Drehstrommotor in Steinmetz

Der chaotische Hauptfaden

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Drehstrommotor in Steinmetz

Beitragvon electrixx2005 » So 18. Nov 2018, 09:55

Hallo zusammen,

als eingestaubter Elektriker, der zudem in den Hauptberufsjahren wenig mit Motoren zu tun hatte, brauche ich mal euer Fachwissen. Gegeben ist folgender Drehstrommotor, montiert an einer Nähmaschine:

IMG-20181109-WA0006.jpg

Wenn ich die Angaben richtig deute, hat der Motor also eine Wicklungsspannung von 230 Volt?
Die Frage zielt dahin, die vorhandene Drehstromversorgung auf 230 Volt Wechselspannung umzubauen. Sollte mittels Steinmetzschaltung doch möglich sein, oder?

Gruß, Jens
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Re: Drehstrommotor in Steinmetz

Beitragvon winnman » So 18. Nov 2018, 10:01

Wenn du den in D schaltest sollte das gehen.
Hast du aber auch schon überlegt da eine FU mit 1Phasiger Speisung dranzubasteln?
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Re: Drehstrommotor in Steinmetz

Beitragvon electrixx2005 » So 18. Nov 2018, 10:18

winnman hat geschrieben:Hast du aber auch schon überlegt da eine FU mit 1Phasiger Speisung dranzubasteln?


Nein, noch nicht. Ist für einen Nachbarn, und die Kosten wären doch ziemlich hoch....
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Re: Drehstrommotor in Steinmetz

Beitragvon Robby_DG0ROB » So 18. Nov 2018, 12:33

Statt hier alles nochmal runterzubeten, verweise ich auf den Wikipedia-Artikel, der die wesentlichen und für den Zweck ausreichendne Informationen enthält: https://de.wikipedia.org/wiki/Steinmetzschaltung
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Re: Drehstrommotor in Steinmetz

Beitragvon Luftwatz » So 18. Nov 2018, 12:58

Ich halte den Motor für ungeeignet eine Nähmaschine anzutreiben. Jedenfalls solange der keinen Frequenzumrichter spendiert bekommt. Mit einer Nähmaschine die nur Stop oder Vollgas kennt kann man nicht nähen :o .
Übliche Nähmaschinen haben nicht umsonst ein "Gaspedal".

Obwohl - eine Nähmaschine die zum Anlauf über fette Schütze eine Stern- Dreieck Umschaltung macht hätte einen gewissen Igorfaktor :mrgreen: .
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Re: Drehstrommotor in Steinmetz

Beitragvon ESDKittel » So 18. Nov 2018, 13:08

Aber auch mal kontrollieren ob in Steinmetz so Sachen wie Drehmoment/Abgabeleistung/Rundlauf (welliger Drehmomentverlauf) noch passen.
Kommt natürlich auch darauf an was da genäht wird.

@Luftwatz: Industrienähmaschienen haben mitunter einen dauernd laufenden Drehsaftmotor und eine Kupplung.
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Re: Drehstrommotor in Steinmetz

Beitragvon uxlaxel » So 18. Nov 2018, 13:14

ein motor in steinmetzschaltung kann auf der welle nur halbe nennleistung abgeben, ansonsten brennt er ab. sollte man wissen, auch wenn etliche profis das nicht verstehen. (bei nem zulieferer von uns sind regelmäßig die pumpen ausgestiegen, weil eben steinmetz nur ein kompromiss ist und keine dauerlösung für 24/7)
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Re: Drehstrommotor in Steinmetz

Beitragvon Robby_DG0ROB » So 18. Nov 2018, 14:15

Luftwatz hat geschrieben:Ich halte den Motor für ungeeignet eine Nähmaschine anzutreiben. Jedenfalls solange der keinen Frequenzumrichter spendiert bekommt. Mit einer Nähmaschine die nur Stop oder Vollgas kennt kann man nicht nähen :o .
Übliche Nähmaschinen haben nicht umsonst ein "Gaspedal".

Obwohl - eine Nähmaschine die zum Anlauf über fette Schütze eine Stern- Dreieck Umschaltung macht hätte einen gewissen Igorfaktor :mrgreen: .


Das direkte Einschalten ist bei den kurzen Intervallen beim direktgetriebenen Nähwerk weder der Mechanik, noch dem Netz, geschweige denn dem Bediener zumutbar. Das würde selbst der dickste Faden nicht aushalten, von der Nadel ganz zu schweigen. Außerdem fehlt jede Möglichkeit des langsamen Anlaufens.

Wir hatten in der Sattlerausstattung in der Inst (Bw) auch eine Nähmaschine mit einem Drehstrommotor. Dieser lief immer und hatte eine interne Kupplung und Bremse. Über eine Trittplatte wurde die Bremse gelöst und die Kupplung eingerückt, so dass eine fast stufenlose Drehzahlstellung am Nähwerk möglich war. Das ganze ohne kreischende Bürstenmotorn, Funkstörungen und glühende Kohledruckregler.

Das nicht kreisrunde Drehfeld der Motoren ist in den meisten Anwendungen zu verschmerzen, wenn der Motor richtig dimensioniert ist. Die Anwendung selbst wirkt als "Integratortiefpass" und alles läuft rund. Einzig auf das veringerte Drehmoment muss man achten, um den Motor nicht mechanisch und damit thermisch zu überlasten.

Mitunter hilft akademische Korinthenscheißerrei in der Praxis nicht weiter, das muss man auch als Ingenieur oft zugeben bzw. einsehen, weil der pragmatische Ansatz vom Praktiker da den Anforderungen schneller und v.a. preiswerter gerecht wird.
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Re: Drehstrommotor in Steinmetz

Beitragvon Kainit » So 18. Nov 2018, 17:19

Robby_DG0ROB hat geschrieben:Mitunter hilft akademische Korinthenscheißerrei in der Praxis nicht weiter, das muss man auch als Ingenieur oft zugeben bzw. einsehen, weil der pragmatische Ansatz vom Praktiker da den Anforderungen schneller und v.a. preiswerter gerecht wird.


Welch ein wahres Wort!

Leider Gottes habe ich schon seit Jahren das ungute Gefühl dass diese Erkenntnis
mehr und mehr in Vergessenheit gerät.
Mit älteren Ingenieuren kann man auch als kleiner Plebs vernünftig reden(meistens),
bei den Jüngeren läuft man da zuverlässig vor die Wand...

mfg

Frank
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