Lautsprecher drosseln

Der chaotische Hauptfaden

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Lautsprecher drosseln

Beitragvon Propeller » Do 26. Jan 2017, 10:11

Moin,
da eine Gitarre am Röhrenverstärker ja leider nur richtig fett klingt, wenn man ordentlich Gas gibt und mein Umfeld noch nicht restlos von meinem Talent überzeugt ist, bin ich auf der Suche nach einer Möglichkeit, einfach einen Teil der Verstärkerleistung zu verheizen und auf diesem Wege die Lautstärke zu reduzieren.
Einfach mit einen 4 Ohm- und einen 8 Ohmwiderstand die Lautstärke halbieren leuchtet mir ja ein - aber kann man sowas auch regelbar bauen?
Besten Dank schonmal!
beste Grüße
Peter
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon Fritzler » Do 26. Jan 2017, 10:22

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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon duese » Do 26. Jan 2017, 10:24

Lautstärkeregeleung mit einem Last-Poti. Sowas gibts auch fertig als Lautstärkeregler. (So einer müsste sogar noch irgendwo bei mir rumliegen...)
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon Propeller » Do 26. Jan 2017, 10:30

Aber ich brauche doch einen Gesamtwiderstand bzw. Impedanz von genau 8 Ohm. Mache ich da nichts kaputt bzw. verändere den Klang, wenn ich da einfach einen Poti dazwischen hänge?
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon ferdimh » Do 26. Jan 2017, 11:29

Zum Thema "genau 8 Ohm" sei diese Grafik mit Frequenzgang und Impedanzverlauf eines "8-Ohm"-Lautsprechers angebracht:
Bild
Das Poti zur Lautstärkeregelung hat einen Haken: Wenn man es fast nicht aufdreht, sieht der Lautsprecher nicht mehr den (hochohmigen) Verstärker, sondern das (niederohmige) Poti. Das verändert den Klang ganz erheblich.
Es macht daher Sinn, ein Poti der 20Ω-Größenordnung zu verwenden und "falschrum" anzuschließen, also Verstärker an den Schleifer, Lautsprecher an die Enden.
So wird der Lautsprecher immer relativ hochohmig versorgt, der Betrieb in einem Kurzschluß macht einem kleinen Röhrenverstärker nichts aus (Wenn man ganz viel Sorgen hat, kann man noch 5 Ohm vorschalten):
Bild
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon sysconsol » Do 26. Jan 2017, 12:09

Zu einer Impedanz gehört üblicherweise eine Frequenz, wo diese Impedanz dann gilt.
In der Audiotechnik ist f=1kHz üblich.

Bei einem Transistorverstärker sind die 5 Ohm Pflicht.
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon Gobi » Do 26. Jan 2017, 12:54

Power-Soak_web.jpg

Ich habs so gemacht, Werte müsste ich noch mal nachsehen, keine Ahnung, warum ich die nicht dazu geschrieben habe. Hochlast Widerstände (12Ohm) müsste ich noch da haben, Lastpoti kam von Conrad
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon Sir_Death » Do 26. Jan 2017, 13:16

Propeller hat geschrieben:Moin,
da eine Gitarre am Röhrenverstärker ja leider nur richtig fett klingt, wenn man ordentlich Gas gibt und mein Umfeld noch nicht restlos von meinem Talent überzeugt ist, bin ich auf der Suche nach einer Möglichkeit, einfach einen Teil der Verstärkerleistung zu verheizen und auf diesem Wege die Lautstärke zu reduzieren.
Einfach mit einen 4 Ohm- und einen 8 Ohmwiderstand die Lautstärke halbieren leuchtet mir ja ein - aber kann man sowas auch regelbar bauen?
Besten Dank schonmal!
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Blöde Frage eines Laien: Warum aufdrehen und dann wieder verheizen???? Nur wegen IGOOOOR? Oder meinst du mit "fett klingen" dass du einen möglichst hohen Klirrfaktor haben willst?

Back to Topic: 4 Ohm Lastwiderstände habe ich jede Menge - siehe wer will es haben: http://www.fingers-welt.de/phpBB/viewtopic.php?f=17&t=8039#p167454
http://www.fingers-welt.de/phpBB/download/file.php?id=11676&mode=view

sag an, wenn du was brauchst
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon ferdimh » Do 26. Jan 2017, 14:05

Oder meinst du mit "fett klingen" dass du einen möglichst hohen Klirrfaktor haben willst?

Genau das ist der Fall. Der Klang einer Saite die unter quasi perfekten Bedingungen schwingt ist sehr langweilig. Damit das was klingt, muss der Verstärker
- mindestens 10% Klirr haben (das ist dann "clean"). Wenn der Sinus am Ausgang noch nach Sinus aussieht, taugt das nicht
- Einen Frequenzgang des Todes haben (wie sonst der Resonanzkörper); das gilt noch mehr für den Lautsprecher

Wenn es zur Sache gehen soll, dann wird übersteuert, was das Zeug hält. Am Lautsprecher sind dann in der Regel einfach nur noch Rechtecke (mit Überschwingern dank der chaotischen Last und mysteriöser Dreckeffekte im Verstärker) messbar.

Für das Wörterbuch Musiker - Ingenieur:
"Fetter Klang" - "Breites Oberwellenspektrum"
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon sysconsol » Do 26. Jan 2017, 15:01

Und ich dachte schon, es reiche aus, den Vorverstärker zu übersteuern...
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon Sir_Death » Do 26. Jan 2017, 15:18

Danke für die Erklärung :-)

Und das wäre meine nächste Frage gewesen.
sysconsol hat geschrieben:Und ich dachte schon, es reiche aus, den Vorverstärker zu übersteuern...

Woher der Klirrfaktor im Sinus kommt muss ja eigentlich egal sein oder etwa doch nicht?
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon Gobi » Do 26. Jan 2017, 15:22

Geschmacksache, mein Brüllwürfel klingt vorallem richtig gut, wenn die Endstufe überbläst - zur Schonung der Nachbarn :roll: deshalb diese vermeintlich absurde Schaltung.
Das ist halt der Grund, weswegen Gitarristen heute noch (technisch gesehen schrottige) Röhrenamps haben - die machen den "Sound"

Sir_Death hat geschrieben:Woher der Klirrfaktor im Sinus kommt muss ja eigentlich egal sein oder etwa doch nicht?


Wenn ich endlich etwas fitter wäre in der Materie, würde ich genau da gerne etwas gründlicher forschen!
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon Gobi » Do 26. Jan 2017, 15:26

Schau mal hier, was Raik auf seiner prima Seite, etwas weiter unten zum Thema schreibt (Wo das Kinderbild kommt - ist aber alles sehr lesens- und lobenswert!):
http://findeforum.de/raik/Stone/funktion.html

genau das würde ich demnächst gerne mal modellhaft probieren... aber wir schweifen schon wieder ab!
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon Sir_Death » Do 26. Jan 2017, 15:29

Na da bin ich froh, dass ich nicht als einziger diese Fragen stelle.

Nochmal als Hinweis zu wer will es haben - siehe oben - 33 Stk. 4 Ohm / 20 Watt sind abzugeben - gerne auch als Gesamtkunstwerk mit aktiver Kühlung :D
jegliche Serien & Parallelschaltung mit Messstrippen realisierbar. 16 Parallel / 2 Seriell ergibt dann 8 Ohm / 640 Watt :lol: :lol:
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon Gobi » Do 26. Jan 2017, 15:32

hätte ich auf alle Fälle auch Interesse! Und die schönen Abstandsschrauben! Und die schönen Kühlkörper! :roll: :roll: :roll:
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon ferdimh » Do 26. Jan 2017, 15:32

Nein. Zum Übersteuern gehört viel mehr als "Rechteck bauen"; Außerdem übersteuert ein Röhrenvorverstärker üblicherweise nicht Rechteckförmig.

Dazu gehört auch, dass die Arbeitspunkte weglaufen, weil Gitterstrom fließt, so dass sich eine zusätzliche zeitliche Komponente ergibt. Diese Verschiebung des Arbeitspunktes betont u.A. den Anschlag und verursacht, dass sich der Klang im Laufe des Abklingens der angeschlagenen Saite ändert, wodurch das ganze eine gewisse Lebendigkeit bekommt und nicht so tot und brutal klingt wie viele "Guckt mal ich kann einen Powerchord dröhnen lassen und SCHEISS NAZIS brüllen"-Punkrocktitel.
Leider wird genau dieser Aspekt in gut gemeinten Transistornachbauten und Simulationen gerne vergessen, was die Quote von einfach nur nach Verstärkertod klingender Musik erhöht.

Wenn wir den "klassischen" Gitarrenverstärker haben, haben wir Vorstufen, die asymmetrisches Verhalten zeigen, dann einen Equalizer, dann eine Phasenumkehrstufe, die aufgrund eines immer wieder abgeschriebenen Designfehlers an der Kotzgrenze läuft und ziemlich hart (symmetrisch) begrenzt, sowie eine Endstufe, die eigentlich nicht viel mehr tut, als zu verstärken (Übersteuerung haut nur bei EL84 und manchmal ein bisschen bei EL34 hin). So steht dem Gitarrist je nach Pegel das Spektrum von "leise/langweilig" über "durchsetzungsfähiger Ton" bis "LÄRM" zur Verfügung.
Dummerweise ist "LÄRM" eben auch mit 5-100W auf ziemlich effizienten Lautsprechern verbunden...
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon Gobi » Do 26. Jan 2017, 15:44

EL84 - hatter :mrgreen:
Können wir bitte, bitte daraus mal ein eigenes Thema machen, wo wir einen simplen Amp an verschiedenen Punkten an die Grenze des guten Geschmacks treiben, damit man endlich mal verstehe was abgeht und warum.
Damit der Punkrock in Zukunft noch schöner klingen möge! :mrgreen:
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon Propeller » So 29. Jan 2017, 11:26

So, endlich habe ich mal wieder ein Bißchen Zeit, mich um meinen Thread zu kümmern!

Vielen Dank. Das bringt mich schonmal deutlich weiter. Da ich ohnehin ein paar Bauteile bestellen muß, werde ich Eure Schaltungen mal nachbauen und antesten.
Meinen 8 Ohm- Lautsprecher hatte ich mal versehentlich an der 4 Ohm- Wicklung des Übertragers und das Ergebnis war klanglich absolut furchtbar! Daher bin ich ganz erstaunt, daß man von den 8 Ohm doch so weit abweichen kann.

Gobi hat geschrieben:EL84 - hatter :mrgreen:
Können wir bitte, bitte daraus mal ein eigenes Thema machen, wo wir einen simplen Amp an verschiedenen Punkten an die Grenze des guten Geschmacks treiben, damit man endlich mal verstehe was abgeht und warum.
Damit der Punkrock in Zukunft noch schöner klingen möge! :mrgreen:


Da bin ich sofort dabei.
Ich habe mit meinen bisherigen Erkenntnissen meinen GA-5 komplett umgefrickelt und mache dazu nachher mal einen Thread auf, den wir dafür benutzen können.
Dein Röhrenlink weiter oben ist übrigens großartig!

beste Grüße
Peter
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon ferdimh » So 29. Jan 2017, 12:29

Meinen 8 Ohm- Lautsprecher hatte ich mal versehentlich an der 4 Ohm- Wicklung des Übertragers und das Ergebnis war klanglich absolut furchtbar! Daher bin ich ganz erstaunt, daß man von den 8 Ohm doch so weit abweichen kann.

Sicher, dass du den nicht zufällig zwischen 8 Ohm und 4 Ohm-Klemme getüddelt hast? Da wäre die richtige Anpassung nämlich 2,8 Ohm...
Generell wird die Eintaktendstufe übelnehmen, wenn sie zu hochohmig belastet wird, dann passieren beim Übersteuern komische Sachen, die ein bisschen an einen Sperrwandler erinnern... Gegentaktendstufen sind hier (wie an vielen Stellen) gutmütiger.
Letzten Endes wird das nicht ohne Experiment gehen. Die einzigen zwei Dinge, bei denen man sich ziemlich sicher sein kann, sind:
- Eine Eintaktendstufe ohne Last geht beim Übersteuern sicher kaputt
- Ein (Gitarren-)Lautsprecher, der eine niederohmige Quelle sieht, klingt scheiße.
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Re: Lautsprecher drosseln

Beitragvon Gobi » So 29. Jan 2017, 13:47

Propeller hat geschrieben:Dein Röhrenlink weiter oben ist übrigens großartig!

Der Dank geht an Raik, der hier auch angemeldet ist!!
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