Sprungkontakt springt nicht - warum?

Der chaotische Hauptfaden

Moderatoren: Sven, Heaterman, TDI, Finger

Sprungkontakt springt nicht - warum?

Beitragvon Luftwatz » Di 6. Feb 2018, 13:26

Hallo Leute,
es geht um die Schaltuhr von diesem Modellbauladegerät:
1.jpg
.
3.jpg
Das hier sind die original Kontakte
. Durch Zufall habe ich nach
fast 40 Jahren bemerkt, das die Kontakte beim abschalten fast eine Minute britzeln. Da nur eine handvoll mA geschaltet werden müssen, haben die das bisher klaglos mitgemacht. Trotzdem hat mich das britzeln gestört und ich habe der Schaltuhr einen Mikroschalter mit Sprungkontakt spendiert. Betätigt man den Schalthebel von Hand dann schaltet der Kontakt einwandfrei, es macht "Klack" beim umschalten. Wird der Schalthebel jedoch vom Uhrwerk betätigt (die Steuerscheibe braucht 16h für ca. eine dreiviertel Umdrehung) geschieht das im absoluten Schneckentempo und der Kontakt im Mikroschalter britzzelt noch schlimmer (vermutlich weil es jetzt nur noch ein Kontaktpaar gibt) als die beiden nichtsprungkontakte.
Die Frage ist jetzt, hab ich Ausschuß erwischt beim Mikroschalter oder ist das normal das Sprungkontakte bei extrem langsamer betätigung das Springen "vergessen" ? :?
4.jpg
Das ist der neue Schalter
.
Und bei der Gelegenheit noch eine Frage: die Glühlämpchen stabilisieren die Ladeströme durch ihre Kaltleitereigenschaften. Soweit nichts neues. Und trotzdem sind die etwas Besonderes - jedenfalls im Vergleich zu "herkömmlichen" Glühlämpchen. Die hier verwendeten Lämpchen stabilisieren besonders gut. Auffällig ist der relativ lange Glühfaden und die relativ niedrige Glühtemperatur. Nimmt man eine herkömliche Glühlampe mit ähnlicher Fadenlänge (z.B. 24 - 30 V / 2W) und und passt die Spannung so an das die Glühfäden gleich hell leuchten, dann verursacht eine Spannungsänderung von 12V bei der original Lampe eine Stromänderung von 10mA. Bei der 24 - 30V / 2W Lampe reichen dazu bereits 4,5 V Abweichung. Warum ist das so? Womöglich eine spezielle Gasfüllung? Die original Lämpchen sind von der Firma WS und bezeichnet sind sie nur mit dem Nennstrom, hier die Varianten 22 mA, 50 mA und 100 mA. Damit sie ihre Nennströme erreichen sind 26 V erforderlich.

Viele Grüße
Luftwatz
Dateianhänge
2.jpg
Luftwatz
 
Beiträge: 80
Registriert: Mi 14. Aug 2013, 17:36

Re: Sprungkontakt springt nicht - warum?

Beitragvon alexander_d » Di 6. Feb 2018, 14:07

Luftwatz hat geschrieben:Und bei der Gelegenheit noch eine Frage: die Glühlämpchen stabilisieren die Ladeströme durch ihre Kaltleitereigenschaften. Soweit nichts neues. Und trotzdem sind die etwas Besonderes - jedenfalls im Vergleich zu "herkömmlichen" Glühlämpchen. Die hier verwendeten Lämpchen stabilisieren besonders gut. Auffällig ist der relativ lange Glühfaden und die relativ niedrige Glühtemperatur. Nimmt man eine herkömliche Glühlampe mit ähnlicher Fadenlänge (z.B. 24 - 30 V / 2W) und und passt die Spannung so an das die Glühfäden gleich hell leuchten, dann verursacht eine Spannungsänderung von 12V bei der original Lampe eine Stromänderung von 10mA. Bei der 24 - 30V / 2W Lampe reichen dazu bereits 4,5 V Abweichung. Warum ist das so? Womöglich eine spezielle Gasfüllung? Die original Lämpchen sind von der Firma WS und bezeichnet sind sie nur mit dem Nennstrom, hier die Varianten 22 mA, 50 mA und 100 mA. Damit sie ihre Nennströme erreichen sind 26 V erforderlich.
Luftwatz


Das könnten Eisen-Wasserstoff-Widerstände in der Bauform eines normalen Glühlämpchens sein.
https://de.wikipedia.org/wiki/Eisen-Was ... Widerstand

Gruß,
Alexander
alexander_d
 
Beiträge: 65
Registriert: Di 24. Sep 2013, 15:07

Re: Sprungkontakt springt nicht - warum?

Beitragvon xoexlepox » Di 6. Feb 2018, 14:28

... ist das normal das Sprungkontakte bei extrem langsamer betätigung das Springen "vergessen" ?

Das hängt m.E. sehr vom (inneren) Aufbau ab. Ich habe für solche Zwecke oft so etwas verwendet. Der müsste wirklich "schnappen", nur dem würde ich nicht mehr als 100mA zumuten. Notfalls ein Relais nachschalten?
Benutzeravatar
xoexlepox
 
Beiträge: 4270
Registriert: So 11. Aug 2013, 19:28
Wohnort: So etwa in der Mitte

Re: Sprungkontakt springt nicht - warum?

Beitragvon sysconsol » Di 6. Feb 2018, 15:12

Wenn man Mikroschalter gaaanz langsam betätigt, schnappen die nicht um.
Das ist normal.

Deswegen sollte die Scheibe mit der Schaltnut mit Toleranz auf der Welle sitzen.
Dann gibt es eine Stelle, wo der Betätiger vom Mikroschalter die Scheibe mit der Schaltnut einrastet.
Das geschieht dadurch, dass die Scheibe auf der Welle in ihrer lockeren Passung durch die Kraft des Mikroschalters
etwas weiter gedreht wird.
sysconsol
 
Beiträge: 1280
Registriert: Fr 8. Jul 2016, 17:22

Re: Sprungkontakt springt nicht - warum?

Beitragvon Bastelbruder » Di 6. Feb 2018, 15:17

Wenn solche Mikroschalter etwas älter sind dann kommt es manchmal vor daß die Kontakte oxidieren und auch das "Scharnier" hochohmig wird. Sowohl die Springkontakte als auch das rollende Scharnier haben den Nachteil, nicht selbstreinigend zu sein, etwas Bewegung findet aber trotzdem statt. Ohne hermetischen Abschluß ist das immer Käse. Mach das Teil auf, sauber und wieder zu, ist kein Hexenwerk.

Bei den "Glühlampen" tippe ich auch auf Eisen-Wasserstoff.
Bastelbruder
 
Beiträge: 4536
Registriert: Mi 14. Aug 2013, 18:28
Wohnort: drunt' am Neckar - km142,7

Re: Sprungkontakt springt nicht - warum?

Beitragvon Robby_DG0ROB » Di 6. Feb 2018, 15:47

Es gab früher sog. "Stromzeigelampen", die bei denen nur ein Strom angegeben war und in Serien mit Verbauchern waren. Es gab diese bis zum Ampere-Bereich, z.B. für Heizkörper. Im Gegensatz zu parallel geschalteten Glühlampen konnte man so erkennen, ob wirklich Strom floß. Möglicherweise ist es hier etwas vergleichbares.
Robby_DG0ROB
 
Beiträge: 1375
Registriert: Do 19. Mai 2016, 21:13
Wohnort: Regensburg

Re: Sprungkontakt springt nicht - warum?

Beitragvon Toni » Di 6. Feb 2018, 17:07

ich hatte mal eine 50'er oder 60'er Jahre Schaltuhr in den Fingern, die mit einem Schneckentempo-Räderwerk ein Schaltzungen-Pärchen betätigte.

Der clevere "Knackpunkt" dabei: am Zahnrad waren 2 Mitnehmer, die sich langsam unter bzw. über die beiden (sehr elastischen) Schaltzungen schoben, und irgendwann am Ende wegschnalzen ließen.
Dadurch war immer ein abruptes Ein- bzw. Ausschalten gewährleistet, auch ohne Mikroschalter.

Leider erkenne ich auf den Fotos zu wenige Details. Sollte das bei deiner Schaltuhr evtl. auch so sein? Ist da einer der Mitnehmer defekt, sodass einer der Kontaktstreifen nicht mehr schnalzt? Das würde das Brizzeln erklären.
Benutzeravatar
Toni
 
Beiträge: 1152
Registriert: Di 13. Aug 2013, 18:24

Re: Sprungkontakt springt nicht - warum?

Beitragvon Luftwatz » Mi 7. Feb 2018, 15:12

Hallo Leute,
zunächst mal vielen Dank für die vielen nützlichen Tips und Hinweise. Hier eine Rückmeldung: die runde Betätigungssscheibe hat an einer Stelle lediglich eine kleine dreieckige Aussparung für den Hebel. Das selbst die original Kontakte britzelnd schalteten liegt dann wohl an allgemeinem Verschleiß. Die Kontakte waren für 10 A / 250 V AC bemessen, eine Minute britzeln unter Vollast hätten die garantiert nicht überlebt :mrgreen: .
Habe gestern nochmal verschiedene Mikroschalter aus der Bastelkiste getestet. Daraus ergaben sich zwei Erkenntnisse:
- die Schalter sollten vorher unter realen Bedingungen (sowohl mechanische als auch elektrische Seite) getestet werden. Handbetrieb und Durchgangspiepser reichen nicht.
- die Schalter haben eine "Vorzugsrichtung", das sollte man beachten wenn man die Sprungfunktion nutzen möchte. Bei den getesteten Schaltern sprang nur der Arbeitskontakt zuverlässig.

Für dieses Ladegerät heißt die Problemlösung: vom Mikroschalter den Arbeitskontakt nutzen und damit ein Relais ansteuern 8-) .
Hier im Forum gab es mal ein Problem mit einer AC Schützspule die abgebrannt ist weil der Anker nicht anzog. Jetzt stellt sich die Frage, könnte das auch bei einem Kleinleistungsrelais (z.B. Finder 40.52 Serie) passieren? Also lieber ein 24V DC Relais mit Kondensatornetzteil nehmen? Da unbeaufsichtigter betrieb vorgesehen ist sollte die Konstruktion möglichst eigensicher sein :mrgreen: .

Und nochmal zu den Lämpchen: das mit Eisen-Wasserstoffwiderstand könnte zutreffen. Wenn man nur herkömmliche Glühlämpchen zur Verfügung hat: für den 50 mA Bereich eignet sich die Reihenschaltung aus 2x 24 - 30 V /2W Lampen. Die Spannungsquelle sollte ca. 30 bis 32 V liefern können.
Für alle Interessierten nochmal ein Bild zur Gegenüberstellung. Links die Widerstandslampe (10 mA) und rechts die 24 -30V / 2W Röhrenlampe. Man beachte bei der Widerstandslampe die sehr kurzen Stromzuführungen.
5.jpg
.

Viele Grüße
Luftwatz
Luftwatz
 
Beiträge: 80
Registriert: Mi 14. Aug 2013, 17:36

Re: Sprungkontakt springt nicht - warum?

Beitragvon rene_s39 » Do 8. Feb 2018, 12:51

Wir brauchen auf der Arbeit pro Jahr einige Hundert Finder Relais, weil diese bei den Wartungen immer Intervallmäßig ausgetauscht werden.
Ein häufiger Grund für Störungen sind wirklich die verbrannten Kontakte.

Auffallend ist dabei, dass bei den 24V Relais meist nur die Kontakte defekt sind, bei den 230V Relais hatte ich durchaus schon einige (aber eher selten) die Spulenprobleme hatten.
Das wären z.B. irgendwelche Ausgasungen, dass ein brauner Dampf im Gehäuse sitzt, oder auch manchmal komplett schwarz.

Ob andere Relais-Hersteller diese Probleme nicht haben weiß ich nicht, aber unsere Erfahrungen mit Finder sind halt eher bescheiden.
Trotzdem stellen wir nicht auf Schrack o.ä. um :D

Gruß,
Rene

PS: Ich sammle die meisten Relais die in den Schrott fliegen in einem großen Karton, in der Hoffnung die irgendwie verwerten zu können.
Leider gibt's auch einige Kollegen, die die Relais direkt im Hausmüll entsorgen, vielleicht sogar wegen mir.
rene_s39
 
Beiträge: 522
Registriert: So 17. Jan 2016, 23:06
Wohnort: 47669 Wachtendonk

Re: Sprungkontakt springt nicht - warum?

Beitragvon ferdimh » Do 8. Feb 2018, 13:36

230V-Spulen in Kleinrelais (noch schlimmer: 400V-Spulen...) sind eigentlich herstellerübergreifend scheiße. Der dünne Draht und potentielle Belastungen durch Überspannungen und Vibrationen geben den Dingern relativ schnell den Rest.
Dazu kommt, dass man die Spulen ineffizienter auslegt, um etwas dickeren Draht zu bekommen, und der dünnere Draht auch noch ein schlechteres Draht/Isolation-Verhältnis hat. 230V-Spulen laufen daher auch noch relativ heiß, mit offensichtlichen Folgen.
Benutzeravatar
ferdimh
 
Beiträge: 5914
Registriert: Fr 16. Aug 2013, 15:19

Re: Sprungkontakt springt nicht - warum?

Beitragvon uxlaxel » Do 8. Feb 2018, 19:44

ferdimh hat geschrieben:230V-Spulen in Kleinrelais (noch schlimmer: 400V-Spulen...) sind eigentlich herstellerübergreifend scheiße. Der dünne Draht und potentielle Belastungen durch Überspannungen und Vibrationen geben den Dingern relativ schnell den Rest.
Dazu kommt, dass man die Spulen ineffizienter auslegt, um etwas dickeren Draht zu bekommen, und der dünnere Draht auch noch ein schlechteres Draht/Isolation-Verhältnis hat. 230V-Spulen laufen daher auch noch relativ heiß, mit offensichtlichen Folgen.

genau deswegen werden in schaltschränken sehr oft 24V-relais und -schütze verbaut, obwohl der umweg über steuertrafo bzw. netzteil doch eigentlich umständlicher ist. dafür fallen die relais deutlich kleiner aus und auch so manch schalter braucht nicht mehr so hohe anforderungen an den schutzgrad erfüllen. ganz nebenbei hat man auch deutlich weniger wärme im schrank und spart u.U. die belüftung. lg
Benutzeravatar
uxlaxel
 
Beiträge: 8793
Registriert: So 11. Aug 2013, 22:05
Wohnort: Jena (Thüringen)


Zurück zu Allgemeine Diskussion

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Censer, doofi, Freak, Hightech, xoexlepox und 60 Gäste

span