3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Der chaotische Hauptfaden

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MatthiasK
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3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von MatthiasK » Mi 6. Nov 2019, 23:59

Hallo zusammen,

nachdem mein erster Probedruck mit meinem neuen Anycubic Photon ein voller Erfolg war, überlege ich mir gerade, wie ich die Ausdrucke anschließend am besten reinigen kann. Mit einem Lappen mit Isopropanol abwischen reicht jedenfalls nicht. Damit bekommt man zwar das meiste Harz weg, es bleibt aber alles sehr siffig.

Von Formlabs gibt es eine spezielle Spülmaschine für Isopropanol, die kostet aber 500$ und es gibt einen Nachhärter für 700$. Natürlich passt da nur die Build-Platform von Formlabs. Beides ist mir außerdem eindeutig zu teuer.

Meine Überlegung war jetzt, beides in einem Gerät zu vereinigen. Erst mit Isopropanol waschen und anschließend nachhärten. Der Aufbau könnte ähnlich einer klassischen Geschirr-Spülmaschine werden, nur mit 405nm Innenbeleuchtung. Als Antrieb dachte ich an eine Wasserpumpe mit Magnetkupplung von Pollin, die ausreichend Druck für einen (gedruckten) Sprüharm bringen sollte.

Gegen steigende Harz-Sättigung stelle ich mir einen Reiniger aus UV-Lichtquelle und anschließendem Filter vor, durch den ein Teil des Isopropanols immer
durch gefördert wird. Evtl auch alles, wenn es zurück in den Vorratsbehälter gefördert wird.

Nach dem Spülen wird der Ausdruck noch mal von vielen UV-LEDs beleuchtet und danach ist der Ausdruck fertig. Das Beleuchten muss aber abschaltbar sein, da ich in der Spülmaschine dann auch die Druckwanne spülen will. Und bei der sind siffige Harz-Reste besser als feste Harz-Reste.

Was ist eure Meinung dazu?

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Heaterman
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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von Heaterman » Do 7. Nov 2019, 03:05

Ahh, noch ein Harzpanscher hier! Ich bin mit einem Monoprice Mini unterwegs. SLA ist was echt Feines.

Das kommt tatsächlich darauf an, wie intensiv man den Drucker nutzt. Ich benutze den SLA-Drucker aufgrund der Harzpreise und der ganzen Panscherei mit dem Harz nur, wenn ich tatsächlich was Schickes, Homogenes und Glattes brauche, sonst nehm ich den FDM-Drucker.

Was benutzt Du als Slicer? Ich nehm ChiTuBox, das hat eine automatische Funktion für die Bildung von Ablauflöchern für das Harz, so bleibt da nichts in Hohlräumen stehen.

Ich gebe das Druckstück in ein halb mit Isoprop gefülltes Schraubglas, bewege/schüttele das eine Weile, beobachte dabei das Druckstück, ob es genug gespült ist, stoppe das Isoprop, indem ich das Druckstück gründlich in Wasser abspüle, dann mit Druckluft abblase und stell das Druckstück vor den selbst gebauten UV-Belichter, den ich für Platinen benutze.
Irgendwann ist mir so ein per App steuerbarer Drehteller für Zeitrafferfotografie zugelaufen, da stelle ich das Ding drauf und lass es drehen. Kann man auch selbst bauen aus kleiner Solarzelle und passendem Motor mit Plattform, siehe hier
Und eigentlich reicht auch, das Ding eine Weile direkt in die Sonne zu stellen. Ob es durchgehärtet ist, kann man fühlen, dann ist es richtig glatt und trocken statt schmierig.
Das benutzte Isoprop kann man wiederverwenden, wenn man das Zeug durch ein Nylonfilter gießt, um Harzreste auszufiltern. Die Filter braucht man ja sowieso, wenn man das Harz wieder aus der Belichtungswanne zurückgießt. Und wenn man den Filter schön in Isoprop badet, kann man den auch etliche Male benutzen. Noch besser ist ein Edelstahlfilter, weil ewig haltend.

Für die ganze Hantiererei habe ich eine große Fotoschale, sonst kann das Ganze zur Sauerei ausarten. Da kann man Druckplattform, Schaber und alles, was man sonst noch braucht, einschließlich benutzter Handschuhe ablegen. Ausgehärtetes Harz auf Tisch und Teppich ist richtig was Spaßiges ...

Deine Idee mit der Spülmaschine hat was, ich würde aber vor allem das Ausspülen der Belichtungswanne und der Druckplattform sehen, weil man mit allein Ausgießen und per Hand reinigen immer mal Reste vor allem an der Rändern der Belichtungswanne zurücklässt, die dann später die Nivellierung behindern, oder man schnell Kratzer und Beulen in die teure Teflonfolie reinhaut. Dann ist die nämlich vorzeitig hinüber, das Druckstück bleibt auf der Folie hängen und reißt nach einigen Lagen ab. Ich spüle die Wanne bisher mit Isoprop aus und trockne nach einem abschließenden Wasserbad im Freien mit Druckluft ab.
Der Sprüharm in so einer Reinigungsmaschine für die Wanne müsste noch schwenken können, um das Harz gezielt und schnell rauszuwaschen. Das Problem bei so einer Maschine könnten die Materialien sein, muss ja alles, einschließlich irgendwelcher Schläuche usw. so ausgeführt sein, dass sich kein Harz festsetzt. Das Zeug klebt auf Dauer auch auf Teflon gut. Wenn man da nicht laufend mit Isoprop durchspült, klebt das im Nu alles zu.

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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von heinzketchup » Do 7. Nov 2019, 09:45

Yo, auch hier wird gepanscht: Elegoo Mars

Meine Teile spüle ich in einem kleinen Glas wie Heaterman.
Je nach Verfügbarkeit nehme ich nicht IPA sondern Ethanol, das Zeugs, das die im Baumarkt für die Wohnzimmerbrandstifter verkaufen, das geht recht gut.
Wenn die Spüllösung anfängt, dicker zu werden, stell ich das Glas in die Sonne, dann flockt das Harz aus und kann ausgefiltert werden.
Die Teile lege ich in die Sonne oder, wenn's eilig ist, unter 'ne Nagelstudio-UV-Lampe, ab und zu drehen, feddich.

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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von Flip » Do 7. Nov 2019, 10:06

Der gewöhnlich empfohlene prozess mit zewa, schaber etc ist... subobtimal.

Ich habe mir hier die flush holder gedruckt https://www.thingiverse.com/thing:3875909/files. Und 2 Lösemittelboxen eingerichtet ( Spiritus reicht als lösemittel)

Somit hänge ich die Plattform in die Vorspülbox, deckel drauf und schütteln, Nachspülen ebenso in der 2. box. Danach 300s in den Nagelhärter, dann modell von plattform losbrechen.
Das Harz bleibt im Drucker, für farbwechsel wird der behälter ausgewechselt.

Es werden abgesehen vom leicht zu entharzenden Lösemittel keine Verbrauchsmaterialien mit harz verschmutzt.

Handling nur am schraubgriff, man kann vorsichtshalber handschuhe anziehen, muss man aber nicht.

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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von ange12lo » Do 7. Nov 2019, 10:12

Ich habe zwar nur FDM Drucker und daher keine Erfahrung mir Harz. Mein Vorschlag wäre aber Ultraschallbaden.

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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von Desinfector » Do 7. Nov 2019, 15:13

sollte hier auch was mit Natronlauge gehen, womit man ja auch diesen Soft-Topuch Glitsch weg bekommt?
Dann Backofensprray nutzen.

Jannyboy
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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von Jannyboy » Do 7. Nov 2019, 23:21

Hallo,

So was gibt es doch schon fertig.
https://www.lidl.de/de/bomann-tisch-ges ... 02/p311281

Kann man einfach die Heizung abklemmen und Isopropernol reinfüllen? - Nur so als Idee bzw. Bastelgrundlage.

Grüße Jan

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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von zauberkopf » Fr 8. Nov 2019, 02:01

Naja.. ich hätte da eventuel bedenken, das das Harz irgendwann vielleicht in der Maschine aushärten könnte...
...
okay, ich gebs zu.. ich depp habe mal eine volle Tube Silikon (unabsichtlich.. einfach den Wäschekorb da reingeschüttet) mal mit in die Waschmaschine gegeben.. nach einer weiteren Wäsche wollte die Pumpe nicht mehr.. ich bin da etwas sensibilisiert.. ;-)
... Aber mit so einem, gerne etwas grösseren Ultraschallbad, kann man einiges erreichen.
z.B. habe ich mal gerade einen Test laufen, ob man Pfeffenreiniger, reinigen kann.
Das geht z.B. mit einem kleinen Ultraschallbad, besser als in der Spülmaschine....

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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von zauberkopf » Fr 8. Nov 2019, 02:03

Achja.. reinigen lässt sich selber so ein Ultraschallbad auch..

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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von zauberkopf » Sa 9. Nov 2019, 14:29

Mir ist noch was eingefallen :
Manche Analog Fotografen, nutzen diese Salatschleudern, um Negative auf dem Spulenkörper zu "trocknen".
Durch die Zentrifugalkraft wird dann halt alles flüssige auf die Kunststoff Wanne geschleudert. Das könne auch noch ein weg sein..

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MatthiasK
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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von MatthiasK » So 10. Nov 2019, 22:30

Ich habe mir einen schönen Sprüharm gezeichnet und dann reicht das Restharz nicht. :-(

Natürlich ist noch ein bisschen Harz in der Wanne (zum weg Putzen ist es richtig viel), aber es hat sich nach 6h aus der Mitte zurück gezogen. Jetzt muss ich mir erst mal neues Harz besorgen, nur welches?
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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von Heaterman » Mo 11. Nov 2019, 04:39

Im Prinzip kann man alles nehmen, was für 405 mm und LCD geeignet ist, Anycubic oder Eelego Mars, ist egal. Kostet alles so um 25 Euro für 500 ml. Teurere Harze sind dann meist Spezialharze, z. B., lebensmittelecht oder weniger stinkend. Billiger wirds beim Ali, da kostet der Liter Anycubic um 42 Dollar.
Wenn man eine neue Sorte nimmt, sollte man erst mal keline Probedrucke machen, um vielleicht die Belichtungszeiten anzupassen. Bei meinem Drucker musste ich für das etwas dünnflüssigere vom Elego Mars längere Belichtungszeiten nehmen, sonst härtet das nicht genug aus.

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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von MatthiasK » Mi 13. Nov 2019, 01:08

Jetzt habe ich mir neues Harz besorgt (Zortax Pro von Reichelt) und mit den Standard-Einstellungen noch mal probiert. Leider haftet das Zeug unten auf der Folie besser als auf der Bauplatte. Wo könnte da jetzt das Problem liegen?

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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von Heaterman » Mi 13. Nov 2019, 02:53

Ist die FEP-Folie noch richtig glatt? Irgendwo ein Harzrest im Behälter, z. B. am Rand? Das kann das Nivellieren der Plattform behindern. Wenn die Folie nicht exakt plan ist oder irgendwo eine Beule drin, findet die Plattform beim Nivellieren nicht die Höhe für die erste Schicht und geht zu weit hoch.

Druckplattform noch exakt plan? Wenn nicht, funktioniert das Nivellieren auch nicht. Evtl. mit feinem Sandpapier exakt plan schleifen. Überhaupt prüfen, ob die Oberfläche der Plattform nicht schmierig-glatt ist, evtl. ganz leicht anrauen.

Erste Lagen länger belichten, überhaupt mit den Belichtungszeiten experimentieren. Je dünnflüssiger das Harz, desto länger muss belichtet werden.

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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von MatthiasK » Do 14. Nov 2019, 00:35

Nachdem ich die Druckplatte 0,2mm unter Soll eingestellt habe, hält es. Heißt das, dass ich eigentlich zu kurz belichte?

Die Folie und die Platte sind noch exakt plan, sind ja noch nicht mal 2 Wochen in Gebrauch. Die ersten Lagen werden automatisch länger belichtet.

Jetzt fängt auch noch einer der Lüfter an zu schreien. Bei dem Preis des Druckers ist mir das schon fast egal, aber wenn der zwei Betriebsstunden früher ausgefallen wäre, dann hätte ich mir noch gleich neue bei Reichelt mitbestellt. :-/

Ich bin mal gespannt, wie das Ergebnis morgen Abend aussieht.

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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von Heaterman » Do 14. Nov 2019, 04:26

Dann hat wohl die Nivellierung nicht gestimmt. Da war die Druckplattform zu Beginn zu weit oben, und die erste Schicht zu dünn, um an die Plattform zu reichen. Dann bleibt das an der Folie kleben.

Zweite Ursache kann zu geringe Belichtungszeit sein, kommt immer auf die Harzkonsistenz an. Je dünnflüssiger, desto länger muss man belichten. Da hab ich auch schon Bauchlandungen beim Wechsel des Harzes gehabt. Kann Dir sogar mit Harzen des gleichen Herstellers passieren, wenn man unterschiedliche Farben betrachtet. Klar geht noch, aber z. B. bei Weiß gibt es oft Probleme. Ging mir so bei Harzen von Elego auf meinem Monoprice. Seitdem stelle ich immer erst ein Probestück aus ein paar Lagen her, wenn ich die Harzsorte wechsle, und schreibe die Zeiten für Bottom Layer, Schicht belichten, Pause und Bottom-Layer-Anzahl sowie die Schichtdicke auf. Das kann ganz unterschiedlich sein. Je nach Farbe z. B. bis zu 100 s Bottom Exposure und bis zu 10 Bottom-Layer. Bei vielen Bottom-Layern kann man das Druckstück ja auf Supports ansetzen, dann fallen die ersten Schichten später ab.

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Re: 3D-Drucke aus Harz-Drucker reinigen

Beitrag von MatthiasK » Fr 15. Nov 2019, 01:37

Ich glaube, es liegt an der Belichtungszeit. Das neue Harz braucht da wohl deutlich mehr Energie. Der Druck hat sich über Nacht verbogen und die Stützstrukturen sind gebrochen.

Ich habe noch ein anderes Problem: Das neue Harz stinkt bestialisch. Heute morgen stank es im ganzen Haus danach. Ich brauche für den Drucker einen Aktivkohlefilter mit Lüfter, der immer laufen muss, wenn Harz im Drucker ist.

Den Sprüharm drucke ich nochmal, wenn das Filter fertig ist und die Konstruktion der Spülmaschine weiter fortgeschritten.

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