Mal wieder 3D Druck...

Der chaotische Hauptfaden

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Nilsen
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Re: Mal wieder 3D Druck...

Beitrag von Nilsen » Mi 22. Jul 2020, 22:16

Was 3D Druck betrifft bin ich bis jetzt immer skeptisch gewesen, aber mein Sohn würde sich da gerne austoben. Was die Oberfläche angeht war ich von dem was Filamentdrucker liefern nicht wirklich überzeugt, jetzt hat mein Kleiner mir einen Link zu einem günstigen Harzdrucker geschickt. Die scheinen da wesentlich bessere Ergebnisse zu liefern. Mir stellt sich jetzt aber die Frage, ob das überhaupt der richtige Einstieg in das Thema ist.

Habt ihr Erfahrungswerte was Harzdrucker angeht? z.B. Anycubic 3D Photon

Was muss man beachten? Geruchsbelästigung scheint ein nicht zu vernachlässigendes Thema zu sein, also eher nix für die Wohnung. Wie sieht es mit längeren Stillstandszeiten aus?

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RMK
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Re: Mal wieder 3D Druck...

Beitrag von RMK » Mi 22. Jul 2020, 22:23

ich würde eher auf dem recht kleinen Bauraum einhaken. man möchte dann doch gern auch mal
was größeres als die üblichen smartphone-Bildschirm-Abmessungen machen....

FDM-Drucker-Oberflächen kann man übrigens abschleifen, lackieren oder mit Epoxy beschichen,
dann wirds glatter. :)

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gafu
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Re: Mal wieder 3D Druck...

Beitrag von gafu » Mi 22. Jul 2020, 22:42

es gibt für jedes ding seinen anwendungsbereich
das harz ist mechanisch nicht so belastbar.
das drucken dauert sehr lang (generell...)
harzdrucke altern und werden spröde
das harz ist giftig und allergieauslösend, bevor es ausgehärtet ist. (also allgemeine vorsichtsmaßnahmen und chemikalienhandschuhe, kontaminationen an der haut richtig abwaschen und nicht nur verreiben)

oberfläche ist bei konstruktionsteilen oft nahezu egal.

wenn man sich drauf einlässt, und eine fdm-maschine gut eingestellt ist, kann die verbleibende gleichmäßige textur auch *schön* sein. glattes zieht halt auch kratzer an.

für (spiel-)figuren und miniaturen und kleine teile ist das aber ein sehr gutes verfahren, wegen der erzielbaren schönen oberflächen.
auch zum herstellen von urformen für den abguss sicher interessant

am ende ist es sicher kein entweder-oder, wenn man erstmal angefixxt ist, wird da auch ganz schnell ein UND draus.

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MatthiasK
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Re: Mal wieder 3D Druck...

Beitrag von MatthiasK » Do 23. Jul 2020, 12:40

Ich habe auch einen Anycubic Photon, sehr günstig vom Flohmarkt.

Für mich war bei den FDM-Druckern immer die Oberfläche ein Problem. Für die Modellbahn ist die weitgehend ungeeignet. Abschleifen, spachteln, usw., dann sind alle Details weg (sofern diese überhaupt richtig raus kommen).

Die Bauraum-Größe ist natürlich ein Problem, ich musste nicht nur einmal Objekte diagonal ausdrucken, damit sie überhaupt rein gepasst haben.

Man soll das Harz nach spätestens zwei Tagen wieder aus dem Drucker holen. Das habe ich bisher noch nie gemacht, bei unpigmentierten Harzen war es auch kein Problem. Jetzt habe ich graues Harz drin und da setzen sich die Pigmente ab und bilden eine Schmierschicht auf dem FEP-Film, die nicht mehr so leicht ab gehen will. Dadurch misslingt dann der nächste Druck, weil durch den FEP-Film nicht genug Licht kommt. Ob man den FEP-Film einfach durch einen speziellen Ausdruck wieder sauber bekommen kann, muss ich noch ausprobieren.

Geruch ist von Harz zu Harz unterschiedlich. Die originalen Harze von Anycubic gehen halbwegs. Das Zortrax Pro stinkt aber übel. Die olfaktorische Krönung währe wahrscheinlich Evonik Acrifix 1R0192, muss ich auch mal irgendwann ausprobieren.

Jesaiah
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Re: Mal wieder 3D Druck...

Beitrag von Jesaiah » Fr 24. Jul 2020, 07:31

Guten Morgen,

gibt es eigentlich inzwischen KollegInnen mit längerer Erfahrung mit dem https://eu.snapmaker.com/de ?

Der letzte Bericht ist ja schon bald ein Jahr alt ...

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Re: Mal wieder 3D Druck...

Beitrag von Musiker » Fr 24. Jul 2020, 19:04

Nilsen hat geschrieben:
Mi 22. Jul 2020, 22:16
Was 3D Druck betrifft bin ich bis jetzt immer skeptisch gewesen, aber mein Sohn würde sich da gerne austoben. Was die Oberfläche angeht war ich von dem was Filamentdrucker liefern nicht wirklich überzeugt, jetzt hat mein Kleiner mir einen Link zu einem günstigen Harzdrucker geschickt. Die scheinen da wesentlich bessere Ergebnisse zu liefern. Mir stellt sich jetzt aber die Frage, ob das überhaupt der richtige Einstieg in das Thema ist.

Habt ihr Erfahrungswerte was Harzdrucker angeht? z.B. Anycubic 3D Photon

Was muss man beachten? Geruchsbelästigung scheint ein nicht zu vernachlässigendes Thema zu sein, also eher nix für die Wohnung. Wie sieht es mit längeren Stillstandszeiten aus?
Funktionsteile auf SLA-Druckern sind eher schwierig, weil die Drucke doch relativ schnell altern.
Da ist FDM sehr stark im Vorteil, PLA ist zwar etwas Wärme und UV-empfindlich, PETG altert aber kaum.
Die mechanische Belastbarkeit ist auch erheblich höher. Das Harz bricht gerne mal weg oder splittert aus.

Man bekommt mit FDM auch schöne Oberflächen hin. 0,25 Düse und <0,1mm Schichthöhe helfen da, verlängern natürlich aber auch erheblich die Druckzeit.
Ausserdem lässt sich PLA sehr gut nass schleifen.
aber klar - für Figuren oder feinste Details ist SLA erheblich besser.

Am besten hat man beides ;)

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Sven
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Re: Mal wieder 3D Druck...

Beitrag von Sven » Sa 25. Jul 2020, 23:37

Nachdem mich dieses Fehlkonstruierte MK8-artige Hotend des Geeetech A10 in den Wahnsinn getrieben hat und am Ende gar keine Drucke mehr möglich waren, hab ich das Kackding entsorgt.
Stattdessen werkelt jetzt ein E3D V6 Klon mit Ganzmetall Heatbreak in meinem Drucker. Mit klassischer PTFE ausgekleideter Heatbreak werkelt das problemlos an meinem Sub 100€ Drucker in Werkstatt 2.

Den Halter für das alternative Hotend habe ich mit Inkscape gezeichnet und aus Plexiglas gelasert. Das mit dem Verkleben üben wir nochmal, sieht gruselig aus. Hält aber, Funktion ist viel wichtiger als die Optik an der Stelle.
Ein paar Risse sind drin aber das liegt auch mit am recht groben Handling während der Erprobungsphase ;) Außerdem hätte man die Teile noch tempern können. Egal, Perfektion ist an dieser Stelle was für Leute, die zu viel Zeit haben :mrgreen:
Ich muss Teile für mein MPCNC Projekt drucken, das stagniert auch schon seit Monaten!
20200713_222900.jpg
20200725_232924.jpg
Ich werde eine Version 1.1 zeichnen, die nehr Platz für den originalen Lüfter lässt.

Ich habe sogar ein Pappmodell vorweg ausgelasert, um eine Sitzprobe am Gerät machen zu können. Dabei habe ich auch gleich noch die Montageseite des Lüfters gespiegelt, weil der sonst mit anderne Teilen kollidiert wäre.
Das Hotend selber wird einfach am oberen Ende eingeklemmt. Das ist ausreichend stabil und im laufenden Betrieb sind auch keine Rotationskräfte zu erwarten.
20200514_175750.jpg

Ich hatte ein paar Startschwierigkeiten mit dem Ganzmetall Hotend und PETG. Warum hab ich keine bewährte Heatbreak mit PTFE Einsatz genommen? Es war halt nur die Ganzmetall Variante mit im Lieferumfang dabei.
Eigentlich ist das ja für Filamente mit höheren Arbeitstemperaturen über 250°C gedacht, weil da der PTFE Liner aufgibt.

Problem 1 war zu viel Wind am Hotend. Überaus optimistisch habe ich eine Montagemöglichkeit für 40x40mm Lüfter zur Hotendkühlung vorgesehen. Leider macht so ein Lüfter zu viel Wind unten an der Düse.
Damit kann man wunderbar dünne Plastikfäden produzieren, allerdings keine aufeinander haftenden Lagen.
Also das Seitenteil mit der Lüfterhalterung rausgekniffen und mit der Feile etwas Platz geschaffen.
20200725_232859.jpg
Ich habe jetzt den original Lufttrichter mit dem alten 30x30mm Lüfter in Gebrauch um das Hotend obenrum zu kühlen. Das funktioniert dann auch gleich viel besser. Außerdem hab ich meinem Slicer gesagt, dass das Filament bei Bewegungen nur noch 2mm weit zurückgezogen werden soll anstatt 4mm. Das ist für einen Bowdenextruder eher wenig. Zu viele und zu lange Einzugbewegungen in kurzer Zeit fördern sonst die Entstehung von Verstopfungen.

Bis vorhin hatte ich noch ein zweites Problem: Immer wieder verstopfte das Hotend nach dem Druck. Wenn ich nicht gleich nach dem Druck das Filament rausgezogen habe, ist es ein Stück weiter oben im Führungsrohr angeschmolzen.
Den Blob kann man mit dem Extruder natürlich beim nächsten Druck nicht mehr weiter nach vorne befördern. Eigentlich war ich schon geneigt, alles auf klassische Heatbreak mit PTFE Einsatz umzubauen aber die richtigen Ersatzteile sind heute noch nicht gekommen. Ich war brastig, es war spät und ich hab Mitte der Woche die falschen Teile bestellt. Braucht hier jemand Düsen und Heatbreaks für MK8 Hotends? (Durchgehend M6 Gewinde, oben wie unten)
Da ich zu dem Zeitpunkt, als ich meinen Fehler bemerkt hatte schon alles zerlegt hatte, hab ich es etwas anders wieder zusammengebaut.
Ich habe das Heatbreak Röhrchen weiter in den Heizblock reingeschraubt. Dadurch ist der Kühlkörper ein Stück näher am Heizblock. Der Abstand ist nur noch so groß wie das gewindefreie Stück des Röhrchens.
Dafür hat der Kragen der Düse jetzt nicht 0,5mm sondern eher so 2-3mm Abstand zum Heizblock. Das obere M7 Gewinde der Heatbreak habe ich mit etwas Wärmeleitpaste bestrichen bevor ich es wieder in den Kühlkörper geschraubt habe.

Jetzt kann ich auch nach einem Druck das Hotend mit geladenem Filament abkühlen lassen und kann den nächsten Druck "kalt" ohne Probleme starten.

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MatthiasK
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Re: Mal wieder 3D Druck...

Beitrag von MatthiasK » So 30. Aug 2020, 23:09

So, der Schrank mit dem Drucker steht an seinem Platz und die Stromversorgung ist drin.

Bei dem Projekt war irgendwie überall der Wurm drin.
- Arbeitsplatte lässt sich nicht komplett durchsägen (Sägeblatt kommt nicht hoch genug)
- bei nem Bekannten gesägt und zusammengespaxt - fällt beim Tragen wieder auseinander
- zuhause neu zusammengespaxt und verleimt - Platten waren so vorgeschädigt, dass sie an vielen Stellen aufgeplatzt sind
- beim Bohren der Löcher für die Scharniere in die Frontscheibe geht die Lochsäge kaputt, reißt das Loch aus und ruiniert die Oberfläche - Scharnier lässt sich jetzt nicht mehr montieren
- die neue Lochsäge sägt keine 26mm-Löcher mehr, sondern nur 25mm, der Rest muss gefeilt werden
- das erste Muster für den Abluft-Anschluss zersplittert in lauter kleine Einzelteile.

Jetzt muss ich nur noch einen neuen Abluft-Anschluss drucken (diesmal mit etwas Flex-Anteil) und die Löcher in der Tür wieder zukleben, dann kann ich mal einen Geruchstest machen.
Foto0737.jpg

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Re: Mal wieder 3D Druck...

Beitrag von Cubicany » Mo 31. Aug 2020, 20:41

Also mir persönlich reicht ein normaler Drucker mit Rollenmaterial, welcher mit ABS beladen ist.

Für Schablonen, kleine Halter und auch sonst alles an Formen ist das eigentlich das brauchbarste.

Flexibel, Sonnen und Wasserbeständig und außerdem mit einer Mischung aus ABS Stücken
(vergeigte Drucke) und Aceton kann man prima Kleber herstellen. Die Verbindung ist stabiler
als der Rest.

Bestimmt wären auch glasfasergefüllte Kunststoffe interessant, aber da wird sich wohl die
Düse schnell abnutzen wegen der Tribologie. Die Düse habe ich übrigens seit nun 3 Jahren drin
und ist noch die vom Kauf. Regelmäßig ausbrennen hilft aber, die Druckqualität zu halten.

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