Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Der chaotische Hauptfaden

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Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon Quallenknoedel » So 1. Okt 2017, 17:57

Hallo zusammen,

nachdem ich etwa 8 Jahre danach gesucht habe, bin ich endlich stolzer Besitzer einer Wurlitzer Sideman 5000 von etwa 1960. Diese Maschinen wurden von 1959 bis in die frühen 1960er Jahre produziert und waren die ersten kommerziell verfügbaren elektro-mechanischen Drummaschines.
Die Sounds der verschiedenen Instrumente werden durch röhrenbetriebene Soundgeneratoren erzeugt und ein sich an Kontakten vorbei drehender Arm dient als Sequenzer (Nicht meine Maschine: https://www.youtube.com/watch?v=55DnnMWm5Tg).
Ich habe schon einige Stunden an der Maschine geschraubt, geputzt und gelötet und konnte einige Defekte reparieren - aber leider zeigt sie ein recht lautes Grundrauschen, dessen Ursache ich mit meinen Mitteln nicht finden kann.

Ein Masseproblem kann ich ausschließen, da sie rauscht und nicht brummt (zumindest macht sie letzeres nicht grundsätzlich, sondern reagiert manchmal auf Erschütterungen mit einem Brummen. Irgendwo muss also noch ein Wackelkontakt sein...).
Die Röhren sind nicht das Problem, denn die habe ich alle ausgetauscht.
Es ist definitiv nicht die in der Maschine verbaute Endstufe, da sie auch rauscht, wenn ich stattdessen einen externen Verstärker anschließe.
Zumindest optisch sind die Kondensatoren in Ordnung - aber es ist recht wahrscheinlich, dass der ein oder andere über die Jahre seine Kapazität verloren hat und (Mit-)Schuld am Rauschen hat. Ich weiß nur leider nicht, welcher von den etwa 60 Kondensatoren und Elkos das sein könnte. Es ist aufgrund der fliegend verdrahteten Schaltung ein Albtraum, einzelne Beine auszulöten um die Kondensatoren durchzumessen. Ohne begründeten Verdacht wage ich mich da zurzeit nicht dran...

Kennt sich von Euch jemand mit dieser alten Technik aus und hat irgendwelche Ideen, die mir weiterhelfen könnten?

Lieben Dank!

Sequenzer.jpg

Röhren.jpg

Schaltung.jpg

Plan.jpg
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon Spike » So 1. Okt 2017, 19:13

Hm. Gerade bei Kohlewiderständen entsteht Rauschen - vielleicht wird das bei Alterung ja noch schlimmer ? Wenn Du in einem Vorverstärkerbereich einmal die Widerstände tauschst, könntest Du es wissen... Zum Lesen hat "Hameg" eine nette Schrift...
Edit: Sind da zwei Neon-Lämplies im Tempo drin?
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon Gobi » So 1. Okt 2017, 19:15

GEIL! So ein Teil kann man noch auftreiben!? Mein Neid ist Dir gewiss!
Ich bin nicht so der Elketroniker, aber von meiner Dr. Böhm Maschine weiß ich, das der Fehler vom Rauschgenerator kommen könnte, das ist dort ein standart Problem. Den kannst du sicher einfach mal totlegen, dann schaeun wir mal weiter - oder viel mehr die Profis.
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon Spike » So 1. Okt 2017, 19:42

Ich habe mir gerade einmal das von Dir verlinkte Video angesehen :o Die "Instrumente" lassen sich ja auch manuell über die Taster auslösen... Dreck drin mit Übergangswiderstand? Vielleicht gerade beim Hihat?
Auf jeden Fall eine grandiose Maschine!
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon shaun » So 1. Okt 2017, 20:09

Die letzte,die ich überholt habe, hat Kondensatoren und Widerstände gefressen. Kaum ein Widerstand >100k hatte noch seinen Wert.
DAS heisst aber NICHT, dass Du jetzt blind alles austauschst! Ich habe die Fehler einzeln rausgemessen, wollte ja schliesslich kein neues Gerät mit neuem Klang bauen.
Ist es denn ein eher weisses Rauschen, oder ein Prasseln oder sonstwie unregelmäßig?
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon shaun » So 1. Okt 2017, 20:11

Wenn es ein echtes Rauschen ist, solltest zuerst mal klären, ob es vom Rauschgenerator, der hier ja ein rauschender LC-Oszillator ist, stammt
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon Marsupilami72 » So 1. Okt 2017, 21:12

Die Geschwindigkeitsregelung ist ja mal der Knaller :shock:

Gibt´s schon Techno Tracks damit? :mrgreen:
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon tryps » So 1. Okt 2017, 21:38

Wo du schon mit YT anfängst, schau dir mal diesen Kanal an: Mr. Carlons Lab. Der hat echt gute Sachen über Röhren, Kondensatoren, alte Elektronik, Funk usw. da rein gestellt. Grade auch über alte Kondensatoren, was Probleme macht. Welche auf jeden Fall DC durchlassen und wie man das nachmessen kann.

Viel Erfolg
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon zauberkopf » So 1. Okt 2017, 22:07

Übrigens.. Zum Sideman, gibts nen Porno : https://www.youtube.com/watch?v=WNGWQNycp6c
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon ferdimh » Mo 2. Okt 2017, 13:27

Das Ding hat einen stumpfen Addierer.
Also nachdem man die endstufe "pre-amp" unten links probeweise gezogen hat, kann man der Reihe nach Röhren ziehen (Backofenhandschuhe!) bis Ruhe ist.
Wenn das Rauschen jedes Mal etwas leiser wird, dann ist das wohl so. Man hat sich um derartige Themen früher weniger Gedanken gemacht, und hochohmige Röhrenschaltungen rauschen auch gerne mal etwas mehr, insbesondere wenn irgendwo noch etwas Dreck ist oder eine Röhre grenzwertiges Vakuum hat.
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon uxlaxel » Mo 2. Okt 2017, 21:24

zauberkopf hat geschrieben:Übrigens.. Zum Sideman, gibts nen Porno : https://www.youtube.com/watch?v=WNGWQNycp6c


bah! das weib! der schöne RFT-lautsprecher!
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon Quallenknoedel » Di 3. Okt 2017, 17:41

Danke für Eure Antworten! Das ist wirklich eine wahnsinns geile Maschine...

Es gibt eine relativ vergleichbare (seeburg rhythm prince, auch mit einem sich drehenden Arm als Sequenzer, allerdings mit Transistoren), die bei der US-Band Suicide benutzt wurde. Schon eine wichtige Band in der Elektro-Geschichte https://www.youtube.com/watch?v=Dn7SBQ6X5HU.

Tatsächlich gab es einen festsitzenden Taster für die manuelle Bedienung im Bedienpanel. Da fehlte eine komplette Instrumentenklasse; aber leider kann da nicht noch mehr dran falsch sein. Das sind die primitivsten Taster, die man bauen kann: eine Metalllippe wird durch ein Kunststoffröllchen auf eine Metallniete gedrückt.

Ich werde mir den Rauschgenerator und den Vorverstärker mal genauer anschauen, danke.

@shaun: hab ich richtig verstanden, dass du schonmal mit einem Wurlitzer SideMan gearbeitet hast?

Ich versuch mal ein Video aufzunehmen, in dem man das Rauschen hören kann.
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon Gobi » Di 3. Okt 2017, 18:15

verrate mir mal , wo du das Ding her hast!? Ich hätte gar nicht erwartet, daß es so was zu kaufen gibt.... Ich stand neulich im Musikinstrumentenmuseum noch ehrfürchtig davor und habe ein kleines Gebet gesprochen. :mrgreen: :mrgreen:
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon shaun » Di 3. Okt 2017, 19:08

@Quallenknoedel: ja ich habe mal eine aufgearbeitet, und eine weitere wartet beim Kunden.
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon shaun » Di 3. Okt 2017, 19:10

@Gobi: ab und an findet man mal einen Sideman.
So wie so ziemlich jedes Vintage-Schätzchen. So richtig scheisse schwer zu bekommen sind eigentlich nur die Einzelstück-Prototypen alter Synths und sowas wie Martenot, Trautonium,...
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon shaun » Di 3. Okt 2017, 19:11

@QK: nicht lange angucken, einmal mal die Röhre vom Rausch-Oszillator ziehen. Wenn das Rauschen dann weg ist, suchen wo es reinleckt.
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon duese » Di 3. Okt 2017, 20:33

Nebenfrage: Wozu braucht man da drin einen Rauschgenerator?
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon Gobi » Di 3. Okt 2017, 21:40

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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon Quallenknoedel » Di 10. Okt 2017, 17:55

War tatsächlich nicht einfach, an die Maschine zu kommen. Ich habe einige Jahre den Markt auf eBay verfolgt, aber ich habe nie eine bei eBay Deutschland gesehen. In den USA werden die relativ häufig zwischen 50-300 Dollar angeboten und selten verkauft. Allerdings gibt es nie einen Versand nach Europa; die Dinger sind mit etwa 40 kg einfach zu schwer und zu groß noch dazu.
Ich hatte aber vor etwa einem Jahr unter irgendeinem Synth-blog einen Kommentar von jemandem gefunden, der einen SideMan verkaufen wollte und habe auf seinen Kommentar geantwortet - aber nie eine Antwort bekommen. Stattdessen schrieb mich Monate später eine Frau aus Norddeutschland an, die ein Maschine geerbt hatte und verkaufen wollte. Und nach einigem hin und her hatte ich dann Glück. Leider ist die Maschine in einem nicht sehr tollen und Zustand und wurde auch ohne große Fachkenntnis bebastelt. Lautsprecher ausgetauscht, Hochtöner ausgebaut, Din-Stecker durch das Bedienpanel geprügelt...

Ich habe mal ein Handy-Video meines SideMan gemacht und euch hochgeladen https://youtu.be/v5RYbtyLN88. Leider scheint das Mikrophon des Handys schlechter als die Kamera zu sein; man hört recht wenig obwohl ich die Laustärke angehoben habe. Ihr müsst eure Boxen ziemlich weit aufdrehen. Auch die Relation von Rauschen und Drumsignal stimmt nicht, das Rauschen ist eigentlich wesentlich lauter. Das Mikrophon scheint da etwas taub zu sein. Ich habe nur leider gerade keine bessere Möglichkeit, das aufzunehmen, sorry.
Das Brummen, was ab und an durchkommt ist das Masseproblem, von dem ich sprach. Dürfte aber hoffentlich kein größeres Problem sein, wahrscheinlich ein kleiner Wackelkontakt, der durch die Vibration der Bass-Drum ausgelöst wird.

Wenn ich die 6C4 Röhre des Rauschgenerators ziehe, hat das keinen Einfluss auf das Rauschen.
Sehe ich das richtig, dass der Eingang des Vorverstärkers zwischen Masse und Pin 1 der 6AV6 unten links liegt? Wäre es sinnvoll, den Eingang probeweise abzulöten, um zu schauen, ob das Rauschen vor oder hinter dem Pre-Amp entsteht?
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Re: Suche Hilfe bei Reparatur uralter Röhren-Drummaschine

Beitragvon ferdimh » Di 10. Okt 2017, 18:17

Du kannst deu Koppelkondensator vor der 6AV6 ablöten.
Ich vermute aber, dass der Rauschpegel nicht durch das Mikrofon gesenkt wird, sondern durch den psychologischen Effekt, dass man sich die Aufnahme nie so laut anhört wie das Original.
In der Büchse kann halt ALLES rauschen. Ablöten ist schön und gut, dauert aber deutlich länger als Röhren ziehen. Und bevor wir uns in Details blöd suchen wird großzügig Kram gezogen, bis das Geräusch weg ist.
Ich vermute aber nach Betrachten der Konstruktion, dass da einfach zu viel Verstärkung drin ist und das Rauschen akzeptiert wurde. Alle "Trommeln" sind rückgekoppelte Verstärkerstufen, die permanent kurz vor der Schwinggrenze gehalten werden. Das ganze noch schön hochohmig...
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