Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Der chaotische Hauptfaden

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Farbe
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Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von Farbe » Mo 12. Apr 2021, 21:52

Hallo Leute,

für ein aktuelles Projekt brauche ich ein Vakuum gefülltes äh entleertes Gehäuse.
Darin soll ein TEC werkeln und möglichst tiefe Temperaturen erreichen.
Um die -80 bis -95 Grad sind geplant. Daher habe ich vorgesehen das Gehäuse nach dem Zusammenbau zu evakuieren. (Weniger Energieeintrag durch Konvektion und Wärmeleitung)
Außerdem sollte das Eisbildung verhindern.
Jetzt hätte ich das gerne so das ich dass einmal evakuiere und dann möglichst lang nicht mehr dran muss -> das muss also richtig dicht sein.

Das Gehäuse wird der Einfachheit halber aus einem Block gefräst. Größe so ca 45 x 45 x 30mm Innenmaß Wandstärke 5mm oder so. Damit ist der "Deckel" schonmal dicht.
Der Deckel bekommt an der unteren Kante dann eine Nut mit O-Ring norm maß. Ein 185mm x 3mm Ring würde sich anbieten.
Das ganze wird dann auf eine 5mm Alu Platte gestellt und verschraubt.

Bleiben 2 Fragen:
Wie bekomm ich das Vakuum da rein äh die Luft da raus?
Wie verschließe ich das Loch nachdem die Luft draußen ist? (möglichst Klein, ein Riesiger abstehender Kugelhahn ist nicht soo toll)
Ist das dann dicht genug damit man da, ich sag mal 1-2 Jahre, Vakuum halten kann?

Das ganze brauch kein Super Crazy Ultra Hoch Vakuum, es geht mir nur um die verbesserte Thermische isolation.
Hat da jemand Erfahrungen bzw Ideen?

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Alexander470815
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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von Alexander470815 » Mo 12. Apr 2021, 21:56

Ich würde das ganze schon einmal so bauen das es hermetisch dicht ist.
Also mindestens mal Metallgedichtet, keinen O-Ring o.Ä.

Dann das ganze über ein Rohr evakuieren das man danach abquetscht und verlötet.

Henrik_V
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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von Henrik_V » Mo 12. Apr 2021, 22:00

Na (Alu?)-Rohr als Pumpstutzen einlöten, Pumpe dran, Zusammenkneifen, verlöten.

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Wulfcat
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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von Wulfcat » Mo 12. Apr 2021, 22:19

Muss die Grundplatte Alu sein???
Ich musste unmittelbar an den Aufbau von Vakuumrelais denken.....
Aus lötbaren Materialen bauen ---> Messing, Kupfer, Eisen ----> Aufbau fertigstellen, Dicht Verlöten, Über kleines Messing/ Kupferrohr evakuieren, dieses Abquetschen und das Offene ende, noch wärend des "Abgequetscht seins" offenes ende verlöten......
Bei dem kleinen Volumen, das du angedeutet hast, Würde ich ne Kapilare aus nem Ollen Kühlschrank nehmen..... Da kanst du nen Stück überstehen lassen und noch mehrmals evakuieren(Und wider abschneiden) Ist dann halt so Sperrig wie nen Stück Kupfer Schaltdraht von 2,5². Lässt sich so auch problemlos mit ner Rundzange(für Kabelösen) Abquetschen und Abgequetscht halten(bis zum Ende verlöten), wenn man die Zange irgendwie Feststellbar macht.

Hmmm irgendwie fiel mir noch mal bei dem angedeuteten kleinen Volumen auch noch ne Endkappe für grössere Kupferrohre ein.....

Farbe
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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von Farbe » Mo 12. Apr 2021, 22:34

Uhh, ihr macht mir angst.
Das klingt alles sehr Kompliziert.

Das ganz aus CU zu fertigen und zu Löten wäre eindeutig möglich.
Aber ist das wirklich nötig?
Ist FKM als Dichtungsmaterial so schlecht?

Aus der Kiste müssen auch noch Leitungen fürs TEC rein/raus.
Das wollte ich eigentlich "einfach" mit Kupferdraht durch einen block POM + Endfest 3000 (die Vakuum Variante von Loctite = Hysol C1) erledigen. Klingt so als wenn das dann auch nicht funzt.

Ich hab auch noch ein Austrittsfenster (für Laserstrahlung) aus Glas verschwiegen.
Das wollte ich aus 3mm Antireflex beschichtetem Glas, mit einem einfachem O-Ring am Gehäuse "Festsaugen" lassen. Das Fenster hat höchstens 10mm Durchmesser, den Druck sollte es aushalten.

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von j.o.e » Di 13. Apr 2021, 03:37

Kommt alles drauf an, was du unter Vakuum verstehen willst.

- Glas-Durchführungen gibt es zu kaufen. Die werden normalerweise eingelötet. Kann ich dir raus suchen.
- O-Ringe sind nur bedingt dicht. Oberfläche und Passgenauigkeit der Dichtflächen ist das A&O.
- Fett, Klebe (auch Endsieg), Kunststoff, Gummi gast aus. Dadurch geht das Vakuum flöten. 1-2 Jahre ist schon 'ne Nummer
- Alu ist ok, VA ist besser. Kupfer, Messing gehen auch.
- Bei Hoch-Vakuum darf der Pumpstiel nicht zu dünn sein - sonst verirrt sich die Restluft beim auspumpen.
- Geeignete Pumpe ist auch nicht ganz trivial.

Reicht es nicht, wenn du getrockneten Stickstoff (z.B.) einfüllst, damit spülst? Und dann das ganze in Glas-Thermoskanne verpackst? Quarzöfen sind (waren?) auch so gebaut.

Kannst dir mal https://seismo.berkeley.edu/bdsn/instru ... lines.html oder https://www.researchgate.net/publicatio ... ismometers anschauen. Da geht es teilweise auch um thermal insulation. U.U. hab ich noch Gedrucktes da liegen - müsst ich aber erst ausgraben.

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von xoexlepox » Di 13. Apr 2021, 05:31

Vielleicht noch zu bedenken: Könnte aus dem Zeugs, was du in die Kammer hinein baust, beim Evakuieren etwas ausdunsten (z.B. Feuchtigkeit)?

sysconsol
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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von sysconsol » Di 13. Apr 2021, 07:23

1...2 Jahre - hm.

Am REM haben wir vakuumdichte Steckverbinder als Durchführung genutzt. Gibt es fertig.
Aber da muss der Zustand keine lange Zeit halten...


Anderer Ansatz:
Da an das Vakuum keine hohen Anforderungen gestellt werden: Ist das dauerhafte Vorhandensein einer Unterdruckpumpe so kompliziert/umständlich,
dass es den Dichtungsaufwand rechtfertigt?
Pumpen aus Blutdruckmessgeräten schaffen 500mBar unter Umgebungsdruck. Lebensdauer - noch nicht probiert ;)

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von zauberkopf » Di 13. Apr 2021, 09:40

Naja.. das vakuum sollte deutlich unter 500mBar liegen.
Also für den zweck so im 1 bis 2 stelligen bereich. da wo man mit einem Pirani-Vakuumeter
https://de.wikipedia.org/wiki/Pirani-Vakuummeter
nix mehr messen kann.
In dem verlinkten Artikel ist auch schön zu sehen, wie die Kurve auschaut : Wärmeleitung vs Unterdruck.

Sag mal farbe.. was hast Du denn genau vor ?
Also Gefäß mit Vakkum und TEG .. und Laser kommt raus ?

Was mir vorschwebt : Glas und elektrische Durchführung mit Dumet-Draht.
Also wie klassische Radioröhren.
ggf kann auch glas mit Metall besonders mit Kupferbeschichteten Metall eingehen.
Es gibt auch Glaslot.. aber das ganze muss auch ähnliche Temperatur Koeffizienten haben.
Hab bei einem Industriellen Glasbläser schon die tollsten (Hochvakuum geeigneten) Konstruktionen gesehen.

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von Desinfector » Di 13. Apr 2021, 09:51

angeblich soll sich ja destilliertes Wasser mit Elektrik vertragen.

Wemman also ganz gewagt und verwegen dest. Wasser im Gehäuse kocht und das dann verschliesst?
Vielleicht auch nur kurz Dampf einleiten?
Wasser kondensiert, ZACK - Vakuum.

Naja zumindest "guter" Unterdruck, der beim "Implodierenden-Fass-Experiment" immer wieder eindrucksvoll
zum Zerknüllen des Fasses endet.

Für "Glasdraht", also zum Einschmelzen
kann man auch die Drähte von den Glas-Dioden (z.B. 1N4148) nehmen.
Müsste man also nicht zwingend extra als solchen Draht bestellen, wemman eh genug von diesen Dioden hat.

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von j.o.e » Di 13. Apr 2021, 11:44

https://www.dietzegroup.com/de/qualitae ... uehrungen/
https://www.schott.com/epackaging/germa ... aders.html

Man könnte ja ein Halbleiter-Gehäuse knacken, ausräumen und in dein Gehäuse einlöten.

Zum Thema "ausgasen" hatte ich ja schon was geschrieben, aber kuck mal da:
https://de.qaz.wiki/wiki/Materials_for_use_in_vacuum

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von zauberkopf » Di 13. Apr 2021, 12:39

Geile idee, ne abgerauchte TO-Irgendwas transe zu verwenden !

Bei dem letzten Link ist mir was aufgefallen :
Polytetrafluorethylen ( PTFE oder Teflon) wird üblicherweise in Vakuumsystemen verwendet. Es ist selbstschmierend, ein guter elektrischer Isolator, tolerant gegenüber ziemlich hohen Temperaturen und hat eine geringe Ausgasung. Es ist nicht für die Barriere zwischen Vakuum und Atmosphäre geeignet, da es für Gase etwas durchlässig ist. Keramik ist jedoch eine überlegene Wahl. Materialien zur Verwendung im Vakuum - https://de.qaz.wiki/wiki/Materials_for_ ... m#Plastics
nämlich dieser Satz :
Es ist nicht für die Barriere zwischen Vakuum und Atmosphäre geeignet, da es für Gase etwas durchlässig ist.
Das finde ich für andere Kunststoffe nicht, bzw die angabe, wie gut es für den zweck geeignet ist.
Besonders mein lieblingskleber, SILIKON fehlt hier... :-(

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von Desinfector » Di 13. Apr 2021, 13:04

zauberkopf hat geschrieben:
Di 13. Apr 2021, 12:39


nämlich dieser Satz :
Es ist nicht für die Barriere zwischen Vakuum und Atmosphäre geeignet, da es für Gase etwas durchlässig ist.
Das finde ich für andere Kunststoffe nicht, bzw die angabe, wie gut es für den zweck geeignet ist.
Besonders mein lieblingskleber, SILIKON fehlt hier... :-(
Gummi ist z.B. für CO2 permeabel (und/oder absorbiert es)
Pump mal einen Fahrradreifen mit CO2 auf.
Das ist nach einem Tag wieder platt.

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von Phyro » Di 13. Apr 2021, 13:08

Desinfector hat geschrieben:
Di 13. Apr 2021, 09:51
angeblich soll sich ja destilliertes Wasser mit Elektrik vertragen.

Wemman also ganz gewagt und verwegen dest. Wasser im Gehäuse kocht und das dann verschliesst?
Vielleicht auch nur kurz Dampf einleiten?
Wasser kondensiert, ZACK - Vakuum.

Naja zumindest "guter" Unterdruck, der beim "Implodierenden-Fass-Experiment" immer wieder eindrucksvoll
zum Zerknüllen des Fasses endet.
Nope. Das Wasser gast vor sich hin, und sobald der Druck runter geht kocht es bei niedrigen Temperaturen. Auch bei Raumtemperatur.

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Alexander470815
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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von Alexander470815 » Di 13. Apr 2021, 13:14

zauberkopf hat geschrieben:
Di 13. Apr 2021, 09:40
Also für den zweck so im 1 bis 2 stelligen bereich. da wo man mit einem Pirani-Vakuumeter
https://de.wikipedia.org/wiki/Pirani-Vakuummeter
nix mehr messen kann.
Also 10^-4 mbar, da wo man nichts mehr messen kann, halte ich schon für mehr als ausreichend.
Selbst das 1000 fache also 0,1mbar sollte für den Zweck hier noch gut genug sein.
Eben das was eine einstufige Drehschieberpumpe so schafft, je tiefer desto besser natürlich.

Vakuumdichte Glas Durchführungen kann man auch aus Kühlschrank Kompressoren recyceln, die haben dann eben immer nur 3 Pins.

Wenn man da Wasser rein packt dann hat man innen drin immer den Sattdampfdruck von Wasser am kältesten Punkt.
Zumindest so lange wie da nicht irgendwie Luft reinleckt.

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von Farbe » Di 13. Apr 2021, 13:14

Also genaugenommen weiß ich nichtmal ob das Vakuum überhaupt nötig ist.

Ich muss da mal rechnen/Simulieren wieviel Wärme da rein kommt wenn da nur z.b. Argon drin ist.
zauberkopf hat geschrieben:
Di 13. Apr 2021, 09:40

Sag mal farbe.. was hast Du denn genau vor ?
Also Gefäß mit Vakkum und TEG .. und Laser kommt raus ?
Exakt das.
Ich hätte gerne einen orangenen Laser, wieso? Weils geht!
Wie? Eine "Standart" rote Laserdiode Tiefkühlen, die Driften mit ca 0,17-0,3nm/°C.
Das würde bedeuten das man bei Startwellenlänge von 633nm auf ca 613nm bei -95°C kommt. Ein schönes Orange.

Die Dioden sind relativ effizient, ich bräuchte nur 0,5W pumpen um 100mW Orange zu erhalten. Als vergleich, es gibt DPSS Laser (Kristalle + Optik + voodoo) die machen 607nm. Die kosten für 100mW rund 1500€.
Ein Tec + Diode sind aber vergleichsweise billig.
4 Stufiges Tec kostet bei meinem Hersteller rund 170$
5 Stufiges liegt bei 190$.
Damit sind ca 128k delta möglich. Bei 0,5W gepumpt sinds dann noch 120K delta. Je nach Heißseiten Temperatur ändert sich das noch. Kommt aber grob auf -95°C bei 0,5W gepumpt und passendem Kühlkörper.
Challenge ist nun den Strom für die Diode und das Tec rein zu bringen, die Wärme draußen zu halten und Kondensation auf der Optik zu verhindern.

Die Idee mit der TO Transe ist genial!!
Der Aufbau auf eine CU Platte mit CU Deckel und niedrig Temperatur Lot sollte möglich sein.

Ich werd das mal in Fusion360 nachbauen und mal schauen wieviel Wärme flöten geht wenn da nur normale Luft drin ist.
Ich vermute aber stark das ich da weit über die 0,5W hinaus komme und dann kein Orange mehr schaffe. Umso Wärmer umso Rot.

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von zauberkopf » Di 13. Apr 2021, 13:22

Nicht nur das ... mit wasserstrahlpumpen erreicht man keine gute werte.. dafür ist der dampfdruck von H2O noch zu hoch.
Hier nochmal :
Bild

So wie ich das verstehe : je weniger Vakuum bis 10-4 desto Thermoskanne.. ;-)
Ab da spielt dann nur noch die Wärmestrahlung ne rolle.

Farbe :
WTF ?
ähm.. klappt das ganze auch mit blauen Dioden ? also kriege ich die in den UV Bereich reingedrückt ?

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Alexander470815
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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von Alexander470815 » Di 13. Apr 2021, 13:26

Ja die Konvektion alleine bei solchen Temperaturen wird schon sehr viel Leistung klauen.
Ganz zu schweigen davon das die Feuchtigkeit da drinnen kondensieren wird und CO2 an dem ganzen fest werden wird.

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von zauberkopf » Di 13. Apr 2021, 13:35

Ausserdem : so ne Drehschieberpumpe.. ist einfach ein Muß für jeden Bastlerhaushalt !
Du kannst aus nem schlauch ne "Neonröhre" einfach tütteln.. Deine eigene Plasmakugel ...
auch mal was vakuumvergießen.. wobei du dabei beobachten kannst, wie das Harz anfängt zu sieden...
Oder auch mal auf die schnelle frischgewaschene Socken trocken.

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von Farbe » Di 13. Apr 2021, 13:48

Drehschieberpumpe ist vorhanden!

So wie ich das sehe ist bei 0,1mbar der Wärmetransport nur um 25% reduziert?!?
Das hätte ich nicht erwartet und klingt schlecht.
Ein festes Co2 sollte nicht weiter stören, das kondensiert eh an der Kältesten stellen.
Die Diodenoptik ist das einzig "empfindliche". Die sollte aber mindestens ein paar mK wärmer als das Tec sein.
Das ausfallende Rest Wasser + Co2 wird dann das runterkühlen verzögern, sollte sonst aber keine Probleme machen. Immerhin ist die Menge ja winzig.

Hab ich da ganz imaginäre Vorstellungen und die -95°C sind niemals zu erreichen?

@Zauberkopf

Ja das geht, aber nur zum teil, Blaue Dioden (fang lieber mit ner tiefen 405nm "bluray" diode an) driften weniger mit Temperatur.
Komm mal mit PN rüber, UV Dioden sind nicht soo schwer/teuer zu bekommen. 375nm z.b.

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von Farbe » Di 13. Apr 2021, 15:09

Hier gibt es dazu übrigens ein Paper:
Link

Dort sieht man folgende Werte:
Bild
Dort wurden 70 Torr = 90mBar erreicht.
Damit waren noch 0,68W Verluste übrig.
Ich denke die 0,6W kann man reduzieren wenn man den Druck weiter senkt. Auch die Verluste durch die Leitungen kann man verringern. Ich denke hier an dünnen (langen) Kupferlackdraht der zur Spirale gewickelt wird.

Meine "Test" diode sollte nur 0,07W Verlustleistung erzeugen, sie hat auch nur 5mW dafür aber 0,26nm/°C. Mir ist die soo Leistung nicht wichtig, ich will nur einen Orangenen Strahl.
Wenn der Aufbau steht kann man die Diode dann auf etwas selektiertes besseres Upgraden (630nm Startwellenlänge 100mW 0,17nm/°C z.b.)
Ich hoffe also auf total rund 0,5W zu kommen. Das hört sich realistisch an und würde die Diode auf -90 bis -95°C abkühlen und damit einen Wavelength shift von ca 30nm ergeben.
Dateianhänge
Bildschirmfoto 2021-04-13 um 14.57.48.png

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von j.o.e » Di 13. Apr 2021, 15:28

zauberkopf hat geschrieben:
Di 13. Apr 2021, 12:39
Es ist nicht für die Barriere zwischen Vakuum und Atmosphäre geeignet, da es für Gase etwas durchlässig ist.
Das finde ich für andere Kunststoffe nicht, bzw die angabe, wie gut es für den zweck geeignet ist.
Besonders mein lieblingskleber, SILIKON fehlt hier... :-(
https://wiki.seyffer-gmbh.de/2-die-aush ... lebstoffe/ schreibt dazu:

Silikone:
Diese Werkstoffe vulkanisieren bei Raumtemperatur durch Reaktion mit der Luftfeuchtigkeit (Raumtemperaturvulkanisierung = RTV). Im Vergleich zur anionischen Reaktion der Cyanacrylate, bei der die Feuchtigkeit den Stabilisator neutralisiert, nutzen Silikone das Wassermolekül zur Vernetzung. Das heißt, dass die Feuchtigkeit in das Silikon an die Stelle eindringen muss, an der die Vulkanisierung stattfindet. Wird das Wassermolekül in die Bindung zwischen den Silikonmolekülen integriert, wird ein Nebenprodukt freigesetzt. In Abhängigkeit der Aushärtungschemie kann das freigesetzte Nebenprodukt sauer (z. B. Essigsäure), basisch (z. B. Amin) oder neutral (z. B. Oxim oder Alkohol) sein.


Wenn da Wasser und Essigsäure usw. bei der Vernetzung hin-und-her diffundieren müssen -- dann kanns wohl nich weit her sein mit der Vakkum-Dichtheit und Ausgas-Resistenz. Würd ich mal sagen...

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von phettsack » Di 13. Apr 2021, 16:04

Wie kam denn das Vakuum in die Glühbirne und vor allem, wie blieb es drin? Das würd mich interessieren.

Aus der Historie heraus glaube ich mich zu erinnern das bei Rohrstücken für Teilchenbeschleuniger Kupferringe als Dichtung verwendet wurden. Kupferring zwischen, alle Bolzen ordentlich anknallen und los gehts. Ist allerdings blöd wenn man es nochmal lösen muss, dann ist die Dichtung nämlich hin.

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von BernhardS » Di 13. Apr 2021, 16:28

Alu ist selten frei von Rissen -Nein, die kann man mit dem Auge nicht sehen- und wird als Frästeil in der Größe
das Vakuum nicht ein Jahr lang so gut halten. Schweißnähte sind so ne Sache - "Gut" vakuumdicht ist Hartlöten.
Man kann die Funktionen ja trennen. Tragendes Aluteil und eine gelötete Dichthaut aus Kupfer-/Messingblech.
Richtige Vakuumdichtungen sind aus Indium. Lötet man wie Zinn und putzt das glatt. Den letzten Rest quetscht man
halt (ganz klein bißchen vor platt) platt. Sonst halt Silber oder Reinstnickel - das ist auch sehr weich.
Wie schon erwähnt, haben Metalldichtungen kein Rückfedervermögen und werden jedes Mal neu eingelegt.
Industriell nimmt man für große Durchmesser Rohre aus Inconel, die galvanisch mit Nickel beschichtet sind.
Das Inconel federt, das Nickel oder sonst ein Weichmetall dichtet.

Glasdurchführungen macht man aus Eisen, das hat ist beim Ausdehnungskoeffizienten noch am nächsten beim Glas
und Glas, steht auch schon da, kann man hartlöten.
Aber da findet sich sicher was fertiges im Lampen-/Röhrenbereich.
Farbe hat geschrieben:
Di 13. Apr 2021, 13:48
So wie ich das sehe ist bei 0,1mbar der Wärmetransport nur um 25% reduziert?!?
Ja nun. Es sind zwar wenig Teilchen, aber die freie Weglänge ist hoch. Superisolierungen bestehen ja aus Schaum,
bei dem die Poren kleiner sind als die Weglänge. So können die Teilchen die Wärme nicht mitnehmen.
Desinfector hat geschrieben:
Di 13. Apr 2021, 09:51
angeblich soll sich ja destilliertes Wasser mit Elektrik vertragen.
Das schon, aber Alu nicht. Das unterwandert die Oxidschicht und nach zwei Monaten bis zwei Jahren korrodiert das
Alu mit faszinierender Geschwindigkeit

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Re: Vakuum-kammer dauerhaft abdichten

Beitrag von Farbe » Di 13. Apr 2021, 17:07

BernhardS hat geschrieben:
Di 13. Apr 2021, 16:28
Farbe hat geschrieben:
Di 13. Apr 2021, 13:48
... "0,1mbar der Wärmetransport nur um 25% reduziert?!?"
Ja nun. Es sind zwar wenig Teilchen, aber die freie Weglänge ist hoch...
Irgendwas passt da nicht, das Paper erwähnt das sie von 1Bar auf rund 0,1bar abgesenkt haben, und dabei die Verluste von 1,68W um 1,08W reduzieren konnten.
Also fast 65% Reduktion der Wärmeleitung + Konvektion.
Mit eine typischen einstufigen Drehschieberpumpe sollte man ja auf unter 1mbar kommen also 0,001bar, 2 ganze Potenzen mehr. Ich erwarte da noch verbesserte Isolation im vergleich zu 0,1bar.
Damit hoffe ich die Verluste nochmal auf 1/2 senken zu können. das wären dann 0,34W. Vielleicht kann man den Diodenhalter im Vakuum nochmal mit irgendwelchem Schaum isolieren.
Ich werde ihn auf jeden fall so klein wie möglich machen und Polieren um Thermische Strahlung "abzuwehren".

Wasser einbringen macht für mich keinen sinn. Eher das Gegenteil, das Wasser muss raus!

Vielleicht macht es auch sinn die Kammer vor dem evakuieren mit Argon zu fluten. Argon leitet weniger und sollte Trockener sein als die Restluft die sonst drin wäre.
Argon sollte ich von einem Befreundetem Schweißer bekommen können.

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