Igors Kamera

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... oder: Wie kriegt man da heute noch ein Foto raus? (Reparatur und Beschreibung verschiedener historischer 6x9, 4,5x6, 4x3, 35mm, 16mm und 8mm (Film)Kameras für die chemische Fotografie)

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Erstmal ein Bild, worums geht:

SAM 3067b.JPG

Weiter unten habe ich aber auch mehrere weniger igoristische (35mm-) Kamerareparaturen beschrieben.

Diese Faltbalgenkameras gibt es in dieser Konstruktionsart, mit ähnlichen Verschlüssen und Linsen und als rechteckiger Kasten zusammenklappbar, schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts, 1900..1910(?). Da wurde noch auf Glasplatten fotografiert. Seit dieser Zeit gibt es auch den 120er Rollfilm, der sich in den 20ern und 30ern durchgesetzt hat und die Amateurfotografie boomen ließ. Faltbalgenkameras für Rollfilm wurden in der Folge seit Ende 20/Anfang 30er Jahre bis in die 50er massenhaft produziert.

Abbildungsqualität

Über Sinn und Unsinn, damit zu fotografieren, kann jeder selbst philosophieren. Fakt ist, dass so ein Ungetüm in vielen Fällen ein gleichwertiges oder "besseres" Bild als eine Kleinbildkamera mit Oberklasseobjektiv oder gar eine digitale Kompaktkamera liefern kann (über 5MP-Handys mit 5mm Sensor brauchen wir nicht zu reden). Und das zu einem Spottpreis. 2 Filme und ihre Entwicklung (~15€) sind meist teurer als die Kamera selbst.

Das liegt vor allem an der großen Aufnahme("Sensor"-)fläche der Rollfilmkameras. Ein gutes 24x36mm Dia enthält ca 22 Millionen Bildpunkte, eine genauso gutes 6x9 Dia entsprechend 116 Mio Bildpunkte (bei 160 lp/mm Auflösung also einem Oberklasseobjektiv und mit Stativ, unter 1/250)[1]. Nicht jedes Uraltobjektiv bringt das auf den Film, aber das wird im 6x9 Format auch erst bei wandgroßen Postern relevant. 1841 hatte man bereits 20-30lp/mm, mit einem guten Anastigmat oder Tessar hatte man ab 1902 40-60lp/mm.[1b]

Fun Fact aus Link [1]: Es gibt einen Hochkontrast-SW-Film, der in 6x9 Größe 2200 Mio Bildpunkte (2,2GigaPixel) liefert (oder schlappe 400MPx in Kleinbild). Natürlich nicht mit einer Objektivkonstruktion des frühen 20t. Jahrhunderts... da braucht man ein Objektiv, welches bei kleineren Blendenzahlen als f2 (wegen der Beugung) noch die angenommenen 700lp/mm liefert.

Womit ich wieder beim Thema wäre: Die allermeisten "Falter" haben eine dreilinsige Linsenanordnung, die den Abbildungsfehler namens Anastigmatismus korrigiert (dies im Gegensatz zu den meist einlinsigen Boxkameras der Zeit). Entsprechend hießen die Linsen fast aller Hersteller "Anastigmat", und da sind schlechtere genauso wie bessere Objektive darunter. Ob man ein eher schlechteres erwischt hat, merkt man, wenn man mit Offenblende fotografiert. Bei diesen Kameras gilt: Abblenden, Abblenden, Abblenden. Unterhalb von f8 sind fast alle Linsen dann auch wirklich scharf. Vor allem in späteren Jahren gab es aber auch bessere Linsen (Tessar am bekanntesten) die nach dem Krieg auch vergütet waren (gegenlichtunempfindlicher), erkenntbar am roten T oder V.

Reparatur

Trotz des Alters haben viele Falter die lange Zeit gut überdauert, vor allem das zusammengeklappte Innere ist ja immer gut geschützt. So gibt es verkratzte/gesprungene Linsen nur selten.

Meistens beschränkt sich die Reparatur auf den

Verschluss

...der deshalb hier als erstes kommt. Im Allgemeinen gilt das auch für 35mm-Kameras mit ähnlichen Verschlüssen.

Im Normalfall ist der Verschluss verharzt, entweder komplett, so dass gar nichts geht, oder die Zeiten laufen alle zu langsam ab. Oft schließen die Lamellen wie in Zeitlupe. Da gilt als allererste Regel: KEIN ÖL! Ratet mal wie ich es zuerst gemacht habe: Natürlich ordentlich reingekippt, Nähmaschinenöl und Silikonsprühöl.

Eine Methode, von der man oft in Variationen liest: Kamera auf die Heizung legen, sich vor die Glotze hocken und den Verschluss so oft auslösen bis die Finger weh tun. Da bin ich kein Freund von, denn irgendwann, entweder einfach etwas später, oder wenn es kalt wird, kann der Verschluss plötzlich wieder hängen und zwar genau dann wenn man es brauchen kann. Unzuverlässige Technik ist nicht schön.

Wer feinmechanisch begabt ist, kann auch den ganzen Verschluss zerlegen, stundenlang säubern, (am besten nach kryptischem Schmierplan) schmieren, und wieder zusammensetzen, wie dieser Bastler: [2]

Ich habe den goldenen Mittelweg gewählt: Öffnen, in Lösemitteln ersaufen, minimalst schmieren, überprüfen, fertig.

Das Öffnen des Verschlusses, und bei dieser Methode zwangsläufig auch der Linsen, ist manchmal etwas unterschiedlich, deshalb sind unten ein paar Fallbeispiele. Das Abmontieren der Front- und Endlinse sollte man zuerst machen, wenn da irgendwelche Halteringe ausgenudelt sind, kann man die Linsen nach der "Flutung" nicht mehr reinigen (was auch so meist notwendig ist).

Nach Freilegung der Mechanik (in waagerechter Position liegend) und Wiederanbringen der Endlinse kann man mit

Schritt 1: beginnen, vorsichtig geeignetes Lösemittel (siehe weiter unten) reinkippen und schauen, wo es zuerst rausläuft. Wenn es recht schnell von außen oder innendrin auf den Balgen tropft, sollte man es mit Papiertüchern davon abhalten. Wenn ausreichend Suppe in der Mechnik bleibt, kann man das ganze kurz stehen lassen, oder durch Schräghalten die Flüssigkeit mal in alle Ecken laufen lassen. Die Mechanik ohne Gewalt mehrmals betätigen wenn möglich (dazu eventuell Zeitenrad/Mechanik-Deckel wieder aufsetzen).

Schritt 2: Über einem Mülleimer oder Zeitungspapier das Lösungsmittel auskippen (bzw. vorsichtig ausschütteln, Achtung, dabei können Teile rausfallen und es besteht hohe Brandgefahr, keine Kippen anstecken, keine Kerzen).

Schritt 3: Schritt 1 und 2 noch einmal ausführen. Normalerweise sollte der Verschluss jetzt wieder (temporär) gangbar sein. Um zu testen, wie erfolgreich die Aktion war, muss die Mechanik vollständig trocknen, z.B. auf einer Heizung.

Schritt 4: Wenn die Zeiten danach immer noch nicht sauber laufen bzw. Anzeichen von Verharzung noch vorhanden sind, sollte man Schritt 1-2 nochmal, am besten mit einem anderen Lösemittel, durchführen (vor allem wenn vorher viel Öl/Fett drin war muss man öfters fluten).

Schritt 5: Minimalstölung. Wenn man keine Details zu dem Verschluss kennt, bzw. keine Serviceanleitung mit Schmierplan hat, sollte man sich da sehr zurückhalten. Vor allem dürfen keine kriechenden Öle eingesetzt werden, weil irgendwann landet es sonst auf den Linsen. Auf den Verschlusslamellen darf auch kein Öl sein. Manchmal braucht das für die langen Zeiten bzw. den Selbstauslöser zuständige Hemmwerk aber doch etwas Schmierung, weil es unsauber bzw zu langsam abläuft. Dazu kann man einen Tropfen Nähmaschinenöl in vielen Tropfen Waschbenzin lösen, und die Mischung mit einem Zahnstocher auf die Wellen/Zahnräder tupfen. Alternativ, oder zusätzlich, kann man feines Graphitpulver einsetzen. Das schadet auch an der restlichen Mechanik nicht.

Schritt 6: Mehrmals auslösen, sollte jetzt ja alles funktionieren. Den Verschluss wieder zusammen bauen, nochmal alle Zeiten nach Gehör testen. Wer es ganz genau wissen will, kann Zeiten bis ca. 1/100...1/200 (ab dann kann man Öffnen und Schließen nicht mehr unterscheiden) mit dem Programm Audacity (oder ein anderes mit Oszillogramm-Zeitachse) und einem Mikrofon am PC überprüfen. Die eigentlichen Zeiten bzw. die Abweichung notiert man sich, und lebt damit. Solange es weniger als +50/-25% (oder 0,5 Blendenwerte) sind, kann man es eigentlich auch vergessen (außer man fotografiert mit Diafilm).

Lösemittel

Da eignen sich vor allem Ethanol (Spiritus), Wasch/Feuerzeugbenzin und Aceton. Ich nenne sie mal in dieser Reihenfolge, in der ich sie auch nacheinander einsetzen würde. Ethanol sollte unproblematisch sein und Waschbenzin greift eigentlich auch keine verbauten Teile an. Könnte aber beides Beschriftungen abwaschen. Aceton greift viele Kunststoffe an, bei neueren Kameras dürfte das problematisch sein. Auch könten sich Verklebungen lösen, wenn es auf das Kameragehäuse läuft. Dann sollte man es nur Tropfenweise aufbringen, und nicht "durchspülen".

Linsen

Spätestens nach der Verschlusspülung sind die Linsen reif zum Putzen. Hier tun es Ethanol und ein Taschentuch (besser Mikrofasertuch), bei unvergüteten Linsen geht bei viel Fett auch Aceton (keine Ahnung, ob es acetonlösliche Vergütungen gibt). Vor dem Ausbau sollte man sich merken, welche Seite der Linse wohin gezeigt hat. Manchmal kann man die mittlere Linse nicht ausbauen, die reinigt man dann mit offenem Verschluss und Blende mit einem Wattestäbchen. Kurz vor dem Einbau entstaubt man jede Linse mit einem sauberen Pinsel. Völlig staubfrei ist nicht nötig, kriegt man auch nicht hin.

Entfernungseinstellung prüfen

Meistens kann man die Entfernungskalibrierung bzw. den Endanschlag ändern, schon allein deshalb könnte sie verstellt sein. Oder weil man beim Zusammenbau einen Fehler gemacht hat. Das kann man mit einem Stück Wachspapier in der Filmebene und offenem Verschluss ganz gut testen. Zuerst den Unendlich-Punkt mit einem Objekt weiter als 20m weg testen (z.B. mit einem Handtuch über dem Kopf auf dem Balkon). Das Wachspapier muss wirklich plan und straff in der Filmebene liegen. Die nahen Entfernungen kann man mit einer Lampe und schwarzem Kreuz davor oder so überprüfen. Da gibts auch noch einen Trick: Bei Objektiven mit Frontelement-Scharfstellung ist die Linse oft auf eine Umdrehung mit einer kleinen Schraube begrenzt. Wenn man die weglässt und nicht verliert, kann man die Linse (wie zum zerlegen) weiter raus drehen und so zB. bis 0,5m scharf stellen.

Balgen, Rest

Man muss noch mit z.B. einer Taschenlampe im Dunkeln kontrollieren ob der Balgen ein kleines Loch hat, das muss man dann mit Klebeband oder irgendwas lichtdichtem beheben. Ansonsten kann eigentlich nicht viel kaputt sein.

Benutzen

f4 12sec 4,5x6cm Fotopapier

120er Rollfilm gibt es immernoch zu kaufen, verschiedene SW, Color-Dia und Negativfilme. Mit einer Entwicklungsdose und Kaffee (Stichwort Coffeenol) kriegt man die auch selbst entwickelt, oder man kauft fertige Chemie. Noch ein Hinweis zu Rollfilm: Früher hatte die Papierrückseite des Films nur eine Bildnummer für das 6x9 sowie 6x6 Format. Die sog. Zweiformatkameras haben als kleineres Format meist 4,5x6, und deshalb zwei Rotglasfenster: Die (für 6x9 gedachte) Bildnummer muss im 4,5x9 Format zuerst im ersten Fenster erscheinen, für die darauffolgende Aufnahme im zweiten Fenster.

Wenn man nur bzw. auch Fotopapier rumfliegen hat, kann man sich das passend zuschneiden und in die Kamera einlegen, das Papiernegativ kann man hinterher einscannen. Mit den damit (ISO 6-12) verbundenen Belichtungszeiten fühlt man sich dann auch wie 1910.

Belichtungsmesser ist ja bei den Faltern Fehlanzeige. Bei Diafilm braucht man dann einen externen Belichtungsmesser, aber vor allem für Schwarz-Weiß nicht. Ein Belichtungsspielraum von 3 Blendenstufen ist durchaus drin, bei kontrastarmen Motiven auch mehr. Da tut es wie früher auch eine mehr oder weniger komplexe Belichtungstabelle. Da gibt es auch welche, wo Jahreszeit, Uhrzeit und Breitengrad mit in die Berechnung eingehen.

Ohne Tabelle tut es auch die Sunny-16 Regel, mit der man schon viel geschätzt bekommt:

->Bei Sonnenschein Blende 16 und Eins durch Filmempfindlichkeit als Zeit. Um davon ausgehend die Belichtung schätzen zu können, muss man ein paar Lichtsituationen kennen, bei denen man aufblenden soll:

Bsp: ISO 400

Sonne (harte Schatten) - f16 1/400s (oder f32 und 1/100)

diesig/leicht bedeckt (weiche Schatten) - f11 1/400 (oder f22 und 1/100)

trübe (keine Schatten) - f8 1/400 (oder F16 1/100)

stark bewölkt - f5,6 1/400 (oder f11 1/100)

Motiv im offenen Schatten; Regen; bei Sonnenuntergang - f4 1/400 (oder f8 1/100)

kurz nach Sonnenuntergang - f4 1/200

beleuchtete Objekte; Stadion; heller Innenraum - f4 1/50 - 1/100

Bühne; heller Kunstlichtraum f4 1/25 - 1/8

60W Lampe 1-2m vom Objekt - f4 1/10s (oder f8 0,5-1s)

Straße bei Nacht - f4 0.5-1s (oder f8 2-4s, Schwarzschildeffekt beachten)


Auf dieser Drehscheibe (ISO 50/100) beruht die folgende Tabelle:

Drehscheibe

In Orange überlagert noch die Empfehlungen von dem Slider aus [4].

Tabelle

(Für ISO 400, ohne Lesbarkeitsgarantie)

Passt zusammengefaltet zwischen Balgen bzw. Linse und Klappdeckel und ist so immer dabei. Auf der Rückseite kann man noch die Glühlampentabelle (und eine für die hyperfocale Distanz bzw. Tiefenschärfe) platzieren:


0,7m/1kW f11&1/100 | 250W f8&1/50 | 60W f4&1/50

2m/1kW f5.6&1/50 | 250W f4&1/25 | 60W f4&1/5

4m/1kW f4&1/25 | 250W f4&1/5 | 60W f4&1s

6m/1kW f4&1/10 | 250W f4&1/2 | 60W f4&2s

Hier kann man seinen Film und Entwickler suchen, um ein passendes Entwicklungsrezept zu bekommen: http://filmdev.org/


Blitzen

Und nachts...? Bei Vorkriegsfaltern ist ein Blitzsynchronanschluss eher selten. Die Ihagee hat einen, aber nicht den späteren Standard-PC-Stecker (PC: Prontor-Compur) der Elektronenblitze. Damals fotografierte man im Dunkeln igoristisch mit Blitzlichtpulver, begleitet von einem mehr oder minder lauten POFF. Blitzlichtpulver war bis in die 60er beliebt, weil billiger als Blitzbirnchen und auch kompakter.

Neu zu kaufen gibts das nicht mehr, aber dafür Rezepte im Interwebs (falls ihr in einem Land wohnt, wo man die Zutaten auch ohne Hausbesuch bekommt). Weiteres in [5]. Mit den modernen, hochempfindlichen Filmen braucht man auch keine Blendgranatenladung mehr, um was abzulichten.

Ungefährlicher geht es auch mit einem, oder 2 Streifen brennendem Magnesiumband und längeren Zeiten oder ISO400-1600 Film.

Auch effektvoll geht es mit Blitzbirnchen, leider sind die in groß mittlerweile zu selten zum benutzen. Da es zu dem Thema noch mehr sinnloses Wissen über antiquierte Technik gibt, hier zwei Unterseiten Elektronen/Birnenblitz ==>> Universa P5000 und Ticky Star Birnenblitz.

Fallbeispiele

Ihagee Auto Ultrix Zweiformat

mit Prontor II

SAM 3063b.JPG

Eine echte "Springkamera", die Feder ist so stark, dass das Innere auf Knopfdruck selbst entgegen der Schwerkfrat ruckartig aufspringt und so mit dem Gehäuse-Auslöser sofort schussbereit ist.

Die Frontlinse der Auto Ultrix lässt sich heraus schrauben, bei mir gings zum Glück schön leicht. Manche Ultrix-Kameras haben auch zwei Kerben in der Frontlinse zum raus schrauben, dabei nicht mit dem Werkzeug (langer Steifer Blechstreifen o.Ä.) abrutschen ([3]). Die runde Abdeckplatte des Prontor II Verschlusses mit der Zeitenbeschriftung wird von 2 unterschiedlich langen Schrauben gehalten. Das Zeitenrad kann man dann (am besten wenn der Verschluss nicht gespannt ist) abnehmen, ohne dass einem Federn entgegen springen. Ohne Zeitenrad läuft der Prontor II auch ab. Beim Aufsetzen des Zeitenrades (Verschluss ungespannt) mit der Markierung in Richtung der Zeitenbeschriftung vorsichtig drauf setzen und hin und her drehen, so dass Führungsnasen einrasten können. Dann liegt das Zeitenrad plan auf dem Gehäuse. Das Objektiv kann man (nach Entfernen der Führungsschraube hinten am Objektiv, im Balgeninneren) ganz herausnehmen und könnte es so ins Ultraschallbad werfen. Ausbau ist aber nicht zu empfehlen, da man wieder genau die richtigen Zähne des Schneckengangs treffen muss, damit am Ende die Entfernungen stimmen.

Nach Säuberung und Verölung (geht immer noch nicht, mh, doch noch etwas Silikonöl nachsprühen) des Verschlusses Prontor II fand ich im Internet den Hinweis: Kein Tropfen Öl auf Prontor Verschlüsse! Nirgends!

Nach längerer Spülaktion lief dann auch alles wunderbar. An dieser Kamera gibt es kein Plastik, Acetonspülung hat sie überstanden. Als letztes hat die "Aufzughaltung" des Selbstauslösers Harzprobleme gehabt, da ist wohl eine Rutschkupplung oder sowas drin. Die beiden Hemmwerke brauchten etwas Ölung (Tropfen Öl in Waschbenzin gelöst auf Zahnstocher) und die restliche Mechanik bekam etwas Graphitpulver. Alle Zeiten laufen jetzt recht genau und sogar etwas zu schnell, bis auf die längste, mit ca 1,3s statt 1s.

Trick: Normal ausgeklappt kann man erst ab Entfernungen von 2m scharf stellen (auch wenn der erste Strich 2,5m sagt). Wenn man das "Springgelenk" ausrenkt, kommt das Objektiv nochmal ein Stück nach vorne. In dieser "2m"-Position des Entfernungseinstellers hat man jetzt 1..1,10m scharf. Auf "unendlich" 1,90m. Da hier das ganze Objektiv, und nicht nur die Frontlinse verschoben wird, sollten auch keine Abbildungseinbußen auftreten.

Balda Gloria

mit Compur

BaldaGloria
SAM 3052.JPG

Dieser Verschluss ist als Spitzenklasse bekannt, und war wie bei der Balda Gloria, einem um 1939 gebautem Modell, mit 1/250 meistens etwas schneller als die Konkurrenz. Einen Gehäuseauslöser gibt es nicht (Auslöser vorne). Das Objektiv ist meistens kein wirklich schlechtes sondern eher ein gutes, wenn ein Compurverschluss verbaut ist. Hier ist es ein dreilinsiges unvergütetes Radionar.

Als erstes muss man die Blockierschraube an der Frontlinse abschrauben (Schraube fällt sehr gerne runter), die Frontlinse raus drehen. Bei meiner Variante muss man als nächstes die mittlere Linse abschrauben, die auch den Entfernungsanschlag hält. Also dessen Position von oben fotografieren! Dann den hervorstehenden Schriftzug mit den Blendenzahlen an den 2 Schrauben abschrauben, und die drunter verstecke Schraube aufschrauben. Jetzt kann man die schwarze Abdeckung und die Steuerscheibe (Zeiteneinstellscheibe) abnehmen. Auch bei diesem Compurverschluss sind mir keine Federchen entgegen gesprungen, und er läuft ohne Zeitenscheibe durch. Ansonsten Standardprozedur.

Zum Testen habe ich mit der 6x4,5 Maske einen Fomapan 100 35mm Film eingelegt und ein paar Testaufnahmen gemacht.

Zeiss Ikon Nettar 515

mit Klio

ZeissNettar515
ZeissNettar515


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Das mit rotem Pfeil markierte Teil geht gerne auf Bodenerkundung!


Nach Entfernen der kleinen Entfernungsanschlagsschraube kann man die Frontlinse herausdrehen. Dann kommt der Sicherungsring für die Abdeckung zum Vorschein. Diesen mit einer spitzen Pinzette (oder passendem Werkzeug) herausgedreht und schon kann man das Zeitenrad abnehmen. Der Verschluss läuft auch ohne selbiges ab. Der Entfernungsanschlag ist fest (nicht justierbar). Achtung, der Sicherungsring für die Endlinse ist scheinbar aus Alu, den kann man leicht ausnudeln/verhunzen.

An diesem Verschluss hat sich zuerst gar nichts bewegt. Offenbar waren die Verschlusslamellen festgebacken. Nach der 2. oder 3. Spülung und leichtem Druck auf die kleinen "Schieber" die direkt auf die Lamellen arbeiten (einer dieser Schieber ist unten am Selbstauslöser, so dass der Schieber blockiert ist solange der Selbstauslöser abläuft) war es wieder gangbar. Noch zwei Spülungen mit Ethanol und zweimal Waschbenzin, nach dem Trocknen Graphitpulver.

Ein Fehler blieb bestehen: Der Selbstauslöser läuft sofort los, wenn man ihn loslässt. Eigentlich wird das dadurch verhindert, dass beim Aufziehen ein schwingendes Teil gegen das Gehäuse gedrückt wird, aber hier fehlte ein Millimeter. Das wurde mit einem Streifen Aluklebeband behoben (blauer Pfeil unten)

Der zweite Fehler war, dass der Verschluss nach Auslösen und Loslassen in Stellung T nicht offen blieb. Scheint auch durch Materialabnutzung verursacht zu sein. Jedenfalls half auch hier ein kleiner Streifen Aluklebeband um den kleinen Blockierstift gewickelt (im Bild blauer Pfeil oben).

Daneben kam es unregelmäßig vor, dass auf Stellung 1/10s 1/50 ausgelöst wurde. Da war wohl etwas Dreck oder Materialverformung im Spiel, ich habe die kleine Treppenstufe in der Steuerscheibe welche 1/10s steuert ein klein wenig abgefeilt, jetzt geht es. Nicht zu viel abfeilen sonst hat man zweimal 1/5s oder muss wieder was drauflöten.

In den Boden des Klappsuchers kann man ein kleines Stück Papier mit den 3-4 häufigsten Belichtungseinstellungen (siehe oben) reinsetzen. Die Kamera frisst auch Kleinbildfilm! Falls man dringend Bilder machen muss aber kein Rollfilm zu kaufen ist. Das Sucherbild muss entsprechend beschnitten werden (gedacht oder mit Klebeband/Edding), es ist dann Querformat statt Hochformat wie bei 4,5x6.

Agfa Solinette LK

mit Prontor LK

Bei dieser 35mm-Kamera kann man nur die Endlinse abschrauben. Der etwas größere Sicherungsring, um den kleinen für die Endlinse herum, befestigt den kompletten Prontor-LK-Verschluss samt Objektiv, den man dann abnehmen kann - vermute ich, denn der Ring ging zu schwer auf und ich habe den Verschluss montiert gereinigt. Jedenfalls war es die erste Kamera, die Öl abbekam. Nach dem ölfreien Erfolg der Ihagee Kamera wurde sie auch entölt. Dazu habe ich sie mit der Frontlinse nach unten auf ein Glas gestellt und von oben, durch die offene Rückwand, Lösungsmittel auf die Lamellen gekippt (Endlinse weg). Hat viele Spülungen gebraucht, aber alle Zeiten laufen wieder super! Dafür hängt der Nachführzeiger des Belichtungsmessers. Die Kamera deswegen weiter zu zerlegen hatte ich keine Lust.

Rollei 35 S

Dieses "mechanische Wunder" (kleinste jemals gebaute mechanische 35mm-Kamera) litt an verharzten langen Zeiten. Aufschrauben traue ich mir nicht zu, auch wenn es eine leider sehr kryptische Serviceanleitung mit Explosionszeichnungen gibt. Im Internet fand ich aber einen Tipp, welcher bei mir auch funktioniert hat: Wenn man die Rückwand abnimmt, Filmandruckplatte hochklappt, und den Objektivtubus ausfährt, sieht man ganz links den ersten mm von einem Zahnrad. Darauf ein, zwei Tropfen Waschbenzin und Zeiten durchlaufen lassen. Ich habe danach noch einen Tropfen verdünntes Silikonöl (mit einer Spritze und Nadel) aufgebracht. Darf halt nicht auf die Linsen kriechen.

Außerdem war die Entfernungseinstellung sehr schwergängig. Ich habe versucht, das Objektiv auszubauen, aber es wurde dann doch zu "lerning by guessing" und ich wollte das Ding nicht schrotten, die 35S wird nicht so billig gehandelt. Einen besseren Tipp als vorsichtig Waschbenzin in die Ritze träufeln habe ich nicht, aber auf eigene Gefahr! (Bei mir ist (mit Glück?) nix auf die Linsen gekommen - wenn doch, hätte ich nichts mehr reparieren können -> einschicken)

Rollei 35 LED

Passt nicht ganz hierher, die Kamera ist mit 1978 schon recht neu. Das hier ist die Plastikversion der Rollei 35 mit elektronischem Belichtungsmesser. Wikipedia schreibt: "Rollei Singapur, dort gab es keine eigene Entwicklungsabteilung, hatte in Deutschland die Genehmigung für eine geänderte 35 B eingeholt. Da in Braunschweig der Grundsatz propagiert wurde, die asiatischen Mitarbeiter zu achten, ließ man sie gewähren. So schuf man dort die Rollei 35 LED, bei welcher eine inzwischen kostengünstig verfügbare Elektronik den Selenbelichtungsmesser ersetzte."

Macht keinen Spaß daran zu basteln... aber lässt sich wenigstens einfacher als die R35 zerlegen. Es ist aber deutlich fummeliger als mal eben einen Zentralverschluss zu öffnen.

Rollei35LED


Bei Detailfragen mir am besten eine Mail schicken (harry02 im Forum), habe noch mehr Fotos der Zerlegung. Problem war ein abgefallener Kontakt (in Plastik festgepresstes Stück Messing), die Reparatur mit 2k-Kleber hielt eine Reise und ein Festival durch, ist aber wieder abgefallen und jetzt wohl endgütlig irreparabel bzw. nicht mehr zuverlässig genug. Herr Waaske wusste, warum die vorhergehenden R35 keinen einzigen elektrischen Schaltkontak sondern einen mechanischen Nachführbelichtungsmesser hatten. Lichteinfall zeigte die Gurke auch auf manchen Fotos.

Drei Schrauben und die flache Spannhebelschraube sichern das obere Gehäuseteil. Die Plastikmimik des Filmtransports unter dem Spannhebel sollte man beim Ausbau im Auge behalten, beim Wiedereinbau blockiert oft eine zu weit gedrehte Plastiknase den Filmtransport. Um die Objektivplatte (die ist immerhin aus Metall) abzubekommen, muss man das Gehäuseoberteil nicht zwangsläufig abnehmen. Um sie mit der fast kompletten Mechanik darauf rauszubekommen, muss man die Frontbelederung abmachen (mit Ethanol oder Aceton anlösen, Vorsicht, Aceton löst auch das Plastik!) und die Schrauben der Abdeckung lösen, dann die 4 Schrauben der Platte. Achtung mit den Drähten. Das Ding wo der Spannhebel und der Sucher dran sind muss vorher ab soweit ich mich erinnere, dazu die Flachschraube auf dem Rückspannhebel aufdrehen, die 3 Schrauben lösen, Deckel abheben. Vorsicht auch hier mit den Drähten.

Ich glaube, man soll den Verschluss nur im gespannten(?) Zustand ausbauen, aber das vorher lieber nochmal googeln.

Belca Beltica I

Mit Cludor

Beltica

35mm-Kleinbild Faltbalgenkamera, gebaut in der DDR um 1951/2 auf Basis einer Balda Baldina von 1935. Diese Beltica hat einen Compur-Nachbau (bzw Synchro-Compur(?), hat ja einen Blitzanschluss) namens Cludor bis 1/200s, und ein vergütetes Trioplan f2,9 Objektiv. Die beiden Linsenelemente (da es ein Triplet-Objektiv ist, sind wohl 2 Linsen kombiniert) lassen sich problemlos abschrauben. Blenden 2,9-22 (auch wenn nur bis f16 beschriftet ist) und eine Nahfokusgrenze von ca 0,65m (0,8m eingezeichnet). Der Blitz(Zubehör-)schuh scheint nicht serienmäßig zu sein, habe ich bisher nur bei meiner gesehen.


Sie hat ein sehr schnelles Springscharnier und fliegt mit einem metallisch-lauten ZACK auf. Wenn die Arretierung vom Zeitenrad während der Reinigung fehlt, fliegt letzteres dabei weg, eine kleine Feder aus Mitleid meistens auch dazu. Eine weitere Besonderheit ist der Sucher, den hat man wortwörtlich IM Auge. Außerdem kann man gleichzeitig hindurch, und daran vorbeigucken (so groß ist der)!


Bilder von der Reparatur der kleinen Beltica folgen noch. Vorsicht beim Reinigen der Linsen, Microkratzer entstehen wegen der vergüteten Oberfläche (rotes V oder T) wohl besonders schnell.

Hier ein Bild des Cludor-Verschlusses:

Beltica_Cludor_Repair

Nach der Flutung mit Waschbenzin (diesmal kein Ethanol) und Heizlüftertrocknung, Linsenreinigung, etwas Verwirrung durch raus gesprungene Federn (bei dem Cludor waren es etwas viele... nicht ohne Zeitenrad auslösen/spannen) und Fummelei mit dem verbogenen Einfachst-Synchronkontakt geht alles wieder. Ab 1/10sec - 1/50 laufen die Zeiten ca 30% zu schnell, 1/100 scheint zu passen und 1/200 ist akustisch für mich nicht mehr messbar. Also, Film rein.

Diese Kamera wird mein Rollei-35-Ersatz sein - genauso lichtstarkes Objektiv, Blitzkontakt, nur 2cm länger. Für Festivals oder so, denn die Kamera hat mich keine 15 Euro gekostet und ist um einiges robuster. Ich hab sie mal auf den Holzboden fallen lassen - Loch drin (lieber nicht mit Fliesen ausprobieren). Der Sucher mag Bodenkontakt aber nicht so gerne, könnte man mit Blech verstärken.

Der erste Testfilm war einwandfrei.

Beltica Manual: http://www.butkus.org/chinon/balda/balda_beltica_24x36/balda_beltica_24x36.htm


Balda Rollbox I

Mit Schleuder(Rotations-)verschluss

Von Boxen bin ich eigentlich nicht so begeistert, denn oft sind die hochauflösenden, teuren 6x9 Negative unscharf also quasi "verschwendet", durch den Fixfokus oder allein die schlechte Linse. Auf die Belichtungszeit von 1/30 aus der Hand kann man es nicht schieben, wenn man den Auslöser langsam bedient und die Kamera wie vorgegeben gegen die Hüfte/Bauch presst.

Aber irgendwie hab ich aus Versehen eine ersteigert, und der Spaßfaktor ist auch nicht von der Hand zu weisen.

BaldaBox

Diese Box wurde in dieser ersten spartanischen Version von 1932 - 1938 gebaut.[6] Originalpreis 4RM. Es kann nur mit Offenblende gearbeitet werden, angeblich hat die Linse f11. Bei 7,45mm Durchmesser komme ich bei meiner auf f13 (100mm Brennweite durch Blendendurchmesser). Der boxkameratypische Rotationsverschluss wird zwischen 1/20-1/40s ablaufen, akustisch wie bei Zentralverschlüssen kann man das nicht messen. Der einzige Einstellhebel stellt den Verschluss auf Bulb (Zeitaufnahme). Der Fixfokus liegt irgendwo zwischen 8 und 15m, nahe Objekte sind erst ab 4-6m scharf. Die innere Filmführung hat fast so viel Spiel, dass man das gleich als Fokuseinstellung hätte nutzen können.

Balda_Rollbox_Repair

Die Reparatur beschränkte sich auf das Säubern der Aufnahme- und Sucherlinsen, der Verschluss geht nämlich eigentlich immer wenn er nicht gerade verrostet ist. Trotzdem habe ich bei der Gelegenheit die Verschlussteile gereinigt und mit Graphitpulver geschmiert (danach ausblasen damit später nichts auf die Linse wandert). Auf rostige Stellen am und im Gehäuse habe ich etwas Vaseline geschmiert, damit glänzt auch der Gehäusebezug wieder schön. Außerdem habe ich kleine Stellen abgeplatzten schwarzen Lack innen mit Edding "ersetzt", vor allem an der Tür zum Laden des Films.

Hier gibts eine weitere Schwachstelle: Wenn der federnde Haken nicht mehr fest sitzt, kann die Klappe einfach aufgehen und ein paar Bilder bekommen Lichteinfall. Also das Ding etwas runterbiegen.

Einer der Sucherspiegel ist ziemlich matt, war aber wohl schon immer so. Im Querformatsucher sieht man dann alles unscharf.


Vier Blendenstufen mehr für die Balda Rollbox

Was man der Balda Rollbox noch spendieren könnte, wenn man sie denn verbasteln will, ist eine schiebbare Blende. Nur ein einziger "einstellbarer" Lichtwert ist schon blöd (mit Zeitaufnahme/Bulb gehen natürlich beliebig lange Belichtungen mit Stativ ab ca 1/4s).

Balda_Rollbox_Repair

Ich habe jedenfalls einen Weg gefunden, der Boxkamera zwei weitere Blendenwerte zu spendieren, völlig reversibel und nichtinvasiv: Durch den Schlitz für den Verschlussschalter (Moment/Zeitaufnahme) steckt man einen zweiten Schieber aus dünnerem Blech (oder macht den Schlitz etwas breiter), welcher die Lochblenden vor der Linse hin und her schiebt. Der Verschlussschieber war vorher am Bedienende zur Front hin gebogen, den habe ich jetzt leicht in die andere Richtung biegen müssen. Einrastnasen am Blendenschieber sind sinnvoll, ein aufgelöteter Endanschlag auch, sonst rutscht er bei Blende 45 immer aus der Führungsschraube.

Sie kann jetzt zwar 4 Blendenstufen abblenden, aber nur in 2 Werten abgestuft (was für Schwarzweißfilm völlig ausreicht). Entsprechend habe ich f22 (4,5mm) und f45 (2,2mm) gewählt. Wer mit der Box Nahaufnahmen machen möchte, nimmt als dritte Blende vielleicht lieber f64, scharf 2m-unendlich. Damit die Blende das Schwungrad des Rotationsverschlusses nicht behindert, habe ich braunes Faltpapier genommen und es gut mit schwarzem Edding getränkt. Mit Sekundenkleber ist die Blende an einen Blechschieber geklebt, der Kleber verleiht auch dem Blendenpapier Stabilität. Die Löcher kriegt man mit etwas dickerer Alufolie möglicherweise besser hin, sind etwas ausgefranst. Aber dafür rund. Mehr als zwei zusätzliche Blenden kriegt man hin, wenn man den Blechschieber mit einer kleinen Blechhaube bzw Schiene führt, statt mit dem Langloch und der Schraube. Für Langzeitaufnahmen könnte man sich noch f96 hinzufügen. Ab da wird die Box quasi zur Lochkamera und ab 1,45m ist man scharf. (1mm Blende), eine noch kleinere Blende macht das Foto unschärfer als der geforderte Zerstreuungskreis für einen scharfen 10x15 Abzug. Wäre es eine reine Lochkamera, wäre f250 (0,4mm) der optimale Lochdurchmesser. Dann sind quasi alle Entfernungen gleich (un)scharf, bei Sonne 3sec Belichtungezeit.

Balda_Rollbox_Repair

Und jetzt kann es los gehen. Dieses Ding geht in 100 Jahren noch, auch bei -50°C wenn der Film nicht splittert. (Die Hasselblad, die auf dem Mond war, hatte auch nur f5.6 für Objekte im Schatten und f11 für Objekte in der Sonne, bei festen 1/250s.) Durch das Dünnblechgehäuse ist sie aber nicht so robust wie eine Beltica, überlebt einen Sturz aber sicherlich mit Delle. Eine Lederkamerabox hilft da sicher viel, dann kann man sie auch rumwerfen.

Noch was zur Belichtung - falls man ISO 100 Film hat: Bei Sonnenschein, für Objekte näher als 4m: f45 (eine Blende unterbelichtet, aber ab 2,5m scharf), ansonsten f22. Stark bewölkt, offener Schatten: f11. Kurz nach Sonnenuntergang, künstlich beleuchtete Objekte, helles Zimmer bei Tag: f11 1/4s-1/2s. Zimmer bei Nacht: 4sec.

Für eine kleinste Blendendenöffnung von f45 ist ISO400 ideal: Bei Sonne f45 (eine Blende überbelichtet). Stark bewölkt, Regen, offener Schatten: f22. Dichter Wald, Dämmerung, beleuchtete Objekte: f11 (oder f45 1/2s). Zimmer bei Tag f11 1/4s (oder f45 4s). Zimmer bei Nacht: f11 1s.

Wenn man selbst entwickelt, eignet sich eine Standentwicklung in Rodinal, die ausgleichende Effekte hat und Bilder mit starken Kontrasten bzw. Bilder die bei stark verschiedenen Lichtwerten aufgenommen wurden, etwas bremst.


Basierend auf dem Tiefenschärferechner aus der Linksammlung unten habe ich eine Tiefenschärfetabelle für verschiedene Blenden an der Balda Rollbox ausge"rechnet": [Bei 6x9, 100mm Brennweite, Z-Kreis Durchmesser 0,06 & Vergrößerung auf 10x15 Papier, Fixfokus warscheinlich bei 9m]


f11 5,5m - 22m

f22 4 m - unendl

f45 2,5m - unendl

f64 2 m - unendl

f96 1,4m - unendl


http://photographieren.npage.de/rollbox.html Hier gibts Fotobeispiele mit einer Version dieser Kamera

http://www.kameramuseum.de/1-anleitungen/balda/roll-box/roll-box.html Hier gibts die Bedienungsanleitung

http://www.helmuts-fotokiste.de/kameras/hersteller-a-b/balda/rollbox-frontbox.html Prospekt über Balda Boxen

http://www.lomography.com.br/cameras/3350807-balda-rollbox/photos Noch mehr Bilder aus der Box

Baby Box Tengor

Balda_Rollbox_Repair

Kleine niedliche Boxkamera, leider ohne Brillantsucher zum aus der Hüfte schießen. Gefahr des Verreißens/Verwackelns, weil sie so leicht ist.


Achtung, meine Lederhülle (zum senkrecht reinstellen) hat einen Linsenkiller eingebaut. Beim Zuknöpfen oder wenn die Tasche runterfällt, knallt der Druckknopfrücken in der Tasche gegen die Linse! Einen Blendenschieber, um bei 400ISO Filmen abblenden zu können, kriege ich nicht zerstörungsfrei eingebaut. Reparatur beschränkt sich auf Fetten der Belederung und der Tasche, säubern der Linse und innen entstauben. Beim Test mit Wachspapier als Mattscheibe war nix scharf, habe deshalb einen Distanzhalter aus Pappkarton gebaut, der ca. 3mm mehr Brennweite bringt. Erster Test mit 100ISO 35mm Fomapan läuft. Ich habe genug Film für 15-20 Bilder darauf bekommen.

Balda_Rollbox_Repair

So wie in der Anleitung [a] beschrieben, habe ich mir den Film mit zurechtgeschnittenem Deckpapier aus einem 120er Rollfilm ausgewickelt. Wenn ich damit die Kamera getestet habe, schneide ich mir einen 127er Film aus einem 120er Film nach der Anleitung [b].



[a] http://www.lomography.de/magazine/177356-wie-man-seinen-eigenen-127er-film-machen-kann

[b] http://www.lomography.de/magazine/262941-127-film-selber-schneiden-eine-anleitung

[c] http://www.camarassinfronteras.com/tengor_54_18/desmontaje_baby_box_tengor_54_18_1931.html

[d] http://www.mike-steel.com/2012/11/re-spooling-127-film/

Gevabox Geavert

Diese Gevabox Version von 1951 für damals 20DM* hat 3 Blenden "8 11 16", in Wirklichkeit sind es aber f14, f22 und f26. Warum auch immer man das so beschriftet hat... Die Blende 26 habe ich auf 32 verkleinert, das sind bei ISO400 unproblematische 1-2 Blenden Überbelichtung bei Sonne oder perfekte Belichtung für ISO 100 und Sonne. Entfernungseinstellung 1,5-unendl., Blitzsynchronkontakt, 2 Brillantsucher, schneller als 1/30s Belichtungszeit (1/50 schreiben manche). Etwas kompliziert zu öffnen das Teil. Ich musste das im Dunklen machen, weil noch ein Film drin war, und ich eine 4,5x6 Maske eingesetzt habe um den Film vollzuknipsen.

[*] http://knippsen.blogspot.de/2010/08/gevabox-6x9.html


Edixa 16

Edixa16 zerlegt oben.JPG
Edixa16 zerlegt seitlich.JPG

Kleinstbildkamera für das Format 12x17mm, frisst 16mm Film beliebiger Perforation in speziellen 16mm-Filmpatronen, die auch bei der Rollei 16 passen oder nackten Film ohne Patrone. Belichtungszeiten 1/150, 1/60 und 1/30 sowie Schneider Kreuznach 25mm/f:2.8 - f:16. Bei meiner war die Entfernungseinstellung, die das Linsensystem vor und zurück schiebt, fest. Mit einem kleinen Schubs war sie wieder gängig, Reinigung mit größeren Mengen Flüssigkeit wegen des schlecht auszubauenden Linsensystems nicht empfehlenswert. Passende Patronen kann man sich aus 35mm Patronen selbst zusammenbasteln, siehe unten.

Edixa16 16mm Bild.JPG

Passenden Film bekommt man durch Halbierung eines 35mm Films und Entfernung von jeweils 1,5-2mm Rand, oder durch Vierteilen eines Rollfilms. 35mm Film teilen und gleichzeitig den Rand abschneiden mit einer primitiven Rasiermesserbank ist Mist!

Rollfilm hat keine störende Perforation. Den kann man am besten nach Methode [d] bei Box Tengor verlinkt schneiden, dann entfällt der Murks mit einer Messerbank (man bräuchte 3 Messer um den 60mm Film in 4 15mm Bahnen zu unterteilen), über die der Film läuft. Ich habe den Rollfilm in die Bohrmaschine eingespannt, oben ein Bit, unten eine Achse damit er sich gerade dreht, und dann mit dem Teppichmesser ran (mit der Rasierklinge lässt sich so schlecht Druck ausüben). Das ganze bei möglichst geringer Beleuchtung nach den ersten Milimetern. Wenn man den Spulenkern mit durchsägt, hat man auf einmal eine 16mm Filmspule in der Hand- schnell lichtdicht verpacken, je länger sie am Licht ist, desto schwärzer werden 3-6mm Rand.

Edixa / Rollei 16 Patronen bauen

16mm Edixa Rollei Filmpatrone.jpg

Da neue Patronen nicht mehr hergestellt werden und kein Film mehr vertrieben wird, auch nicht in Restbeständen, und ich nicht ewig auf ebay oder Flohmärkten nach einer ollen Patrone Ausschau halten wollte, musste ich mir selbst eine bauen. Am Ende sollte sie ca so aussehen: http://www.kameramuseum.de/2filme/filme-edixa-16.html


Eine Kodakcolor 200 Patrone halbiert, passend gebogen, Filz eingeklebt, Boden angelötet und fertig ist die Außenhülle. Die Spulen habe ich aus einem Stück Bleistift und Schwarzer Pappe zusammengeklebt, und um das ganze abzudichten noch ein geschlitzter Zylinder aus schwarzer Pappe. Die Papierflächen der Spulen habe ich mit Kleber gehärtet. Wirklich gut zurückspulen lässt sich diese Konstruktion nicht, und man muss mit der Rückspulkurbel den Film alle paar Bilder "vorkurbeln" sonst wird der Kraftaufwand beim Filmtransport gefährlich hoch (die arme Hebelmechanik). Film am besten mit gevierteltem Rollfilm (auf Spule zerschneiden) befüllen, siehe oben. Dadurch hat man auch die volle Auswahl an Filmmaterial (SW 12 bis 3200 ASA, Microfilm, Umkehrfilm SW und Farce, Negativfilm). Man muss halt nur immer 4 Rollen 80cmx16mm Film in Form einer Rollfilmrolle kaufen. Das sind ca 40-50 Bilder. Ohne Patrone passen in das Filmfach ca 70 Aufnahmen.

Cinemax / Revue 85E Auto Zoom

Eine Schmalfilmkamera für Doppel-Normal-8 (Doppel-8) Film. Gebaut in den frühen Sechszigern in Japan. Die Kameraindustrie dort war zu der Zeit stark am Kommen und konnte auch qualitativ gut mithalten. Das Zeitalter des Plastik und des Preisdumpings war ja noch nicht angebrochen. So ist dieses Filmgerät mit einem F:1.6 8,5-42,5mm Zoom und Reflexsucher ausgestattet und ist (bis auf die elektromechanische Blende) komplett mechanisch und größtenteils aus Metall. Mit zwei Graufiltern ist man auch vor einem Batterie/elektrikausfall sicher.

Cinemax 85E Reparatur.JPG

Mit dem Zweigang-Automatikzoom kann man ohne Ruckeln und gleichmäßig (langsam) auf Knopfdruck die Brennweite ändern. Da das über den selben Aufziehfederantrieb läuft, tut sich nur bei laufender Kamera etwas. Natürlich gehts auch vorne am Drehring. Der Belichtungsmesser arbeitet mit einer Hg haltigen PX625 oder (vermutlich auch) ihrem Alkaline Pendant, ich habe eine 675 Hörgerätebatterie (Zink-Luft 1,35V) genommen. Obwohl sie kleiner als die PX625 ist, bekommt sie Kontakt, einfach reinstecken oder das Halteblech etwas biegen damit sie nicht so hin und her rutschen kann. Man kann Iso 10 bis 400 einstellen bei Geschwindigkeiten von 8-48fps (mit der Einstellschraube im Inneren kann man sie auch höher drehen lassen, ob der Film bei über 48fps noch zuverlässig transportiert wird weiß ich aber nicht).


Die erste Cinemax 85E welche ich bekam blieb nach 3 Sekunden testen hängen. Also musste ich sie aufschrauben, was erstaunlich einfach war. 5 Schrauben auf der Filmrollenebene (nicht die größere silberne) abschrauben und schon kommt man ans Innere. Ein kleiner Schubs, und sie ging wieder. Um das in Zukunft zu vermeiden wurde verharztes Fett und Öl mit etwas Waschbenzin entfernt. Den Fliehkraftregler und sonstige bewegte Stellen wie Zahnräder sollte man danach leicht ölen (ich mische dazu etwas Nähmaschinenöl mit Waschbenzin und träufele es auf die betreffende Achse/Stelle). Wenn man die Kamera nur mit Wabenzin entfettet läuft sie möglicherweise wieder, aber bei mir lief sie mit Film drin unrund und blieb bei unter 16fps öfter mal stehen, wo nur Schütteln und Perkussionswartung half.


Cinemax 85E.JPG

Die Filmandruckplatte kann man etwas nach hinten biegen, und kommt so mit einem kastrierten Wattestäbchen an die Endlinse, falls staub drauf ist. Bei gescheiter Linsenreinigung empfiehlt es sich die Filmandruckplatte zu demontieren. Um die Verschmutzung zu beurteilen, stellt man auf Dauerlauf und wenn die Aufziehfeder abgelaufen ist, kann man am Spanngriff langsam drehen bis die Blende aufgeht und man durch die Frontlinse hindurch auf die Filmandruckplatte (dort Lampe platzieren) sehen kann, und so Staub auf der Endlinse. Der zwischen den Linsen sitzende "Stachel" und die durchsichtige Folie sind normal. Der Stachel ist das Gegenstück zur Blende, die ein geschlitzer Halbreis ist. Ich frage mich, ob das die optischen Eigenschaften des Objektiv so verschlechtert (Beugung selbst bei Offenblende an diesem Stachel bzw der komischen Blendenform?), dass sich Hochauflösungsfilm dadrin nicht lohnt.

Den Sucher kann man abschrauben und säubern, dann auf die eigene Sehstärke einstellen durch wieder eindrehen.

Um die Bildzahlen pro Sekunde zu justieren, kann man eine kleine Schraube am Halteblech des Filzstoppers am Fliehkraftregler lösen. Winzige Änderungen von 0,5mm oder weniger bringen hier den Abgleich. Die Bildzahlen kann man mit einem Mikrofon und Audacity überprüfen. Jede zweite Signalspitze ist ein Bild. Da ich die ohne Filmtransport eingestellt habe, habe ich leicht zu hohe Framezahlen eingestellt (bei 32 sind es ca. 34fps). Zum Test habe ich die Kamera vor dem Endabgleich in die Tiefkühltruhe gelegt. Fazit: Bei -20°C läuft die Kamera etwas schneller als bei 26°C. Das ist gut, umgekehrt könnte die Kamera bei niedrigen Bildzahlen im Winter stehen bleiben. Die andere, etwas jungfräulichere Cinemax 85E brauchte keinen Abgleich, und lief auch nach erreichten -20°C mit den selben Bildzahlen.

Cinemax85e Offen.jpg


Und jetzt? zum verstauben hab ich sie nicht repariert. Es kommt eine 10m Rolle Fomapan 100R rein. In Deutschland gibt es sonst noch teuren Agafa 200D und abgelaufenen Ferrania Umkehrcolorfilm zu kaufen.

http://www.medien-museum.de/museum/FILM/8mm/8mm13.htm

Verweise

[1] http://photoscala.de/Artikel/Wie-viele-Megapixel-hat-ein-Film (Die MPX-Angaben beruhen wohl auf einer Linien/Linienpaare-Verwechslung und sind eher doppelt so groß, siehe Seitenkommentare)

[1b] http://vitaleartconservation.com/PDF/affects_of_lens_quality_on_image_resolution_v3a_draft.pdf

[2] http://filmphotographyproject.com/content/features/2013/02/clean-and-lube-zeiss-ikon-nettar-51516

[3] http://www.appcott.co.uk/VINTAGE6X6/IHAGEE/1938IHAGEE-AUTO-ULTRIX.htm

[4] http://www.squit.co.uk/photo/exposurecalc.html Belichtungsschieber, kleiner und universeller als eine Tabelle

[5] http://nineball.ve.carpathiahost.net/ep/projectsdevicesdir/powdertest.html und https://lp.uni-goettingen.de/get/text/2073

[6] http://lippisches-kameramuseum.de/Balda/Balda_Rollbox.htm

Fragen und Anregungen: harry 02 im Forum

Links

http://www.hobbyphoto-forum.de/t11695f5-Nettar-Wie-komme-ich-an-den-Verschluss.html

http://camerapedia.wikia.com/wiki/Ihagee_Zweiformat_Auto-Ultrix

http://www.erik-krause.de/schaerfe.htm Tiefenschärferechner mit Zusatzfunktionen

http://www.kl-riess.dk/compur.eng.html The development and photo-historical meaning of leaf shutters

http://www.flickr.com/photos/29504544@N08/5108317238 Synchro-Compur Blitzkontakt

http://benoit.suaudeau.perso.neuf.fr/manuels_rep/obturateurs/compur-repair/ Compur Shutter repair Manual

https://www.flickr.com/photos/35960028@N03/5468875591/in/set-72157625551387646/ Super Ikonta Shutter

http://man-wei.tumblr.com/ Compur und Prontor-S Reinigung

https://www.flickr.com/photos/35960028@N03/sets/72157625551387646/detail/?page=4 Synchro-Compur

http://www.fotografie-in-schwarz-weiss.de/sw-fotografie/wissen.htmlRepair/Cleaning

http://www.fingers-welt.de/wiki/index.php?title=Igors_Spionagekamera