Watt mit Dampf?

Der chaotische Hauptfaden

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Watt mit Dampf?

Beitragvon Frickelfreddy » Fr 5. Jan 2018, 22:07

Hallo,

hat jemand Ahnung oder einen Link, wo man sehen kann, wie so eine Dampfpfeife nicht nur aufgebaut, sondern auch dimensioniert ist?

Ich hab nur was zu den Modelldampflokpfeifen gefunden.
Die sind aber stark vereinfacht und von der Tonlage nicht das, was ich suche.

Ich will so einen Trümmer wie in dem Video hier:
https://youtu.be/hgBHfDOaTSw
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Bastelbruder » Fr 5. Jan 2018, 22:27

Einfach die Wikipedia bemühen. Bloß nicht die deutsche... Maßzeichnungen sind da natürlich nicht zu finden, aber Resonatorabmessungen, Geräuschpegelangaben und Links.

Und hier eine Beschreibung des "Western"-Akkords.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Frickelfreddy » Fr 5. Jan 2018, 22:43

Das mit Wikipedia englisch war schon mal eine sehr gute Idee.

Die führte mich zu dem Begriff "Einheitspfeife" und der wiederum via Videosuche zur Selfkantbahn.
Und die ist nur ein paar Minuten von hier beheimatet.

Allerdings habe ich da immer nur Töne gehört, die mich eher an Jim Knopf erinnern.
Es gibt da wohl sehr verschiedene Bauarten dieser dampfbetriebenen Signaleinrichtungen.

Aber "Lok 20" soll ja das gewünschte besitzen.
https://youtu.be/jwDQ_jinEJ8


Da fahr ich im Frühjahr mal mit dem Meßschieber hin.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Nilsen » Fr 5. Jan 2018, 23:00

Ich hab vor Jahren mal Pfeifen in der Art zu bauen versucht. Die Tonlage war mir zunächst wurscht, war aber erstaunt wie gut der Klang war (Zufallstreffer). Mein Problem bestand hauptsächlich darin den notwendigen Volumenstrom an Pressluft zusammen zu bekommen. Papis Moppel zum Lackieren hat da nicht gereicht. Meiner dürftigen Erfahrung nach solltest du den Spalt am Luft/Dampf/Gas was auch immer Austritt nicht zu breit wählen.

Die Dinger liegen leider in 500km Entfernung in der Werkstatt meines Vaters (wenn die nicht mittlerweile zu was anderem verwurstet wurden), sonst würde ich dir einige Bilder spendieren.

Aber vielleicht suchst du ja mehr sowas https://de.wikipedia.org/wiki/Typhon_(Schiffbau)
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Frickelfreddy » Fr 5. Jan 2018, 23:11

Ja, die Dinger hatte ich auch schon gefunden.
Aber die sind wieder anders aufgebaut. Keine Pfeife mit Spalt sondern eine schwingende Membran in einer Aufhängung.
Die entsprechen eher den Fanfaren, die man ja auch für Autos bekommt.
Um damit diesen tiefen Dampflok-Sound zu erzeugen, müssen die wohl mehrere Meter lang sein.
Da gibts tolle Videos von.

Welche Bauform hattest Du denn gewählt?

Zur Befeuerung soll ein 30 Liter Druckluftkessel einer Bremsanlage dienen.
Das sollte für ein bis zwei Sekunden Krach reichen.
Wichtiger als das reine Kesselvolumen scheint mir aber der nötige Leitungsquerschnitt zu sein.

Als Betätigung böte sich ein Kugelkopfventil an.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Bastelbruder » Fr 5. Jan 2018, 23:23

Ich denke daß auch das erhebliche Gewicht des Dampfes bei Tonlage und Frequenzvariation maßgeblich beteiligt ist. Mit Preßluft fehlt dann das gewisse Etwas.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Gobi » Fr 5. Jan 2018, 23:26

Gibt es da überhaupt irgend einen Unterschied zu Orgelpfeifen?
Form macht die Klangfarbe, Länge die Tönhöhe. Und dann gibts noch gedackt (schreibt man das so ?) oder nicht.
Muss mal schauen, ich hab noch ein, zwei rumzuliegen...
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Frickelfreddy » Fr 5. Jan 2018, 23:44

Ich denke auch, daß der Ton wegen der anderen Dichte bei Dampf anders (vermutlich tiefer) sein wird als bei trockener Druckluft.
Aber das ist ja nur ein Dimensionierungsproblem.

Und wer Orgelpfeifen berechnen kann, kann das sicher auch mit einer Dampfpfeife.
Das Funktionsprinzip ist dasselbe.
Ein Bekannter hat sich mal die Auspuffanlage seines Zweitakt-Karts von einem Orgelbauer optimieren lassen.
Der wußte über die Resonanzlängen und das Anschwingverhalten besser Bescheid als der Motorhersteller. Hat wohl dann praktisch auch ganz gut geklappt.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Lötfahne » Sa 6. Jan 2018, 00:01

Hilft das?
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Lukas_P » Sa 6. Jan 2018, 09:41

EIne Orgelpfeife hat nur ein grades Labium (die kante wo sich die luft bricht) bei einer Dampflokpfeife hast du einen Ringspalt. Das schwierigste dürfte die Glocke sein, da die relativ genau über dem spalt sitzen muss... AUsserdem brauchen die Dinger VIEEEEEEEEEEEEL luft, die sind schon mal gerne zöllig am Hauptluftbehälter der Lok angeschlossen. wenn interesse besteht kann ich mal ein paar fotos von ner original österreichischen zerlegten pfeife schießen ;)

edit: @lötfahne: aus welchem buchist die seite ? sieht interessant aus
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon ando » Sa 6. Jan 2018, 10:46

Moin,

ich vermute mal, das das Buch von Walter Fürst, die Welt auf Schienen ist.

Bastelbruder hat was wichtiges gesagt: Die Dichte und die Eigenschaften des Dampfes sind wichtig.

Ne Lokpfeife braucht soweit ich weiß auch etwas Betriebstemperatur, damit die gut geht.

Das erwähnte doch auch der Freak mit der Feuerorgel, das die Orgel erstmal warm gespielt werden muss.

Ausserdem is Dampf doch viel cooler als Luft. MAch halt dem Druckkessel bissl Feuer drunter.

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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Gobi » Sa 6. Jan 2018, 12:24

die Zeichnung ist ja mal interessant! Sie zeigt, wie man eine Orgelpfeife auf der Drehbank macht. Das die 2 Töne aus einer Pfeife kommen, habe ich nicht gewusst. "Halbton" und "Ganzton" sind aber sehr falsche Bezeichnungen, immerhin geht es ja hier um Musik. Mit weniger Druck entseht der Grundton, der mit (zu) viel Druck überblasen eine Oktave höher kommt. Das kennt man ja auch vom Blockflötenspiel (aua) Was mich allerdings wundert, ist wie kurz die "Glocke" ist, tief wird der Ton da nicht sein.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Bastelbruder » Sa 6. Jan 2018, 13:21

Ich vermute daß der "überblasene" Ton eigentlich die dreifache Frequenz haben sollte, es handelt sich im Gegensatz zur Blockflöte um einen am Ende kurzgeschlossenen Lambda-viertel-Resonator. Durch den relativ großen Durchmesser ist allerdings nur die letzte Viertelwelle vom "Endeffekt" betroffen, der die Frequenz erniedrigt und die Pfeife scheinbar um den Durchmesser verlängert.

Dank dem relativ geringen Durchmesser und der Lambda-halbe-Resonanz liegen die Oberwellenresonanzen bei der Blockflöte nahe der exakt doppelten Frequenz.

Hatten wir nicht einen Orgelbauer im Forum? Schade, MrD hat sich seit Jahren nicht mehr gemeldet.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Frickelfreddy » Sa 6. Jan 2018, 14:18

Lukas_P hat geschrieben:. Das schwierigste dürfte die Glocke sein, da die relativ genau über dem spalt sitzen muss... AUsserdem brauchen die Dinger VIEEEEEEEEEEEEL luft, die sind schon mal gerne zöllig am Hauptluftbehälter der Lok angeschlossen.


Ich hab da gleich diese gußeisernen Schraubkappen vor Augen, die als Transportsicherung auf Autogen-Flaschen aufgeschraubt werden.
Die sollten vom Material als auch der Größe her schon einer Einheitspfeife sehr nahekommen.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon video6 » Sa 6. Jan 2018, 14:20

Solch Kappe hab ich noch mit dranhängender Flasche da.
Die Flasche wurde angebohrt und ist damit leider Schrott.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Bastelbruder » Sa 6. Jan 2018, 14:29

Da könnte man doch die Flasche umdrehen, bei einem Viertel der Länge, gesehen vom Ventil-Ende trennen, dort den Ringspalt einbauen und das lange Teil am Rand anspitzen. Die Säule im Zentrum ist nicht nötig, es tun sicher auch ein paar dünne Bleche die aufrecht stehend den Abstand stabilisieren. Fehlt bloß noch der Dampf.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Frickelfreddy » Sa 6. Jan 2018, 14:29

Hier nochmal ein Bild aus einer abgelaufenen Ebay-Auktion:
https://www.picclickimg.com/00/s/MTYwMF ... DR-_57.jpg

So richtig kompliziert sieht das Ding nicht aus.
Zumal der tongebende Teil ja nur aus der Glocke und dem luftverteilenden Trichter darunter besteht.
Die restlichen zwei Drittel der Konstruktion betreffen den Ventilmechanismus und die Befestigung.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Nilsen » Sa 6. Jan 2018, 14:55

Ich hab zu meiner nicht mehr vorhandenen Pfeife eine Gedächtniszeichnung gemacht. Als Material hab ich Kupfer verwendet, so kann man das Teil schön zusammenlöten. Wenn man Heizungsrohre verwendet gibt es auch gleich die passenden Flansche dazu.

Bild

Was die Abmessungen angeht musste ich mein Hirn intern schätzen lassen, nagelt mich da also bitte auf nix fest. Um den Spalt zu erzeugen hatte ich unten einfach eine Blende eingelötet die auf einer Seite eine Aussparung besaß. Die Pfeife war übrigens oben geschlossen.

Was die Bauform mit der Glocke angeht habe ich mal eine gesehen die innen segmentiert gewesen ist. Die Segmente waren unterschiedlich tief, so das man einen Dreiklang erzeugt hat.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Lukas_P » Sa 6. Jan 2018, 15:23

Die dampfpfeifen funktionieren auch an Druckluft .... die säule in der mitte der glocke ist wichtig, so kann die glocke (am rand wo die schwingung erzeug wird) relativ frei schwingen
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Censer » Sa 6. Jan 2018, 16:40

Ich hab mich mal auf die Suche gemacht:
1. 3 Videos von Keith Rucker, im 2. wird die genaue funktion erklärt, das dritte ist nur wegen Igorfaktor:
https://www.youtube.com/watch?v=jLR2KXtI8eM
https://www.youtube.com/watch?v=Q3uKNvmnahU
https://www.youtube.com/watch?v=wc5X46qo788&t=26m20s

2. Patente:
Suche des DPMA
Lunkenheimer Steam Whistle (die aus dem Video oben): US476472 A
anderer Aufbau, aber gleiches Prinzip: US1530899
schön erkennbar die aufteilung für Mehrtonpfeifen: US801081
noch eins von 1893 mit schön einfachem Aufbau: US493920
und eine mit 2 übereinanderliegenden Glocken: US359775

3. wikipedia lieferte noch folgendes Bild:
Bild

---Und wer baut jetzt eine Dampforgel bis zum nächsten Treffen?
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon ando » Sa 6. Jan 2018, 17:12

Toll Censer!

Da bekommt man direkt Lust, an die Drehbank zu hetzten und so nen Dingen zu bauen!
Und wie das erst die Nachbarschaft freut, wenns fertig ist!

Leider hab ich keine Drehbank....:-(

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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Propeller » Sa 6. Jan 2018, 17:37

Ich kriege auch gerade wieder Lust, mich mit Dampf zu befassen. Aber das Frästhema hat Vorrang.
---
In meinen originalen Lehrbüchern über Dampfmaschinen steht kurioserweise nichts über Pfeifen, aber dankenswerter Weise steht ja Dinglers Polytechnisches Journal inzwischen komplett online zur Verfügung und dessen Suchfunktion spuckt zumindest etwas aus.

beste Grüße
Peter

EDIT: Herrlich.
Zuletzt geändert von Propeller am Sa 6. Jan 2018, 17:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Frickelfreddy » Sa 6. Jan 2018, 17:40

Wenn ich das richtig sehe, sollte man die Konstruktion aus zwei Gasflaschen-Schraubkappen herstellen können.
Die obere Glocke als Ganzes, der man nur eine scharfe Kante andreht und als Gegenstück eine umgedrehte gekürzte Kappe unten, in die man zur Erzeugung eines Ringspaltes eine Scheibe einpasst, die, wie die beiden anderen Teile auch, von einer zentralen hohlen Gewindestange gehalten wird, die dann, bei entsprechender Bearbeitung, auch direkt als Luftzuführung benutzt werden kann.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Censer » Sa 6. Jan 2018, 19:51

Die obere, ganze Kappe würde ich aber innen ausdrehen - Unregelmäßigkeiten in der Oberfläche könnten sonst komische akustische Effekte haben, zumindest ist das bei anderen Pfeifen der Fall.
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Re: Watt mit Dampf?

Beitragvon Lukas_P » Sa 6. Jan 2018, 20:32

ja und unbedingt so weit abdrehen das da keine Bohrungen mehr drinnen sind, nebenbei ist die Anordnung von Ringspalt und Glocke kritischer als man vll denk. Das ist relativ genau das gleiche wie mit Tönen auf einer Bierflasche spielen
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