Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Der chaotische Hauptfaden

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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Propeller » Sa 8. Okt 2016, 14:41

So, nun habe ich den ganzen Kram mal in Betrieb genommen und erwartungsgemäß läuft es nicht. :(
Die vorgesehene Sicherung 0,2A fliegt sofort beim Einschalten (mit kalten Röhren) Ich habe sie durch ein 1A- Exemplar ersetzt.
Die Röhren heizen und man hört es deutlich brummen. Die Gitarre ist nicht hörbar. Nach einer Minute hört man plötzlich beängstigende Knack- und Bratgeräusche aus dem Lautsprecher und das Gitarrensignal wird verstärkt. Innerhalb von 5 Sekunden wird es dann jedoch immer leiser und stirbt dann ab. Das Spiel wiederholt sich dann ca. alle Minute.
Hier nochmal der Schaltplan (Brückengleichrichter durch EZ80 ersetzt):
Bild->zoom
Die Spannung hinter der Gleichrichterröhre beträgt 346V.(344 lt. Plan)
Dort, wo R21 und R26 zusammenlaufen, messe ich 339V (statt 331V)
Das sollte wohl ok. sein, aber jetzt kommt's: Dort, wo R9 und C10 zusammenlaufen, schwankt die Spannung langsam zwischen 270 und 339V hin und her (Sollwert: 289V)
Ebenso messe ich zwischen Kl.3 der 1. ECC83 und Masse über 200 V. (statt 1V).
Was kann das sein??
Ich habe die gesamte Verdrahtung mehrmals systematisch überprüft und keinen Fehler entdecken können.
Die einzigen Modifikationen sind:
- R22 hat ca.9,2k (statt9,1k)
- C18 hat 440pF (statt 470)
- C17 ist nicht bipolar. Ich habe die Plusseite an die Röhre und Minus an Masse gelötet.

Ich habe jetzt stundenlang gesucht und bin ziemlich frustriert.
Für jeden Hinweis bin ich echt dankbar.

beste Grüße
Peter
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Bastelbruder » Sa 8. Okt 2016, 15:39

200 V an R3 sollten den ernsthaft zum Schwitzen bringen und C1 zum Kochen. Ist da (Punkt B17) vielleicht die Verbindung zur Masse verlustig gegangen?
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon andreas6 » Sa 8. Okt 2016, 16:15

R3 ist vermutlich hochohmig. Das bringt C1 zum Kochen, bis der anfängt zu leiten. In dem Fall ersetzt er den fehlenden Widerstand durch eigene Brodel-Zufallswerte. Fass mal den C an (spannungslos!), er dürfte mehr als warm sein. Und ersetzte ihn, solche Kochvorgänge mögen Elkos gar nicht.

MfG. Andreas
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Propeller » Sa 8. Okt 2016, 17:30

Danke!
Ich werde R3 gleich mal durchmessen gehen.
Was fehlte, war die Verbindung von F5 nach Masse. Nachdem ich die nochmal separat hergestellt hatte, lief das Ganze schon fast gut.
Ich messe gleich mal alle Spannungen durch und melde mich wieder.
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon andreas6 » Sa 8. Okt 2016, 17:44

Bei solchen Aufbauten bringt es einigermaßen Sicherheit, wenn man die Verdrahtung vor der Inbetriebnahme mal durchmisst. Durchgangsprüfer und die Masse- und Speiseschienen durchklappern, ob sie mit allen notwendigen Punkten der Schaltung niederohmig verbunden sind. Erst dann Spannung rauf geben. Gerade bei der offenen Verdrahtung kommen Schaltfehler ziemlich oft vor. Da reicht ein nicht angelöteter, aber in die Öse gesteckter Draht aus, die wildesten Effekte zu produzieren.

Ich habe mal einen Tongenerator geerbt, der nie richtig spielen wollte, immer wieder aus ging. Beim Austausch der alten Kaltgerätebuchse gegen eine heute übliche Bauart fiel mir ein nicht angelöteter Draht an der alten Kaltgerätebuchse auf. Der Fehler wurde schon bei der Herstellung (vor 50 oder mehr Jahren) eingebaut.

MfG. Andreas
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Roehricht » Sa 8. Okt 2016, 23:14

Hallo,
die erste inbetriebnahme nach Sichtkontrolle und checken ob alle Drahte und Verbindungen richtig gelötet sind und das Ganze OHNE Röhren.
Dann an den Röhrenfassungen messen ob Heizspannung und Anode /Schirmgitter an den richten Pinsen dran sind. Erst dann mit Röhren in Betrieb nehmen.

Wenn es komische Sachen macht, den Amp erstmal ohne die zusätzliche Zerrstufe betreiben. . Da heisst den Schalter hinter der Eingangsröre direkt zum Tone Stack durchschalten, Wenn alles richtig ist muss eine angeschlossen Klampfe aus dem Lautsprecher Töne von sich geben.
Bei Pfeiff Quietsch und Grummelgeräusche kann die Gegenkopplung phasenfalsch angeschlossen sein, dann muss man die Anschlüsse einer Wicklung am AÜ tauschen.

Knistern und gruscheln konnen defekte Kondensatoren oder Widerstände sein. Aber auch ein kalter Bauer ( kalte Lötstelle).

Auch neue Röhren können defekt sein. Mal andere Röhren nehmen.

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Wolfgang
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Propeller » So 9. Okt 2016, 10:54

Moin, aalso:
- R3 ist in Ordnung und es erwärmt sich auch nichts auffällig.
- Ohne Zerrstufe funktioniert der Verstärker recht gut, klingt aber etwas mumpfig. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann sind C2 und R6 für die Höhen zuständig, oder?
- Wenn ich etwas lauter drehe, höre ich das Brummen (Die Heizungsleitungen sind noch nicht umverlegt) und ein rhythmisches Knacken, ziemlich genau im Halbsekundentakt.
- Mit Zerrstufe kann ich P3 und P4 nur sehr vorsichtig kombiniert betätigen. Wenn beide knapp zur Hälfte aufgedreht sind, dann entsteht ein Motorgeräusch, dessen Frequenz sich mit P4 einstellen läßt.

Ich habe mal alle Spannungen durchgemessen und einige davon weichen recht deutlich ab.
Daher würde ich mich freuen, wenn Ihr mir sagt, welche davon korrigiert werden müssen (und ggf. wie)
Hier mal die Werte (Sollwert gemäß Schaltplan in Klammern)

Röhre V1:
Kl.3: 1,65V (1,0V)
Kl.6: 177V (200V)
Kl.8: 1,56V (1,3V)
Röhre V2:
Kl.1: 272V (278V)
Kl.3: 3,8V (3,25V)
Kl.8: 1,66V (1,35V)
Röhre V3:
Kl.7: 331V (298V)
Kl.9: 302V (273V)
Kl.2: 10,5V (15,7V)

Röhrenheizung: 7,1V (habe sofort abgeschaltet, als ich das gemessen habe.)

Ich hätte jetzt die Korrekturen der Widerstandswerte bzw. den Vorwiderstand des Heizkreises mit der Spannungsteilerformel berechnet - nur leider scheitert der Plan am unbekannten Gesamtwiderstand bei betriebswarmem Gerät...

Wie weiter? Trial and error? :oops:

Beste Grüße
Peter
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon ferdimh » So 9. Okt 2016, 14:02

Aaaaalso:
Das Knacken könnte dein (geregeltes) Brateisen sein, der ins Stromnetz einkoppelt.
was man daraus sonst noch rauslesen kann:
Die Spannungen sind doch alle im Rahmen (nachm Nachrechnen: Im gegensatz zu denen, die im Schaltplan stehen!)
Deine ECC83 sind etwas kräftiger (oder in besserem Zustand) als die der Schaltplanquelle, deswegen ziehen die alle etwas mehr Strom. Das passt trotzdem.
Die EL84 zieht bei dir 43mA. Das sind an 330V 14W Verlustleistung. 12W sind Maximum. Damit ist die Endröhre zwar ein bisschen überlastet, aber das bringt keinen um. Der gemessene Wert passt außerdem zu den Kennlinien der EL84 von Mullard.
Bei den gemessenen Werten gingen sogar 20W in der EL84 weg. Das wäre langsam aber sicher ziemlich tödlich für die Röhre... Ich kann mir auch eine derartige Abweichung der Röhredaten in Richtung "mehr Strom" nicht vorstellen. Entweder stimmt da ein Widerstandswert nicht, oder (wahrscheinlicher) war die Endröhre entweder keine EL84 oder es wurde einfach Mist gemessen.
Auch bei den ECC83 passen die von dir gemessenen Werte (eine vollständige Liste wäre handlicher) zu denen von ausm erstbesten Datenblatt (Hier Philips).
Wegen der Heizspannung: Mach dir mal nicht ins Hemd, das tut schon. Viele Röhrenradios kriegen das auch ab, weil sie an 230-240V laufen müssen. Auch hier sind alle Spannungen etwa 10% zu hoch - hast du vielleicht einfach sehr hohe Netzspannung?
Wenns denn unbedingt sein muss, würde ich 0,3Ω/1W vor den Heizkreis hängen. das sollte bei den gegebenen Heizströmen etwa passen (0,7A EL84+2x0,3A ECC83).
Die Höhen sollten mit P2 einstellbar sein.
Wegen der Rückkopplung der Zerrstufe: C10 ist aber auch wirklich vorhanden und in gutem Zustand? Ich würde da mehr Kapazität dagegenwerfen (100µ, zum Testen einfach dazulöten), und gucken wie sich das Verhalten verändert.
Eine weitere Rückkopplungsmöglichkeit wäre am Lead/Clean-Relais zu suchen.
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Bastelbruder » So 9. Okt 2016, 17:33

Wie ferdimh schon geschrienen hat, die Spannungen sind alle im Rahmen. Auch die Heizspannung, die von der Betriebsspannung im 6 V-KFZ abgeleitet wurde. 7,2 V ist eher der mittlere Regelwert der "Licht"maschine.

Das Motorgeräusch - Fachleute nennen diese über-Alles-Rückkopplung Motorboating. Das kommt grob dadurch zustande daß der aktive Verstärkerzweig eine niedrigere Grenzfrequenz aufweist als die Siebung der Versorgungsspannung. Da sind ziemlich sicher irgendwelche Koppelkondensatoren etwas zu groß geraten. Hier ist C13 für 7 Hz bemessen, so ein Krampf! Die tiefste Frequenz aus einer Bassgitarre ist 32 Hz. Und die kommt hinten am Verstärker erst dann raus wenn auch der Ausgangstrafo mitmacht. Bei 7 Hz stellt der jedenfalls fast einen Kurzschluß dar und die "Ausgangsleistung" pflanzt sich durch die Anodenspannung bis zur Vorstufe fort. Und dann blubbetrt das Boot. Der Kondensator ist mit 10 nF reichlich, mit 5 nF optimal bemessen. Dann hört die Blubberei auf.

C5 und C7 sind für unter 5 Hz bemessen, da reichen 5 nF.
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Propeller » So 9. Okt 2016, 19:06

ferdimh hat geschrieben:Das Knacken könnte dein (geregeltes) Brateisen sein, der ins Stromnetz einkoppelt.

Im Umkreis von 5m war kein weiteres elektrisches Gerät in Betrieb. Auch nicht das Brateisen.
Die EL84 zieht bei dir 43mA. Das sind an 330V 14W Verlustleistung. 12W sind Maximum. Damit ist die Endröhre zwar ein bisschen überlastet, aber das bringt keinen um. Der gemessene Wert passt außerdem zu den Kennlinien der EL84 von Mullard.
Bei den gemessenen Werten gingen sogar 20W in der EL84 weg. Das wäre langsam aber sicher ziemlich tödlich für die Röhre... Ich kann mir auch eine derartige Abweichung der Röhredaten in Richtung "mehr Strom" nicht vorstellen. Entweder stimmt da ein Widerstandswert nicht, oder (wahrscheinlicher) war die Endröhre entweder keine EL84 oder es wurde einfach Mist gemessen.

Wie kann ich diese Verlustleistung errechnen?
An einen Meßfehler glaube ich eigentlich nicht. Es wurde mit einem kalibrierten Tischmultimeter (digital) gegen Masse gemessen.
Welcher Widerstand käme ggf. in Betracht?
Die Höhen sollten mit P2 einstellbar sein.

Das funktioniert schon, aber mir ist das obenrum noch etwas zu dünn.
Wegen der Rückkopplung der Zerrstufe: C10 ist aber auch wirklich vorhanden und in gutem Zustand? Ich würde da mehr Kapazität dagegenwerfen (100µ, zum Testen einfach dazulöten)

Ds habe ich mal gemacht und eine deutliche Verringerung der Nebengeräusche erreicht.
Bastelbruder hat geschrieben:Wie ferdimh schon geschrienen hat, die Spannungen sind alle im Rahmen. Auch die Heizspannung, die von der Betriebsspannung im 6 V-KFZ abgeleitet wurde. 7,2 V ist eher der mittlere Regelwert der "Licht"maschine.

Da bin ich beruhigt und daß der Wert der Heizspannung aus dem KFZ- Bereich stammt ist interessant. Wie haben die die Anodenspannung im Auto erzeugt?
Das Motorgeräusch - Fachleute nennen diese über-Alles-Rückkopplung Motorboating. Das kommt grob dadurch zustande daß der aktive Verstärkerzweig eine niedrigere Grenzfrequenz aufweist als die Siebung der Versorgungsspannung. Da sind ziemlich sicher irgendwelche Koppelkondensatoren etwas zu groß geraten. Hier ist C13 für 7 Hz bemessen, so ein Krampf! Die tiefste Frequenz aus einer Bassgitarre ist 32 Hz. Und die kommt hinten am Verstärker erst dann raus wenn auch der Ausgangstrafo mitmacht. Bei 7 Hz stellt der jedenfalls fast einen Kurzschluß dar und die "Ausgangsleistung" pflanzt sich durch die Anodenspannung bis zur Vorstufe fort. Und dann blubbetrt das Boot. Der Kondensator ist mit 10 nF reichlich, mit 5 nF optimal bemessen. Dann hört die Blubberei auf.
C5 und C7 sind für unter 5 Hz bemessen, da reichen 5 nF.

Danke! Das werde ich dann gleich morgen noch ändern. Der Verstärker hat übrigens auch einen etwas unangenehmen Halleffekt, der vermutlich mit dem "Motorboating" zu tun hat. Verschwindet der bei diesen Maßnahmen gleich mit?

Ich habe den Verstärker bem letzten Test eben auf eine Blechplatte gestellt, die später auch den Unterboden des Chassis bilden wird. Wenn ich das (minderwertige) Gitarrenkabel abziehe, dann kommt auch bei hoher Lautstärke praktisch gar kein Netzbrummen durch. Liegt das am dann kurzgeschlossenen Eingang oder hatte ich tatsächlich Glück mit der Verkabelung? :lol:

Danke nochmal und beste Grüße
Peter
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon ferdimh » So 9. Okt 2016, 20:20

Wie kann ich diese Verlustleistung errechnen?
An einen Meßfehler glaube ich eigentlich nicht. Es wurde mit einem kalibrierten Tischmultimeter (digital) gegen Masse gemessen.
Welcher Widerstand käme ggf. in Betracht?

Ich stelle nicht deine Messung in Frage, sondern die des Autors des Schaltplans. Deine Messung ist im gegensatz zu seiner plausibel.
Die Verlustleistung errechnet sich ganz einfach:
Bei leisem Verstärker (Ausgangsleistung 0) ist alle Eingangsleistung Verlustleistung. Aller Strom der durch die Röhre fließt, fließt auch durch den Kathodenwiderstand. Nach Ohm folgt aus der Spannung am Kathodenwiderstand (10,5V) ein Strom von 43,75mA. (10,5/240). Daraus folgt, dass durch den Apparillo 43,75mA fließen, der Schirmgitterstrom ist vernachlässigbar klein. Also wird an der Röhre näherungsweise die Betriebsspannung minus die Spannung an der Kathode (320V) mal der Anodenstrom (43mA) verheizt. Daraus folgt aus P=U*I, das rechnerisch 13,76W verheizt werden.
Da bin ich beruhigt und daß der Wert der Heizspannung aus dem KFZ- Bereich stammt ist interessant. Wie haben die die Anodenspannung im Auto erzeugt?

Entweder ein Zerhacker (schnarrendes Relais)+Trafo oder ein rotierender Umformer. Bei ECCs kann man die Heizfäden außerdem in Reihe klemmen für 12V-Betrieb.
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Propeller » Mo 10. Okt 2016, 18:08

So,
ich habe mich gleich mal ans Werk gemacht und die drei fraglichen Kondensatoren ausgetauscht.
Das ist der große Vorteil der Lötleisten: Man kann wie in einem Experimentierkasten im Nu die einzelnen Komponenten ändern. Da ich nur 10nF hatte, habe ich zunächst diese verwendet. Der Erfolg war durchschlagend: Das "Motorboating" ist weg und der Klang hat sehr deutlich an Tiefen eingebüßt. Das ist aber in Ordnung so, denn es war einfach zuviel Bass.
Jetzt gilt es nur noch herauszufinden, wo der Halleffekt herkommt. Da die Blechgitarre (war meine erste) sehr zur Mikrofonie neigt, vermute ich fast, daß es daran liegen könnte, zumal mein Klinkenkabel in der Werkstatt recht kurz ist.

Auf jeden Fall freue ich mich sehr, daß es mir gelungen ist, das Ding zum Laufen zu kriegen.
Vielen Dank an alle Beteiligten! Der Lerneffekt ist sehr groß. :)

Hier nochmal das aktuelle Innenleben mit noch unveränderten Heizleitungen und provisorischer Entbrummung:

Bild

Ich muß mich noch nach einem geeigneten 3-fach-Umschalter umsehen, den ich dann als Impedanzwahlschalter einsetzen kann. Ich mag die Kabel vom Übertrager nicht einfach wegkneifen oder hochbinden.
Nebenbei: Ich habe mal die Spannung von Lade- und Siebelko beobachtet: Nach dem Ausschalten fällt sie innerhalb ca. 3 Sekunden auf ungefähr 30V und dann nach weiteren 10 Sekunden auf 0. Ich glaube, ich verzichte da auf weitere Sicherheitsmaßnahmen.

Der Test mit dem Lautsprecher meines GA-5:

Bild

Wenn der Verstärker komplett fertig ist, wird der GA-5 komplett entkernt und bekommt ein neues Innenleben. :D

beste Grüße
Peter
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Gobi » Mo 10. Okt 2016, 20:30

Cool! Ab wann nimmst Du Bestellungen entgegen :mrgreen:
Was mich zuerst interessieren würde, ist der Klang, wenn Du die Endstufe aufdrehst - ist für mich das entscheidende bei so einer Kiste, zerrt das schön oder hässlich?

Der Hallefekt kann ja wirklich fast nur vom Kanister kommen? Das müsste sich durch heftiges Pfeifen bemerkbar machen, wenn Du aufdrehst.
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Propeller » Fr 14. Okt 2016, 11:59

Moin,
clean ist der Klang für meinen Geschmack recht gut. Mit der Verzerrung bin ich noch nicht zufrieden. Zum Einen ist sie mir noch nicht "brutal" genug (Das muß richtig sägen!) und zum Anderen klingt das in Verbindung mit dem Halleffekt scheiße. Ich bin aber recht optimistisch, daß ich das noch in den Griff bekomme. Letztendlich habe ich ja auch noch nicht den endgültigen Lautsprecher und kein Gehäuse...
Heute Nachmittag werde ich das Ding mal noch ein Bißchen befummeln.
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Propeller » Sa 29. Okt 2016, 14:27

Das Gehäuse ist nun bis auf die Frontplatte fertig.
Nach einigem Überlegen habe ich doch keinen Combo draus gebaut. Mir war einfach der tolle Lautsprecher zu schade, um ihn nur für den einen Verstärker nutzen zu können. Er bekommt ein Extragehäuse.

Einige Schönheitsfehler bestehen noch:
- dreht man die Laustärke hoch und spielt die Klampfe nicht an, so hört man ein leises, unregelmäßiges Knacksen, welches fast genau wie Staub auf einer Schallplatte klingt. Was ist das?
- Vorhin habe ich im unteren Bereich der EZ-80 einen blauen Funken überspringen sehen, der sich als lauter Knacks bemerkbar gemacht hat. Das Phänomen ist später nicht mehr aufgetreten. Handelt es sich um einen Fehler in der Röhre oder kann es an der Schaltung liegen? :shock:

Bild

Bild

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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Bastelbruder » Sa 29. Okt 2016, 19:23

IGORustikales Gehäuse, mit Porzellatorfüßen - das würde ich so lassen!
Und die Frontplatte ist doch gut so - ist das eine Acrylglasscheibe aus der Dusche?

Zum Knacken: einfach mal den Eingang kurzschließen. Oder die Anode der ersten Röhre mit 100nF (Spannung beachten) nach Masse.
Das kann auch vom Netz kommen. Oder von der Glimmlampe

Der blaue Blitz sollte nicht sein, war der außen oder im Gleichrichter?
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Propeller » Sa 29. Okt 2016, 19:40

Danke! :P
Das ist mattiertes Glas von einer A3- großen Urkunde, die ich mal bekommen habe. Die Scheibe soll ja auch bleiben. Es geht nur um den unteren Teil mit den Knöpfen. Dort soll noch eine Aluplatte zwischen Chassis und Stahlrahmen.
Der Funke war definitiv innerhalb der Röhre, ca. 15mm über dem Sockel. :shock:
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Propeller » So 20. Nov 2016, 19:13

So, nun habe ich das Ding fertig - soweit man überhaupt jemals von "fertig" reden kann. Am Ende wird wohl doch immer mal wieder was verändert werden.
Die Frontplatte besteht aus Aluminium (Stück abgebrochener Tragschrauber- Rotormast :) ) und ich habe sie nach diversen Experimenten mit meinem neuen Graviergerät halbwegs graviert bekommen. Zunächst habe ich mich gefragt, wieso bei diesem Schriftsatz das "V" als einziger Buchstabe Serifen hat. Später beim Sortieren der Buchstaben fand ich dann heraus, daß ich die römische "5" statt des "V" erwischt hatte. :roll:
Als Lautsprecherbox habe ich dann kurzerhand ein ausgeschlachtetes Röhrenradio mit einer neuen Frontplatte aus Massivholz versehen, diese neu bespannt und den fast 35cm großen Lautsprecher gerade so darin unterbekommen. Als Rückwand dient Sperrholz. Seitlich sind 2 ca. 10 x 20cm große Bakelitgitter, hinter denen sich ursprünglich 2 Hochtöner befunden hatten. Diese dienen nun als "Ausgleichsöffnungen". Mit dem Klang bin ich recht zufrieden.

Bild

Danke nochmal an alle, die geholfen haben!
beste Grüße
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Gobi » So 20. Nov 2016, 19:38

Geil! das mit dem Radio musst Du noch mal ein wenig näher erläutern, konntes Du da tatächlich den kompletten Orignal Ausschnitt nutzen? (Wie hieß das Radio noch mal original? - dann kann ichs mir wohl selbst erklären)
Die Graviermaschine hatle mal schön fest, da komme ich noch drauf zurück!
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Propeller » So 20. Nov 2016, 19:47

Das Radio war ein "Juwel 2".
In der Front war nochmal ein Rahmen eingeleimt, der leicht nach innen zur Mitte schräg gestellt war. Unten war dann die Skalenscheibe, in der oberen Hälfte eine Stoffbespannung für den originalen Lautsprecher. Den Rahmen habe ich herausgernommen und eine einzige, gerade Frontplatte angefertigt. Diese habe ich mit Stoff (von Fender) bespannt, den Rand mit Tesa- Moll abgepolstert und das Ganze mit ein paar Holzschrauben verschraubt.
Vom Bauprozess habe ich keine Bilder gemacht und ich hoffe, meine Beschreibung war halbwegs verständlich.
Das mit dem Gravieren ist kein Thema - allerdings ist das Ergebnis noch nicht ganz perfekt.
beste Grüße
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Gobi » So 20. Nov 2016, 23:59

Ah! Das ist natürlich genial, wenn sich der Rahmen rausnehmen lässt - das dürfte in der Regel eher nicht möglich sein.
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon video6 » Mo 21. Nov 2016, 10:49

Daher war mir die Form der Box so bekannt vorgekommen.
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Spike » Mo 21. Nov 2016, 13:01

Goil !
Das ist ja echt ein Hingucker geworden !
Nur zu den "Ausgleichsöffnungen" habe ich noch eine Anmerkung, weil Du mit dem Klang ja auch nur "recht" zufrieden bist: Mach die mal zu (Test mit Pappe oder so...). Du erhältst da sonst einen partiellen akustischen Kurzschluss, der (wenn auch nur bei bestimmten Wellenlängen) den Gesamtklang zerlegt. Die Rückwand kannst Du eigentlich offen lassen, war ja bei dem Originalradio auch so...
Nochmal: Chapeau !!!
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Name vergessen » Mo 21. Nov 2016, 16:06

Ähm, whut? Löcher in der Seite sind schlecht, aber Rückwand offen ist kein Problem? Kann ich mir von dem, was ich bisher gelesen habe, nicht so recht vorstellen... das müßte doch genau derselbe AK sein, egal, wo das Loch ist... :?:

BTW: "Oelfinger", haha :lol:
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Re: Gitarrenverstärker frisieren für Anfänger

Beitragvon Spike » Mo 21. Nov 2016, 22:53

Name vergessen hat geschrieben:Ähm, whut? Löcher in der Seite sind schlecht, aber Rückwand offen ist kein Problem? Kann ich mir von dem, was ich bisher gelesen habe, nicht so recht vorstellen... das müßte doch genau derselbe AK sein, egal, wo das Loch ist... :?:

Hm. Die Seitenlöcher begrenzen die "Schallwand"", von dem der Lautsprecher abstrahlt auf die Länge des ersten Einschnitts im Seitenteil. Dachte ich. Wenn man dazu noch hinten "zu" macht, gibt man der 30cm Pappe zu wenig Volumen und das Gehäuse atmet aus besagten Löchern. Ist aber auch nur meine Meinung. Meistens macht da eher Versuch klug. Die Radios standen ja oft sehr nah an der Wand, damit war das mit der Gesamtabstrahlfläche eh fast unendlich :-) Nur mal für mich: Was ist der AK ?
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