Chinesische Radio- und Funkbausätze

Der chaotische Hauptfaden

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Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Harry02 » Do 26. Okt 2017, 20:35

Hallo zusammen,

ich wollte hier mal einen Faden über China-Radio und Funkbausätze eröffnen. Zwei davon habe ich letztens getestet.


Mittelwellen-Radio:
7-Transistorschaltung: Selbstmischer - drei ZF-Filter - Diodentransistor - NF-Vorstufe - Gegentaktendstufe
Im Schaltplan sind sogar einige Daten angegeben. 1,5mV/m 26dB S/N wird die Empfindlichkeit sein, nicht als mV am Antenneneingang sondern als Feldstärke (da es keinen Antenneneingang sondern nur ne Ferritantenne gibt).

2017-10-24 14.42.07.jpg


Wildes drehen an den Kernen in Verbindung mit verschieben der ZF-Spule brachte keinen Abgleich. Dann halt doch messen... Oszillator auf 2,05MHz am oberen Bandende gezogen, Ferritantennenspule auf Maximum geschoben, ZF-Kerne auf Maximum gezogen, am oberen Bandende nochmal Trimmer-C Feinanabgleich und fertig.
Im Keller mit Gitterfenster konnte ich ein paar Sender Empfangen. Die Kiste verzerrt ziemlich arg, besonders bei schwachen Sendern, bei starken zerrt es weniger heftig aber klingt immernoch bescheiden.
In normaler Empfangslage nachts ist die Verstärkung viel zu hoch und/oder die AGC ist nicht funktional. 1mm nach Nullanschlag des Lautstärkepotis kommt dann volles Geplärre. Im Keller braucht man die maximale Verstärkung eigentlich - werde wohl trotzdem ca 10k vor das Poti häkeln.

2017-10-24 14.41.34.jpg


Die deutlich höheren Stromaufnahmen an den Messpunkten könnten den beschissenen Klang erklären. Vielleicht wurden Transistoren höherer Verstärkung eingetütet ohne die Vorwiderstände anzupassen? Außerdem schwingt irgendwas bei einer eingestellen Frequenz, das ist von Anfang an aufgetreten und beim Wilden Abgleich hat sich die Stelle mal verschoben war aber immer da. Filtergehäuse sind alle auf Masse gelötet.

Da Sprachverständlichkeit gegeben ist, und trotz der kleinen Ferritantenne Nachts ein Haufen Sender empfangen werden können (ich zählte gerade 35), belasse ich es mal dabei.
Eigentlich dachte ich, das könnte eine Basis für einen Weltempfänger werden- also KW-Bereiche an den Eingangsmischer umschaltbar anhäkeln. So lohnt das aber nicht.

Auf der Lautsprecherseitigen Gehäuseseite ist eine Stelle für den Einbau einer Kopfhörerbuchse vorgesehen, man muss nur das Loch durchstoßen oder durchbohren.
Mit im Bild: 2,4V 60mAh Zelle. Wenn man den Lautsprecher durch ein noch kleineres Modell ersetzt (wird nicht arg viel schlimmer klingen) würde das Radio damit ziemlich schrumpfen können. In dem Originalgehäuse ist recht viel Luft.


Walkie-Talkie mit Pendelempfänger

Könnte man natürlich aus selbst bauen, der Kauf eines kleinen PTT-Schalters (wie hier mitgeliefert) ist aber eher schwierig. Die Platine ist schön klein, das Plastikgehäuse umso größer, damit es weniger nach Spielzeug aussieht - kann also weg.


2017-10-26 20.38.10.jpg


Frequenz war ca 41MHz statt knapp 50. Dort kommt man auch mit dem Ferritabgleichkern nicht gut hin, man muss C verkleinern.
Wer hätte es Gedacht, der Pendler rauscht enorm. Es klingt als ob das Gerät gleich verreckt. Das geht nur wenn man permanent wechselspricht, damit mit dem Träger das Rauschen verschwindet. Da müsste noch eine rauschgesteuerte Rauschsperre dazu.
Stromaufnahme Empfang 10mA, Senden 15mA - Sendeleistung ist also natürlich winzig. Um mal eben ein paar Meter zu Überbrücken bei minimalem Platzbedarf ist es nützlich. Die original Spiralfederantenne kommt weg, stattdessen eine Teleskopantenne von 1m Länge. Da muss ich noch was besorgen, was zusammengeschoben nicht so groß ist.

Der Pendelempfänger ist prinzipbedingt breit wie ein Scheunentor, 2 Handfunken-Paare im selben Band auf unterschiedlichen Frequenzen wird nicht gehen, man hört "alles" (außer man geht wirklich weit auseinander, im 2m Band möglich).
Wenn die Gegenstelle ein Quarzgerät mit nur ein oder zwei Kanälen und Filter mit schmaler Empfangsbandbreite ist, ist der Sender ziemlich fummelig abzugleichen, mit dem Ferritkern kann man das eigentlich vergessen außer zum Grobabgleich. Wie lange das dann +-wenige kHz korrekt bleibt ist die nächste Frage.

Umbau auf 27MHz: 4+4 (8 mit Mittenanzapf) Windungen mit 82pF+30pF Trimmer oder 5+5Wdg mit 82pF bringen das Ding auf CB. Der Pendelempfänger funktioniert dann nichtmehr bei 9V, eher so bei 4-5V. Also muss der Vorwiderstand vergrößert werden, so 10..15k bzw. idealerweise ein Trimmer. Die Antennenverlängerungsspule sollte man auch abgleichbar machen, im Original ist es ne Festinduktivität.
Zu testen bleibt noch ein Umbau auf 2m.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon ferdimh » Do 26. Okt 2017, 21:54

Im Keller braucht man die maximale Verstärkung eigentlich - werde wohl trotzdem ca 10k vor das Poti häkeln.

Besser 10K vor den Koppelkondensator zur Basis der 1. NF-Stufe löten, evtl Gegenkopplung einziehen.
Die AGC-Schaltung benötigt den Gleichstrom, der über das Poti fließt (der Gleichstrom fehlt dann der Basis des geregelten Transistors, eigentlich ganz clever gelöst, finde ich - nebenbei wird so die Demodulator"diode" vorgespannt). Bei AGC-Einsatz wird der Demodulator etwa 0,7V Träger demodulieren. Das gibt ne NF von ebenfalls ca 0,7Vscheitel (1,4Vpp). Das ist OFFENSICHTLICH viel zu viel für die arme Basis des 1. NF-Transistors.
Spannend bleibt natürlich die Frage, ob der 2. ZF-Transistor überhaupt genug ZF liefern kann, dass die Regelung einsetzt... ich glaube aber, dass das passt.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Harry02 » Do 26. Okt 2017, 22:40

Achja genau, Gegenkopplung wollte ich eigentlich noch erwähnen. Reicht da ein Widerstand vom Lautsprecher (richtige Seite ausprobieren) zur Basis des 1. NF Transistors? Oder dachtest du an einen Emitterwiderstand? Ersteres ist vielleicht dem Klang zuträglich, besonders viel Bass kommt da auch mit externem guten Lautsprecher nicht. Dann müsste noch ein C in Reihe zum Gegekopplungswiderstand um den Bass anzuheben. Vorschläge mit welchen Werten ich mal anfangen soll zu testen?

Wenn ich die Ruheströme verringern will, ist es zweckmäßiger die Basis oder Emitterwiderstände zu vergrößern?
Auch interessant wäre ein pimpen auf 1,5V Betrieb, man muss den Oszillator am Leben halten.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon ferdimh » Fr 27. Okt 2017, 00:09

Gegenkopplung über zwei billigste Trafos wird eher schlecht funktionieren (schätze eher so garnicht).
Der erste Gedanke geht also in Richtung "gibt dem 1. NF-Transistor einen Emitterwiderstand". Wenn da so 0,3-0,5V abfallen, geht der Treiberstrom von selbst auf einen sinnvollen Wert. Ich würde da mal auf gut Glück 100Ω reinrödeln. Der Endstufe kann man nicht sinnvoll gegenkoppelnde Emitterwiderstände verpassen ohne die Übernahmeverzerrungen NOCH schlimmer zu machen (die beiden Transen arbeiten mit getrennten Emitterwiderständen mehr so "in loser Formation": Wenn der Strom durch "V6" so klein wird, dass keine bedeutende Spannung mehr am Emitterwiderstand abfällt, sperrt er plötzlich - dank Gegenkopplung wird ja eingangsseitig höher ausgesteuert - Davon weiß V7 aber nicht, dass er den Strom übernehmen soll. Die Ruhestromeinstellung so eines Konstrukts wird also fummellig, da außerdem signifikante Überschneidung beider Transistoren verhindert werden müsste (beide Transistoren arbeiten plötzlich durch Re linearisiert=doppelte Verstärkung bei Übernahme=verzerrt auch). Deswegen muss man sich bei den trafogekoppelten Endstufen auch immer mit so Tricks wie der Diode oder dem NTC zur Ruhestromstabilisierung helfen.
Durch die hochohmige Quelle (Kollektorkreis der Treiberstufe) linearisiert sich die Endstufe teilweise selbst, so dass das Resultat nicht ganz so schrecklich wird, wie man auf den ersten Blick bei einer exponentiellen Transistorkennlinie glauben möchte. Nebenbei bewirkt das, dass ein GEMEINSAMER nicht überbrückter Emitterwiderstand in der Endstufe (sparsam bemessen) eventuell der Ruhestromstabilität guttut, ohne Übernahmeprobleme mit sich zu bringen.
Dennoch: Die Tonqualität dieser Transistorgegentaktendstufen mit Trafo ist bis auf einige wenige ruhmreiche Ausnahmen mit sehr viel Hirnschmalzeinsatz unglaublich schlecht. Und wenn man glaubt, es ginge nicht mehr schlimmer: doch, die Skala ist offen.
Siemens hat bereits 1959 in Halbleiter-Schaltbeispielen 50 und 100W-Transistor-NF-Verstärker vorgestellt. Anwendungsvorschlag waren Durchsageanlagen. An Musik dachte keiner, die blieb bis zu eisenlosen Endstufen (die man gegenkoppeln konnte wie blöd ohne in die Phasenhölle zu kommen) in Röhrenhand.
Es macht bei allen Schaltungen, die derartige NF-Verstärker enthalten, sinn, die Schaltung zweizuteilen.
am Lautstärkepoti mal über einen Kondensator auf einen bekannt guten NF-Verstärker gehen. Dann hören, dass der Empfänger sauber arbeitet. Dann das Spiel umdrehen und mal einen Sinus auf den Verstärker geben und das Resultat oszillographieren. Dabei hinsetzen (wichtig, der Ausgangs"sinus" ist nichts für schwache Nerven).

Bassanhebung: Kannste haken. Ich melde erhebliche Zweifel an, dass der Klang von Eisen in Sättigung dem Gerät viel gutes tut...
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Bastelbruder » Fr 27. Okt 2017, 00:20

Die Endstufe läßt sich etwas gegenkoppeln wenn man R11 durch zwei Widerstände mit doppeltem Wert ersetzt und die parallel zu den C-B-Kondensatoren hängt.
Wenn die beiden 4148 funktionieren und die Stromverstärkungsgruppe der Transistoren stimmt, dann sollten auch die Ströme passen. Notfalls die untere Diode durch einen Transistor (B-E) ersetzen dessen Kollektor an der 1,4V Leine hängt.
Auc die AVR funktioniert nicht richtig wenn die Stabilisierung fehlt.

Interessant finde ich den Ausgangs-Spartrafo, sowas war früher total unüblich, man hat immer richtige Trenntrafos eingebaut.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Bastelbruder » Fr 27. Okt 2017, 07:30

Ich habe eben die Einträge zu den Strommessungen gefunden. Die Stabilisierungsdioden sind mit ziemlicher Sicherheit nicht wirksam.
Unbedingt die Spannungen dort messen.
Das erklärt auch die Nichtfunktion der AVR, die sonst etwas anders geschaltet ist, die hier aber zwingend die Stabilisierung mittels zweier Diodenstrecken voraussetzt.
Es soll schon mal Dioden gegeben haben, bei denen der Kathodenring auf der Anodenseite war. Ist mir in einem ziemlich ähnlchen Taschenradio schon vorgekommen und noch irgendwo anders. Im Elektor-Labor hat man solche Teile wohl auch schon gefunden.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Fritzler » Fr 27. Okt 2017, 09:22

Von HF hab ich keine Ahnung, aber die Eisenhaltigkeit der Audioendstufe ist dann doch faszinierend.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon vorhautfront » Fr 27. Okt 2017, 09:47

Sieht aus wie das Standard-design der ersten billigen Transistorradios. Damals waren Trafos billig und Transistoren teuer. Ausserdem hatte man es noch nicht so mit komplementärpaaren.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon video6 » Fr 27. Okt 2017, 15:42

Für mich sieht es aus wie aus den 70ern
Das Cora oder Cosmos Radio (bin DDR-Kind)
Die Funken so wie die 5 Mark Kinderfunken vom Flohmarkt in den Wendezeiten wo jeder Ramsch angeboten wurde.
Zum Verständnis sicher super zum benutzen eher nicht.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Fritzler » Fr 27. Okt 2017, 16:45

Jau und heute sind die Übertrager teuer.
Deswegen die Verwunderung.
(Der Hochglanzschaltplan lässt vermuten dass es nen moderner Bausatz ist?)
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon ferdimh » Fr 27. Okt 2017, 17:16

Jau und heute sind die Übertrager teuer.

Nein. Übertrager von Transistorradioqualität sind auch heute nicht teuer in absoluten Zahlen. In vielen CB-Gurken mit AM sind bis heute Ausgangsübertrager drin (die mit normalen Gegentaktverstärkern angeblasen werden), auch wenn mir die Gründe dafür in vielen Fällen nicht wirklich einleuchten möchten. Diese "Übertrager" sehen aus wie billige Schaltnetzteilübertrager der Notebooknetzteilklasse und bestehen aus gefühlt 10 Blechen. Der Frequenzgang ist mit 300-3000Hz allumfassend beschrieben. "Dank" der hohen unteren Grenzfrequenz braucht man eher weniger als mehr Eisen als beim Netztrafo gleicher Leistung...
Auch an anderen Stellen lauern noch Trafos, wo man sie nicht erwartet: In Meldeempfängern z.B.: Der Höllenlärm bei 2,6kHz, den so ein Melder absondert lässt sich aus der kleinen Spannung und dem recht hochimpedanten Lautsprecher nur mittels klassischer Gegentaktendstufe mit Übertrager (die Endstufe sitzt schon in einem motorola-Spezial-IC, nur der Trafo ist noch extern).
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Hesselbach » Sa 28. Okt 2017, 12:34

Hallo,

Vor etwa einem Jahr habe ich auch so ein kleines rotes Mittelwellen-China Radio zusammengelötet, ich hab mir dann die Arbeit gemacht die ZF mit einem Meßsender abzugleichen, ich muss sagen das Gerät spielt recht gut abends kommt jede Menge rein, Engländer, Franzosen, Holländer und andere. Bei meinem geht die AGC normal, allerdings kann man ja hier nicht testen wie es bei einem Ortssender funktioniert, mangels Masse. Das Gerätchen war ja ganz easy zusammen zu löten, das einzige was mich länger aufgehalten hat war die Identifikation der Bandfilter da der China Mann es versäumt hatte die chinesischen Schriftzeichen für die Farben der Kerne ins englische zu übersetzen, hier habe ich Tante Google längere Zeit benötigt. Für einen Konstruktionsfehler halte ich es auch dass eine Batterie direkt neben der Feritantenne angeordnet ist. Die Lautstärke Frequenzgang und Klirrfaktor sind eigentlich genauso wie es damals bei den einfachen Mittelwellen Radios so war, ich hab den Bausatz so aus Spaß und als Erinnerung an die Jugendzeit zusammengebaut.


Euch allen ein schönes Wochenende!

Gruß
Hesselbach
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Bastelbruder » Sa 28. Okt 2017, 12:47

Im Gegensatz zu NF-Anwendungen wo aus niedrigen Beweggründen ein Ferritstab zur Aufnahme magnetischer Felder mißbraucht wird, tritt die Batterie direkt neben dem Ferritstab bei Hochfrequenz tatsächlich kaum nennenswert in Erscheinung, Dämpfung findet effektiv nicht statt, lediglich eine leichte Abnahme der Induktivität durch Verdrängung der Feldlinien um die Batterie mit entsprechender Erhöhung der Resonanzfrequenz.
In der Praxis ist das aber wirklich nicht relevant, einfach mal probieren wie weit man den Antennentrimmer verdrehen bzw. die Spule auf dem Stab verschieben müßte.
Ist die Abgleichanleitung in dieser Richtung eigentlich vollständig (Abgleich der Antenneninduktivität bei 600 kHz) ?

Das Thema Filterspulen und Farbcodierung ist uralt, vielleicht wird das Grundwissen von verschiedenen Konstrukteuren einfach vergessen.
rot = Oszillator für verschiedene Frequenzbereiche
gelb, weiß: Filter. schwarz: Demodulator 455 kHz
orange, grün: Filter. rosa/hellblau: Ratiodetektor 10,7 MHz
Die Unterschiede gelb-weiß bzw. grün-orange sind kaum der Rede wert, während der schwarze Demodulator eine relativ hochohmige Ausgangswicklung besitzt und die rosa-hellblaue Kombination spezielle Schaltungsdetails beinhalten.

Wie sieht das jetzt eigentlich mit den Dioden aus, funktionieren die oder sind die eventuell falsch beringt?

Achja, vor stark 50 Jahren ging das noch so:

Hier gehts zum gemeinsamen Datenblatt der weltweit bekannten 901x-Taschenradiotransistorenserie. (2 Teile)
Und hier ein Datenblatt des H402 "Sixtransistor"-I.F.T. and Coil Kit mit Applikationsschaltung. Da stehen natürlich auch die Farben dabei, sowie die diversen Transistoren mit denen seinerzeit die meisten Taschenradios bestückt waren.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Bastelbruder » Sa 28. Okt 2017, 20:44

Jetzt habe ich mir die chinesischen Anleitungen nochmal zu Gemüte gezogen und eine Ungereimtheit festgestellt.
Die Stromverstärkung β des 9018G ist in der Anleitung mit 80..100 angegeben während in den (mehreren) historischen Datenblättern 72..108 zu lesen ist.

Die Farben der ZF-Filter sind natürlich angegeben, die Zeichen für die Farben finden sich nochmal beim Widerstandsdecoder. ;)
Mit welchem Trick waren eigentlich die beiden Trafos zuzuordnen?

Die AVR ist zwar richtig gepolt aber sie kann so nicht funktionieren, ich weiß nicht welcher Drache die Konstrukteure geritten hat. Während die NF natürlich vollkommen ausreicht, ist durch die Aufteilung in zwei hintereinander geschaltete Arbeitswiderstände die maximal mögliche Richtspannung viel zu gering um die ZF-Stufe sperren zu können. Und das hätte in China durchaus auffallen können, weil es dort noch jede Menge Mittelwellensender gibt die sowohl klassische als auch "moderne" Geräusche im Funkäther verteilen.

Trotz alledem sollten die Ströme der einzelnen Stufen einigermaßen passen.
Achja, da ist noch was ungewöhnliches: die 1N4148 nämlich, die sind dort wo das Radio konstruiert wurde, ziemlich unüblich.
Ich hätte an Stelle der Diode in der Endstufe den Demodulatortransistor mit verbundenen C-B eingesetzt, das stabilisiert deutlich besser - und die Diode als Demodulator.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Bastelbruder » Sa 28. Okt 2017, 21:27

Sicher läßt sich das Teil auf 1,5 Volt umbauen, der Empfänger läuft doch sowieso aus der (hoffentlich) halbwegs stabilisierten 1,4 V-Versorgung. und der tut auch noch mit 1,0 Volt.
Und da war doch mal...
Ganz unten ist der Schaltplan, da stimmt nicht bloß die Transistorbezeichnung nicht, es waren tatsächlich entweder bloß mit einem Farbpunkt gekennzeichnete Transistoren drin oder welche mit Hausnummern (AI123 oder so) des Herstellers Aitron in Hongkong. Die Treiberstufe kann ohne Versorgung natürlich auch nicht spielen und die Dioden hatten vielleicht gar keinen Namen. Ungestempelte Halbleiter waren damals nicht nur bei Völkner und Conrad(!) erhältlich.
Das Teil hatte zwar nur eine ZF- und eine Germanische NF-Endstufe, aber es hat mit den allerersten Siliziumtransistoren im Keramik-Blobgehäuse ganz gut funktioniert.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon ferdimh » So 29. Okt 2017, 10:48

Die AVR ist zwar richtig gepolt aber sie kann so nicht funktionieren, ich weiß nicht welcher Drache die Konstrukteure geritten hat. Während die NF natürlich vollkommen ausreicht, ist durch die Aufteilung in zwei hintereinander geschaltete Arbeitswiderstände die maximal mögliche Richtspannung viel zu gering um die ZF-Stufe sperren zu können. Und das hätte in China durchaus auffallen können, weil es dort noch jede Menge Mittelwellensender gibt die sowohl klassische als auch "moderne" Geräusche im Funkäther verteilen.

Bist du dir sicher?
Ich hatte das erst vermutet, nach genauerem Betrachten aber beschlossen, dass eine Richtspannung, die der 1. ZF den Basisstrom klaut (entsprechend 0,8V an 20kΩ, also 40µA), durchaus realistisch ist. Das wären 0,2V am Lautstärkepoti.

Davon abgesehen passt das beschriebene Fehlerbild nicht wirklich auf nichtfunktionale AVR. Bei der geringen Betriebsspannung sollte der ZF-Verstärker doch sehr schnell den Begrenzer machen - Feldstärken streuen ja über einen sehr großen Bereich.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Bastelbruder » So 29. Okt 2017, 11:42

Ich hab den Unfall jetzt in spice eingetippt (Transistoren = Philips BF199, das Modell ist zwar nicht hundertprozentig geeignet aber brauchbar) und die schlimme Vorahnung bestätigt.
Der Ausgangsfilter hat Impedanz 20k : 5k, die maximal mögliche Wechselspannung primär kann 3 Vss werden (Träger + Modulationsspitzen), das macht höchstens 1,5 Vss an der "Diode". Also einmal ohne und einmal mit 1,5 Vss (= total übersteuert) an der Demodulatorspule:
UB_stab = 1,35 / 1,36 V
IC_V2 = 1,16 / 0,282 mA
U_Diode_E = 0,286 / 0,757 V

Die Verstärkung nimmt bei 1,2 -> 0,28 mA noch nicht um 20 db ab. 40 db sehe ich als Zielvorgabe, wohlgemerkt ohne Übersteuerung / Signalbegrenzung
Das darf nicht funktionieren.

Ich hab die Lösung (1 Bauteilwert) gefunden, ich werde sie aber nicht nennen, bevor ich keine Rückmeldung auf die jetzt zum dritten Mal geforderten Meßwerte bekomme.
:oops: In meine Simulation hat sich ein Ablesefehler des Musterhausküchenschaltplans eingeschlichen. Trotzdem ist da was unplausibel. Was sagt das Voltmeter?
Zuletzt geändert von Bastelbruder am So 29. Okt 2017, 12:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon ferdimh » So 29. Okt 2017, 12:04

Ich komme da nicht mit.
Davon abgesehen, dass ich nicht sehe, wo das Übersetzungsverhältnis herkommt (2:1 erscheint vom Windungszahlverhältnis aber plausibel)...
Oh:
Der Erste Kopf-> Tisch Moment tritt gerade auf, dass ich sehe, dass auch die Kollektoren an die "Stabilisierte Spannung" angeschlossen sind (von historischen Radios kenne ich das so, dass nur die Basen über irgendeine Referenz besaftet werden). Ich ging bis eben davon aus, dass die Dinger an 3V hängen und damit realistische 5Vss in das Filter drücken können. Ich komme aber in einem vereinfachten Modell (mit Dioden statt Transen) bereits bei 1,1Vss an der Sekundärwicklung auf eine vollständige Sperrung von V2.
Ich würde erwarten, dass das verwenden einer niederohmigen Diode als Demodulator (C-B gebrückt) die Sache eher zugunsten früherer Abregelung verschiebt.
Kannst du mal die Simulation rüberwerfen? ich würde gerne versuchen, deinen Ansatz nachzuvollziehen.
Hier ist mein Ansatz
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon MIRAG » So 29. Okt 2017, 14:07

Ich hab hier einen 2P3 von Tecsun, extrem witziges Gerätchen. Klingt vernünftig, ist empfindlich und sieht auch noch richtig hübsch aus.
Empfängt nur Mittelwelle.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Bastelbruder » So 29. Okt 2017, 14:29

extrem witziges Gerätchen

Der Drehko hat ein Gehäuse in dem normalerweise ein AM/FM-Vierfachdrehko verbaut ist. Die UKW-Teile wurden einfach weggelassen.
Der Ferritstab hat eine zusätzliche dritte Wicklung, aber keine Langwelle.
Dann ein Keramikfilter - ich nehme an als Saugkreis in der ersten ZF-Stufe. Vor der zweiten Stufe ist kein Filter.
Und dann ist da noch ein ziemlich leeres Spulengehäuse, da hat man vermutlich die Demodulatordiode eingesperrt damit sie unter Glühobstlicht nicht brummt.
Die NF in einem zeitgemäßen SIL-Gehäuse.
Wirklich witzig!
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon bulle » So 29. Okt 2017, 15:56

MIRAG hat geschrieben:Ich hab hier einen 2P3 von Tecsun, extrem witziges Gerätchen. Klingt vernünftig, ist empfindlich und sieht auch noch richtig hübsch aus.
Empfängt nur Mittelwelle.


Ich dachte Mittelwelle ist tot? :?:
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Bastelbruder » So 29. Okt 2017, 16:30

Ich habe hier im Süden zumindest in der kälteren Jahreszeit keinen Bedarf an noch mehr Sendern. Holland, England, Tschechien, Rumänien, Spanien und nicht zu vergessen die Nation_Grande. Die deutsche Sprache wird noch von diversen meist in Rumänien gehosteten Senderstandorten (Stimme CN und so) gepflegt.
Geräusche ohne Rauschen und Pfeifen (ich denke dabei an MIDI-Samples, künstlich zur Seite laufendes Tonband und doppeltkomprimierte Antennenmusik) können mir gestohlen bleiben.

Dreh' (schiebe) einfach mal virtuell über die Mittelwelle, wie sie in Twente gehört wird. Das funktioniert sogar auf dem Schmierfone und mit unregelmäßigen Aussetzern auch am anderen Ende der Welt.

Es sind tatsächlich nicht mehr so viiele Sender, aber es ist noch genug HF in der Luft.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon video6 » So 29. Okt 2017, 18:17

Optisch sieht der fast wie ein "Mikki" aus DDR-Produktion aus.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Harry02 » So 29. Okt 2017, 19:40

Ich hatte wenig Zeit, aber jetzt konnte ich das Rätsel lösen: In der Tat hatte der HF Teil 2,25V Ub. Dioden ausgelötet: Beide OK und richtig beringt, aber ein Lötauge kam mir entgegen. Neue Dioden reingelötet: 1,35V Ub wie es sein sollte. 1,5V Betrieb geht noch, 1V habe ich noch nicht getestet.
Bei der Aktion fiel mir was dummes auf: Beim Diodentransistor habe ich E und C vertauscht... falschrum eingelötet. Die Instabilität ist jetzt weg und die Kiste ist nochtmehr so laut, ob die AVR tatsächlich was macht habe ich noch nicht überprüft.
Soweit die Kurzantwort.

Wenn ich den Sender im Nordmende Carmen habe, kommt er auch eigentlich immer im Chinaradio. Klingt trotzdem immernock Kacke.

Die Filterfarben habe ich über ein Foto von Google Identifiziert. Die Übertrager über den Wicklungswiderstand, den mir dem niedrigsten Widerstand zur Gegentaktendstufe.
Zuletzt geändert von Harry02 am So 29. Okt 2017, 19:58, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Chinesische Radio- und Funkbausätze

Beitragvon Bastelbruder » So 29. Okt 2017, 19:49

Na also. Jetzt sollten auch die Ströme stimmen.
Auf der einen Seite sind historische Bauteilewerte 20k, 2k, und auf der anderen 806 Ohm, der mich zuerst etwas verwirrt hat, ich hatte 223 gelesen. :oops:
Ist da tatsächlich ein E96- Widerstand zwischen Diode und Poti?
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