung kann diese Frequenzabhängigkeit verringern. Ein paar dicke Ferritklötze an verschiedenen Stellen auf dem Kabel sind jedenfalls nicht schlecht.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon ange12lo » Sa 6. Jan 2018, 00:41

Ein Sprichwort was ich gehört habe sagt Strom strahlt. Nun kann es sein das der tuner im 80m Band die 17.5m draht auf lambda /2 abstimmt und im 160m Band auf Lambda /4 ?
Nun ist aber bei Lambda /2 der Strombauch bei der einspeisung und bei Lambda /4 am ende? Oder ist meine annahme komplet falsch?
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Bastelbruder » Sa 6. Jan 2018, 01:17

Bei 160 verdrückt sich der Strombauch bloß weiter ins Kabel. Je nach Kabellänge guckt er dann unten am Tuner raus, strahlt aber nicht. Aber der Tuner hat was zu tun.

Auf 40 geht die Antenne sehr schlecht, es sind zwar zwei wunderschöne Strombäuche im Freien, aber die Speisung ist hochohmig. Und das Kabel transformiert um seinen dazu garnicht passenden Wellenwiderstand. Im schlimmsten Fall sieht der Tuner 1 Ohm parallel mit 10 nF oder 50 nH. Da geht dann garnichts. Dieser "Transformationsmittelpunkt", das ist auch der Mittelpunkt des Smith-Diagramms, ist mit 50 Ohm ganz einfach unpraktisch. Da schlägt sich die "Hühnerleiter" mit 300..500 Ohm deutlich besser, die paßt zu den durchschnittlich vorkommenden Wellenwiderständen von Drahtantennen.

Warum hat eigentlich der "Raum" eine Impedanz von 377 Ohm? Im Rothammel steht's nicht direkt. Aber der Wert findet sich immer ungefähr in der Mitte der möglichen Speisepunktwiderstände aller Drahtantennen. Komisch?
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Robby_DG0ROB » Sa 6. Jan 2018, 01:34

Vielleicht hilft dieses Tool weiter: http://dl7ahw.bplaced.net/KW_sinus04.exe
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon ferdimh » Sa 6. Jan 2018, 02:26

Warum hat eigentlich der "Raum" eine Impedanz von 377 Ohm? Im Rothammel steht's nicht direkt. Aber der Wert findet sich immer ungefähr in der Mitte der möglichen Speisepunktwiderstände aller Drahtantennen. Komisch?

Dass das 120*pi Ohm sind, weißt du, soweit ich weiß. Die Herleitung musste ich mal runterbeten können, ich gucke mal, ob ichs noch kann (und soweit verkürzt kriege, dass zumindest ich es noch verstehe).
Aufm Kabel ist Z=|U|/|I|=wurzel(L/C). Wir können das nach der Länge ableiten und so mit Induktivitätsbelägen rechnen (Z=wurzel(L'/C'). Das ist im Prinzip Z=wurzel(µ*Beschreibung der Struktur/e*Beschreibung der Struktur). Den gleichen Trick wenden wir jetzt in der Luft an, nur dass wir die Struktur im freien Feld rauskürzen können (warum das so ist, habe ich keine Ahnung mehr). Also Z=wurzel(µ/epsilon). In Luft nehmen wir µ0 und e0. µ0 ist per Definition 4*pi*10^-7. e0*µ0=1/c² liefert uns einen Wert für e0 (e0=1/(µ0c²)). Z ist damit
wurzel(µ0/((1/µ0c²)))
=wurzel(µ0²*c²)
=µ0*c
=4*pi*10^-7*300*10^6
=1200*pi*10^-1=120*pi.

Einheiten:
µ0 hat die Einheit N/A²
c hat die einheit m/s.
1V=1J/As=1Nm/As
[µ0c]=1Nm/A²s=1V/A=1Ω
Das nimmt c=300*10^6 m/s an. Die Aussage, es sei EXAKT 120*pi Ohm (wie z.B. in Wikipedia zu finden) ist da leider falsch, aber oft abgeschrieben. Die Vereinbarung von µ0 spielt da also rein, macht die Zahl aber nicht exakt.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Robby_DG0ROB » Sa 6. Jan 2018, 13:08

ferdimh hat geschrieben:µ0 hat die Einheit N/A²


Newton/Ampere² ist eine mögliche Einheit; Henry pro Meter bzw. Vs/A pro Meter eine andere oder die bekannteste dürfte Voltsekunde pro Amperemeter (Vs/Am) sein.

Das letztere bietet sich meist an, da das "elektrische Gegenstück" epsilon mit 1 Vm/As angegeben werden kann. In die Gleichung für den Feldwellenwiderstand eingesetzt, kürzen sich die Sekunden und Meter weg, übrig bleibt V²/A², daraus die Wurzel und die Feldwellenimpedanz hat die richtige Einheit Ohm hinter dem Betrag von 120 Pi.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Bastelbruder » Sa 6. Jan 2018, 14:00

Super Erklärung, Klasse! Und damit gibt auch der zusammengesetzte Begriff Elektro-Magnetisches Feld einen Sinn.

Ich wollte mit den 377 Ohm eigentlich bloß darauf hinaus, daß der Wert den optimalen Wellenwiderstand für eine Hühnerleiter darstellen dürfte weil sich um diesen Wert scheinbar alle möglichen Antennen-Speisepunktimpedanzen drehen.

50 Ohm ist in der Beziehung einfach unpassend. Was dem Koaxkabel allerdings immer falsch nachgesagt wird, sind die uuhnheimlichen Verluste bei irgendwelchen stehenden Wellen. Tatsache ist, daß nur die bereits vorhandenen Verluste mit dem entsprechenden Stehwellenwert multipliziert werden, die weitaus größeren Verluste sind Anpassungsverluste im Sender oder oft gar im "Antennen Tuner", der korrekt so heißt und nicht Kabeltuner und sich deshalb unmittelbar am Speisepunkt der Antenne befinden sollte.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Robby_DG0ROB » Sa 6. Jan 2018, 15:02

Ist ja auch logisch, denn man muss ja nur dafür sorgen, dass der Sender reele 50 Ohm "sieht". Das an ihn angeschlossene 50 Ohm-Kabel ist bereits korrekt angepasst, also ist es kontraproduktiv, hier durch massive Fehlanpassung oder Unsymmetrien noch Mantelwellen zu generieren, die das ganze Kabel zur Antenne werden lassen, weil die Ströme nicht mehr gegenphasig auftreten. Nur ist es aus praktischen Gründen oft nicht anders machbar, das Anpassgerät direkt an der Antenne zu platzieren, sondern am Ort des Senders bzw. am anderen Ende des Antennenkabels.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon uxlaxel » Do 8. Feb 2018, 00:12

http://www.oppermann-telekom.de/gp300-modelle.html

hat jemand eine ahnung, warum die UHF-version der GP300 zwischen 433 und 438MHz nicht prgogrammiert werden kann oder darf? mit der gehacken software gehts wohl...
auch die "nicht erlaubten frequenzen" im unteren feld erschließen sich mir nicht.

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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon ferdimh » Do 8. Feb 2018, 00:25

In den nicht erlaubten Frequenzen ist u.A. C-Netz enthalten, wie ich das sehe. Damit ist der Grund des Frequenzen verbietens relativ plausibel.
Außerdem halte bei der Lücke technische Gründe für wahrscheinlich: Das Ding hat offensichtlich zwe Bandhälften. Die können sich überlappen, müssen aber nicht. Wenn sich hier nun eine Lücke ergibt, ist da halt eine Lücke (der Frequenzbereich ist für Betriebsfunk eh uninteressant).
Möglicherweise kann man die Filter oder Oszillatoren noch etwas weiter treten als spezifiziert, weswegen man die entsprechenden Kanäle dann doch einprogrammieren kann. Ob das dann noch die Spezifikationen bezüglich Empfindlichkeit und (Spiegel?)Selektion einhält, ist dann ne andere Frage...
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon uxlaxel » Do 8. Feb 2018, 00:47

ok, das mit dem c-netz ist plausibel. die geräte sind ja technischer stand 1992. soweit habe ich jetzt gar nicht mehr gedacht.
aber die lücke zwischen 433 und 438? mit der gehackten software gehen die UHF-geräte von 380 bis 520 oder so zu programmieren. die frequenzen für relaisbetrieb (amateurfunk) liegen auch auch in der ursprünglichen lücke und ließen sich nun so reinhämmern. der relaisbetrieb läuft einwandfrei, ohne zwischenfälle oder auffälligkeiten.
edit: die einzelnen angebenenen frequenzen sind scheinbar wirklich mischprodukte und oberwellen, die das gerät selbst erzeugt und somit auf dieser frequenz nicht sauber arbeiten kann. wieder was gelernt. man ist das voodoo!
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