Yet another Punktschweißgerät

Der chaotische Hauptfaden

Moderatoren: Sven, Heaterman, TDI, Finger

Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon topmech » So 11. Feb 2018, 13:35

Hallo zusammen,

wie auch andere vor mir hab ich mich dazu hinreißen lassen ein Punktschweißgerät zu bauen.
Auf den zweiten Anlauf hat auch das Umschweißen vom Mikrowellentrafo geklappt (Danke nochmal für den MOT Andreas_P!), die Primärwicklung hat wie im Vorfeld ca. 2,1 Ohm und weißt einen nicht mehr messbaren Widerstand zu den Trafoblechen auf.
Die Anzahl an Windungen auf der Primärseite ist leider unbekannt, auf der Sekundärseite hab ich 6 Windungen mit einem 6mm bzw. 4mm (Kupferlitze) dicken, ehemaligen Massekabel von einer Car-Hifi-Anlage gewickelt bekommen, hoffe das reicht.
Wie ich die Schweißzeit steuere weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Am liebsten wäre mir eine möglichst einfache Lösung, die die Primärseite für eine einstellbare Zeit einschaltet. µC wäre zwar schon cool, aber bis ich das alles beisammen habe und so läuft wie es soll, schreiben wir 2038. Dachte eher an ein Zeitrelais im Bereich 0,1 bis 2 Sekunden. Primär sollen zwar nur Akkupacks damit gemacht werden (vllt. 0,4 mm Bleche oder wie dick sind die Bleche in Akkupacks und vor allem, wo bekommt man sowas her?)
Später soll alles mal in ein möglichst kleines Gehäuse einziehen, dummerweise habe ich erst auf dem Fingertreffen ein solches leicht( )fertig verschenkt... - Wo bekommt man so was her? Dachte an etwa 15x15x20 (HxBxT). Habe zwar ein kleines Abkantwerkzeug für den Schraubstock, aber dafür ist es zu schmal und das zukünftige Gehäuse zu sperrig, sonst würde ich da selber was kanten.
Zum Griffstück: es sollen beide Elektroden in den Griff. Da komme ich wahrscheinlich nicht drumherum ein Rundmaterial aus Kupfer zu organisieren, dafür ist die Bearbeitung auf der Drehbank und Gewindeschneiden auch kein Problem. Das Zeitrelais würde ich mit einem Mikroschalter am Griffstück triggern, Spannungsebene würde ich 12 V bevorzugen, wobei 24 V auch noch gehen würden.
Welche Anschlüsse verwende ich, wenn ich die beiden Kabel der Sekundärwicklung nach draußen führe?
Und, hat wer Erfahrung mit Punktschweißgeräten?

Gruß
Nico
Benutzeravatar
topmech
 
Beiträge: 1050
Registriert: Sa 28. Jun 2014, 18:04
Wohnort: Römerstein auf der schwäbischen Alb

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon bastelbjoern » So 11. Feb 2018, 13:42

Guck mal avdweb.nl unter spotwelder.

Der vertickt auch kits..... und Gehäuse....

oder nur die SW....
bastelbjoern
 
Beiträge: 176
Registriert: So 12. Okt 2014, 22:46

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon Toddybaer » So 11. Feb 2018, 19:29

was kann man denn mit einem umgebauten Microwellen Trafo alles Punktschweißen?

Geht da Autoblech mit? kann ich mir kaum vorstellen
Benutzeravatar
Toddybaer
 
Beiträge: 1656
Registriert: Sa 11. Jun 2016, 13:48
Wohnort: Hemmoor

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon bastelbjoern » So 11. Feb 2018, 19:53

bastelbjoern
 
Beiträge: 176
Registriert: So 12. Okt 2014, 22:46

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon Roehricht » So 11. Feb 2018, 20:14

Hallo,
bei mir oxidiert ein altes Profigerät von der Firma Dalex rum. Das hat einen Riesentrafo mit EI150 Kern . Die Sek Wicklung hat nur 1 Windung.
Die fetten Kupferbänder zur Elektrode sind ca 300-400mm² . Die Schweisszeitsteuerung arbeitet mit ordinären Timern wie man sie in älteren Schaltanlagen findet.

Ich denke wenn man sich was baut sollte man die sekundär Windungszahl zugunsten des Höheren Stromes klein halten und dafür den Leitungquerschnitt reichlich dimensionieren.

73
Wolfgang
Benutzeravatar
Roehricht
 
Beiträge: 3027
Registriert: Di 13. Aug 2013, 04:00
Wohnort: 25474 Hasloh

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon Toddybaer » So 11. Feb 2018, 20:16

schonmal jemand Stromschienen 10x40mm durch so einen Trafo gewickelt?
Hmm....

bei den Schweißarbeiten am Passat hätte man für ein paar Punkte auch die Zange nehmen können....

Bissel 185mm2 könnt ich sogar bekommen...
aahhh....
Benutzeravatar
Toddybaer
 
Beiträge: 1656
Registriert: Sa 11. Jun 2016, 13:48
Wohnort: Hemmoor

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon RMK » So 11. Feb 2018, 23:07

ich hab vor kurzem auch mal spasseshalber die Sekundärwicklung aus nem MOT entfernt
(durchgesägt) und drei Windungen 16² durchgedroschen (ja, mit dem Hammer)

.... das ist zu dünn. VIEL zu dünn. :)

weitere Versuche stehen noch aus. kleines einstellbares Zeitrelaus für die primärseite
habe ich noch hier. Ich würde das aber erstmal nur mit einem Taster verbinden und
schauen wie die Zeiten so werden, ob man um Zehntel - oder Sekundenbereich arbeiten muss.

BTW, Schweissband um Akkuzellen zu verbinden gibts bei akkuteile.de
Benutzeravatar
RMK
 
Beiträge: 1344
Registriert: Di 20. Jan 2015, 14:59
Wohnort: östlich von Stuttgart

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon Joschie » Mo 12. Feb 2018, 00:06

Was ihr braucht ist Strom, mehr Strom, noch besser viel mehr Strom. :lol:

Meine Punktschweißzange ist mit 4 bis 6 kA. bei 2,5 Volt gelabelt und die ist nur für zweimal 1mm Blech spezifiziert.

Die Steuerung von dem ganze ist an sich primiv.
Nach Betätigung des Schweißtasters wird der Sinus für fünf Vollwellen ausgewertet um dann im Wellenberg über das Halbleiterleistungsschaltmodul die Zange aufs Netz zu schalten. Die Leistungsregelung geht sowohl über Zeit als auch über Phasenan/abschnittstegelung.

Natürlich gibt es verschiedene Schweißprogramme die zum Teil mehrere Einschaltvorgänge während eines Schweißvorganges ralisieren. So wird z.B. im Programm für rostiges Blech zuerst ein kurzer Stoß mit 100% gefahren und dannach mit 60-70%bis zum erreichen der Schweißzeit gearbeitet.

Ganz früher ging das alles wie Wolfgang schreibt über klassische Zeitrelais, benötigg aber eine stark abgesicherte Leitung da im ungünstigsten Falle im Nulldurchgang geschaltet wird, was zu massiven Stromstößen führt.

Für den umgewickelten Trafo würde ich zu 100qmm Starterkabel greifen, hiervon eine volle Windung auf den Kern und probieren.
Die ideale Schweißzeit ist erreicht wenn an zwei Blechstreifen die man zusammengepunktet hat beim gegeneinanderverdrehen nicht der Schweißpunkt sondern das Blech drumrum reißt so das man in einem der beiden Streifen ein Loch, im anderen den Schweißpunkt hat.

Die Akkuschweißgerät die ich bisher kennenlernt schweißten übrigens mit ner Kondensator Entladung.

@Nico, evtl sollten wir uns mal auf ein Bierle zusammensetzen, ich glaub da gammelt noch was in meinem wohl unsortiertem Materiallager rum was du da nehmen könntest.

Grüße
Josef
Benutzeravatar
Joschie
 
Beiträge: 1194
Registriert: Mo 12. Aug 2013, 18:19
Wohnort: Dahoim

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon Bastelbruder » So 18. Feb 2018, 10:08

Ich kapere jetzt mal einfach diesen Faden.

Vor gerade mal 75 Jahren hatte die bekannte Haushaltswarenfabrik AEG ein minimalistisches Punktschweißgerät im Programm, das mit einem Trick die pauschale Grundidee
Was ihr braucht ist Strom, mehr Strom, noch besser viel mehr Strom. :lol:
auf einem etwas
anderen Weg
umgangen hat.

Die mit diesem Gerät produzierten Schweißverbindungen sind heute noch gut und es besteht eine realistische Chance daß einige davon die damals geplanten tausend Jahre überleben. Ich denke daß auf dieser Basis durchaus weltherrschaftliche Frickelerfolge möglich sind.
Bastelbruder
 
Beiträge: 4607
Registriert: Mi 14. Aug 2013, 18:28
Wohnort: drunt' am Neckar - km142,7

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon berlinerbaer » So 18. Feb 2018, 10:51

Das ist in der Tat interessante Lektüre.

Die besprochene Schweißzange wird nur mit 20-200A betrieben, bei einem Anpressdruck von 0,4 bis 3,5 kg.

Dadurch läuft das Gerät an mit 6A abgesicherten Stromkreisen und mit 6mm2 Zuleitungen.

Der Trick, um damit auch Kupfer und Messing zu verschweißen, liegt in der Verwendung von Graphit-Elektroden, die durch ihren hohen spezifischen Widerstand Wärme in die Schweißung eintragen.

So sollten sich, etwa mit Elektroden aus verbrauchten 6V Batterien für Baustellenblinkleuchten, probelemfrei mit den üblichen Mikrowellentrafos sonst mangels Werkstückwiderstand nicht schweißbare Kupfer- und Messing-Verbindungen schweißen lassen.

Weil zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in den letzten Kriegsjahren auch Weichlotersparnis ein Thema war, haben sie das Gerät offenbar auch zum Weichlöten verwendet. Das ist heutzutage wohl weniger relevant, obwohl bei temperaturempfindlichen Verbindungen der kurze und per Saldo geringere Wärmeeintrag durchaus vorteilhaft sein kann.

Schönen Dank für den Denkanstoß, ich bastel gerade auch an einem Punktschweißgerät und werde das definitiv mal ausprobieren, wenn es fertig ist.

Gerade beim Verschweißen von Li-Ion-Zellen mit Kupferstreifen statt Nickel/vernickeltem Stahl scheitern viele Mangels Leistung mit Cu-Elektroden. Mit Graphit sollte das machbar sein.
berlinerbaer
 
Beiträge: 629
Registriert: Di 22. Aug 2017, 05:19
Wohnort: Berlin

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon Bastelbruder » So 18. Feb 2018, 12:13

Ich denke daß Motorkohlen wahrscheinlich besser geeignet sind. Deutlich niederohmiger und sie stinken nicht so erbärmlich.
Bastelbruder
 
Beiträge: 4607
Registriert: Mi 14. Aug 2013, 18:28
Wohnort: drunt' am Neckar - km142,7

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon berlinerbaer » So 18. Feb 2018, 12:42

Wobei der Witz ja gerade der Widerstand ist.

In der Siemens-Broschüre ist von drei verschiedenen Elektroden mit unterschiedlichem Widerstand die Rede.

Neben Graphitstäben aus dem Schweißbedarf kommen auch noch Vollgraphit-Bleistifte in Frage.

Gibt es in unterschiedlichen Härten, die sich vermutlich auch im spezifischen Widerstand unterscheiden.

Stinken tut natürlich zu Anfang alles, was nicht reines Graphit ist.

Aber wenn die einmal richtig ausgeglüht sind, ist das Thema durch.
berlinerbaer
 
Beiträge: 629
Registriert: Di 22. Aug 2017, 05:19
Wohnort: Berlin

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon zauberkopf » So 18. Feb 2018, 15:52

Gerade beim Verschweißen von Li-Ion-Zellen mit Kupferstreifen statt Nickel/vernickeltem Stahl scheitern viele Mangels Leistung mit Cu-Elektroden. Mit Graphit sollte das machbar sein.

Geil !
Das bedeutet : wieder eine Sorge weniger (ich brauch auch unbedingt so ein Punktscheiss-Möller).
Ich hätte da noch eine Idee, wo ich nicht weis ob diese Funktioniert :
Ich wollte den Trafo mit einem Dimmer aus einem alten Staubsauger betreiben.
Die Idee war, den Trafo im Leerlauf immer etwas mitlaufen zu lassen(1%), und dann einfach kurzzeitig zum schweißen auf 25%,50%,75% oder auf 100% hochzuschalten.
Also nicht schalten über schalter, sondern über Dimmer. Und den gleichzeitig noch dafür benutzen, um die Maximale Leistung zu bregrenzen.. ( weil ich auch ggf feinere sachen vor habe. )
Benutzeravatar
zauberkopf
 
Beiträge: 6394
Registriert: So 11. Aug 2013, 15:33
Wohnort: gefährliches Halbwissen

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon Gobi » So 18. Feb 2018, 18:20

Das AEG Ding ist interessant. Ich hab doch neulich noch eine handvoll Graphit Elektroden vom Flohmarkt mitgenommen... Ich habs nur nicht ganz verstanden, was für Stom/Spannung muss man da ca. veranschlagen?
Benutzeravatar
Gobi
 
Beiträge: 2030
Registriert: Fr 29. Mai 2015, 08:12
Wohnort: Kreuzberg

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon Harry02 » So 18. Feb 2018, 18:26

Das kommt eigentlich nur auf den Widerstand der Elektroden (plus Zuleitungskabel und Wicklung) an... da muss so viel Spannung drauf, dass die gewünschten 20 bis 200A fließen. Wenn man kein MiliOhmmeter hat, könnte man den Widerstand der Kohleelektroden mittels Amperemeter und Kleinspannungquelle ermitteln.

Wenn man auf einen Dimmer o.Ä. zur Einstellung verzichten will, und auch auf Wicklungsanzapfungen, gibt es eine igoristische Lösung (im Internet gefunden): Zusätzlichen MOT primär in Reihe schalten, I-Blechpaket abflexen und mittels Gewindestange oder Hebel verschiebbar machen (so dass man zwischen EI und E Form des wirksamen Kerns stufenlos einstellen kann). So hat man eine einstellbare Drossel (Variometer für ELF-Frequenzen).
Man könnte die Drossel auch durch Gleichstrombeaufschlagung einer zweiten Wicklung regeln (saturable core reactor).

@Nico: Wie ja schon gesagt wurde, IGOR MEHR STROM! 6 Windungen sind eher etwas zu viel, und da muss mehr Querschnitt. Eine Möglichkeit zur besseren Wickelraumausnutzung des MOT ist es, mehrere Flachkupferbänder (zwecks Biegsamkeit) da rein zu hämmern mit ca 63mm² Querschnitt: http://www.instructables.com/id/Spot-We ... rmer-and-/
Hier wird mit einer Wicklung aus Kupferblechsstreifen von über 300mm² gearbeitet: http://www.sm7ucz.se/Spotwelding/Spotwelding.htm

Eine andere elegante Möglichkeit, die ich gesehen habe: Man Nehme eine Kupferschiene mit quadratischem Querschnitt und biege sie zu einem U. Das U steck man jetzt durch den Wickelraum eines MOTs (soweit, so langweilig) und auf die ausreichend lang überstehenden Enden des U schiebt man einen weiteren MOT. So hat man Zwei Windungen, mit ausreichend Querschnitt auf zwei Trafos verteilt.
Benutzeravatar
Harry02
 
Beiträge: 592
Registriert: So 11. Aug 2013, 17:13
Wohnort: RLP

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon Bastelbruder » So 18. Feb 2018, 19:39

In der Doku geht aus Zeichnung 3 hervor daß die Graphiteinsätze mit ihrer relativ geringen Lebensdauer "50 bis 1000 Schweißvorgänge" Tabletten- oder Pilzförmig gewesen sein dürften. Im Kapitel J ist von konischen Pimpeln die Rede. Es macht jedenfalls Sinn nicht unnötig zu heizen, die Wärme entsteht hauptsächlich an der anfangs noch sehr kleinen Berührfläche zwischen Elektrode und dem zu verschweißendem Material. Auf den beiden Fotos der "Kleinzange" sind ganz vorn an den Spitzen irgendwelche Pimpel zu erkennen die höchstens 3 mm klein sind.

Spannungsangaben finden sich ebenfalls in Kapitel J: Kopfschweißen (Lichtbogen mit einer Elektrode) mit 10..40 Volt, bei 200 A dürfte ein Volt schon zu viel sein.
Bastelbruder
 
Beiträge: 4607
Registriert: Mi 14. Aug 2013, 18:28
Wohnort: drunt' am Neckar - km142,7

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon ferdimh » So 18. Feb 2018, 21:07

Ich frage mich beim Anblick des 1943-Punktschweißgeräts, ob für die Konstruktion nicht eine Lötpistole die Idee gespendet hat (und evtl auch Griff und Trafo spenden könnte?)
Benutzeravatar
ferdimh
 
Beiträge: 5962
Registriert: Fr 16. Aug 2013, 15:19

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon zauberkopf » So 18. Feb 2018, 21:59

Spannungsangaben finden sich ebenfalls in Kapitel J: Kopfschweißen (Lichtbogen mit einer Elektrode) mit 10..40 Volt, bei 200 A dürfte ein Volt schon zu viel sein.

hmm... wieso muss ich jetzt an meinen 24V Bleigelklotz und eine Konstantstromregelung denken ?!
Benutzeravatar
zauberkopf
 
Beiträge: 6394
Registriert: So 11. Aug 2013, 15:33
Wohnort: gefährliches Halbwissen

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon Harry02 » So 18. Feb 2018, 22:59

Die 10..40V braucht man ja nur beim Lichtbogenschweißen mit der Zange, wofür am "Zangengerät" (Netzteil) ein extra Stromanschluss ist. Zum Graphit-Punktschweißen dann eher eine einzelne Staplerzelle oder sowas.

Zum Drähte Punktschweißen könnte so ein Lötpistolentrafo vielleicht reichen.
Benutzeravatar
Harry02
 
Beiträge: 592
Registriert: So 11. Aug 2013, 17:13
Wohnort: RLP

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon Roehricht » So 18. Feb 2018, 23:51

Hallo,

Man könnte die Drossel auch durch Gleichstrombeaufschlagung einer zweiten Wicklung regeln (saturable core reactor).
Das Bauteil schimpft sich dann "Transduktor". Der ist unkaputtbar und man kann den Strom damit sehr fein einstellen.

Der Transduktor war in "vor-Halbleiter-Zeiten" das Mittel mit dem man grosse Wechselstromleistungen stufenlos einstellen konnte. Der wurde auch als "Magnetverstärker" bezeichnet. Er ist schon fast in Vergessenheit geraten. Damit gebaute Geräte waren ja auch echte Eisenschweine. Ich besass mal ein Batterieladegerät mit der Technik.

Sowas hier:

https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anzeige/grosses-batterieladegeraet-bundeswehr-6-12-24-v-ladegeraet-pkw-lkw/787629630-84-1700

Das steht nicht ohne Grund auf dem Hubwagen...

73
Wolfgang
Benutzeravatar
Roehricht
 
Beiträge: 3027
Registriert: Di 13. Aug 2013, 04:00
Wohnort: 25474 Hasloh

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon reutron » Mo 19. Feb 2018, 06:16

Um Energie zu sparen gab es auch Schaltungen mit Vormagnetisierung durch Magneten. z.B. in Fernseher und Röhrenmonitore. ;)
Benutzeravatar
reutron
 
Beiträge: 1118
Registriert: Mo 12. Aug 2013, 19:58
Wohnort: Gottow

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon Bastelbruder » Mo 19. Feb 2018, 07:26

Beim Regel-Transduktor wird ein Permanentmagnet nicht zum Energiesparen sondern zum Gleichrichter sparen und teilweise als Referenz eingebaut. Zur Verbesserung der Zuverlässigkeit.

In der Ablenkschaltung der Idiotenlampe dient der Magnet zur Erzeugung einer unsymmetrischen Linearitätskorrektur.
Bastelbruder
 
Beiträge: 4607
Registriert: Mi 14. Aug 2013, 18:28
Wohnort: drunt' am Neckar - km142,7

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon berlinerbaer » Mo 19. Feb 2018, 07:33

Eine weitere offensichtliche, aber noch nicht erwähnte Lösung, um energieeffizient die Leistung des Schweißtrafos zu regeln, ist ein entsprechend muskulöser Stelltrafo.

Wenn die Sekundärwicklung den Platz lässt, kann man auch die Shuntbleche, die ursprünglich zwischen Primär- und Sekundärwicklung drin waren, wieder reinstecken.
Oder Glühbirnen/Halogenstrahler als Vorwiderstände.

Die Geschichte mit der verstellbaren Drossel, die Harry02 erwähnte, ist genau so übrigens auch in Trafobasierten Elektrodenschweißgeräten mit der dicken Stellschraube vorn gelöst.

All das ist dann aber auch wieder Energieverschwendung

Wenn man zwei MOTs verwurstet, könnte das schwierig werden, die auf der gleichen Phase an einer 16A-Sicherung zu betreiben.
Da muss man wohl zumindest an der Verteilung des Einschalt-spikes arbeiten und die beiden leicht zeitversetzt zuschalten.
Und wenn man sich einen triple-Transformator, jeden an einer Phase von Drehstrom baut, gibt das Probleme wg. Phasenversatz.

Wenn man sich ein kleines Graphitelektroden-Punktschweißgerät nach dem Siemens-Vorbild baut, ist es natürlich am sinnvollsten, einen entsprechend kleineren Trafo zu nehmen. Dann hantiert man auch mit weniger sperrigen Kabelquerschnitten auf der Primärseite.

Um an der Sichtseite der Schweißung den Punkt nicht zu sehen, kann man dort eine dicke Kupferplatte statt einer zweiten punktförmigen Elektrode verwenden, dann wird die Hitze praktisch nur einseitig eingetragen. Dazu muss man natürlich auch die Schweißenergie genau richtig dosieren.
Das kann gerade beim Gehäusebau erheblich zur Eleganz des Ergebnisses beitragen, vor allem, wenn man hinterher nicht lackiert.
berlinerbaer
 
Beiträge: 629
Registriert: Di 22. Aug 2017, 05:19
Wohnort: Berlin

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon berlinerbaer » Mi 21. Feb 2018, 19:12

Beim rumlungern auf youtube habe ich ein von der Leistung her recht gut zum Graphit-Punktschweißen passendes Projekt wiedergefunden:

https://www.youtube.com/watch?v=PHCFM5Gu5cU

Das ist ein sehr minimal-igoristischer Ansatz mit recht geringem Bauteil-Aufwand, den ich so noch nicht gesehen habe.
Kein Mikrowellentrafo, kein Rudel Monsterkondensatoren, einfach eine 12V-Autobatterie (oder sonstwas, was ordenlich liefert, ohne einzuknicken) und ein unter den Achseln gerollter buck-converter in der Schweißpistole selber.

Kühlkörper an den beiden MosFETs würden nicht schaden, ebensowenig wie eine ergonomische Verpackung, aber das Konzept finde ich recht clever.

Im Video wirkt das noch recht improvisiert, aber ich denke hier gibt es bestimmt Leute, die daraus eine nachbaufähiges Schaltung entwickeln könnten, die nicht im Übermaß MosFETs killt.

Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es noch ein recht interessantes Projekt, das mit maximalem Aufwand aus fetten Modellbauakkus oder Kondensatoren über ein Rudel MOSFETs direkt aus den Akkus/Kondis geschaltete Schweißenergie regelt:

https://www.keenlab.de/index.php/portfolio-item/kweld/
Kilometerlanger thread dazu beim eevblog:
http://www.eevblog.com/forum/projects/g ... ting-here/

Schade ist, daß der Typ sich standhaft weigert, in seine closed source software mehr als einen Puls pro Schweißung einzubauen.
berlinerbaer
 
Beiträge: 629
Registriert: Di 22. Aug 2017, 05:19
Wohnort: Berlin

Re: Yet another Punktschweißgerät

Beitragvon zauberkopf » Do 22. Feb 2018, 00:19

Unglaublich !
Das in dem Video gezeigte Gerät ist genau das was ich brauche !
Mit Bauteilen, die hier wirklich herumfliegen..

Ich muss unbedingt Zeit freischaufeln..
Benutzeravatar
zauberkopf
 
Beiträge: 6394
Registriert: So 11. Aug 2013, 15:33
Wohnort: gefährliches Halbwissen

Nächste

Zurück zu Allgemeine Diskussion

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 15 Gäste

span