Neuer Plan - Studium

Wenn das Irrenhaus überfordert ist

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tschäikäi
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Neuer Plan - Studium

Beitrag von tschäikäi » Mo 22. Jun 2015, 23:51

Moin,
ich freunde mich derzeit ernsthaft mit dem Gedanken an, doch ein Studium zu wagen.
Eigentlich habe ich immer gewusst, dass ich das machen will, hab mich aber nie getraut
und meinen inneren Schweinehund für unbesiegbar gehalten.
War aber trotzdem immer unglücklich mit meinen Entscheidungen und hoffe, dass ich jetzt, mit 27
noch die Notbremse ziehen und mein Leben mit (für mich) sinnvollen Aufgaben füllen kann.

Ich werde morgen wieder an die HTW fahren und mich einfach in ein paar Vorlesungen schleichen,
mit Studenten reden usw.

Allerdings schwanke ich noch bei der Wahl des Studiengangs und hoffe hier auf Hilfe.
Ich muss das Ganze relativ schnell entscheiden (Jobangebot für den Fall des Nichtstudierens
liegt bereits vor).

Was (soweit ich das beurteilen kann) überhaupt für mich in Frage kommt:
- Mechatronik /Sensortechnik
- Fahrzeugtechnik
- Erneuerbare Energien / Energiesystemtechnik
- Elektrotechnik

Ich tendiere sehr zur HTW Saarbrücken, Trier würde entfernungsmäßig auch in Frage kommen.

Was ich bisher gemacht hab:
Grundschule, blabla, Gymnasium mit mittleren Noten. Ist eine eher sprachlich orientierte Schule,
in Mathe war ich eher Durchschnitt, Physik Spitzenklasse. Englisch hab ich aus dem Ärmel geschüttelt,
Sprachen liegen mir allgemein. Technik als Wahlfach war natürlich genau mein Ding.
Hab die Schule nach der 11. abgebrochen, was ich heute bereue. Gründe: Ich wollte eher was praktisches
machen, die Klientel war mir zu abgehoben und das wurde auf Dauer alles zu trocken.
Notenmäßig wäre ich weiter gekommen.
Jeder Lehrer und Klassenkumpel hat mir damals davon abgeraten, ich sei doch so talentiert und könnte was aus mir machen usw.
Hab ich auch geglaubt, ich wollte halt was Praktisches machen und von den Leuten weg kommen die nicht wissen in welche Richtung
man Schrauben auf und zu dreht... Man beachte, dass ich das aus der Sicht eines 17- jährigen schreibe.

Dann war erst mal ein paar Monate Rumgedümpel, ich hab hier und da gearbeitet.

FOS Technik (Metall / Elektro / Bau) (ja, das ist seit ein paar Jahren nicht mehr getrennt, zumindest nicht im Saarland).
Klappte eigentlich relativ gut, ich hatte aber kurz vor der Abschlussprüfung ne ziemliche Mistphase, hab keine Bewerbungen
für Unis oder Ausbildungsplätze geschrieben und die Prüfung dann auch nicht mitgeschrieben.
Mit der Begründung mir selbst gegenüber, dass ich ja wohl mehr als nen 2,5er Schnitt (das waren die Vornoten) hin kriegen
würde, hab ich das Jahr dann freiwillig wiederholt.
Diese Entscheidung war mindestens genauso dumm, wie das Gymn. nach der 11. zu verlassen.
Ich hab dann im Jahr drauf die Prüfung mitgeschrieben, war da aber schon so genervt von allem und demotiviert,
es wurde ein schlechter 3er Schnitt.

Nun ja, Fachabi in der Tasche, immerhin. Zwar ein richtig schlechtes Fachabi, aber ich hab eins.

Zwischen Sommer 2008 und Januar 2011 nichts "offizielles" außer 9 Monate Zivi beim Rettungsdienst gemacht.
Arbeiten hier und da, Motorradschrauben fast jeden Tag (privat, Kohle auf die Flossen), fast zwei Jahre aufm Bau gearbeitet.

2011 im ersten halben Jahr in der Produktion gearbeitet. Metallbranche, 800 Mitarbeiter, hauptsächlich Leute, die keine zusammenhängenden
Sätze hin kriegen. Richtig schlechte Firma, die ihre Mitarbeiter finanziell am Minimum hält, bespitzelt, gegeneinander aufhetzt.
Ich hatte wieder keine Lust Bewerbungen zu schreiben und hab dann da ne Ausbildung gemacht.
Seit Januar 2015 bin ich also Industriemechaniker Instandhaltung (mit Latinum) und nem recht ordentlichen Facharbeiterbrief.
Da das aber alles nichts für mich is (ich hab kein Problem mit schmutzigen Händen, siehe Abschnitt Mopedschrauben),
ich vermisse nur derb den geistigen Anspruch in dem Beruf.
Das läuft in etwa so:
Morgens / mittags oder abends antanzen, aufs schwarze Brett gucken, auf dem Zettelchen steht, was man machen soll.
Hier Hydrauliköl nachfüllen, da nen Pneumatikzylinder tauschen, Irgendwelche Getriebe aufschrauben, Lager tauschen, wieder zusammenschrauben.
Kein kreativer Aspekt, keine eigene Planung, kein echtes Denken, Berechnen, Dimensionieren oder Entwickeln erforderlich.
Mit der Routine und den Jahren wirds bestimmt nur noch langweiliger.

Allerdings bin ich firmenintern direkt nach (oder schon kurz vor) Abschluss der Ausbildung wegen meinen KFZ- spezifischen Fähigkeiten
in die KFZ- Werkstatt gewechselt. Das is an sich recht cool, wir sind zu zweit, haben zusammen ausschließlich Frühschicht
und kommen persönlich top miteinander aus.
Die Arbeit dort besteht hauptsächlich aus Reparaturen, Inspektionen und Fehlersuche an 80% Gabelstaplern, 20% Kleingeräte wie E- Ameise,
Kehrmaschinen und so weiter.
Hier kann ich sagen, dass ich endlich mal was gelernt hab. Der Kollege bringt mir was bei, ich kann Fragen stellen, eigenverantwortlich arbeiten,
Teile bestellen usw. Es wird auch Organisation vermittelt.
Kannte ich schon vom Mopedschrauben, fachlich wie organisatorisch, aber auf jeder Party wird anders gesoffen. Ihr wisst, was ich mein.

Ich hab mich letzte Woche bei einer anderen Firma beworben, die handeln mit Gabelstaplern, Wartung und Reparaturen derselben.
Man bekommt (nach einer ca. 6 monatigen Einarbeitungsphase mit vielen Lehrgängen) einen MB Sprinter, einen festen Kundenkreis und
fährt dann (im Bedarfsfall, muss man selber mit den Kunden abklären) zu denen und repariert die Geräte, macht Inspektionen usw..
Hört sich erst mal nicht schlecht an.

Jedoch weiß ich (obwohl ich es mir selbst gegenüber nie zugeben wollte), dass ein Studium der einzig wahre Weg ist.
Nicht, weil man als Ing., Bachelor oder sonst was keine Schrauben mehr drehen muss oder sich goldene Eier verdient,
sondern weil ich einfach den Anspruch habe, Technik zu verstehen, selber entwickeln zu können und nicht nur stumpf Teile
zu tauschen.
Mittlerweile will ich auch von Leuten weg, die nach der Schicht außer RTL und Öttinger keine weiteren Ansprüche haben.

Man könnte mir an dieser Stelle natürlich auch zum Besuch einer Meister- oder Technikerschule raten.
Allerdings möchte ich wissenschaftlich arbeiten, Neues entwickeln und Bekanntes verbessern.
Hört sich vielleicht hochtrabend an, ich weiß nur grade nicht, wie ich das anders umschreiben soll.

Um vielleicht noch ein paar Beispiele zu bringen. Bunt durcheinander, Stichwortartig.
- Ich hab letztens durch Zufall den Begriff Graphen irgendwo gelesen. Wollte mich über unkonventionelle Akkutechnologien informieren.
Habe dann den Wikipedia- Artikel gelesen, verschiedene Berichte in Wissenschaftszeitungen.
Mir den atomaren Aufbau angesehen, versucht zu verstehen, warum das Material so tut, wie es tut, zwei Freunde angerufen,
die das vielleicht auch interessant finden könnten, meinem Staplerschraubkollegen erzählt, was das Zeug kann usw.
So was fasziniert mich (vor allem die Geschichte mit dem Tesastreifen :))

- Ich behaupte, während meiner Ausbildung fast nichts gelernt zu haben. Ein wenig praktische Erfahrung, ja.
Aber theoretisch, fast nichts. Ich glaube, dass ich meinen Azubi- Kollegen ein Vielfaches von dem an Fachwissen
vermittelt habe, als das was der ständig mit "wichtigeren Sachen" beschäftige sogenannte Ausbilder oder die Gesellen
ihnen zeigen konnten.
Ich muss dazu sagen, dass ich bereits seit vielen Jahren (mit 6 gabs den ersten Akkuschrauber) mit allem möglichen Zeug gebastelt habe.
Elektrik, Elektronik, Holz, meistens und vor Allem mit Metall. Mit einfachsten Methoden und ohne je viel Geld zu investieren.
Kennt ihr ja :)

- Wenn ich in meiner derzeitigen Firma mit den Elektrikern reden will, laufen die immer schon weg wenn se mich sehen.
Letzter Stand: Keiner von denen weiß, was ein 7805 ist. Die können Drehstrommotoren anschließen und festgebackene Relais tauschen.
Ne SPS programmieren können se auch. Aber alles, was über das Verdrahten und Bespielen fertiger Bausteine hinaus geht: Fehlanzeige.

- Unsere Herren Staplerfahrer wünschen in ihren Fahrzeugen Ladegeräte für ihre Telefone. Also klemmt man 300W Wechselrichter
ans 12V-Boardnetz und steckt da das Steckernetzteil rein. Das macht dann 5V DC, womit man wunderbar Telefone laden kann.
Ja, wirklich. Da weiß ja keiner, was ne Z- Diode is (Oder ein 7805, aber das hab ich erwähnt).

Danke fürs Lesen, gute Nacht.
Gruß Julian

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Fritzler
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von Fritzler » Di 23. Jun 2015, 00:03

Maschinenbau?
Sonst fällt mir da nix weiter ein.

Gernstel
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von Gernstel » Di 23. Jun 2015, 00:26

Für ein Studium brauchst Du enormen Durchhaltewillen. Im Studium Elektrotechnik beispielsweise kannst Du je nach Hochschule vier Semester lang nichts von einem 7805 hören oder, schlimmer noch, nie was davon. Dafür lernst Du Mathe bis zum Abwinken mit nur wenig Praxisbezug bzw. der Aufgabe für Dich, Dir selbst den Praxisbezug für Laplace und Fourier zu ergründen.

Ist die Finanzierung des Studiums sicher, wäre meine erste Frage.
Die zweite: Was liegt Dir wirklich? Mein Eindruck ist: Viel Praxis mit gutem theoretischem Hintergrund. Schwierig an deutschen Hochschulen. --> vielleicht im Ausland studieren?
Irgendwas interdisziplinäres vielleicht, sowas wie technischer Übersetzer, wenn es das gibt = Sprache und Technik. Ist oft praxisnäher konzipiert.

Nie-nie-nie für den Arbeitsmarkt studieren, sondern nur nach eigenen Interessen.

Die Essenz einer Vorlesung ist die Prüfung. Studentenvertretungen bieten oft alte Prüfungen an. Einfach den Studienplan der jeweiligen Hochschule anschauen und für alle Fächer des interessierenden Studiengangs je eine Prüfungsaufgabenkopie kaufen und Du weißt, was Dich dort die nächsten drei oder vier Jahre erwartet... (Praktika und Laborübungen ausgenommen)

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Nicki
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von Nicki » Di 23. Jun 2015, 08:02

Komm nach Trier :D
Wenn man es richtig anstellt ist ET nur so lala schwer ;)
Warum ich ET für die bessere Wahl halte sage ich lieber nicht öffentlich^^

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ferdimh
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von ferdimh » Di 23. Jun 2015, 10:51

sondern weil ich einfach den Anspruch habe, Technik zu verstehen, selber entwickeln zu können und nicht nur stumpf Teile zu tauschen.
Mit diesem Anspruch habe ich das Studium an der TU Darmstadt angefangen.
Und sehr enttäuscht wieder aufgegeben. Dort wird erstmal gelehrt, dass "Teile tauschen" wirtschaftlich ist, und du den Kram sowieso nicht verstehst. Das entsteht in einem magischen Prozeß in dem alle ein bisschen was wissen und sich mit verschiedenen Management- und Rechtsabteilungen solange gegenseitig treten, bis irgendwo ein irgendwie funktionierendens Produkt rausfällt. Zum Glück ist es in meinem bisherigen Berufsleben deutlich harmloser gewesen.

Wirklich den Umgang mit Elektronik lernste nur in einer Firma, die dich entsprechend einsetzt. Wenn du den hast, kannst du auf einer FH (und nur da - die Uni hält für "Technik verstehen" den Wissenschafts/Forschungsgedanken zu hoch!) relevante Hintergründe dazu lernen. Wenn nicht, ist es auch da zwar praxisbezogen, aber furchtbar trocken.
Überleg dir, ob es realistisch ist, dass du regelmäßig in der Vorlesung ein "Ach deshalb macht man das so" erleben kannst. Das ist außerdem Mut der Verzweiflung so ziemlich das Einzige, was mich am Studium hält.

Und: Gegenüber meinen Kommilitonen weißt du ne Menge. Es gibt Leute, die nur durch Auswendig lernen durchs Studium kommen und abends Oettinger saufen. Man kann sich da auch sehr gut verloren fühlen, wenn man weiß, welches Ende vom Lötkolben heiß wird.

Stahlbart
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von Stahlbart » Di 23. Jun 2015, 11:12

Das ist aber ein schöner Text, tschäikäi! So einiges davon kommt mir bekannt vor :D.
Ich kann hier nur aus eigenen Erfahrungen, soweit wie möglich, berichten.

Erstmal ein wenig Geplänkel um die Situation zu hinterleuchten und dann kommt das Interessante (das Studium).

Ich habe 2009 meine Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme angefangen und mit ungefähr 1,9 beendet. Davor war ich Realschüler mit Noten im 2er Bereich. Mathe lag mir da schon nicht, naja nunja. :D
In der Ausbildung durfte man schon ein wenig kreativ sein, aber das meiste war dann doch eher theoretischer Natur, nur selten gab es "Kundenaufträge". Das hat mich schon ein wenig abgeschreckt und ich befürchtete, dass die Arbeit später auch ziemlich monoton wird. Unabhängig davon war die Ausbildung trotzdem eine super Sache! Uns wurde auch immer wieder aus verschiedenen Quellen (nicht von den Ausbildern) eingetrichtert, dass man als "normaler" Facharbeiter die ganze Bimboarbeit erledigen muss. Nur die in höheren Bereichen, sprich, Techniker und Ingenieure machen die kreative und abwechslungsreiche Arbeit. Zugleich hieß es weiterhin, dass es in DE ein rieeeeeeesen Ingimangel gibt. Also beschloß ich direkt nach meinem Gesellenbrief das Abitur zu machen um dann zu studieren. Habe dafür vorgezogen um direkt zum Sommer hin einsteigen zu können und kein halbes Jahr zur Überbrückung zu arbeiten.

Sooo, also da war ich nun also, im Abitur an einem beruflichen Gymnasium Schwerpunkt Mechatronik. Die meisten Fächer waren totlangweilig! Deutsch (LK, warum auch immer ich das so gewählt habe), bäh. Ich konnte guten Gewissens sagen, dass ich garantiert später keine Gedichtsinterpretationen brauchen werde. Geschichte und Wirtschaft: Bäh. Kurz: Die einzigen Fächer die mich interessierten waren Mathe (GK), Englisch (LK), Technik(LK) (getrennt in E-Technik und Mechanik beides unabhängig, ja genau, das war deren Interpretation von Mechanik), Physik und Informatik. Am Ende der 11. Klasse habe ich dann beschlossen, nach der 12. abzugehen. War alles dann doch ein wenig nervig und ganz ehrlich: Wozu die 13.?
Mit einem Schnitt von 2.2 bin ich dann abgegangen und habe mich bei der Jade Hochschule (FH) eingeschrieben Fachrichtung Kommunikations- und Informationstechnik. Da bin ich jetzt, am Ende des 2. Semesters, mitten in der Klausurphase und hier beginnt jetzt der wahrscheinlich interessante Teil :lol:.

Also es ist noch eine Spur trockener als das Abitur. Außerhalb der Labore (die eine willkommene Abwechslung sind) hat man nur Vorlesungen. Also zuhören und mitschreiben. Für's Verstehen hat man nicht komplett Zeit, das muss in Eigenregie her. Ist aber normal, wäre ja sonst kein Studium. Gerade in Mathe ist das heftig, einer der Profs schreibt die Rechnungen teilweise schneller an die Tafel als man überhaupt abschreiben kann. Nebenbei erklärt er das ganze noch. Da bin ich in Mathe dann auch beim 1.Versuch durchgefallen. Meine neue Professorin ist da ganz anders! Sie gibt uns während der Vorlesung Zeit zum selberrechnen und geht die Aufgaben sogar nochmal durch. Ein wahrer Glücksfall.

Aber um endlich mal zu einem Ende zu kommen:
Du brauchst wirklich Durchhaltevermögen da man im Studium hauptsächlich beim Lösen von Gleichungen kreativ sein muss. In den ersten paar Monaten wollte ich eigentlich wieder abgehen und arbeiten gehen. Wir sind auch jetzt schon nur noch die Hälfte der Studenten, schon nach der 1. Woche wurden es weniger. Irgendwann gewöhnt man sicher aber daran und lernt recht schnell, welche Vorlesung man mitnehmen und welche man ausfallen lassen kann. Ich würde dir einfach raten: Versuche es. Wenn du es nicht packst, dann eben nicht. Dann kannst du aber auf jedenfall sagen, dass du es versucht hast, dein Gewissen ist damit bis zum Lebensende beruhigt. Wenn du das erste Semester allerdings überlebt hast, ist der Kulturschock schon halb vorbei :D.
Nicht immer ist der Weg das Ziel. Abundzu ist auch das Ziel mal das Ziel.
Und das Studium, also der Weg, gibt dir all die langweiligen Werkzeuge um Später im Ziel, auf der Arbeit, richtig kreativ sein zu können.

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Raja_Kentut
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von Raja_Kentut » Mi 24. Jun 2015, 16:51

mein Vadder (Vermessungs-Ing) hat mal gesagt :"Das Studium ist der Grießpudding vor'm Schlaraffenland des Ingeniörlebens"
Das wollte ich ausprobieren und auf Wahrheitsgehalt testen.
Da ist teilweise was dran, die Wahrheit darin : Man braucht wirklich Durchhaltewillen.
Der scheint in deinem bisherigen Leben nicht unbedingt vorhanden gewesen zu sein...
Den Durchhaltewillen brauchste auch wenn du kreativ Arbeiten willst - du wirst immer Kollegen haben die deine Ideen madig machen,
Erfolg wirste dann nur haben wenn Du standhaft bleibst (und deine Idee wirklich gut ist)
Zum Schlaraffenland des Inschinördaseins : Ist auch was dran, man kann aber auch ganz derbe auf die Runkel fallen.
Macht aber nix, denn man kann sich fast ohne Schwierigkeiten einen neuen Job suchen. Ich habe in meinem bisherigen Berufsleben durch 5 Arbeitgeber
hindurchgearbeitet (da warn sogar 5 Jahre als Assi an der FH-Whv dabei, da hab ich auch studiert und bin nach 5 Jahren wieder hingekommen)
da hatte ich die ersten 15 Jahre so einen Fünfjahresrythmus...
Auf alle fälle hab ich gelernt : Ob's einem Spaß macht liegt an der Firma und dem Umgang der dort gepflegt wird. Nicht so sehr an der Arbeit selbst.
Wenn man in der Firma seine Erfüllung nicht findet, muß man eben in der freien Zeit Selbstverwirklichung betreiben. Solche Phasen hatte ich auch.
Jetzt bin ich ziemlich glücklich, und was ich zu Studentenzeiten nie für möglich gehalten hätte : Im Engineering einer großen Elektronikkaufmannsbude.

Zum Thema Finanzierung : Ich habe 4 Geschwister, von daher gabs nur eine Minimalunterstützung von Zuhause (für die ich meinen Eltern unendlich dankbar bin)
Ich hab nebenher bei einer Baufirma aus Dachdecker gearbeitet und während des Semesters als studentische Hilfskraft. Dazu gabs BAFÖG was ich hinterher halt
zurückgezahlt habe. Fand ich fair.

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Harry02
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von Harry02 » Mi 24. Jun 2015, 20:09

Moin,

Weiterer Vorschlag: Nachrichtentechnik anner FH. Das ist wie Elektronik/Elektrotechnik (selbes Grundstudium) mit etwas HF und Signalverarbeitung dabei, aber weniger Programmierkäse wie bei den Medizintechnikern die auch das selbe Grundstudium haben. Hier sinds 3 Mathevorlesungen (davon sind 2 innerhalb der erlaubten 4 Semester Grundstudienzeit zu machen), Grundstudium sind 2 Semester plus 2 zum zusätzlich Zeit verbraten falls man wo wiederholt (dann hat man noch ein Zusatzsemester im Hauptstusium, also insgesamt 3, ohne Härtefallanträge und sowas zu beachten). Erstes Mathesemester ist hier in Mannheim "nur" Oberstufenstoff (Vektoren, Matrizen, Kurvendiskussion, Ableiten nach Ketten und Potenzregel, etwas Wahrscheinlichkeit, im zweiten Semeater Differenzieren und Integrieren mit 2 Variablen.. Naja) das ist machbar. Je nach Prof Taschenrechner oder eigene Formelsammlung erlaubt
Der Rest sowieso (C++ war mit etwas GWBasic Wissen leichter, Physik Semester eins und zwei sind noch Abiturstoff und man hat eine doppelseitig selbstgeschribene Formelsammlung, ET sind wir im 2. Sem. immernoch bei Netzwerken, nur dieses Mal mit komplexen Zahlen zum Taschenrechner füttern allerdings ohne Formelblatt, Digitaltechnik kam letztes Jahr dual rechnen, Binärzähler mit Logikgattern und grundlagen der Schaltalgebra, dieses jahr Grundfunktionen in Transistor- und CMOS logik mit Schaltungsanalyse etc). Jetzt im 2. gibt es in ET und DT auch Laborveranstaltungen, die 20% oder so in die Klausur reinzählen mit Widerstandsmessbrücke aufbauen, und Rechtecksignal am Oszi vermessen; in DT wars mehr, mit Gattern verschiedene Zähler gesteckt, Gatter aus Transistoren gebaut, Kennlinien aufgenommen, Schmitttriggeroszillator vermessen.

Bis auf Mathe und Objektorientiertes Programmieren in C++ (mach ich erst nächstes Semester) bis jetzt zieml. bastlertauglich!

Lg, Harry

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Nicki
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von Nicki » Do 25. Jun 2015, 10:22

Harry, das ist ziemlich genau was bei uns abläuft :D

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tschäikäi
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von tschäikäi » Do 25. Jun 2015, 13:09

Moin Leute, vielen Dank erst mal für die vielen sehr hilfreichen Antworten.
Wo ich meinerseits anfangen soll, weiß ich grade nicht.
Was wichtig wäre: Ich werde an eine FH gehen, nicht an eine "normale" Uni.
Da die HTW Saarbrücken einen sehr guten Ruf hat und Praxis da wohl größer geschrieben wird als sonst wo,
tendiere ich da hin, habe mich allerdings noch nicht entschieden.
In den letzten Tagen hat sich als Studiengang für mich Mechatronik / Sensortechnik heraus kristallisiert.
Ich war aber gestern mal ein paar Minuten zu Besuch in meiner ehemaligen Berufsschule und habe mit Lehrern geredet.
Zwei meiner ehem. Lehrer sind nur zwei oder 3 Jahre älter als ich und haben mir von Mech/Sen abgeraten,
da der Arbeitsmarkt in diesem Bereich rückläufig sei.
Einer von denen hats selbst studiert und dann zwecks besserer Chancen auf Lehramt umgeschwenkt.
Vielleicht sieht es in ein paar Jahren wieder anders aus, weiß ich nicht.

Gestern habe ich mich mit einem Kollegen vom Gymnasium getroffen, der hat den Bachelor, hat VWL und ähnliche
Wirtschaftsgeschichten studiert und arbeitet jetzt im Bereich Softwareentwicklung.
Schönes Beispiel dafür, dass man sich irgendwie immer umentscheiden kann.

@Fritzler: Ja, Maschinenbau, würde sich anbieten. Ich will aber von der reinen Mechanik wegkommen und
mehr mit Elektronik machen. Deshalb Mechatronik, siehe oben.

@Gernstel und Nicki: E- Technik schreckt mich Mathe- mäßig ein bisschen ab. Nicht, dass ich nach einem Studiengang ohne Mathe
suchen würde (sowas wirds nicht geben), aber vielleicht nicht so krass wie bei E- Technik- jedenfalls habe ich von Kollegen (und von dir ) gehört,
dass das hart sein soll. Der Praxisbezug scheint auch nicht grade hoch zu sein.
Technischer Übersetzer: Nun ja, das entspricht nicht meinem Wunsch. Ich will ja was neues entwickeln und nicht Ausländern erklären, was andere
entwickelt haben.
Die Finanzierung des Studiums ist soweit noch nicht gediegen. Das is der Punkt an dem ich grade arbeite. Der Bafög- Antrag ist ausgedruckt,
morgen rede ich mit einem befreundeten Rechtsverdreher.
Nie-nie-nie für den Arbeitsmarkt studieren
Auch mein Gedanke. Allerdings sollte es für das angestrebte Ziel wenigstens einen Arbeitsmarkt geben.
Ich sehe das vielleicht aufgrund mangelhafter Information noch zu schwarz-weiß.

@Ferdi:
kannst du auf einer FH [...] relevante Hintergründe dazu lernen
So in etwa stelle ich mir das vor. Welchen Studiengang machst du?
Du schreibst, dass du den ersten Studiengang wieder aufgegeben hast, bist aber immer noch am studieren. Heißt, du hast dich für was anderes eingeschrieben.
Kannst du das genauer benennen? Was du machst, is grade für mich sehr interessant, weil wir uns ja ansatzweise kennen und ich denke, dass ich ein bisschen einschätzen kann, wie du tickst. Dann kann ich mit meiner Einstellung und meinen Ansprüchen besser vergleichen, als bei jemandem, den ich nicht kenne.
Gegenüber meinen Kommilitonen weißt du ne Menge.
Danke, trotzdem fühl ich mich auf unseren Treffen eher noobmäßig. Aber das wird sich hoffentlich in Zukunft ändern.

@Stahlbart: Motivierend, teilweise jedenfalls. Die Geschichte mit dem Abi und den "unnötigen" Fächern ist klar, das gabs in jeder Schülerlaufbahn, auch in meiner.
Deshalb sind das ja allgemeinbildende Schulen. Ich war schon begeistert, dass ich auf der Berufsschule keinen Religionsunterricht hatte.
Dass das Studium auch sehr von den Profs abhängt, ist klar. Wenn sich einer Mühe gibt, zu erklären und den Leuten Zeit zu geben, sind die Erfolgschancen
natürlich höher als wenn er / sie es nicht tut. Aber das kennen wir alle aus der Schule, man muss damit klar kommen.
und hier beginnt jetzt der wahrscheinlich interessante Teil.
Heißt, die ersten beiden Semester waren totlangweilig? Jedenfalls hört es sich so an.
Naja, bei uns sind die ersten 3 Semester Grundstudium. Danach gibts massiv Wahlpflichtfächer und man spezialisiert sich.
Heißt für mich nach derzeitigem Kenntnisstand, dass man sich durch die ersten 3 durchboxen muss und danach seinen persönlichen Wissensdurst nach Belieben stillt.
Jedenfalls so ähnlich.

Versuchen werde ich es, das steht mittlerweile fest. Durchhaltevermögen und Lernen in Eigenregie (oder vielleicht mit Kommilitonen zusammen)
traue ich mir mittlerweile zu, ich weiß mittlerweile was auf dem Spiel steht.
Ich habe gestern das "gute Jobangebot" abgesagt und damit jede berufliche Brücke abgebrochen.
Jedenfalls fühlt es sich so an.

@ Raja:
Man braucht wirklich Durchhaltewillen.
Der scheint in deinem bisherigen Leben nicht unbedingt vorhanden gewesen zu sein...
Da hast du Recht. Um das deutlich zu machen, habe ich das im ersten Post auch so gnadenlos bloßgestellt.
Ich hab mich nach Abschicken des Posts gefühlt, als wäre ich nackt durch die Innenstadt gelaufen.
Ich habe das aber bewusst gemacht, erstens um euch zu zeigen, warum ich immer an mir selbst gezweifelt habe,
andererseits um mir das mal von der Seele zu reden.
So, Ende des Selbstmitleids.
Ich war immer etwas orientierungslos, das merkt man auch an meinem Lebenslauf. Erst Gymn. abgebrochen (mit recht brauchbaren Noten)
um was praktisches zu machen. Dann gemerkt, dass ich doch nen vernünftigen Schulabschluss haben will und Technische FOS gemacht.
Dann wieder was praktisches (weil ich nach der FOS wieder mal Angst vorm Studium hatte), also die Ausbildung.
Zwischendurch und während der Schulzeit immer ein paar Monate lang Geld verdient (nebenbei).
Die Ausbildung war dann wieder eine Enttäuschung auf der ganzen Linie.
Andererseits war ich auch während meiner Schulzeit nie so schlecht dass ich meiner Noten wegen aufgegeben hätte.

Dass man später im Berufsleben nicht nur Milch, Honig und Anerkennung kriegt ist klar.
Aber das Wort eines Ingenieurs wird wohl doch in Firmen mehr gewichtet, als das eines Schlossers mit Latinum.
Ich will einfach in eine Position wo man mir zuhört, mich ernst nimmt und ich mein Wissen nicht mehr verstecken muss.
Ich will eigene Entscheidungen treffen, begründen, vertreten, durchführen und bei Fehlschlägen wieder von vorne anfangen dürfen.

Finanzen: Ich werde versuchen, Bafög zu kriegen und nebenbei 400 Öre zu verdienen.
Einen Job zu finden, wird denke ich das kleinste Problem. Da hab ich einfach zu viel Erfahrung.
1,5 Jahre Zeitungsjunge, 1,5 Jahre Gartenabteilung im Baumarkt, 5 Jahre Bücher gebunden, 2 Jahre Trockenbau, 7 Jahre Motorräder repariert,
Fernseher und Handies für Kollegen repariert, zwei Wohnungen renoviert, ein paar mal Umzugshelfer, fräsen, drehen, bohren, schleifen, schweißen,
löten, voltmetern, oszigedöhns und Elkogetausche, Autogeschraube und so weiter. Ich denke dass kaum jemand, der sich auf der FH einschreibt,
so viele Erfahrungen hat. Da findet sich mit Sicherheit ein guter Nebenjob.

@Harry: Nachrichtentechnik hört sich mathemäßig echt gut an, das meiste davon kenne sogar ich als Abgänger nach der 11 (und ich wäre noch bis zur 13 gegangen).
Abgesehen davon habe ich von Programmieren überhaupt keine Ahnung (bei HTML ist da Schluss), aber deswegen studiert man ja.
Wiederholung von Sachen die ich vorher schon wusste, hatten wir auf der FOS und das war die am wenigsten interessante Zeit für mich.
Ich wär allerdings happy, wenn du mir sagst, dass da auch ein Mechanikanteil ins Studium intergrierbar ist. Glaub ich ja nicht dran.

@Nicki: Wieviel Semester hast du nochmal hinter dir?


Ich sollte dazu sagen, dass mir in der Schule immer alles zugeflogen ist, jedenfalls habe ich nie für irgendwelche Fächer gebüffelt.
Wenn ich (es gab 2 oder 3 Ausnahmen) doch mal ne Stunde Freizeit für die Vorbereitung einer Klassenarbeit investiert habe,
hatte ich Spitzennoten, auch in Fächern, in denen ich sonst keinen Plan hatte.
Ich war immer der "Ach wir schreiben heute ne Arbeit? Welches Thema war das nochmal?" - Kandidat.
Ich denke allerdings, dass ich heute weiß was auf dem Spiel steht --> persönliche Reife.
Ich halte mich für schnell aufnahmefähig und motivierbar, vor allem wenn man sich viel selbst aussuchen kann und mich das Thema wirklich interessiert.
Und ich habe ein sehr breit gefächertes Interesse, Astrophysik über Materialien, Chemie, Physik, Elektronik, Optik... also es gibt einiges, für was ich mich begeistern kann
und teilweise erweitertes Grundwissen mitbringe. Davon einen guten Anteil selbst erfrickeltes über Schulwissen hinausgehend.

Gruß Julian

duese
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von duese » Do 25. Jun 2015, 14:11

Hallo Julian,

ich hab noch ein paar persönliche Ansichten zum Thema Studium (hab an der TU E-Technik studiert):

Zielgerichtete Ausbildung oder auch nicht: Es ist beim Studium in der Regel nicht so, dass man später genau das macht/braucht, was man im Studium lernt (evtl. im Gegensatz zur Lehre). Man muss sich (zumindest im Ing-Bereich) immer erst in neue Aufgaben einarbeiten und sich Sachen für den Job (selbst) draufschaffen, die man dann da braucht.

Das was man im Studium lernt sind zum einen natürlich Grundlagen. Zum anderen lernt man ganz vieles was man lernt um es schon mal gehört zu haben. Besonders in den höheren Semestern. Man lernt was zu einem Thema, hat vielleicht ein paar Übungsaufgaben dazu gerechnet. Um konkret auf diesem Gebiet dann einen Beruf auszuüben reicht es aber noch nicht. Aber das macht man dann mit vielen Themen und hat bei vielem einfach schonmal davon gehört, dass es das gibt und kann im konkreten Fall dann nachforschen, wie es denn jetzt genau ist. Und von umso mehr man dann schonmal gehört hat, desto mehr kann man auch Querverbindungen und Gemeinsamkeiten erkennen. Dann wirds immer mehr Wald und weniger Bäume.

Und ganz wichtig, im Studium lernt man das lernen. Man muss sich Sachen selber draufschaffen und genau das braucht man in den Jobs in denen klassisch ein Studium verlangt wird auch.

Mit diesem viel gehört haben und sich in andere Tätigkeiten einarbeiten können ist es auch nicht ganz so wild, was man jetzt genau studiert hat für den konkreten Job. Das kann sich auch im Laufe des Berufslebens erheblich ändern.

Im Studium hatte ich Richtung Energietechnik und dass ganze dann in der Hochspannungs-/Energieübertragungstechnik vertieft. (Ich hab schlicht die Vorlesungen genommen, die mich interessiert haben) Dann kam ein Projekt mit Materialuntersuchungen in dem Bereich. Dann hats mich zum Betrieb von Batterieprüfständen verschlagen und jetzt mach ich nur noch Automatisierung (Software) für Brennstoffzellenprüfstände.
Für meinen jetzigen Job würde man beim ersten Draufschauen eher jemand erwarten, der Automatisierungstechnik oder vielleicht sogar Informatik gemacht hat. Aber so festgelegt ist das alles nicht. Deswegen das studieren, was einen interessiert. Wichtig ist nicht was genau man macht, sondern, dass man es macht. Der Rest kommt dann...

Ein wichtiger Punkt noch (auch wenn Du Dich jetzt schon zum Studium entschieden hast, was ich gut finde): Die Fähigkeiten einen Ingenieurs-/Studiertenjob zu machen haben auch viele Leute, die "nur" eine Ausbildung gemacht haben. Das von vielen Themen schonmal gehört haben kann auch von Interesse und Ohren offenhalten (dafür ist auch dieses Forum sehr wertvoll, weil man immer wieder was über Themen lernt, mit denen man sich selber gar net beschäftigt) oder einfach aus der Berufserfahrung kommen. Und man muss lernen können. Wenn diese Fähigkeiten in einer Firma bekannt sind, kann man auch so an sehr interessante/vielseitige Jobs kommen. Schwieriger ist es "nur" mit dem Wissen von außen in eine Firma reinzukommen oder (besonders in großen Firmen) an die interessanten Jobs zu kommen. Hier ist ein Studienabschluss zu einem guten Teil auch Eintrittskarte.

Und im Studium auch das Studentenleben genießen und mit vielen Leuten zusammenkommen, die man sonst nie getroffen hätte (z.B. Studentenwohnheim, kann ich empfehlen). Auch das hilft im Job und im Leben, weil man viele neue Ansichten/Sichtweisen kennenlernt.

Das alles kann man auch ohne Studium erleben/lernen/kennenlernen. Aber im Studium gehts leichter, weil man quasi nicht drum rum kommt.

Hau rein!

Viele Grüße,

Daniel

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Nicki
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von Nicki » Do 25. Jun 2015, 14:17

tschäikäi hat geschrieben: @Nicki: Wieviel Semester hast du nochmal hinter dir?
Da bin ich jetzt wieder peinlich berührt wie eine alte Dame die man nach ihrem Alter fragt :lol:
Bin jetzt im 6., da ich wild durcheinander Klausuren schreibe (richte mich nach meinen Kollegen, alleine lernen ist doof) kann ich nicht genau sagen in welchem Fachsemester ich bin, aber mir fehlen noch 12 Klausuren, Projekt, Seminar und Bachelorarbeit, dann bin ich fertig.

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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von tschäikäi » Do 25. Jun 2015, 15:53

Danke Daniel, das ermutigt.

Der Hauptantrieb zum Studium für mich war ja letztendlich neben dem wissen- wollen,
dass ich endlich mal wieder mit Leuten zu tun haben will, die mit mir zumindest in manchen Bereichen
auf einer Wellenlänge sind. Dass man sich gegenseitig hilft, belehrt und einander Fragen stellt ist doch auch ein
riesen Pluspunkt.
Das Milieu, bzw. der Sumpf in dem ich mich momentan beruflich bewege ist dazu absolut ungeeignet.
Also hinschmeißen und was neues anfangen.
Ich hab mir ewig Gedanken gemacht, ob ich den guten Job, den ich hätte anfangen können wirklich ausschlagen soll,
aber ich habs gestern getan. Da wär vielleicht alles wieder relativiert worden.
Man kommt rum, lernt evtl. auch coole Leute kennen. Dann hätte ich den Gedanken Studium wieder fallen gelassen
und die nächsten 40 Jahre Gabelstapler repariert. Mein Hirn wäre langsam immer weiter oxidiert, Haus gekauft, Kinder
gekriegt, Stapler repariert.
Ist schon alles gut so wie ich es jetzt machen (muss).

Und Nicki: Mach dir keine Sorgen, du bist noch ziemlich grün, ich dagegen ein alter Sack.

Wir können jetzt noch ein wenig um den heißen Brei herum reden, aber ich hab Zeitdruck.
- Maschinenbau
- Mechatronik / Sensortechnik
- Fahrzeugtechnik
- E- Technik
- Erneuerbare Energien / Energiesystemtechnik
- Andere Ideen

Anforderungen meinerseits: Möglichst breit gefächert, humane Mathematikanforderungen, viel Praxisanteil, nicht zu abstrakt

Ich hab jetzt schon mehrere, oft gegenteilige Meinungen gehört. Das kommt wohl aufn Standpunkt an.
Aber wer hat wie ich vorab oder während des Studiums die Studiengänge verglichen und wie entschieden?

Gruß Julian

duese
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von duese » Do 25. Jun 2015, 16:12

Die Vorschläge klingen in meinen Ohren alle brauchbar.
Ich würde was E-Technik basiertes nehmen, aber ich bin da auch vorbelastet ;-)

Schau Dir die Studienpläne/Vorlesungen an und schau dann, was Dir am meisten an Inhalten taugt.

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ferdimh
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von ferdimh » Fr 26. Jun 2015, 22:42

So in etwa stelle ich mir das vor. Welchen Studiengang machst du?
Du schreibst, dass du den ersten Studiengang wieder aufgegeben hast, bist aber immer noch am studieren. Heißt, du hast dich für was anderes eingeschrieben.
Kannst du das genauer benennen?
Also. ich habe ursprünglich an der TU Darmstadt angefangen ET zu studieren. Im 1. Semester habe ich mich nicht wohl gefühlt. Im 2. Semester wurde es nicht besser. Grund dafür war die Mischung aus Mathe, Mathe, Mathe und "Praxisveranstaltungen", die im wesentlichen aus "Lerne Management aus der Rolle des gemanagten kennen und dass das alles immer gut ist was dein Chef sagt". Tatsächlich technisch anwendbares enthielt das erste Semester gar nichts, das zweite immerhin "ET II - Elektrische und Magnetische Felder" an praktisch anwendbarem Material. ET I war so schlecht organisiert, dass das Verständnis bei allen Kommilitonen vollständig ausblieb und sie einfach das Hirn abgeschaltet haben.
Auch im 3. Semester blieb es eine reine Reproduktionsveranstaltung; hier gab es tatsächlich einen praktischen Teil, in dem ich mich mit dem Prof für elektrische Energiewandlung (Früher hieß das "Elektrische Maschinen", aber da hätte man gewusst, was gemeint ist) erst interessiert unterhalten und dann heftigst überworfen habe. Hier kannte der Prof nur den Standpunkt der Industrie und vernachlässigte das Thema "Forschung" vollständig (Wir bauen das so, das ist gut so, es kann keine anderen Ansätze geben, und du stellst die Gründe warum das gut ist auch auf keinen Fall in Frage). Dummerweise wollte ich EEW bei genau diesem Prof vertiefen...
Also Wechsel Nummer 1:
Gesucht: ein Thema mit verträglichem Dozenten. Hier bin ich bei der Halbleitertechnik gelandet. Der Typ dazu ist etwas schräg, hat aber im Prinzip eine mit mir verträgliche Herangehensweise.
In Semestern 4, 5 und 6 habe ich gelernt:
- Es kommen Theorieveranstaltungen, die Mathe harmlos aussehen lassen
- Mathe kann echt sinnlos brutal schwer werden, wobei der Stoff von einem Semester zum nächsten vollständig umgeschmissen werden kann, so dass Mathe III im einen Semester was völlig anderes ist als Mathe III ein Jahr später.
- Grundlagenforschung ist überhaupt nicht mein Ding.
- Halbleitertechnik auch nicht.

Im 6. Semester hat mir der Prof dann geraten, die Beine in die Hand zu nehmen und zur FH zu wechseln, da das "Uniklima" offensichtlich nicht das richtige ist.
Da "sollte" ich viel anerkannt kriegen, so dass eine schneller Abschluss erwartet wurde. Das ist mittlerweile übrigens 3 jahre her.
An der FH wurde ich in das "3. Semester" eingestuft, allerdings zu spät, so dass ich den Studienbetrieb im 1. FH-Semester (WS12/13) nicht voll aufnehmen konnte.
Die Anerkennungen sind ein Witz, da man die Präsenzveranstaltungen doch absitzen muss, und daher quasi keine Zeit spart. Ich wurde so lediglich in die alte Prüfungsordnung eingeteilt, was mir seitdem Probleme macht.
Über die Modalitäten der FH wird man als Quereinsteiger auch nicht aufgeklärt, so dass es 3 Semester dauerte, bis ich überhaupt Leistungsnachweise ablegen konnte, weil vorher permanent die Zulassung zu Klausuren wegen tief in der PO versteckten Details verweigert wurde.
Im 4. Semester habe ich mir den Fuß gebrochen; hier lief auch nichts, da ich für einen Monat nicht sitzen und deutlich länger nicht lange genug an Krücken laufen konnte, um die FH per ÖPNV zu erreichen. Einen Fahrer hatte ich auch nicht immer. In der Zeit ist dann teils im Liegen teils im Sitzen Finger-TV entstanden.
Im folgenden (5,) Semester habe ich 55CP aufgeholt. Im Übrigen teilweise ohne die Vorlesungen zu besuchen, da diese zur alten Prüfungsordnung nicht mehr angeboten wurden, und die neuen teilweise thematisch sehr abweichend waren. Hier habe ich aber auch eine Menge tatsächlich anwendbares gelernt. Nichts davon wurde je abgeprüft.
Das Niveau an der FH ist ingesamt sehr niedrig. Es gibt viele Laborversuche, bei denen mehr auf Fleiß als auf Erfolg gesetzt werden muss, weil in der Regel die Studenten nicht im Ansatz verstehen, was sie da tun. Labore mit etwas Eigeninitiative werden meistens nicht vollendet und mit einem dicken Bericht trotzdem bestanden.
Wenn das Thema wirklich komplex wird, werden große Fleißarbeiten verpflichtend und die Dozenten gucken einen komisch an, wenn man tatsächlich den Versuch erfolgreich durchführt.

Ein Großes Ärgernis sind auch Nebenfächer wie "Frauen in Wissenschaft und Technik" oder "Betriebswirtschaftslehre". Hier kann man die Fächer frei wählen, sie sind immer ätzend, immer mit Anwesenheitspflicht und immer zu beschissenen unkoordinierten Zeiten. Ebenso ist die hier vorherrschende Prüfungsordnung so wirr, dass immer wieder neue Überraschungen kommen.Außerdem ist die Platzanzahl teilweise begrenzt, so dass man Veranstaltungen, die man belegen muss, aber nicht belegen will, eventuell auch noch nicht belegen KANN, weil gerade andere schneller waren oder völlig konfuse Vorraussetzungen nicht erfüllt sind.
Das erfährt man dann zu einem Zeitpunkt, wo es auch nicht mehr möglich ist, andere Veranstaltungen zu belegen.

Fazit: Das Ganze hat also gigantisches Frustpotential. Wenn es kein interessantes Leben neben dem Studium gäbe, das mich finanziert und irgendwie geistig auslastet, wäre ich da schon lange eingegangen.

Ich kann mir aber vorstellen, dass man eben, wenn man an der richtigen FH von Anfang an voll motiviert und organisiert an die Sache herangeht, man einen recht sicheren Weg zum Abschluss hat. Viel nützliches gelernt hat man dann aber (zumindest aus der Bastlerperspektive) nicht.

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tschäikäi
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von tschäikäi » So 28. Jun 2015, 23:37

Nach ein bisschen Einlesen tendiere ich Richtung Maschinenbau.
Erstens, weil ich viel davon (vor allem die Mechanikgeschichten) schon kenne,
weil der Studiengang breiter (also auch Richtung Elektrik, -tronik ) aufgestellt ist
und es am Anfang Mathetechnisch leichter sein soll als bspw. E- Technik.
Die Programmiererei soll wohl auch etwas lockerer sein als bei E- Technik oder Mechatronik.
Kann mir das jemand bestätigen?
Ich hatte anfangs eher gedacht, dass das eine Schosserausbildung 2.0 sei.
Ich schlage mich derzeit noch mit nem Stapel Unterlagen rum, muss mich ums Bafög kümmern,
Vollzeit arbeiten und meinen Kopf und die Bude soweit aufräumen, dass man damit und darin überhaupt
lernen kann. Um in die Unterlagen zu schauen, blieb bisher kaum Zeit.
Hätte ich die Entscheidung fürs Studium ein paar Wochen vorher getroffen, wär ich vermutlich nicht so sehr
auf eure Hilfe angewiesen. Aber das wird schon.
Werde morgen mal auf der FH anrufen und einen Beratungstermin vereinbaren.
Danke für die vielen Posts, von denen jeder sehr hilfreich war.
Gruß Julian

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Weisskeinen
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von Weisskeinen » Di 30. Jun 2015, 15:10

Hallo, ich habe auch noch ein paar Kommentare. Eigene Erfahrungen kann ich nur aus der Uni beisteuern (für ein Uni-Studium würde ich auch noch mal gerne das Fach Physik in der Ring werfen; Uni-Maschinenbau kann auch Mathe-Xtream sein, auf meiner Uni war auch die Regelungstechnik-Prüfung eine bekannte Sieb-Prüfung: möglichst viele Studenten aussieben). Ich kenne die Situation im Saarland auch nicht, aber es ist ja nicht weit nach Baden-Württemberg: da gibt es auch ein sog. Duales Studium z.B. an der Dualen Hochschule Baden Württemberg in Karlsruhe (DHBW Karlsruhe). Das ist ein Studium, das sich in Theoriephasen an der Hochschule (ziemlich theoretisch natürlich, aber auch mit Praktika und länger laufenden Gruppenprojekten) und Praxisphasen in Unternehmen (oder Forschungseinrichtungen) aufteilt. In den Praxisphasen, die zwischen zwei Wochen und 3-4 Monaten dauern, macht man in den Betrieben was mehr oder weniger praktisches (je nach Betrieb), wie Ausbildung aber je nach Vorkenntnissen auf beliebig hohem Niveau (kann jetzt nur für uns sprechen, wir sollen da ziemlich gut sein; in einigen Betrieben scheinen die Studenten nur Dokumentationen sortiert zu haben :( ). Allerdings braucht da die Anmeldung wesentlich mehr Vorlaufzeit.
Ich hatte jetzt eine Zeit lang einen DHBW-Studenten bis zu seinem Bachelor, der jetzt seinen Master an der Uni macht (was nun aber doch noch wesentlich anspruchsvoller ist).
Ansonsten noch ein paar Tipps:
- (gute) Lerngruppe suchen/aufbauen. Einzelkämpfer sind nahezu verloren.
- Nicht zu früh anfangen, Vorlesungen nicht zu besuchen. Gerade bei mündlichen Prüfungen wissen die Profs doch sehr genau, wer da war und wer nicht.
- Vorlesungen mitschreiben. Möglichst auch, wenn es Skripte gibt. Versuchen, so spät wie möglich in den 'Board-Copy-Mode' zu verfallen.
- Übungsblätter selbst rechnen (auch wenn es wieder mal Sonntagabend >22:00 Uhr wird). Auch, wenn man die erforderliche Punktzahl zur Prüfungszulassung schon hat.
- Studium geht vor! Vor allem anderen! Immer! Ohne Ausnahme! Urlaub kann man machen, wenn man fertig ist (oder wirklich (ehrlich sein!) Zeit hat).
- Man muss nicht alles verstehen, solange man es anwenden kann. (Je weniger das ist, desto besser. Etwas verstehen zu wollen sollte aber nicht das Studium verzögern. Dann wird man nämlich nie fertig.)
- Zu lernen lernen.
- Mut zur Lücke ist okay, es sollten nur nicht zu viele Lücken sein.
- Dann funktionieren auch Prüfungen.
- Mathe ist das wichtigste Rüstzeug für die anderen Vorlesungen in allen technischen Bereichen. Deshalb kommt das auch zu Beginn so geballt (ist das auch an der FH so?).
- Schulstoff wird, zumindest an der Uni, in max. 1 Woche abgehandelt, danach ist alles neu. Dran bleiben! (Dabei helfen auch die Übungsblätter, die man meistens rechnen muss. Das ist nicht nur Schikane.)
- Durchbeißen!!!! ... !!!!

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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von ferdimh » Di 30. Jun 2015, 15:35

Studium geht vor! Vor allem anderen! Immer! Ohne Ausnahme! Urlaub kann man machen, wenn man fertig ist (oder wirklich (ehrlich sein!) Zeit hat).
Das ist ein sehr guter Weg sich den endgültigen Frust oder Burnout zu holen.
Man kann 3 Jahre ohne Urlaub durchhalten. Gerade so. Aber nicht 4 oder 5.
Entweder ist man vom Studium so begeistert, dass es Urlaub ersetzt (dann gibt es ohnehin kein Problem), oder man muss sich (klar begrenzte!) Auszeiten nehmen und diese auch füllen, dass sie erholsam werden (das ist nicht einfach).

Meine Meinung: Im Zweifel ein Semester mehr studiert als eingegangen.

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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von rastagandalf » Di 30. Jun 2015, 18:16

Vorab: auch ich habe ein duales Studium gemacht (der Theorieteil ist durch, jetzt häng ich noch bis Ende August an der Bachelorarbeit).
Allgemein finde ich diese Art des Studiums empfehlenswert. Im Unternehmen hab' ich, so meine ich zumindest, doch einiges gesehen was mir ohne die Praxisteile bis heute völlig neu wäre. Einiges kann man sich auch hier aneignen, was man im Theorieteil gar nicht lernt.

Mein Senf (natürlich bezogen auf das duale Studium, hierzu beantworte ich auch gerne weitere Fragen) zu den Empfehlungen:
Weisskeinen hat geschrieben: - (gute) Lerngruppe suchen/aufbauen. Einzelkämpfer sind nahezu verloren.
Jein. Es ist teilweise einfacher, man muss aber auf jeden Fall Leute haben, die einem weder sehr stark voraus, noch zu sehr hinterher sind.
- Nicht zu früh anfangen, Vorlesungen nicht zu besuchen. Gerade bei mündlichen Prüfungen wissen die Profs doch sehr genau, wer da war und wer nicht.
Kann ich nicht beurteilen, hab tatsächlich keine einzige Vorlesung bewusst verpasst. Im dualen Studium gibt es ohnehin Anwesenheitspflicht in allen Vorlesungen.
- Vorlesungen mitschreiben. Möglichst auch, wenn es Skripte gibt. Versuchen, so spät wie möglich in den 'Board-Copy-Mode' zu verfallen.
Notizen ja, aber Wort für Wort mitschreiben finde ich nach wie vor unnötig. Sonst hat dieser Modus ganz gut funktioniert.
- Übungsblätter selbst rechnen (auch wenn es wieder mal Sonntagabend >22:00 Uhr wird). Auch, wenn man die erforderliche Punktzahl zur Prüfungszulassung schon hat.
Gab bei uns keine Punkte, ist aber zu 100% empfehlenswert. Allerdings finde ich es sinnvoll, erstmal überblickshalber den Theoriestoff durchzusehen bevor man sich vor Klausuren und allgemein an die Übungsblätter wagt.
- Studium geht vor! Vor allem anderen! Immer! Ohne Ausnahme! Urlaub kann man machen, wenn man fertig ist (oder wirklich (ehrlich sein!) Zeit hat).
Da muss man halt differenzieren. Am ersten Tag der Vorlesungsphase würd ich das nicht unterschreiben, die letzten 3 Wochen vor den (im dualen Studium kumuliert innerhalb von 1-2 Wochen auftretenden) Klausuren schon.
- Man muss nicht alles verstehen, solange man es anwenden kann. (Je weniger das ist, desto besser. Etwas verstehen zu wollen sollte aber nicht das Studium verzögern. Dann wird man nämlich nie fertig.)
Stimmt. Hilft aber ungemein :mrgreen:
- Zu lernen lernen.
Wer das beim Studium noch nicht kann, hat es allerdings nicht einfach - also am Besten jetzt schon anfangen damit.
- Mut zur Lücke ist okay, es sollten nur nicht zu viele Lücken sein.
Stimmt.
- Dann funktionieren auch Prüfungen.
Dito
- Mathe ist das wichtigste Rüstzeug für die anderen Vorlesungen in allen technischen Bereichen. Deshalb kommt das auch zu Beginn so geballt (ist das auch an der FH so?).
Fourier hab ich im Mechatronikstudium eigentlich nie wieder gebraucht, Laplace ging mit Tabellen und DGLs numerisch bzw. die die wir analytisch lösen mussten kamen in Technischer Mechanik weitestgehend vor der Mathevorlesung, die uns das beigebracht hat...Allerdings sind komplexe Zahlen und der geübte Umgang damit durchaus unerlässlich, und zwar in so ziemlich jeder Vorlesung. Schade, dass das (zumindest 2012) kein Abistoff mehr war/ist. Hätte doch ganz gut weiterhelfen können.
- Schulstoff wird, zumindest an der Uni, in max. 1 Woche abgehandelt, danach ist alles neu. Dran bleiben! (Dabei helfen auch die Übungsblätter, die man meistens rechnen muss. Das ist nicht nur Schikane.)
An der DHBW jedenfalls ist das nicht der Fall. Physik 1 war viel Schulstoff, E-Technik 1 quasi komplett, Mathe 1 dito. Danach kommt das Wissen dann aber wie du sagst geballt und neu.
- Durchbeißen!!!! ... !!!!
Absolut! Es lohnt sich.

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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von omega » Di 30. Jun 2015, 19:43

Ich glaube ich sollte auch meinen Kommentar beisteuern, da ich jetzt an der dritten Hochschule studiere.

Angefangen habe ich (damals noch motiviert) an der TU Darmstadt. Das war eigentlich die ersten Semester nur Theorie und das bisschen Praxis wurde einem durch lange Berichte vermiest. Außerdem sind überfüllte Vorlesungen und Übungsgruppen nicht so mein Ding. Wenn dann noch der Stoff langweilig ist und die Übungsleiter nur die Musterlösung anschreiben und wieder gehen, verliert man schnell die Motivation. Lerngruppen haben mir da nicht viel gebracht. Dort habe ich zu viel Zeit verbracht, dafür aber ein paar andere Bastler am Schrott getroffen.

Deutlich besser wurde es an einer FH. Die Gruppen waren viel kleiner, die Übungen von den Profs geleitet und bei Fragen gab es kompetente Antworten und Erklärungen. Die meisten Professoren haben auch immer mal erklärt wo in der Praxis man was braucht, oder man nimmt gleich Praxisbeispiele. Transistorverstärker kann man auch am Beispiel einer Endstufe erklären und rechnen. Die Laborveranstaltungen warn nur teilweise mit Bericht oder Vorbereitung. Aber auch da gibt es Sachen die man vielleicht nie wieder braucht, vor allem muss ich da Recht, BWL und Projekt Management denken.

Viel Spaß an der FH hat mir eine Projektarbeit gemacht, war zwar auch etwas streßig, da zu wenig Zeit, dafür wurde es mit 2 Wochen Dubai belohnt und dort zusammen mit Studenten an deren Uni fertig beendet.

Den Master mache ich jetzt an einer anderen FH.

Fazit:
- Wie zufrieden du irgendwo bist hängt von vielem ab, aber ich kann jedem, der Spaß am basteln hat nur eine FH empfehlen.

- Lerngruppen? Mir hat es nichts gebracht mit Anderen zu lernen. An der Uni hat es nichts genutzt, an der FH habe ich es erst wieder am Ende versucht, aber wenn man nur erklärt...

- Urlaub? Finde ich sehr wichtig! Irgendwann kann ich nicht mehr, dann muss mal etwas anderes sein. Wenn's passt kann auch mal die erste Vorlesungswoche ausfallen. (Je nach FH und Prof ist das auch kein Problem wenn man Einführungsveranstaltungen für ein Labor verpasst. - Grund: "Ich war noch im Ausland")

- Mitschreiben? Alles nie, Rechnungen manchmal. Lernen von meinem Aufzeichnungen kann man vergessen. Da lerne ich lieber aus Skripten.

- Vorlesungen verpassen? Meiner Meinung nach sind die ersten 1 - 2 wichtig um mitzubekommen ob man in der Vorlesung was lernt, dann je nachdem, es gab Veranstaltungen da war ich nie, bei anderen habe ich keinen Termin verpasst. Wichtig ist es am Ende hinzugehen, wenn man evtl. erfährt was für die Klausur wichtig ist.

- Übungsaufgaben rechnen? Ja, sollte man. Und ich nehme es mir schon immer vor, das während des Semesters zu machen, statt unmittelbar vor den Klausuren.

Vieles solltest du selbst ausprobieren, das ist nur meine persönliche Meinung.

Viel Erfolg und Spaß beim Studium!

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Weisskeinen
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von Weisskeinen » Mi 1. Jul 2015, 10:22

Ich meinte jetzt nicht, dass man während des Studiums keinen Urlaub machen darf. Erholung ist wichtig, keine Frage. Aber es darf eben nicht das Studium darunter leiden. Vielleicht bin ich ja anders gestrickt, aber ich kann nicht am Strand liegen und mich erholen, wenn ich weiß, dass ich in drei Wochen eine Klausur schreibe und vom Stoff noch keinen Plan habe. Und auch nicht, wenn ich weiß, dass eigentlich schon die Vorlesungen laufen. Das sollte auch gar nicht erst einreißen. Es gibt gewisse Termine oder Zeiträume, wo es mit Urlaub einfach nicht geht. Ist im Berufsleben ja auch so.
Und als Betreuer von Bacherlor-/Masterarbeiten gehe ich an die Decke, wenn ein Student erst totalen Alarm macht, dass er möglichst schnell anfangen kann, sogar vor der vereinbarten Zeit kommt, wenn sein Arbeitsplatz noch nicht fertig ist, und dann nach drei Wochen sich für 'nen Monat in den Urlaub verabschiedet.
Also Urlaub oder auch nur Wochenendurlaub ist in Ordnung und wichtig, wenn man es sich zeitlich auch leisten kann. Sonst ist das nämlich nur Verdrängung und keine Erholung. Immer vor Augen halten: Das Studium macht man für sich selbst. Man hat es sich selbst ausgesucht, was man da macht. Ein bisschen Masochismus gehört dazu :mrgreen:

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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von topmech » Fr 3. Jul 2015, 12:39

Hallo zusammen,

möcht mich hier auch mal einklinken, bin zwar MaschBauer (Dipl.) an der TU Dresden, aber egal.
Was mir bisher gefehlt hat:
- das mit dem Ruf einer Bildungsanstalt - das ist zwar ein schönes Aushängeschild, steht aber meist nur dafür, dass die Studenten gequält werden. Und mal ehrlich, wer hat noch nicht Erstis sagen gehört, man studiere an einer "Eliteuniversität"? :D Man kann sich davon nichts kaufen.
- Mathe: erst wenn das bestanden ist, geht das Studieren richtig los. Mach dich gefasst auch Durchfallquoten von 90%.
- Pflicht&Verzicht: sei dir darüber klar, dass du die Tage und Wochen während und zwei Wochen vor der Prüfungszeit quasi aus dem Kalender rausreißen kannst - in der Zeit machst du nichts anderes ausser dir Leitzordner für Leitzordner reinzupressen. Drei Klausuren / Woche kann durchaus normal sein. Du wirst Partys und andere Feiereien ausfallen lassen müssen. Halte dich von Leuten fern, die dir ein Vesper in die Tasche schwätzen (für alle nicht-Schwaben: die Leute geben vor, sich gut in etwas auszukennen, machen sich wichtig, aber halten dich auf.)
- Praxisnähe: eine weitere Nebelkerze. Das Grundstudium/Vordiplom ist eine einzige Wüste, staubtrocken, hat aber die Funktion, dass du dich daran gewöhnst und so wirkt das Hauptstudium praxisnaher. Halte dir vor Augen, dass ein Job in der Entwicklung ein Bürojob ist. Wirklich rumschrauben lassen dich die Firmen nicht, erstens haben die dafür eigene Leute und zweitens bist du als Ing. zu teuer. (ist jetzt auf MaschBau bezogen) Aber auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel.
- Vitamin B: baue dir ein Netzwerk auf, es ist zwar gut, wenn du es nicht brauchst, aber besser wenn du im Bedarfsfall auf einen Kontakt zurückgreifen kannst. Dazu gibts verschiedene Möglichkeiten, wie ein Team der Formula Student, Kolloquien mit Vertretern namhafter Firmen oder der klassische Weg über eine Studentenverbindung. Sei dir bewusst, dass auch das eine Menge Zeit in Anspruch nimmt und nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sein wird. Besuch auch mal eine Firmenmesse, wie etwa die Bonding. Du bringst nicht nur einen Jahresvorrat an Blöcken und Stiften mit nach Hause, sondern holst dir Meinungen ein, welchen Weg/Vertiefungsrichtung du einschlagen kannst. Dir werden Perspektiven aufgezeigt, an welchen Positionen du später eingesetzt werden kannst etc.
- Freizeit/Ausgleich: Schau, dass du deine Zeit sinnvoll nutzt, aber dass du dir auch eine Auszeit gönnst. Auch ein Teil der Selbstfindung/Selbstreflektion. Auch hier der Hinweis: such dir gescheite Freunde, setz nicht zu viel auf DIE Eine. Wenn's im Studium mal nicht so läuft, du schlecht drauf bist oder andere Beschwerlichkeiten auftreten, ist sie schneller weg, als uns beiden lieb ist.

Wahrscheinlich habe einiges doppelt geschrieben, was hier im Faden schon erwähnt wurde, sieh's als besondere Betonung an ;)

Gruß
Nico

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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von tschäikäi » Di 21. Jul 2015, 16:23

Servus Jungens.
Ich habe soeben den Zulassungsbescheid für den Studiengang Fahrzeugtechnik erhalten.
(FROII)

Musste ich nur mal loswerden.
Gruß Julian

duese
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von duese » Di 21. Jul 2015, 16:26

Sehr gut! Viel Erfolg und guten Start!

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Fritzler
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Re: Neuer Plan - Studium

Beitrag von Fritzler » Di 21. Jul 2015, 16:37

Dann wünsche ich mal viel Erfolg und imemr schön durchhalten :twisted:

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