Voodo - Die Lizenz zum Senden

Der chaotische Hauptfaden

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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon TDI » Sa 6. Jan 2018, 00:04

Moin,
am Ende des Drahtes kann der Strom nicht mehr irgendwohin fließen. Dort ist immer der Spannungsbauch.
Die Annahme, dass das Gebilde mit dem Gegengewicht quasi zum Dipol wird ist richtig. Wenn die Schwingung (halb Labda) vollständig auf die komplette Länge passen würde, bräuchte man keinen Tuner. In allen anderen Fällen bildet der Tuner die fehlende Länge quasi nach.

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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon ferdimh » Sa 6. Jan 2018, 00:08

Die Denke ist fragwürdig...
Erstmal:
Guck dir die Einfachen Dinge zuerst an: Wenn der Draht zuende ist, fließt kein Strom. Das ist sehr offensichtlich, hoffe ich. Damit ist die Spannung dort maximal. Überall, wo der Draht nicht zuende ist, fließt ein Strom. Ob er größer oder kleiner ist, hängt von der Länge und Verlegung des Drahtes ab.
Die Impedanz in der Mitte eines Dipols hängt davon ab, wie lang der im Verhältnis zur Wellenlänge ist. Bei Lambda/4 vom Ende ist da ein Strombauch, bei Lambda/2 ein Spannungsbauch, bei 3/4 Lambda wieder ein Strombauch usw. Dazwischen ist "irgendwas".
Langer Rede kurzer Unsinn: Man weiß garnix, der Tuner muss es richten.
Ein Dipol gehört über Balun gespeist, wenn eine Seite "Erde" ist, verbrennt man sich am Tuner mächtig die Finger (und wenn man es nicht von Hand tut, verbrennt sich mittelfristig die Elektronik im Tuner die Finger).
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Bastelbruder » Sa 6. Jan 2018, 00:15

Bei allen Drahtantennen ist der Strombauch λ/4 (und ungerade Vielfache davon) vom offenen Ende entfernt. Abhängig von der Länge bis zum Einspeisepunkt ist die Impedanz im Strombauch niederohmig und im Spannungsbauch hochohmig.

Die zweimal 17,5 m sind auf 70 m und den ungeraden Harmonischen resonant und angepaßt. D.h. die Speisepunktimpedanz paßt grob zum Koaxkabel, es treten kaum stehende Wellen auf. Der Strombauch ist direkt am Speisepunkt.

Wenn die Antenne auf 80 verwendet wird, dann wandert der Strombauch ins Koaxkabel und selbiges wird mit stehenden Wellen belastet. Abhängig von der Kabellänge ist der Speisewiderstand auf der Senderseite ziemlich unbestimmt, das ist ein Job für den Tuner.

Die Mantelwellensperre ist für die HF ein mehr oder weniger hoher Widerstand. Der erfüllt seine Funktion im Strombauch hervorragend, im Spannungsbauch eher garnicht. Für die Beurteilung des Strombauchs ist die äußere Drahtlänge ohne Verkürzungsfaktor relevant, Mantelwellen sind hier allerdings kaum zu erwarten wnn der Dipol einigermaßen symmetrisch im Raum hängt. Eine zweite Mantelwellensperre in einigen Metern Entfernung kann diese Frequenzabhängigkeit verringern. Ein paar dicke Ferritklötze an verschiedenen Stellen auf dem Kabel sind jedenfalls nicht schlecht.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon ange12lo » Sa 6. Jan 2018, 00:41

Ein Sprichwort was ich gehört habe sagt Strom strahlt. Nun kann es sein das der tuner im 80m Band die 17.5m draht auf lambda /2 abstimmt und im 160m Band auf Lambda /4 ?
Nun ist aber bei Lambda /2 der Strombauch bei der einspeisung und bei Lambda /4 am ende? Oder ist meine annahme komplet falsch?
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Bastelbruder » Sa 6. Jan 2018, 01:17

Bei 160 verdrückt sich der Strombauch bloß weiter ins Kabel. Je nach Kabellänge guckt er dann unten am Tuner raus, strahlt aber nicht. Aber der Tuner hat was zu tun.

Auf 40 geht die Antenne sehr schlecht, es sind zwar zwei wunderschöne Strombäuche im Freien, aber die Speisung ist hochohmig. Und das Kabel transformiert um seinen dazu garnicht passenden Wellenwiderstand. Im schlimmsten Fall sieht der Tuner 1 Ohm parallel mit 10 nF oder 50 nH. Da geht dann garnichts. Dieser "Transformationsmittelpunkt", das ist auch der Mittelpunkt des Smith-Diagramms, ist mit 50 Ohm ganz einfach unpraktisch. Da schlägt sich die "Hühnerleiter" mit 300..500 Ohm deutlich besser, die paßt zu den durchschnittlich vorkommenden Wellenwiderständen von Drahtantennen.

Warum hat eigentlich der "Raum" eine Impedanz von 377 Ohm? Im Rothammel steht's nicht direkt. Aber der Wert findet sich immer ungefähr in der Mitte der möglichen Speisepunktwiderstände aller Drahtantennen. Komisch?
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Robby_DG0ROB » Sa 6. Jan 2018, 01:34

Vielleicht hilft dieses Tool weiter: http://dl7ahw.bplaced.net/KW_sinus04.exe
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon ferdimh » Sa 6. Jan 2018, 02:26

Warum hat eigentlich der "Raum" eine Impedanz von 377 Ohm? Im Rothammel steht's nicht direkt. Aber der Wert findet sich immer ungefähr in der Mitte der möglichen Speisepunktwiderstände aller Drahtantennen. Komisch?

Dass das 120*pi Ohm sind, weißt du, soweit ich weiß. Die Herleitung musste ich mal runterbeten können, ich gucke mal, ob ichs noch kann (und soweit verkürzt kriege, dass zumindest ich es noch verstehe).
Aufm Kabel ist Z=|U|/|I|=wurzel(L/C). Wir können das nach der Länge ableiten und so mit Induktivitätsbelägen rechnen (Z=wurzel(L'/C'). Das ist im Prinzip Z=wurzel(µ*Beschreibung der Struktur/e*Beschreibung der Struktur). Den gleichen Trick wenden wir jetzt in der Luft an, nur dass wir die Struktur im freien Feld rauskürzen können (warum das so ist, habe ich keine Ahnung mehr). Also Z=wurzel(µ/epsilon). In Luft nehmen wir µ0 und e0. µ0 ist per Definition 4*pi*10^-7. e0*µ0=1/c² liefert uns einen Wert für e0 (e0=1/(µ0c²)). Z ist damit
wurzel(µ0/((1/µ0c²)))
=wurzel(µ0²*c²)
=µ0*c
=4*pi*10^-7*300*10^6
=1200*pi*10^-1=120*pi.

Einheiten:
µ0 hat die Einheit N/A²
c hat die einheit m/s.
1V=1J/As=1Nm/As
[µ0c]=1Nm/A²s=1V/A=1Ω
Das nimmt c=300*10^6 m/s an. Die Aussage, es sei EXAKT 120*pi Ohm (wie z.B. in Wikipedia zu finden) ist da leider falsch, aber oft abgeschrieben. Die Vereinbarung von µ0 spielt da also rein, macht die Zahl aber nicht exakt.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Robby_DG0ROB » Sa 6. Jan 2018, 13:08

ferdimh hat geschrieben:µ0 hat die Einheit N/A²


Newton/Ampere² ist eine mögliche Einheit; Henry pro Meter bzw. Vs/A pro Meter eine andere oder die bekannteste dürfte Voltsekunde pro Amperemeter (Vs/Am) sein.

Das letztere bietet sich meist an, da das "elektrische Gegenstück" epsilon mit 1 Vm/As angegeben werden kann. In die Gleichung für den Feldwellenwiderstand eingesetzt, kürzen sich die Sekunden und Meter weg, übrig bleibt V²/A², daraus die Wurzel und die Feldwellenimpedanz hat die richtige Einheit Ohm hinter dem Betrag von 120 Pi.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Bastelbruder » Sa 6. Jan 2018, 14:00

Super Erklärung, Klasse! Und damit gibt auch der zusammengesetzte Begriff Elektro-Magnetisches Feld einen Sinn.

Ich wollte mit den 377 Ohm eigentlich bloß darauf hinaus, daß der Wert den optimalen Wellenwiderstand für eine Hühnerleiter darstellen dürfte weil sich um diesen Wert scheinbar alle möglichen Antennen-Speisepunktimpedanzen drehen.

50 Ohm ist in der Beziehung einfach unpassend. Was dem Koaxkabel allerdings immer falsch nachgesagt wird, sind die uuhnheimlichen Verluste bei irgendwelchen stehenden Wellen. Tatsache ist, daß nur die bereits vorhandenen Verluste mit dem entsprechenden Stehwellenwert multipliziert werden, die weitaus größeren Verluste sind Anpassungsverluste im Sender oder oft gar im "Antennen Tuner", der korrekt so heißt und nicht Kabeltuner und sich deshalb unmittelbar am Speisepunkt der Antenne befinden sollte.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Robby_DG0ROB » Sa 6. Jan 2018, 15:02

Ist ja auch logisch, denn man muss ja nur dafür sorgen, dass der Sender reele 50 Ohm "sieht". Das an ihn angeschlossene 50 Ohm-Kabel ist bereits korrekt angepasst, also ist es kontraproduktiv, hier durch massive Fehlanpassung oder Unsymmetrien noch Mantelwellen zu generieren, die das ganze Kabel zur Antenne werden lassen, weil die Ströme nicht mehr gegenphasig auftreten. Nur ist es aus praktischen Gründen oft nicht anders machbar, das Anpassgerät direkt an der Antenne zu platzieren, sondern am Ort des Senders bzw. am anderen Ende des Antennenkabels.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon uxlaxel » Do 8. Feb 2018, 00:12

http://www.oppermann-telekom.de/gp300-modelle.html

hat jemand eine ahnung, warum die UHF-version der GP300 zwischen 433 und 438MHz nicht prgogrammiert werden kann oder darf? mit der gehacken software gehts wohl...
auch die "nicht erlaubten frequenzen" im unteren feld erschließen sich mir nicht.

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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon ferdimh » Do 8. Feb 2018, 00:25

In den nicht erlaubten Frequenzen ist u.A. C-Netz enthalten, wie ich das sehe. Damit ist der Grund des Frequenzen verbietens relativ plausibel.
Außerdem halte bei der Lücke technische Gründe für wahrscheinlich: Das Ding hat offensichtlich zwe Bandhälften. Die können sich überlappen, müssen aber nicht. Wenn sich hier nun eine Lücke ergibt, ist da halt eine Lücke (der Frequenzbereich ist für Betriebsfunk eh uninteressant).
Möglicherweise kann man die Filter oder Oszillatoren noch etwas weiter treten als spezifiziert, weswegen man die entsprechenden Kanäle dann doch einprogrammieren kann. Ob das dann noch die Spezifikationen bezüglich Empfindlichkeit und (Spiegel?)Selektion einhält, ist dann ne andere Frage...
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon uxlaxel » Do 8. Feb 2018, 00:47

ok, das mit dem c-netz ist plausibel. die geräte sind ja technischer stand 1992. soweit habe ich jetzt gar nicht mehr gedacht.
aber die lücke zwischen 433 und 438? mit der gehackten software gehen die UHF-geräte von 380 bis 520 oder so zu programmieren. die frequenzen für relaisbetrieb (amateurfunk) liegen auch auch in der ursprünglichen lücke und ließen sich nun so reinhämmern. der relaisbetrieb läuft einwandfrei, ohne zwischenfälle oder auffälligkeiten.
edit: die einzelnen angebenenen frequenzen sind scheinbar wirklich mischprodukte und oberwellen, die das gerät selbst erzeugt und somit auf dieser frequenz nicht sauber arbeiten kann. wieder was gelernt. man ist das voodoo!
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Harry02 » Sa 3. Mär 2018, 13:49

Ich habe mal im Wiki ein paar neue Antennenseiten erstellt, um Licht ins Dunkel des Antennenwaldes zu bringen (auch als Linksammlung für mich selbst): http://www.fingers-welt.de/wiki/index.p ... ntennenbau

Der neue Balun-Artikel kriegt auch noch Bilder. Was mich bei den Balun-Geschichten irritiert: Ein 1:4 Strombalun besteht aus zwei 1:1 Strombaluns, die primär parallel und sekundär in Reihe geschaltet sind. Sollte Mantelwellen also eigentlich unterdrücken. DG0SA schaltet aber immer nochmal einen 1:1 Balun davor.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon ludwig » Sa 3. Mär 2018, 21:20

Ich hab mal den Link zu einer 20 Element Yagi für 2,4GHz, die ich jetzt schon drei mal gebaut habe, ins Wiki eingetragen: http://www.subd.de/13cm_yagi.html
Hab selbige letztens im Antennenlabor der Uni vermessen. S11 sagt bei 2,45GHz etwa -25dB. Richtdiagramm wollte n Kumpel dafür noch erstellen.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon uxlaxel » Sa 3. Mär 2018, 22:44

automatic-tuner haben doch immer ein recht eingeschränkten regelumfang. bringt es dort was, bauschal bei unresonanten endgespeisten (lang)drährten einen 1:9-UnUn vorzuschalten? ich würde den UnUn natürlich wegschaltbar machen. hintergedanke ist, dass der IC-703 ja einen eingebauten autotuner hat, aber sicher nicht mit allem gängigen zurecht kommt.

(für mich) neue erkenntnis:
die ganzen amidon-ringkerne haben eine wilde bezeichnung, aus der man nicht schlau wird. ein befreundeter OM hat mich drauf gebracht. T130-2 = (T) 1:100-Zoll des außendurchmessers - material. also alles was -2 ist, eignet sich für 3,5...30MHz. dabei ist die kerngröße nur relevant für die verluste bzw. die maximal möglich übertragene leistung.
ein T130-2 tut es wunderbar für 100W.
ich bewickle übrigens immer mit telefondrähten, die ich vorher noch mal fest miteinander verdralle.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon uxlaxel » Sa 3. Mär 2018, 22:53

Bild
ein einfacher Balun, 2 Wicklungen in Reihe. Außenleiter des Koax in der Mitte des Trafos, an den Enden je die symmetrische Leitung, an einer Seite zusätzlich die Seele des Koax.


Bild

Dieser Verhau ist etwas umständlicher geworden, vielleicht erkennt man es trotzdem. Balun 1:9 (die eine rote Buchse ist fest 50Ω und die andere 450Ω), mit dem Umschalter kann man "nur" auf den Dummy (kaum zu erkennen der Widerling) umschalten, um auch einfach nur Kabel testen zu können.

Der Trafo hat 3 gleiche Windungen, 1. Kontakt Koaxschirm, 2. Kontakt Koaxseele, 3. Kontakt frei, 4. Kontakt 450Ω-Ausgang


Einen 1:1 Balun vorzuschalten, um Mantelwellen zu unterdrücken, halte ich für Unfug. Wenn dann würde ich bei dem BalUn bzw. UnUn eine separate Wicklung für die Speisung aufbringen, die keine galvanische Verbindung zur Ausgangswicklung hat.

Die Fotos sind nicht sonderlich brauchbar, dennoch dürft ihr die für eure Zwecke und auch für das Wiki gerne verwenden.

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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Harry02 » Sa 3. Mär 2018, 23:14

uxlaxel hat geschrieben:Einen 1:1 Balun vorzuschalten, um Mantelwellen zu unterdrücken, halte ich für Unfug. Wenn dann würde ich bei dem BalUn bzw. UnUn eine separate Wicklung für die Speisung aufbringen, die keine galvanische Verbindung zur Ausgangswicklung hat.


Letzteres funktioniert nicht. Siehe: http://www.wolfgang-wippermann.de/341_343.pdf

Wenn du mit dem 1:9 UnUn eine 450-Ohm Hühnerleiter speisen willst, kommst du um die Mantenwellensperre nicht wirklich herum (auf jedenfall wäre es kein Unfug, eine zu benutzen). Wenn ich es richtig sehe/lese ist der 1:4 auch ein UnUn (2 Wickl. seriell) oder Spannungsbalun (2 Wickl. antiseriell), dann gilt das selbe.

Wo man sich die Mantelwellensperre mMn. sparen kann, ist bei einem 1:4 Strombalun (Guanella-Balun). Beim DG0SA 1:4 Balun ("Guanella auf einem Kern") muss scheinbar trotzdem eine Mantelwellensperre vorgeschaltet werden, die Trennwirkung ist nicht ganz optimal.

Natürlich kann man den 1:1 vornedran auch weglassen, wenn es dann trotzdem noch geht. Aber ich würde nie von einer Mantelwellensperre abraten... schaden tut sie nie (außer die Strahlung der Speiseleitung trägt signifikant zum Antennenwirkungsgrad bei).

Wie zufrieden bist du mit den Eisenpulverkernen? Bei meinen Experimenten waren die nicht besonders breitbandig (also entweder wird das Ding unter 40m ineffizient, oder bei mehr Windungen dann obenraus).
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon uxlaxel » So 4. Mär 2018, 00:01

die Txxx-2 sind ganz brauchbar, ich habe so 10 Windungen drauf. Durch das feste verdrallen der einzelnen Windungen ergibt sich möglicherweise eine bessere Kopplung, als wenn sie nur nebeneinander liegen.
Wie gesagt, 80 bis 10m gehen damit, bei 160m ist er bockig.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon uxlaxel » So 4. Mär 2018, 00:06

Bild

wie sollen bitte bei dieser art von balun mantelwellen mit übertragen werden? ich komme da nicht mit.
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon uxlaxel » So 4. Mär 2018, 00:12

Bild

Das ist übrigens mein universeller Experimentier-Balun mit einem T200-2. Er hat 4 Wicklungen und so kann ich, bedingt wie ich den anklemme, das Ding schalten wie ich will. Bitte ignoriere die vorverdrahtete PL-Buchse, ich speise den über Bananenstecker ein.
Die Telefonklemmen fassen das Flachbandkabel (alte UKW-Leitung), wobei ich keinen unterschied feststellen konnte zwischen 2x 10Windungen bei eins-zu-vier oder 2x 20Wdg.
Scheinbar ist die Windungsanzahl eher unkritisch.
... Einfach probieren und nicht so viel bei anderen Abgucken und sich nen Kopp machen. Das war lange Zeit mein Fehler! Ich mache jetzt einfach und wenn es nicht geht, dann wird umgebaut bzw. umgesteckt. 73!
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Harry02 » So 4. Mär 2018, 00:26

uxlaxel hat geschrieben:Bild

wie sollen bitte bei dieser art von balun mantelwellen mit übertragen werden? ich komme da nicht mit.


Von so einer Konstruktion ist ja normalerweise auch nicht die Rede, wenn man von Baluns/UnUns redet, und hier ja auch nicht (deine sind soweit ich weiß auch nicht wie der gezeichnete).

Ob der gezeichnete funktioniert/nicht funktioniert für Gleichtaktströme kann ich jetzt nicht so genau sagen, aber die, die es ausprobiert haben, sagen, das ist unabhängig von der Gleichtaktunterdrückung kacke: http://www.dl4no.de/thema/sofunkti.htm Zusammenfassung: Das tut nicht mit getrennten Wicklungen, das muss ein Leitungstransformator werden mit parallel Drähten.

Mit resonanter Primär- und Sekundwärwicklung hat DG0SA das getestet, Trennwirkung vorhanden. Nur ist es dann kein Breitbandbalun mehr: http://www.wolfgang-wippermann.de/409_411.pdf

So eine Konstruktion tut also wohl nur, wenn eine der Wicklungen in Resonanz ist (Fuchskreis mit Einkoppelspule) oder besser beide. Dann brauchst du in diesem Fall tatsächlich keine Mantelwellensperre mehr.

Nicht so viel bei den Anderen abgucken ist auch ok, und kann neue Antennenformen zutage bringen oder andere neu erfinden, aber ein bisschen abgucken ist schon sinnvoll (finde ich). Aus selbst gemachten Fehlern, die schon tausendmal gemacht wurden, lernt man zwar vielleicht mehr, aber es kostet auch Zeit (zig Baluns gewickelt und vermessen haben ja schon andere).
Nimm es mir deshalb bitte nicht übel, wenn ich für die anderen Mitleser darauf hinweise, dass Eisenpulver bei mir und anderen nicht alle Bänder abdeckt (je nach dem, was man an Dämpfung toleriert - bei QRO kann einem bei zuviel Toleranz schonmal Kern hoch gehen).
Der Vorteil von Eisenpulver ist, dass es schwieriger in die Sättigung zu bekommen ist. Der Nachteil, dass man möglicherweise Abstriche bei der Bandbreite machen muss. Ich hab auch einen T200 1:9 UnUn, und der funktioniert auch, nur halt nicht überall. Nachdem das bei dir besser geht, werd ich den mal neu wickeln.

Und genauso mit der Mantelwellensperre: Man kann sie natürlich konsequent weglassen, und irgendwann feststellen, dass manche Antennen sich abhängig von Aufbauhöhe und Kabellänge völlig unterschiedlich verhalten. Und daraufhin konsequent einfach bei jeder wieder eine Sperre einbauen... dann muss man sich keine Gedanken mehr machen*.
Allerdings ist es ja auch oft so, dass man es gerade eben nicht merkt, dass sich eine Antenne komplett unterschiedlich verhält (liegt es jetzt an den Bedingungen oder am Strahlungsdiagramm, dass ich dort-und-dort nicht hinkomme?). Das kann man jetzt pro oder contra auslegen. Wenn man es eh nicht merkt, ist es ja eigentlich egal. Ich will aber definierte Verhältnisse, und nicht heute einen Flachstrahler und morgen einen Steilstrahler (um mal die Extreme herauszupicken).

Bei einer echten Groundplane sind Mantelwellen z.B. völlig egal (sofern das Funkgerät damit klarkommt), wenn das Kabel erdnah verläuft. Bei einer Groundplane auf einem Mast mit l/4 Radialen sieht das wieder anders aus.
Hier gibt es einige anschauliche Strahlungsdiagramme verschiedener Antennen bei verschiedenen "Mastlängen" (gleichbedeutend mit Kabellänge und Höhe bei nichtleitendem Mast): https://www.w8ji.com/end-fed_vertical.htm
https://www.w8ji.com/ground_plane_verticals.htm


*Was habe ich mich schon geärgert, dass ich irgendwo in der Pampa war, und die Kiste hat auf AM und insbesondere SSB nur rückgekoppelt, gepfiffen und gebrabbelt. Mal mit ner Groundplane, mal mit ner J-Antenne. Dann steht man da und will funken - das bisschen Koax mal so, mal so aufgewickelt, das Mikrofonkabel gewickelt, mit kapazitiver Hand-Kopplung experimentiert, beide mic-gain-Potis runter, Gerät irgendwie versucht zu erden, Alufolie ums Mikrofon gewickelt... manchmal hats geholfen.
Also kurz gesagt: Nicht bei erfahrenen Leuten abgucken habe ich beim Thema Mantelwellensperre bereits hinter mir.
Der FT857 ist zum Glück viel unempfindlicher, man wird es fast nie merken, wenn die Speiseleitung mitstrahlt.

*deaktiviert die ehemals illegale Dauer-PTT-Taste*
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Re:Voodo- Oszillator: Ihr werdet nicht glauben, was passiert

Beitragvon Kuddel » Mo 23. Apr 2018, 19:24

Oszillatoren - ein Erfahrungsbericht
Da denkt man, man ist so´n büschen elektronisch bewandert. Man hat ja auch ein paar Scheine im Berufsleben erworben, denn noch so´n AFU-Schein. Und gaaan viele Transistoren, Kondensatoren und.. Ach, ganz viel. Also endlich mal losgelegt. Ich baue mir einen Oszillator. Frequenzmäßig gaanz langsam anfangen, und dann hochschrauben. Mal gucken, bis zu welcher Frequenz ich so komme. Anfangen bei khz. Ziel irgendwann dann Ghz :D
Erstmal die Bastelkiste rausholen. Und wir kommen zum Fazit 1:
- Alle meine Transitoren starten mit der Bezeichnung BC... Also nix mit HFmäßigen Überfliegern.
- Alle meine Kondensatoren sind zumeist 100nF Folienkondensatoren .
- Die meisten meiner Induktivitäten dienen zum Entstören.

Okay, egal. Also Klemmbrett rausgeholt, und den ganzen Kram nach Colpitt raufgesteckt:
Bild->zoom
Angefangen bei so 450 kHz. Hat ewig gedauert, weil diese blöden kleinen Kondensatoren kaum zu entziffern sind. Transitorsuche ebenfalls. Ist auch schwer, wenn halt nur BC547 in der Box sind. Oder BUZ11 :lol:
Dann merke ich, das meine Elektronikkentnisse im digitalen Bereich zwar möglicherweise recht gut sind, dieses HF-Getüddel hingegen...weia.
Fazit 2:
Mit der obigen Schaltung bin ich bei 13 Mhz angekommen. Mehr ging nicht. Klar, son Klemmbrett ist ja nicht besonders HF-gerecht. Aber das ganze fand ich trotzdem recht enttäuschend. Heute versuche ich, die 50 Mhz zu knacken. Ich habe da noch Kondensatoren aus nem alten Diehl Combitron, und meine alten Bücher "Minispione".

Daher hier zwei Fragen:
a) wie baut Ihr sowas auf, jenseits der 100 Mhz? Lötinseln? SMD?
b) Gibt es passende Fachliteratur oder Webseiten?
Gruß
Kuddel
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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Roehricht » Mo 23. Apr 2018, 19:50

Hallo,

Aber der Tuner hat was zu tun.

Deswegen heisst er ja auch Tuner :mrgreen:


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Re: Voodo - Die Lizenz zum Senden

Beitragvon Bastelbruder » Mo 23. Apr 2018, 20:48

Hundert Megahertz sind mit einem BCxx7..9 realisierbar. Das Problem liegt eher daran, daß im Transistorchip diverse Kondensatoren versteckt sind, die man kreativ in die Schaltung einbringen muß.
Beachtenswert sind primär die beiden Sperrschichten, die als Kapazitätsdioden für - ähem - FM-"Prüfoszillator" auch praktisch nutzbar sind. Kapazitätsdioden haben bekanntermaßen eine mit zunehmender Sperrspannung zunehmende Sperrschichtdicke, die Kapazitäten werden in den Transistordatenblättern oft nur bei 5 oder 10 Volt angegeben. Und so werden stellvertretend für die gesamte Transistorfamilie beim BC108 (ausnahmsweise ein ziemlich vollständiges Datenblatt mit allen relevanten Kurven) aus 3,5 pF zwischen Basis und Kollektor bei kleinerer Spannung geschwind 7 pF und aus 8 pF (bei 0,5 V) Basis - Emitter schonmal ziemlich totgeschwiegene 25 pF wenn die Kapazitätsdiode in die leitende Richtung vorgespannt ist. Wenn der Oszillator mit diesem C_BE dann angeschwungen ist, verschiebt sich der Arbeitspunkt in Richtung kleinerer Kapazität, aber er muß erstmal anschwingen...
Die höchste nutzbare Frequenz ist natürlich auch vom Strom abhängig, mit 10 mA und 3 Volt sollten alle gängigen BC-Transistoren die verbreitete Prüfsender-Standardschaltung mit Leben erfüllen. Das geht so weit daß beispielsweise ein RC-NF-Phasenschieberoszillator seinen Sinus gleichzeitig im Werkstattradio verbreitet. Ist mir zumindest mal passiert. Oder daß ein diskreter Low-Drop-Spannungsregler auf UKW sendet. Beide Male hat die Verdrahtung zwischen Basis und Kollektor als Schwingkreisspule fungiert, Kondensator die dortige Kapazitätsdiode und die Rückkopplung war von Kollektor zum Emitter.
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