Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Der chaotische Hauptfaden

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von IPv6 » Do 30. Mai 2019, 10:44

An der Macke fehlte eine komplette Ecke vom Holz, nicht nur das Furnier. Das wurde mit Wachs ausgebessert, auf dem Foto kommt das deutlicher raus als es wirklich ist. Wobei wir uns da auch nicht allzu lang dran aufgehalten hatten, ist ja eh im hinteren Bereich. Das durchgeschliffene Furnier mitten auf der Front sieht man jedoch nur noch bei genauem hinsehen, das ist echt gut geworden.

Der Stoff an der Front ist leider auch nicht so schön sauber geworden wie ich es mir erhofft habe. Ein paar dunkle Verfärbungen sehen irgendwie verbrannt aus, das wird wohl nur schwer rauszubekommen sein. Und so kann ich definitiv damit leben.

Das MA ist ein russischer Ersatztyp. Die andere Röhre mit komischem Fehler liegt zur Fehlersuche bereit, falls ich mich damit irgendwann mal befassen möchte. Ein funktionierendes MA musste einfach sein, es ist ja irgendwie auch eines der Elemente, die das Aussehen von so einem Radio ausmachen.

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von IPv6 » Sa 7. Nov 2020, 02:39

Das Radio ist jetzt scheinbar schon 1,5 Jahre alt - erschreckend schnell ging das vorbei...

Es spielt gelegentlich im Wohnzimmer, nur eine Kleinigkeit störte mich immer wieder: Das Frequenzband bis knapp über 100 MHz.
Der Deutschlandfunk kommt hier auf 106,3 MHz rein, das ist damit halt nicht zu machen.

Den UKW Teil soweit verstimmen, dass 106,3 MHz zu empfangen sind wollte ich nicht.
Dann bin ich durch Zufall letzte Woche auf diesen Bauvorschlag gestoßen: https://radio-bastler.de/forum/showthread.php?tid=1688
Ein "Frequenzkonverter", der auf Befehl die Radiofrequenzen um 10 MHz nach unten "konvertiert". Die genaue Funktionsweise muss ich mir mal noch genauer anschauen, die ist mir aktuell noch etwas unklar.
Jedenfalls habe ich gleich Teile bestellt.
Die kamen dann heute an und wurden gleich verbaut. Sehr exakt wie in dem Bauvorschlag, mit SMD IC auf dem Rücken und die restlichen Bauteile frei drum rum verdrahtet. Für die zwei kleinen Übertrager musste ein Netzteil seinen Lackdraht spenden.

Wie auch in dem anderen Tread mache Leute beschrieben haben schwingt meine Schaltung mit 4,7 pF zwischen Pin 6 und Pin 7 nicht an. Mit weiteren 27 pF (waren zur Hand) schwingt die Schaltung, der Schalter zum deaktivieren des Spektakels ist nun aber ohne Funktion. Da schwingt dann wohl der Quarz so stark dass die 68 kOhm auf GND die Schwingung nicht klein bekommen?

Jedenfalls funktioniert die kleine Bastelei und ich kann es nur empfehlen!
Scheint mir besser zu sein als den Empfangsteils zu verstimmen oder gleich Internetradio per TA Eingang zuzuspielen.
Auch wenn so nun leider ein paar moderne Halbleiter am Empfang beteiligt sind...

Falls zufällig gerade jemand die Schaltung nachbauen möchte, ich habe alle Teile doppelt bestellt, ein Satz wäre somit noch da. Von dem IC hats noch 9 Stück, da es mir zu teuer erschient die Dinger einzeln im Ebay zu kaufen. Da könnte ich auch noch welche für den Einkaufspreis abgeben.

EDIT:
Kann mir jemand was zu der Oszillatorbeschaltung sagen?
Der Bauvorschlag sieht ja 27 pF von Pin 7 auf Masse und 4,7 pF zwischen Pin 6 und 7.
Wie genau wirken sich diese Werte aus? Was ist da das Stichwort zum recherchieren?

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von xoexlepox » Sa 7. Nov 2020, 08:03

Kann mir jemand was zu der Oszillatorbeschaltung sagen?
Laut Datenblatt des SA612 ist das als "Collpits Crystal Oscillator" geschaltet, wobei der Kondensator zwischen Pin 6 und 7 zur Rückkopplung dient.

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von ferdimh » Sa 7. Nov 2020, 10:01

Ich würde den 68kΩ-Widerstand verkleinern, dann klappts auch wieder mit dem Abwürgen ;-)
Der ex-4,7pF-Kondensator ist tatsächlich einer der Kondensatoren, der die Rückkopplung herstellt. Tatsächlich sollten die beiden Kondensatoren etwa gleich groß sein, damit das funktioniert; evtl kann der elektrisch "obere" (also der hier der 4p7) größer gemacht werden.

Grundsätzliches (aber nicht mehr sooo relevantes) Problem der Schaltung:
Sie schiebt nicht nur 10 MHz nach unten, sondern auch nach oben. Dein Radio ist jetzt also nicht nur auf 106,3, sondern auch auf 86,3 empfindlich - womit zwei hier in Betrieb befindliche Rettungsleitstellen in der Empfängerbandbreite lägen.
Wenn ich aus den 106,3 MHz für DLF deinen Standort grob schätze, könntest du die sogar hören...
Wenn du gelegentlich ein periodisches Geräusch im DLF hast, weißt du, was es war - nämlich die Gleichwellensteuerung, die die Frequenzgänge der einzelnen Komponenten nachmisst. Hier würde das Ganze auch noch mit YOU.FM auf 96,2 MHz kollidieren, die den ganzen Aufbau zwar gedämpft aber dennoch erfolgreich passieren dürften.

Für starke Ortssender dürfte das Ganze also funktionieren, für Fernempfang (was für mich der 106,3 MHz-DLF wäre) eher nicht so. Aber um Fernempfang gings hier ja nicht, sondern um DLF-Hören, und den Job wirds wohl tun ;-)

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von IPv6 » Sa 7. Nov 2020, 15:04

Dann nehme ich mal an, dass die Werte der Kondensatoren angepasst werden können, bis die Schaltung zuverlässsig schwingt.
Ich habe zu den 4,7 pF noch 27 pF parallel gelötet, der war halt zur Hand. Damit funktioniert es jetzt auch.
Der 68 kOhm Widerstand bekam noch weitere 47 kOhm parallel, das funktioniert nun auch.

Hier noch zwei Bilder vom Aufbau:
IMG_20201107_124627.jpg
IMG_20201107_124538.jpg
Die Spannungsversorgung kam zum testen aus einem leeren 9 V Block (ca. 7 V), ist nun aber an der Heizspannung der Röhren angeschlossen. Geregelte 5 V habe ich eh schon im Radio für einen Bluetooth Empfänger.

Dass auch untere Frequenzen hochgemischt werden ist dann wohl so, damit kann ich leben. DLF kam gestern zumindest nachts noch eine halbe Stunde einwandfrei rein. Ich sitze in Offenburg, DLF bekomme ich von Hornisgrinde, der ist ca. 25 km weg und sendet mit 80 kW.

Mir scheint diese Schaltung nur ein schöner Kompromis zu sein ohne am Radio was zu verstellen und ohne gleich Internetradio damit wiederzugeben - da langweilen sich ja fast alle Röhren.

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von Wulfcat » Sa 7. Nov 2020, 20:43

Spendiere deinem Internetradio einem MW oder Ukw "Modulator"..... dann kannst du auch das INet als Sation zwischen anderen Sendern >finden<.... und keine Röhre langweilt sich.....:mrgreen:
Glückwunsch zu der wirklich gelungenen Restaurierung ...... und du hast der "Kiste" nicht ganz ihre Geschichte genommen.....Du musst das Gerät ja nicht besser aussehen lassen, wie es einst vom Band gelaufen ist...... Überrestauration finde ich auch bei 2/4 Rädigen Oldtimern.....Befremdlich... :!:

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von IPv6 » Mi 28. Apr 2021, 23:56

So, das Radio spielt mal wieder vor sich hin und ich habe ein kleines Problem.
Ich bin ja umgezogen und das Radio steht nun im Erdgeschoss eines Massivhauses und nicht wie bis vor ein paar Monaten im dritten Stock direkt unter dem Dach.
Dementsprechend schlechter ist der Empfang leider geworden, betrifft hauptsächlich UKW, das wird normalerweise genutzt.

Ich komme nun nicht ganz mit bei den möglichen Antennen und deren Impedanz.
Das Radio möchte wohl einen Dipol mit 240 Ohm, diesen Wunsch möchte ich ihm nur ungern vorenthalten.
Dazu braucht es angeblich 240 Ohm Kabel, was kaum (oder gar nicht mehr?) zu bekommen ist, das soll dieses Flachbandkabel mit knapp 5 mm Anstand der Adern sein.
Für 75 Ohm bekommt man solche Dipole nachgeworfen, deren Flachbandkabel hat aber einen deutlich größeren Stand der Leiter, so ca. 1 cm.
Auch wenn nun Händler auf Ebay diese Wurfantennen mit abgeschnittenem Koaxstecker und angeschraubten Bananensteckern verticken wird doch durch den Steckertausch keine 240 Ohm Antenne draus?

So eine billige Wurfantenne mit Flachbandkabel habe ich noch rumliegen, da habe ich nur mal 10 cm Kabel abgeschnitten um mein Frequenzkonverter (siehe zwei Beiträge weiter oben) anzuschließen.

Was muss ich nun tun, um mit halbwegs einfachen Mitteln den Empfang zu verbessern?
Es wäre schön, wenn ich wieder den Deutschlandfunk mittels Frequenzkonverter (der ist auch auf 240 Ohm ausgelegt) reinbekomme. Durch meinen Umzug ist der 80 kW Sender Hornisgrinde ist jetzt etwa 70 km statt wie bisher 20 km weg, der nächste andere Sender ist auf dem Blauen und 30 km weg, da kommen aber nur 8 kW raus.

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von reutron » Do 29. Apr 2021, 05:08

Eine 75ohm/240 Weiche https://www.amazon.de/dp/B07B4ZMLXZ/ref ... ail_aax_0? und eine 3H-FM-5 - UKW Antenne haben alle meine Empfangsprobleme gelöst.
Oder du benutzt den "Rothammel" und baust die Antenne selbst. ;)

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von ferdimh » Do 29. Apr 2021, 08:44

Pfuschadapter mit erstaunlich guter Performance:
1 Meter Koax.
Auf 1 m dreht sich die Phase um ziemlich genau 180°.
Wenn man also die beiden Eingänge von dem Radio über 1m Koax verbindet (und die Schirmenden zusammenlötet) hat man zwischen Schirm und Innenleiter (an jeder Seite) 60Ω.
Das ist nah genug an 75Ω, dass das mit jeder normalen Koaxanordnung funktioniert.

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von Nello » Do 29. Apr 2021, 09:02

Ohne Zeichnung verstehe ich das nicht.

Soll man die beiden Enden der Abschirmung mit einem extra Draht kurzschließen? Oder soll man den Meter Koaxkabel zu einem Ring biegen, und dann die Schirmenden zusammenlöten?

Soll man anschließend die zusammengelötete Schirmung mit einer Seite des Antennenanschlusses verbinden (mit welcher), und die Koax-Seele mit der anderen Seite?

Und das ist dann die Antenne?

Warum kann man nicht einfach einen UKW-Dipol dranhängen?

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von IPv6 » Do 29. Apr 2021, 09:40

Ich verstehe das so, dass man das Kabel zu einem Ring biegt, die Schirme zusammenlötet und die Enden des inneren Leiters je an einen Eingang der Antennenbuchse hängt.
Was dann die Antenne ist erschließt sich mir auch noch nicht.

Der Vorschlag mit der 75 Ohm/240 Ohm Weiche ist gut, macht die Antennensuche einfacher.
Allerdings hätte ich dazu sagen sollen, dass eine Zimmerantenne gewünscht ist, auch wenn das sicher nicht optimal ist.

Daher nochmal zurück zu der noch hier rumliegenden "Wurfantenne" als Dipol mit Flachbandkabel mit ca. 8 mm Leiterabstand:
Ist das eine 75 Ohm oder 240 Ohm Antenne? Ursprünglich war mal ein Koaxstecker dran.
Was bedarf es, um die Antenne halbwegs sauber an den 240 Ohm Eingang vom Röhrenradio anzuschließen?
Diese Antenne könnte ich unauffällig hinten am Sideboard, wo das Radio draufsteht, mit etwas Abstand zur Wand anbringen. Und, nun ja, diese Antenne wäre halt gerade zur Hand.
Wenn es merklich besser als der Dipol im Röhrenradio (dieses Alufolienkonstrukt im Holzgehäuse) ist wäre das schonmal ein großer Fortschritt.

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von sysconsol » Do 29. Apr 2021, 12:03

Da es kein Senderausgang ist, macht eine Fehlanpassung nichts kaputt - also einfach ausprobieren ;)

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ferdimh
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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von ferdimh » Do 29. Apr 2021, 12:09

Das ist nur einen selbstgebauter 240/60 (oder 300/75) Ohm-Übergang. Zeichnung ist gerade schwer, hier ist gerade nix zur hand, um eine Zeichnung in den Rechner zu bringen.

IPv6' Darstellung ist soweit richtig, an ein Ende vom Koax kommt dann zusätzlich ein 75 Ohm-Koax mit einer beliebigen Antenne dran.

Bei den Dipolen ist das so: 75 Ohm ist ein einfacher Dipol (ein Draht nach links, ein Draht nach rechts). 240 (eigentlich 300) Ohm ist ein Faltdipol, es liegt also ein 2. Draht über die ganze Länge parallel. Welchen Abstand der hat, hat auf die Impedanz (fast) keinen Einfluß.

Es sei aber angemerkt, dass so ein UKW-Gehäusedipol in der Regel ziemlich gut durchoptimiert ist. Die Hoffnung, dass ein externer "normaler" Dipol hier deutlich besser sein wird, wird wahrscheinlich enttäuscht werden, wenn man ihn nicht an einen Ort höherer Feldstärke bringt.

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von ESDKittel » Do 29. Apr 2021, 12:18

Als Ersatz für 240/300 Ohm Leitung hab ich Flachbandkabel mit 2,54mm Raster hergenommen.
Drei Adern abgetrennt und bei der mittleren Ader den Leiter entfernt.
Daraus dann einen Faltdipol gefrickelt und auf meinen Wunschsender ausgerichtet.
Ein davor gespannter auf meinen Wunschsender abgestimmter Direktor bringt noch mal einen knappen mm mehr auf der EM84.

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von IPv6 » Do 29. Apr 2021, 12:47

ferdimh hat geschrieben:
Do 29. Apr 2021, 12:09
Bei den Dipolen ist das so: 75 Ohm ist ein einfacher Dipol (ein Draht nach links, ein Draht nach rechts). 240 (eigentlich 300) Ohm ist ein Faltdipol, es liegt also ein 2. Draht über die ganze Länge parallel. Welchen Abstand der hat, hat auf die Impedanz (fast) keinen Einfluß.
Danke, die Information hat mir noch gefehlt. Es ist also viel mehr die Konstruktionsart als die Art des Leiters bzw deren Abstände, die die Impedanz ausmachen.
Dann werde ich mal nachschauen wie die Leiter in dieser Dipolantenne verschaltet sind.

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von IPv6 » Do 29. Apr 2021, 17:18

Ergänzung:
Der billige Dipol ist wohl ein Faltdipol, die beiden Kontakte haben niederohmigen Durchgang.
Ich habe mal schnell zwei Bananenstecker drangeklemmt und getestet, der Empfang ist auf jeden Fall besser als mit dem radioeigenen Dipol.
Der Deutschlandfunk bekomme ich von beiden Stationen aus der Umgebung rein, allerdings verrauscht.
Das Rauschen hört auf, wenn man den Dipol senkrecht zur Wand hält, an der das Radio steht.
Klingt dann zwar gut, aber ist nicht so ganz Wohnzimmertauglich. Vielleicht ist es mit den Antennen ja ähnlich wie mit dem Rauch am Lagerfeuer? :D

Vielleicht braucht es bei den Verhältnissen doch irgendwas aktives mit Verstärker, dann eben mit Impedanzwandler dazwischen...

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von ferdimh » Do 29. Apr 2021, 19:24

So eine Röhrenkiste hat tendenziell eher wenig Verstärkung. Wenn sie tatsächlich rauscht und nicht einfach leise und verzerrt ist, hast du vermutlich eher ein Problem mit auch noch aufgenommenen Störungen.

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Mein zweiter Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von IPv6 » Fr 30. Apr 2021, 18:46

Ich bin am überlegen, ob es nicht Zeit für den zweiten Schritt in die Welt der Röhren wird.
Ein Fernseher aus dem gleichen Zeitraum wie das Radio soll es werden, mit Holzgehäuse und in schwarz weiß natürlich.
Sowas wie ein Grundig Zauberspiegel 349 würde mir sehr gefallen, mit Radio drin und Hochtonhornkonstruktion, ich mag solche Spielereien.

Ich überlege, mir ein restauriertes Gerät zuzulegen, die sind nicht überproportional teuer im Vergleich zu "Scheunenfunden" und die Bildröhre und alle Trafos/Übertrager sind auf jeden Fall schonmal in Takt wenn das Ding sauber läuft.
Dann kann ich mich erstmal um die Aufarbeitung des Gehäuses kümmern und mich mit der Schaltungstechnik befassen, früher oder später wird es dann schon was zum reparieren geben.

Brauchbare Idee?

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von video6 » Fr 30. Apr 2021, 20:37

In EBay ist ein Grundig drin für 25€ aber nur Selbstabholer

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von IPv6 » Sa 8. Mai 2021, 20:12

So, nun habe ich mir einen Zauberspiegel 349 eingefangen.
Funktioniert soweit gut, problematische Kondensatoren sollten alle gewechselt sein und eine Fernbedienung gab es auch dazu.

Die Kiste wird nun trotzdem zerlegt, zum Einen um den Aufbau kennenzulernen, zum Anderen weil das Gehäuse etwas Zuneigung dringend gebrauchen kann.

Ein paar Fragen vorneweg:
Ein RF Modulator mit VHF Tauglichkeit ist bestellt. Passen diese Standardteile an die Eingangsimpedanz vom Antennenanschluss, also Kabel abschneiden und beide Enden in den Antenneneingang stecken? Oder ist das eh recht egal weil der Modulator genug Pegel bringt und somit auf jeden Fall was durchkommt?

Was sagt der Fernseher zu 230 V? Der Vorbesitzer hatte den immer schmerzfrei an 230 V betrieben. Bevor man da viele Widerstände tauscht, um die Ströme in den Griff zu bekommen würde ich aus einem 230V/12V Trafo einen Spartrafo basteln, der mir die Netzspannung etwas kleiner macht.

Der Vorbesitzer hatte den Widerstand R515 am Schirmgitter der PL 36 von 3,9 kOhm 4 Watt auf 8,2 kOhm 7 Watt erhöht, scheinbar weil der Übertrager 9030-308 durchgebrannt war (wurde neu gewickelt). Der Zusammenhang ist mir nicht ganz klar, auch nicht die Auswirkung der Widerstandsänderung. Vielleicht mag da jemand Licht ins Dunkle bringen?
Hier der zugehörige Schaltplanausschnitt:
Schaltplanausschnitt.png
Die Gleichrichterdiode (Selen?) im Fernsehteil wurde durch eine gewöhnliche Siliziumdiode ersetzt, ich schätze ohne weitere Anpassungen. Sollte man da nochmal bei oder passt das schon?

Vielleicht mache ich mir da zu viele Gedanken um Nichts, das Gerät läuft ja sehr gut. Aber das soll es ja noch ein Weilchen tun und da bin ich halt ein wenig perfektionistisch. Der Vorbesitzer war da eher von der pragmatischen Sorte :D

Edit hat noch eine Frage:
Neben dem Kanalwähler gibt es noch zwei weitere Kanaleinstellungsknöpfe, einmal das Rad hinter dem Wahlschalter und einmal dieser kleiner Hebel. Was genau ist die Funktion davon?

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von Roehricht » Sa 8. Mai 2021, 21:15

Hallo,
Pfuschadapter mit erstaunlich guter Performance:
1 Meter Koax.
Auf 1 m dreht sich die Phase um ziemlich genau 180°.
Wenn man also die beiden Eingänge von dem Radio über 1m Koax verbindet (und die Schirmenden zusammenlötet) hat man zwischen Schirm und Innenleiter (an jeder Seite) 60Ω.
Das ist nah genug an 75Ω, dass das mit jeder normalen Koaxanordnung funktioniert.
Diese Lamda 1/4 Umwegleitungen gabs ja auch an "professionellen" Antennen. Bei Wimo gabs mal ne 2m AFu Antenne mit dem berühmten Koax Kabelring.

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von ferdimh » Sa 8. Mai 2021, 21:55

Ich denke, den Modulator irgendwie ranzutüddeln reicht fürs erste. Wenn mans ordentlich machen will, würde ich auch hier wieder die Umwegleitung empfehlen, die ich jetzt auch mal aufgemalt habe:
Bild
Zum Thema 230V: Anodenspannung und Heizstrom messen. Wenn das ungefähr passt, gut. Wenn nicht: passende Widerstände reinbasteln. Bei der Anodenbesaftung wird das vermutlich aufgrund des entsorgten Selengleichrichters ohnehin erforderlich werden.

Zum Abbrand von R515:
Die röhrenbestückten Zeilenendstufen neigen noch stärker als ihre Transistorvarianten zu unangenehmen Zersetzungeffekten:
Die PL36 wird mit reichlich negativer Gittervorspannung gesperrt. Wenn die fehlt, gibts Kernschmelze. Ein Extra Netzteil wäre aber zu teuer, also hilft man sich, dass man die vom Zeilenoszillator erzeugte Zeilenfrequenz am Steuergitter der PL36 gleichrichtet und so die negative Vorspannung erhält. Einfach, aber heikel, weil beim Ausfall der Zeilenoszillators durch defekten Übertrager oder defekte Röhre oder was auch immer die Vorspannung wegfällt und die Röhre große Mengen Strom zieht. Hierbei ist potentiell auch noch der Gleichrichter in Mitleidenschaft gezogen worden. Wenn die Boosterdiode und die Zeilenendröhre jetzt bei vollen Kräften sind, fließt mächtig Strom (aus dem Kennlinienfeld würde ich 400 mA schätzen; man muss hier auch das Einbrechen der Schirmgitterspannung bedenken) und die Sicherung in der Kathodenleitung brennt durch. Wenn die beide schon etwas schlapp sind, haben wir gute Chancen, dass der Strom sehr groß wird, er aber eine Weile weiterfließen darf - dann gibt das der Röhre (und evtl auch dem Gleichrichter und der Boosterdiode und und und...) den Rest.
Ich vermute, dass der Ersatz des Widerstandes durch einen größeren Wert ein Versuch war, diesen Strom so weit zu begrenzen, dass kein Abbrand mehr passieren kann. Ich habe aber Zweifel, dass das eine gute Idee ist. Vermutlich ist es besser, den originalen Widerstand einzubauen, und die 0,3A träge durch eine 0,2A flink zu ersetzen. Dann sollte die Sicherung im Fehlerfall sicher auslösen, wobei ein gewisses Risiko einer gelegentlichen Fehlauslösung besteht.

Das Gerät enthält auch einige Kuriosa:
Der 18,8kHz-Stabilisierungskreis am Gitter des Zeilensperrschwingers wird eigentlich nur bei Impulssynchronisation wirklich benötigt, hier wird aber Phasensynchronisation angewendet...
Der Radioteil hat einen eigenen Heiztrafo und wirkt irgendwie angefrickelt. Der "Wechselstromempfänger mit heißem Chassis" (Also E-Röhren und Netztrafo, den aber als Spartrafo oder als Heiztrafo) ist ja ohnehin eine Grundig-Spezialität.
Und der Fernsehton ist auch ein Kunstwerk: Wenn ich das richtig sehe wird die Ton-ZF frequenzverdoppelt, um dann als 11 MHz-ZF durch den normalen ZF-Verstärker gejagt zu werden.

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von IPv6 » Sa 8. Mai 2021, 22:49

Du beeindruckst mich schwer, nicht nur durch dein Wissen sondern auch durch die Erklärungen, die auch für mich als Laien nachvollziehbar sind.
Auch wenn ich den Text viele Male gelesen habe, immer wieder mit Blickwechsel zum Schaltplan.
Vielen Dank dafür!

Dann ist also wohl als erstes der Übertrager abgeraucht (wieso auch immer), der damit ausgefallene Zeilenoszillator hat keine Wechselspannung mehr zur Verfügung gestellt, die durch die PY83 gleichgerichtet zum sperren von der PL36 hätte verwendet werden sollen. Dadurch wird durch die PL36 zu viel Strom geflossen sein, was dann irgendwann die Feinsicherung begrenzt hat.
Der Tausch von R515 von 3,9k gegen 8,2k scheint wenig sinnvoll zu sein, läuft aber aktuell immerhin. Ich schätze, ich muss sowieso das ein oder anderen Ersatzteil besorgen, da kommt dann noch ein 3,9k Drahtwiderstand mit den Warenkorb.

Was den 230 V Betrieb angeht:
Der Schaltplan enthält keine Angaben zu Spannungen und Strömen. Ich nehme an, der Heizstrom sollte dem Heizstrom aus den Röhrendatenblätttern entsprechen, somit 300 mA. Muss ich mal nachmessen.

Der Selengleichrichter ist sogar noch verbaut, aber abgeklemmt weil angeblich defekt. Für die Optik darf der da von mir aus auch bleiben.
Mit R602 sollte sich die zu hohe Spannung durch die Siliziumdiode anpassen lassen. Nur wieviel Spannung sollte denn hinter dem Gleichrichter anliegen?

Mir würde es am besten gefallen, mit R602 die Anodenspannung auf die Siliziumdiode anzupassen und dann den Fernseher mit 220 V aus einem Spartrafo zu betreiben. Dann könnte der ganze Rest original bleiben und ich müsste mir keine Gedanken um verkürzte Lebensdauer durch zu hohe Spannungen machen.

Die Kuriosa an dem Gerät kann ich noch nicht verstehen, dazu fehlt noch ein wenig Wissen. Demnächst gibt es "Fernsehtechnik ohne Balast" zum lesen, auch wenn ich schon in deinem Beitrag zum Thema "Boosterkondensator" (bei mir C511, an der PL36, richtig?) gelesen habe, dass das Buch nicht an allen Stellen korrekt ist.
Jedenfalls erstaunt mich, wie niemand vor den Fernsehgeräten warnt und bei Allstromgeräten bei den Radios überall vom Betrieb abgeraten wird. Und beim Fernseher kommt zu dem heißen Chassis noch ein paar kV von der Bildröhre dazu.

In der Röhrentechnik gibt es noch viel für mich zu entdecken, sehr spannend, fast ein wenig aufregend!

Eine letzte Frage (zumindest für heute):
Ist bei den alten Geräten Röntgenstrahlung schon ein Thema oder waren die Beschleunigungsspannungen dazu damals noch zu klein?

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von ferdimh » Sa 8. Mai 2021, 23:58

der damit ausgefallene Zeilenoszillator hat keine Wechselspannung mehr zur Verfügung gestellt, die durch die PY83 gleichgerichtet zum sperren von der PL36 hätte verwendet werden sollen.
Fast. Gitter (jedes!, aber ganz besonders das 1.)-Kathode zeigen Diodeneigenschaften (sie sammeln Elektronen auf, wenn sie positiv geladen sind - sie geben aber keine ab, wenn sie negativ geladen sind, denn dafür sind sie zu kalt). Dadurch erledigt das 1. Gitter der PL36 die Gleichrichtung gleich mit. Die PY83 ist nur die Boosterdiode und nur insofern beteiligt, dass der Betriebsstrom der PL36 da durch muss.

Ok, ich hätte schwören können, dass man mit einem höher aufgelösten Plan da was lesen kann. Jedenfalls laufen quasi alle Glotzen an 230V DC Anodenspannung. Die fehlenden ~70V bis zur Spitze der Wechselspannung machen den Gleichrichter warm.

Zu den Allstromgefahren habe ich nichts geschrieben, weil ich die Kenntnis derer für selbstverständlich gehalten habe.

Zur Röntgenstrahlung: bei 16kV schirmt normales Glas noch ausreichend. Auch ist die Dosis geringer, weil der Strahlstrom einer Schwarzweißröhre nur ungefähr 1/6 von dem Strahlstrom einer Farbröhre beträgt. So viel nimmt die Lochmaske weg (und verwandelt alle Einschläge dort mit großer Begeisterung in Röntgenstrahlung...).
Vormal gilt aber ab 5kV die Röntgenverordnung.

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Re: Mein erster Schritt in die Welt der Röhren

Beitrag von IPv6 » Mo 10. Mai 2021, 22:55

Das Gehäuse muss nun leer für die Aufarbeitung.
Ich habe noch ein klein wenig Respekt vor der Bildröhre, da gibts ja schöne Geschichten mit fälligen Renovierungen wenn die implodiert.
Wie bekomme ich die da am besten raus?
Klar, erstmal Platz schaffen, alle Kabel weg, Chassis ausbauen, Lautsprecher rausbauen.
Dann die Ablenkeinheit runternehmen.
Anschließend vermutlich den Fernseher auf die Front legen und die Röhre rausholen. Kann man die hinten im Bereich des Strahlensystems anheben? Weiter unten kann man das Ding ja kaum packen und das Teil hat ja doch schon etwas Gewicht.

Wenn ich da morgen zum Ausbau komme gibt es auch mal ein paar Bilder dazu.

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