LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft gefordert

Der chaotische Hauptfaden

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LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft gefordert

Beitragvon TYT II » Mi 25. Okt 2017, 21:28

Hallo in die Runde,

ich habe einen LED-Glühlampenbausatz erworben. Und zwar bei einem Versender, bei dem ich ohnehin eine größere Bestellung getätigt habe, und dachte, man könne ja für knapp drei Eumel nicht viel verkehrt machen.
Denkste!
Man kann!
Das Ding war beworben als "lehrreicher Bausatz zum Löten" - da mag ich noch nicht mal wiedersprechen - auch am falsch machen kann man was lernen. Aber gehn wir der Reihe nach.
Erstens: Das Teil kam komplett ohne Bauanleitung/Bestückungsliste/Schaltplan. Nur ein Tütchen mit: Gehäuse mit E27-Fassung, zwei Platinen, 38LED's, vier Dioden, drei Widerstände, ein Elko und ein Kondensator. Ach ja, ich vergaß: Zwei Stückchen Draht, eines rot und eines blau.
Zweitens: Auf Nachfrage erklärte mir der Verkäufer: "Nee, Schaltplan o. ä. gibt's da nicht zu." Hätte sich auch noch keiner drüber beschwert, man hätte aber schon welche verkauft. Recherchen im Internet ergaben, daß Aliexpress solche Dinge auch im Programm hat. Auch ohne Schaltplan und Anleitung, nebenbei bemerkt.
Drittens: Habe ich mich mit einem Kumpel hingesetzt, und die Sache mal aufgedröselt. Hier mal schnell ein paar Bilder:
LED_2k.JPG

Die Zwei Platinen. Die Runde Platine macht mir keine Sorgen, 38 LED's in Reihe zu löten stellt nun wirklich keine Herausforderung dar.

LED_1k.JPG

Die Bauteile und die Kleine Platine von der Rückseite. Die schlechte Bildqualität bitte ich zu entschuldigen, aber das Eierfohn macht einfach keine besseren Bilder auf die geringe Entfernung.
Die Dioden bilden erkennbar einen Brückengleichrichter der von C1 und R1 als Wechselstromwiderstand besaftet wird. Dahinter hängen zwischen Plus und Minus der Elko und R2, und danach wird Plus über R3 an die LED's weitergeschossen. Soweit alles klar.
Aber: Welche Werte haben R1, R2 und R3? Zur Auswahl stehn (ich glaub die Farbcodes sind auf den Fotos nicht zu erkennen) 820Kilo,200 Ohm und 470Kilo.
Und: Kann man das so betreiben, ohne seinen Arxxx dabei zu riskieren, oder sollte man da noch mal was anderes vorsehen, um zur Erleuchtung zu gelangen?
Ich bin auf Eure Antworten gespannt.

Tobias
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon berlinerbaer » Mi 25. Okt 2017, 21:41

Hier wohl Dein kit beim Ali:

https://www.aliexpress.com/item/Free-Sh ... 29387.html

Da ist ein Foto dabei, daß die Widerstandsbestückung ganz gut erkennen lässt.

Oder Du lernst genug über Kondensatornetzteile, um selber die Werte auswürfeln zu können.

Oder Du gibst es zurück, ich halte es für unverschämt, Bausätze ohne Anleitung zu verkaufen.
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon sparky » Mi 25. Okt 2017, 22:12

Hi!

Ich kenne diese Bausätze. Allerdings war bei meinem ein sinnvoller Bestückungsdruck auf der Platine vorhanden. Samt aufgedruckten Werten. So dass das Ganze auch ohne Schaltplan schnell bestückt werden konnte.

Ansonsten ist das alles keine Raketenwissenschaft. Das ist ein Standard-Kondensatornetzteil. Mit ein bisschen Nachdenken bekommt man das gut hin. Wenn nicht, dann sollte man von so was ohnehin die Finger lassen.

Als kleine Hilfestellung:

https://www.elektronik-kompendium.de/pu ... powsup.htm
http://www.electronicdeveloper.de/SpannungKondRV.aspx
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon xoexlepox » Mi 25. Okt 2017, 22:13

Kann man das so betreiben, ohne seinen Arxxx dabei zu riskieren, ...

Von der Schaltung her sollte das so ziemlich genau das Gleiche sein, was man in vielen LED-Leuchtmitteln für Netzspannung findet. Die Position der LEDs, der Kondensatoren, und der Dioden sollte klar sein. Der 200-Ohm wird vermutlich in Reihe mit dem kleinen Kondensator liegen -> Angstwiderstand und Strombegrenzung beim Einschalten? Die beiden anderen Widerstände liegen vermutlich parallel zu den beiden Kondensatoren, und sollten für deren Entladung (nach Abschaltung) sorgen -> Drösele mal die Schaltung auf (und poste sie hier), die Mühe habe ich mir nun nicht gemacht... Wenn mein Verdacht zur Schaltung richtig ist, würde ich den höheren Widerstand parallel zu dem kleineren Kondensator einbauen. Aber wie immer: "Alle Angaben ohne Gewähr" ;)
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon uxlaxel » Do 26. Okt 2017, 15:07

skizziere doch mal die vermutete schaltung und beschrifte alle "bekannten" bauteile. bei den unbekannten bauteilen kannst du ja "R1" oder "?" dran schreiben. so ließe sich die schaltung eher nachvollziehen.
lg axel
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon TYT II » Fr 27. Okt 2017, 09:33

Mach' ich heute abend mal.

Tobias
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon Toni » Fr 27. Okt 2017, 14:35

Das sieht aus wie ein Kondensatornetzteil auf Brückengleichrichter, Elko dahinter, Reihenwiderstand zu den LED's. Positionen Dioden, Elko, Folienkondensator sind ja klar.

R1 entlädt den Folienkondensator, damit man an der Fassung keinen gewischt bekommt. R mit größtem Wert nehmen -> 820k

R2 entlädt den Elko, damit die LED's nicht ewig nachglimmen. Zweitgrößter Wert -> 470k

R3 ist als Strombegrenzung, oder zum Schlucken von Störspitzen in Reihe zu den LED's -> 200Ohm

Mich wundert allerdings, dass der 200Ohm nicht am Eingang in Reihe zum Folienkondensator liegt, das wäre ein effektiverer Schutz gegen Spannungsspitzen...
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon Bastelbruder » Fr 27. Okt 2017, 17:44

Die Öhmer zwischen Elko und LEDs verringern das Flackern weil der Elko bei gleichem Stromumsatz mehr Spannungsabfall haben darf...
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon Toni » Fr 27. Okt 2017, 18:15

Bastelbruder hat geschrieben:Die Öhmer zwischen Elko und LEDs verringern das Flackern weil der Elko bei gleichem Stromumsatz mehr Spannungsabfall haben darf...


wenn man darüber nachdenkt -> stimmt. Danke für die Aufklärung :)
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon Weisskeinen » Fr 27. Okt 2017, 20:25

(Das aber als Bausatz für den Betrieb an Netzspannung zu verticken, halte ich schon fast für kriminell...)
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon TYT II » Sa 28. Okt 2017, 12:33

Hm. Das war ja unter anderem der Grund, warum ich hier diese Diskussion angestoßen habe.
Hier nun der Schaltplan:
Schaltplan_LED_Lampe.jpg


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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon xoexlepox » Sa 28. Okt 2017, 13:15

Das Ding war beworben als "lehrreicher Bausatz zum Löten"

Naja... Wer damit "lernen" möchte, sollte aber schon ein paar Grundkenntnisse (insbesondere im Punkt "elektrische Sicherheit") mitbringen ;)

Auch ohne Schaltplan und Anleitung, nebenbei bemerkt.

Eine "ordnungsgemäße" Anleitung hätte auch zu 98% aus Sicherheitshinweisen ("Nur von Fachpersonal anzuschließen", "Nicht in der Badewanne betreiben", ...) bestanden ;) Und das mglw. noch in 37 Sprachen hätte ein Buch ergeben, welches den Bauteilwert um ein Vielfaches übersteigt... Aber es ist schon erstaunlich, welch abenteuerliche Konstrukte als Bausatz angeboten werden.
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon TDI » Sa 28. Okt 2017, 14:14

Lehrreich ist das bestimmt. Kommt nur auf den Blickwinkel an.
Wie heißt es so schön: Nichts ist unnütz! Es kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen!
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon TYT II » Sa 28. Okt 2017, 14:20

Hab'sch doch gesacht!

T.
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon Name vergessen » Sa 28. Okt 2017, 22:24

Wo Du was einbaust, ist vollkommen gleichgültig. Ich zitiere mal die Anleitung eines als "SMD-Lauflicht" vertriebenen Bausatzes wörtlich:
Bausatzanleitung hat geschrieben:Bestimmungsgemäße Verwendung
Dieser mit SMD-Bauteilen aufgebaute Bausatz dient dazu, die persönlichen Lötkenntnisse im Bereich des SMD-Lötens zu erweitern.
Eine andere Verwendung als angegeben ist nicht zulässig!

Also aufbauen und dann wegwerfen, von Benutzen hat keiner was gesagt! 8-)
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon TYT II » So 29. Okt 2017, 19:19

So. Ich hab's getan.
Ich habe meine Lötkenntnisse vertieft und das Ding zusammengelötet.
Toni's Meinung deckte sich im übrigen mit dem, was ich mir auch schon ausgeknobelt hatte - und so habe ich das Teil denn auch zusammengebrutzelt. Natürlich habe ich das Ding natürlich nur "bestimmungsgemäß verwendet" und nur zum Löten Üben benutzt und danach sofort entsorgt. Nett war freilich, daß die Chinamänner beim Zusammenpacken des Bausatzes irgendwie nicht zählen konnten - so habe ich jetzt sogar noch ein paar LED's übrig.
Wenn ich das Ding aber - unter Beachtung aller Sicherheitsmaßnahmen - mit 230 Volt Wechselstrom besaftet hätte, könnte ich Euch sagen, daß es schönes grelles kaltweißes Licht liefert.

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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon Toni » So 29. Okt 2017, 22:29

Wenn du die Lichtschleuder benutzen möchtest, dann schalte am besten noch eine Feinsicherung davor.

Mir ist letztens eine Maiskolbenlampe verreckt: die hatte das gleiche Netzteil drin, und darin hatte der Folienkondensator kurzgeschlossen...
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon xanakind » So 29. Okt 2017, 22:34

Genau aus diesem Grund musste ich schonmal das Relais in einem Bewegungsmelder tauschen.
Eine 1A Sicherung hätte das Relais gerettet.
Der billige Chinakolben hatte das gleiche gemacht :roll:
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon 8051fan » Di 31. Okt 2017, 14:58

Solche LED-Lampen mit Kondensatornetzteil sterben schon mal gerne.
Nach meiner Meinung fehlt ein Längstwiderstand am Netzeingang.
Der würde den Ladestrom vom Elko begrenzen, das schont die Lichtschalter (durch eine ähnliche Schaltung ist mir schon mal ein Aufputzschalter verschmort).
Außerdem kommt es durch den hohen Ladestrom zu beträchtlichen Spannungen am ESR des (meist billigen) Elkos,
so dass die LEDs kurzfristig zuviel Spannung sehen.

Im Netz vagabundieren auch gerne mal kurzfristige Spannungsimpulse rum. Wenn beim Nachbarn die Sicherung fliegt,
können durch Leitungsinduktivitäten beträchtliche Überspannungen entstehen. Die sind zwar nur kurz, aber hoch.
Durch den Eingangskondensator werden die kaum gedämpft, durch den ESR des Elkos schaft der es evtl auch nicht.

Ich baue gerne einen Widerstand netzseitig in Reihe, an dem im Betrieb so viel Spannung bleibt wie an 2...3 der LEDs.
Die zusätzliche Verlustleistung ist vernachlässigbar, bringt aber ein gewissen Schutz gegen die genannten Effekte.

Nichts desto trotz bin ich dabei, sämtlich solche LED-Lampen durch 12V-LAmpen mit SNTs zu ersetzen.
Der Wirkungsgrad ist zwar etwas schlechter, aber die Zuverlässigkeit ist merkbar höher.
Und 12V eröffnet deutlich mehr Spielraum für bastlerische Kreativität als 230V.
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Re: LED-Glühlampenbausatz - Meinungen der Fachschaft geforde

Beitragvon TYT II » Di 7. Nov 2017, 23:13

Klingt nach einer sinnnvollen Verbesserung.
Da hat der Ali halt mit den Bauelementen geknausert...

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