Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Der chaotische Hauptfaden

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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon ferdimh » Do 30. Mär 2017, 23:27

Wenn das ganze hinter den Gitarrenverstärker soll, muss das Pegelpoti vor den Equalizer.
Sonst wird das selbst bei R3=Drahtbrücke, R2=unendlich (also Verstärkung 1) noch grenzwertig viel. Außer du lässt den Zwei-Trafo-Verhau oder den Glühlampenverhau drin....
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Bastelbruder » Fr 31. Mär 2017, 06:41

Man könnte natürlich unter Verlust (drastischer Verringerung) des 100k-Norm-Eingangswiderstands und mit dem gleichzeitigen Gewinn erheblicher EMV-Sicherheit (dann werden die Geräusche digitaler Übertragungswege nicht mehr so schnell vom IC1 demoduliert) selbiges auf invertierend umbauen. Mit dem linearen Poti läßt sich dann annähernd logarithmisch die Verstärkung einstellen, die Widerstände an den Enden des Potis auf 1k und +/- 20db dranschreiben. Ähnlich der Beschriftung bei den Equalizer-Potis.
Also C1 mit hundertfachem Wert für 1k dimensionieren und ans untere Ende von R2 = 1k . R3 = 1k und R1 fällt ersatzlos weg. IC1-Plus an Masse.
In den Knotenpunkt R2 R3 IC1-inv. kommt das lineare 10k-Poti, oberes Ende zum R2, unteres zum R1, Schleifer an IC1-inv. - fertig.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Fr 31. Mär 2017, 08:20

Zu spät - die Beschaltung um die Regler habe ich schon gelötet - fehlt nur noch der Verstärkerzweig.
Digitale Störsender sind allerdings wirklich ein Thema - besondes schlimm bei meiner Dr. Böhm Orgel..

Der "Verhau" soll eigentlich mehr oder weniger drin bleiben - dahinter ist eingermaßen Gitarrenlevel, etwas lauter.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Do 6. Apr 2017, 23:01

heute mal den Arsch hochbekommen und die Regler angeschlossen, aber da regelt gar nichts :roll:
Bild
ich hab jetzt für R2 1K und R3 das 10K Poti, aber keiner der 8 Regler bewirkt irgendwas!? Nicht mal die Lautsärke ändert sich. Ich höre ja gerne die Schaltungen durch, was müsste ich den am Ausgang "IC3" hören - da habe ich überall das gleiche "dünne" Signal.
Wahrscheinlich habe ich einen großen Fehler drin und bin gerade betriebsblind - wenn die Schaltung stromlos ist, kommt trotzdem (schwächer) Sound durch, kann das richtig sein?
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon xoexlepox » Do 6. Apr 2017, 23:14

...was müsste ich den am Ausgang "IC3" hören...

Da würde ich lieber gar nicht messen, denn IC3 dient großteils dazu, eine "große" Induktivität nachzubilden. Wie sieht es denn am Ausgang von IC1 aus? Wenn da kein Signal anliegt, kann es nicht klappen.
...wenn die Schaltung stromlos ist, kommt trotzdem (schwächer) Sound durch, kann das richtig sein?

Naja, so ein wenig NF kann sich fast immer (auf welchen Wegen auch immer -> ggf. GND!) da "durchschleichen" ;)

Edith möchte noch wissen: Wie hast du die Betriebsspannung der OpAmps realisiert?
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Do 6. Apr 2017, 23:46

An IC1 Ausgang ist Signal, aber wird aber nicht leiser, wenn ich R3 verkleinere - das kann ja nicht sein . Ich starre auf die Bauteile - scheint nicht die richtige Strategie zu sein. (drüber schlafen ist wohl das Vernünftigste)

Spannung ist symetrisch 15V, liegt auch überall an wo sie soll.

Sollte ich nicht eigentlich mal ein neues Thema aufmachen? Hab ein schlechtes Gewissen, weil so weit weg vom Ursprungsthema...
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon xoexlepox » Fr 7. Apr 2017, 00:03

An IC1 Ausgang ist Signal, aber wird aber nicht leiser, wenn ich R3 verkleinere - das kann ja nicht sein .

Richtig! Selbst wenn du R3 auf Null reduzierst, sollte am Ausgang von IC1 dort genausoviel NF-Pegel anliegen, wie am Eingang. IC1 soll ja das Signal "aufpeppen" , und die Dämpfung der folgenden Filter kompensieren. Wo liegt der Ausgang von IC1 gleichspannungsmäßig? So etwa bei 0V?
Spannung ist symetrisch 15V, liegt auch überall an wo sie soll.

Sehr gut! Also nicht der bei OpAmp-Schaltungen oft gemachte Fehler, "GND" mit "-" gleichzusetzen ;)
Sollte ich nicht eigentlich mal ein neues Thema aufmachen?

Naja, deine Konstruktionen/Fragen gehen ja immer noch in die gleiche Richtung, von daher wird es zumindest nicht OT. Aber der Übersichtlichkeit halber wäre es schon eine Idee...
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Bastelbruder » Fr 7. Apr 2017, 07:04

An allen Ein- und Ausgängen - eigentlich überall außer an den +-15 muß null Volt DC (5 mV sind erlaubt) zu messen sein.

Was sind das für OpAmps? Vierfachchips haben Plus unten an 4 und Minus oben an 11... aber man kann sie rumdrehen.

Es könnte natürlich auch sein, daß Du irgendwie einen Mittelwellensender gebaut hast, der vor lauter Senden die NF nicht mehr schafft.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Fr 7. Apr 2017, 19:34

Mit meiner Bastelei gehts hier weiter:
viewtopic.php?f=14&t=8718&p=180038#p180038
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » So 9. Apr 2017, 18:16

Noch Fragen zum Netzteil, da ich mir gerade das finale baue:
Bild

- C6 parallel zu C9 macht doch eigentich keinen Sinn, ausser das sich die Werte addieren? Oder übersehe ich da was?

- nicht eingezeichnet ist die Symetrierung der Heizspannung. Ich hab als Draht-Trimmer nur 30 Ohm da, geht das?
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon andreas6 » So 9. Apr 2017, 18:26

Klar addieren sich nur die Werte, aber so kommt man mit einem Typ Elko aus. Vielleicht ist auch der nächstgrößere Wert in einem so großen Gehäuse, dass es teuer und unhandlich wird.

MfG. Andreas
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon ferdimh » So 9. Apr 2017, 19:08

Die Werte addieren sich. vermutlich lag eine übergroße Menge von 22µF rum... Da kann auch 1x47 rein.
Zur Heizungssymmetrierung: Ich halte die nicht für besonders wichtig.
Ein 30Ω-Trimmer ist grenzwertig, sollte aber eigentlich tun.
Du kannst aber auch mit 2x100Ω Widerständen symmetrieren oder gar einen Pol der Heizspannung erden. Erfahrungsgemäß tut das auch.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Robby_DG0ROB » Di 11. Apr 2017, 00:41

Zwei Elkos parallel können schon Sinn haben - weil der ESR nach außen kleiner wirkt bzw. die Pufferung niederohmiger.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Bastelbruder » Di 11. Apr 2017, 08:29

Robby_DG0ROB hat geschrieben:Zwei Elkos parallel können schon Sinn haben - weil der ESR nach außen kleiner wirkt bzw. die Pufferung niederohmiger.

Naja, so lange der Trafo mit 50 Hz angetrieben wird, liegt die Impedanz von 22 µ bei 72 Ohm. für die bei der Gleichrichtung erzeugten Harmoischen natürlich entsprechend darunter. Ein normaler 22µF 350V Elko aus der Röhrenära hat (vorhin mehrere über 50 Jahre alte Exemplare nachgemessen) ein ESR unter 2 Ohm.

Ein' hab ich noch!

ESR? Ach, das ist bloß so eine neumodische Erfindung die man für Computer braucht.

Kaum mehr bekannt ist, daß es schon vor Erfindung des Schaltnetzteils zwei auf den ESR zielende Klassifizierungen bei Elkos gab, "Glatt" und "Rauh". Die auf die Oberflächenstruktur der Anodenfolie bezogenen Begriffe waren als Gütemerkmal zu verwenden: Rauh für Netzgleichrichter und Siebzwecke allgemein, Glatt für verlustarme Kopplung in Signalpfaden und Lautsprecherweichen. Rauhe Folie hat dank ihrer vervielfachten Oberfläche auch deutlich höhere Kapazität zu verbuchen, aber was nutzt das wenn der Großteil dieser in engen Schluchten vergrabenen Kapazität bloß mit hochohmiger Brühe angeschlossen ist.

Mit Erfindung von um Zehnerpotenzen besser leitenden, wasserhaltigen Elektrolyte, die natürlich mit Anfangsproblemen zu kämpfen hatten -ALLE Hersteller waren von der etwas geringeren Lebensdauer und ihren Folgen beeindruckt- ist schlagartig die Kapazität in den Hintergrund gerückt, weil ein Siebglied für Schaltnetzteile nicht als LC-Tiefpaß sondern als LR-Tiefpaß berechnet wird. Nicht wenige Elkos in Schaltnetzteilen werden oberhalb ihrer Serienresonanzfrequenz betrieben! Bloß bei 100 Hz aus dem Netzgleichrichter gelten weiter die althergebrachten Berechnungsformeln.

Zwischendurch hat man Tantalelkos mit festem Elektrolyt und eingebautem Hindenburgeffekt kennengelernt sowie äußerst zuverlässige Aluminium-Elkos mit trockenem Elektrolyt die von unwissenden Händlern als Tantals vertickt werden. Und noch vor den Wasserhaltigen Fischbüchsen kam Sanyo mit festen Polymeren in ihren OSCONs. Die werden dreißig Jahre später von vielen Mitbewerbern erfolgreich kopiert und haben nocheinmal um eine Zehnerpotenz geringeren ESR. Trotz alledem werden weiterhin nur Kapazität, Spannung und die Serienbezeichnung auf das Gehäuse gedruckt, eine Angabe des heute gern verschleierte Datum (naja, manchmal sind es tatsächlich Platzgründe) war schon vor über hundert Jahren als Qualitätssicherndes Merkmal üblich.

Und die Ohrenschmausriege hat sich darauf verständigt daß Elkos dank ganz anderer Fehler grundsätzlich nicht als frequenzabhängige Koppelglieder verwendet werden sollen. Who cares?

Und nicht vergessen: der Elektrolytkondensator hat sich als das unzuverlässigste Bauteil in der Elektronik herausgestellt. Die Erkenntnis stammt von 1924. Inzwischen gab es NiMH-Akkus.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Propeller » Di 11. Apr 2017, 15:52

So, nun habe ich endlich mal wieder etwas Ruhe, mich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Ich möchte die Schaltung nochmal komplett neu auf einem größeren Chassis aufbauen.
1.: Dazu mal eine grundsätzliche Frage zur Materialwahl für das Chassis: Bisher habe ich zu galvanisch verzinktem Stahlblech (Karosseriebvlech) gegriffen, weil ich dachte, daß Eisen am Besten gegen Magnetfelder abschirmt. Hier im Thread wurde allerdings erwähnt, daß Aluminium besser sei. Warum?
Von der Optik her wäre auch Messing interessant. Was ist davon zu halten?
Thema Entbrummung:
2.: Was ist von der Idee zu halten, die Heizungsleitungen auf der Oberseite des Chassis in dünnen Metallröhrchen entlangzuführen und erst unmittelbar vor dem Röhrensockel hindurchzuziehen?
3.: Wie empfindlich sind Röhren eigentlich auf Induktion durch Trafos, Übertrager usw.? Gibt es ggf. Faustformeln in der Art von "Mindestabstand der Röhre vom Trafo= Xmal Wicklungsdurchmesser" ö.ä.?
Danke schonmal und beste Grüße
Peter
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon ferdimh » Di 11. Apr 2017, 17:07

Verzinktes Stahlblech hat einen großen Vorteil gegenüber Aluminium:
Man kann es (wenn auch mit Gewalt) löten.
Guckt euch mal alte Aufbauten von Röhrenradios und Verstärkern an. Da hat sich niemand nen Kopf drum gemacht!
Abschirmung des Magnetfeldes braucht eine GESCHLOSSENE Schirmung. Solange du den Kram nicht in einen geschlossenen Kasten aus µ-Metall baust, ist es fast egal, ob du eisen oder Aluminium nimmst. Insbesondere sitzen alle theoretisch magnetfeldempfindlichen Bauelemente auf der gleichen Seite.
Ich denke, der Vorteil von Aluminium liegt im wesentlichen daran, dass es garnicht so leicht ist, in Stahlblech ein rundes Loch für einen Röhrensockel zu fetzen.
Auch die ganze Geschichte mit Heizung oben/unten/symmetrisch/Gleichstrom/wasauchimmer - Chillmodus an! Das tut eigentlich immer, wenn man keinen groben Unfug tüddelt.
Außerdem:
Bastelbruder hat geschrieben:Ein Röhrenverstärker muss brummen!


Ich würde die Eingangsröhre nicht direkt neben einen Trafo setzen. Dann tut das schon. Die Üblich alten Bücher erwähnen dieses Thema nicht.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Propeller » Fr 14. Apr 2017, 10:34

Besten Dank! Dann werde ich wohl beim verzinkten Stahlblech bleiben. Ich habe genug davon, es ist stablier und läßt sich relativ problemlos löten. Die Löcher kriegt man mit dem Stufenbohrer eigentlich recht gut reingewühlt.

ferdimh hat geschrieben:Auch die ganze Geschichte mit Heizung oben/unten/symmetrisch/Gleichstrom/wasauchimmer - Chillmodus an! Das tut eigentlich immer, wenn man keinen groben Unfug tüddelt.
Außerdem:
Bastelbruder hat geschrieben:Ein Röhrenverstärker muss brummen!


Das stimmt schon, aber ich versuche zu erreichen, daß er das möglichst leise tut. :)

beste Grüße
Peter

PS: Das mit den alten Radiochassis ist mir auch aufgefallen: halb offene Blechgehäuse mit einem manchmal schier undurchdringlichen Wust aus kreuz und quer gelöteten Bauteilen - und es brummt trotzdem kaum.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Fr 14. Apr 2017, 11:30

Das ist eine gute Gelegenheit über Brummursachen zu sprechen.
Einstrahlung von Netzteilen ist nur eine der Möglichkeiten.
Unterschiedliche Massepotenziale kann man leicht vermeiden durch eine Zentralmasse. Mir fällt es aber schwer, das wirklich nachzuvollziehen.(also was da genau passiert) Berühmt/berüchtigt sind ja Netzteile oder Verstärker mit abgeklebtem Schutzleiter :evil:
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon ferdimh » Fr 14. Apr 2017, 12:13

Ungefähr alle Brummursachen aus der Praxis sind magnetischer Natur. Also Einkopplungen in Leiterschleifen jeglicher Art. Ausnahme ist hier Einkopplung in sehr hochohmige Gitterleitungen. Dagegen hilft schirmen, wobei es oft auch schon reicht, den Draht direkt auf dem (Blech-)Chassis zu verlegen.

Der wesentliche Trick ist, ebendiese Schleifen möglichst klein zu machen und möglichst früh mit möglichst großen Spannungen zu hantieren.
In einem Radio ist magnetische Einkopplung kein Problem, weil der Detektor schon gut nen Volt NF liefert, in einer üblichen Gitarrenkiste auch nicht, weil man einfach annehmen kann, dass das Blechchassis mit etwas Abstand zum Netztrafo ausreichend genau "Masse" ist.
Generell finde ich Entbrummung über die Heizung unzweckmäßig, weil man damit nicht die Ursache bekämpft:
Wenn der Heizkreis nicht mehr reinstreut, tuts halt das Handy, das blöd verlegte Netzkabel (zur Not zur Verschärfung der Sache mit Dimmer davor für die Pultleuchte), oder die Leitung zum Ausgangsübertrager.
Trick 17 zur empirischen Suche eines Brummproblems:
Man nehme einen Draht, schneide ein Ende ab, dass nichts raussteht und schütze es mit Schrumpfschlauch und/oder Heißkleber gegen unfreiwilliges Berühren.
Das andere Ende kommt an einen Pol der Anodenwicklung des Netztrafos. Kiste an, so einstellen, dass das Brummproblem auftritt und mit dem Drahtende suchen gehen. Da wos auf 2cm oder mehr Abstand deutlich lauter brummt, fehlt Schirmung. Mit der lautesten Stelle anfangen.

Die Heizung wird erst zum Problem, wenn die Spannungen so klein werden, dass man das ganze Ding in eine geschlossene Blechkiste packt, wo halt blöderweise der Heizwackelsaft rein muss. Das ist aber eigentlich nur bei Tonbandgeräten (und evtl bei magnetischen Plattenspielertonabnehmern) der Fall.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Fr 14. Apr 2017, 19:21

guter Trick, da werde ich bald Gelegenheit haben das auszuprobieren. Meinst Du damit die völlig ungesiebte Spannung?

Und wie ist das jetzt mit den unterschiedlichen Massepotenzialen, warum soll das brummen?
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon ferdimh » Fr 14. Apr 2017, 23:48

Du nimmst den Draht direkt vom Trafo. Also vorm Gleichrichter noch mit Wechselstrom. Damit kann man gezielt Brumm einkoppeln.
Und wie ist das jetzt mit den unterschiedlichen Massepotenzialen, warum soll das brummen?

"Masse" ist ein theoretisches Konstrukt.
Im Prinzip müssten sich alle Leitungen, die wir Masse nennen, in GENAU EINEM PUNKT treffen. (Denn wir haben vereinbart: "Masse" ist unsere Definition von 0V, also da, wo wir die schwarze Messspitze vom Voltmeter hinhalten). Das gilt nicht nicht nur für dein Gerät, sondern für alle Geräte, die miteinander verbunden sind (Also für Gitarre, Verstärker, Effektgeräte, etc, pp). Das ist theoretisch also ein riesiger Stern. Selbst dann gilt es nur, wenn es keine Magnetfelder gibt.
Das ist aus offensichtlichen Gründen nicht machbar.
Letzten Endes besteht die ganze Schaltungstechnik aus Stromkreisen, die wir für einfachere Denke zu Linien von einer Spannungsquelle bis Masse vereinfachen. Wir machen bei dieser Vereinfachung einen Fehler, der genauso groß ist wie die Spannung zwischen den beiden Punkten, die eigentlich "Masse" sein sollten. Wir kriegen diesen Fehler entweder weg, wenn wir das Konzept "Masse" an kritischen Punkten einfach vergessen und wieder in Stromkreisen denken (einfachstes Beispiel: Mikrofon mit XLR-Stecker: Zwei Leitungen schließen den Stromkreis zwischen Verstärker und Mikrofon, "Masse" gibt es hier nicht.) oder minimiert, indem wir die "Masse" möglichst dick ausführen und möglichst nah an den Signalleitungen verlegen (evtl sogar drumrum, siehe Koaxkabel). Gleichzeitig sollte man große Ströme in ebendieser "Masse" vermeiden, weil viel Strom viel Spannung nach sich zieht.
Daher kommt auch die Klassische "Brummschleife": Gerät 1 und 2 hängen am Schutzleiter. Der Schutzleiter verbindet die beiden Geräte auf einem anderen Pfad als die Signalleitungen (die unsere "Masse" enthalten). Ein Magnetfeld induziert in der Schleife eine Spannung. Diese Spannung führt zu einem heftigen Stromfluß in der gesamten Schleife. Im PE in der Wand stört das nicht, aber der Strom fließt auch durch die Geräte und Kabel, wo jetzt "Masse ist überall gleich" nicht mehr gilt, da am Widerstand der Masseverbindungen eine Spannung abfällt.
Ergebnis: wir überlagern ein zusätzliches Signal -> es brummt (wenn die Magnetfeldquelle mit 50Hz gespeist wurde. Wenn andere Anlagen im Spiel sind, gibts auch andere Störgeräusche).
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Nello » Sa 15. Apr 2017, 00:33

Meine Fresse. Was Ihr zwei hier veranstaltet, ist zum Heulen schön. Wisst Ihr das eigentlich? Das ist schon bald wie Sokrates mit seinem Schüler ... wie hieß der noch? Lernen im Dialog. Das gibt's nicht nur selten, das gibt's sonst überhaupt nirgendwo. Und dann noch auf dem Niveau. Ein Thread der absoluten Weltklasse!

Ich bin auch gleich wieder weg, bloß nicht stören. Eins will ich aber noch los werden: Der enorm hohe Gehalt Eurer sprichwörtlich konstruktiven Unterhaltung schreit geradezu nach einer Aufbereitung für ein Buch. Naja: Meine ich. Ihr zwei am Küchentisch, Treffen alle drei, vier Tage, guck mal, was ich inzwischen gemacht habe, aber das da will ich jetzt genauer wissen. Ab und an kommt auch noch der gute Kumpel B. vorbei, andere auch. Allmählich wird daraus ein Solitär von einem Vertsärker. Aber das ist sogar Nebensache! Weil der Zugewinn an Wissen, der auf diese (und so schnell nur auf diese) Weise entsteht, niemals sonst in der Geschwindigkeit, nicht so erschöpfend, und sicherlich nie in einem so freundschaftlichen Verhältnis statt finden könnte. Danke! Ehrlich: Von ganzem Herzen Danke!

Tjoa. Am Ende muss Gobi natürlich auch noch ordentlich Gitarre spielen. Aber vielleicht, wer weiß, nicht wahr ... Am Ende kommt bestimmt auch noch Marty Schwartz dazu, und dann gibt's eine Jam-Session, die noch zum Bestandteil des mythischen Schatzes aller robotomierten Halbklone in 1700 Jahren gehören wird.

Okay. Ich träum schon. Aber das mit dem Buch meine ich ernst. Wenn Ihr das am Ende möchtet, dann mach ich das.
Zuletzt geändert von Nello am Sa 15. Apr 2017, 01:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Sa 15. Apr 2017, 01:01

Nello hat geschrieben:Meine Fresse. Was Ihr zwei hier veranstaltet, ist zum Heulen schön. Wisst Ihr das eigentlich?

Ja das weiß ich sehr wohl! Der Dank gebührt absolut Ferdi und den Anderen, die so geduldig meine Fragen beantworten. Ich weiß eigentlich gar nicht, wie ich mich bei Euch dafür entsprechend bedanken kann!

Ich habe vor ein paar Jahren in einem Orgelforum genau das Gegenteil erlebt, ich wurde so unfassbar abgeschnöselt, weil ich es wagte ein paar Grundsatz Fragen zu stellen und ein paar spinnerte Ideen hatte, es war EKELHAFT und ist das 100% Negativbespiel eines solchen "Buches" geworden.
Das Forum hier kommt mir manchmal wie eine bessere Welt vor - auch wenn das irgendwie eine virtuelle Sache ist - scheiß drauf - ich weiß wenig Besseres!
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Propeller » Sa 15. Apr 2017, 10:21

Gobi hat geschrieben:Das Forum hier kommt mir manchmal wie eine bessere Welt vor - auch wenn das irgendwie eine virtuelle Sache ist - scheiß drauf - ich weiß wenig Besseres!

Das empfinde ich ganz genau so. Das Klima und die Hilfsbereitschaft hier sind einmalig - und so virtuell ist das Ganze gar nicht: Die persönlichen Kontakte, die sich hier durch das Forum ergeben haben, finde ich durchweg sehr angenehm.


Mal eine Frage zur Impedanz:
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist die Impedanz eines Lautsprechers bzw. einer Spule vereinfacht gesagt deren Wechselstromwiderstand. Da dieser frequenzabhängig ist, müßte die Angabe auf dem Lautsprecher demnach entweder ein Durchschnittswert sein oder bei einer definierten Frequenz gemessen werden?
Passen nun die Impedanz des Ausgangsübertragers und die des Lautsprechers nicht zusammen, welche Auswirkungen hat dann ein zur Anpassung eingesetzter ohmscher Widerstand? Im konkreten Fall habe ich einen Übertrager für 8 Ohm und einen Lautsprecher mit 7 Ohm. 1 Ohm in Reihe müßte dann doch theoretisch die Lautstärke leicht reduzieren, aber keinen Einfluß auf den Klang haben, oder?
Wie sieht es im umgekehrten Fall aus: 8 Ohm parallel zum 8 Ohm- Lautsprecher am 4 Ohm- Übertrager. In meinen Überlegungen müßten es die hohen Töne "leichter" durch den Widerstand und die tiefen "leichter" durch die Spule haben, so daß ich Höhen verliere und das Ganze insgesamt leiser wird. Stimmt das oder bin ich da auf dem ganz falschen Dampfer?

beste Grüße
Peter
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Bastelbruder » Sa 15. Apr 2017, 10:56

Propeller hat geschrieben:Im konkreten Fall habe ich einen Übertrager für 8 Ohm und einen Lautsprecher mit 7 Ohm. 1 Ohm in Reihe müßte dann doch theoretisch die Lautstärke leicht reduzieren, aber keinen Einfluß auf den Klang haben, oder?

Die für Lautsprecherchassis angegebene Impedanz sollte sich auf 400 Hz oder 1 kHz beziehen. 7 Ohm ist absolut kein gewöhnlicher Wert, deshalb vermute ich daß der mit dem Ohmmeter und mit Gleichstrom ermittelt wurde. Die Impedanz dürfte tatsächlich 8 Ohm sein. Also ein Ohm das Energie in Schallwellen wandelt und sieben Ohm die nur Wärme produzieren. Ja, das ist wirklich so! :o
Glücklicherweise beinhaltet "Impedanz" noch einen Phasenvektor, weil Spannung und Strom nicht unmittelbar gleichzeitig auftreten. Dadurch gewinnt das eine Ohm etwas mehr Energie und das Schreckensszenario ist nicht ganz so schlimm. Aber es ist trotzdem nicht gut.

Wie sieht es im umgekehrten Fall aus: 8 Ohm parallel zum 8 Ohm- Lautsprecher am 4 Ohm- Übertrager. In meinen Überlegungen müßten es die hohen Töne "leichter" durch den Widerstand und die tiefen "leichter" durch die Spule haben, so daß ich Höhen verliere und das Ganze insgesamt leiser wird. Stimmt das oder bin ich da auf dem ganz falschen Dampfer?

Wenn der Verstärker eine durch starke Gegenkopplung linearisierte Endstufe besitzt, erzeugt der zusätzliche Widerstand Wärme.

Wenn es sich um eine Endstufe ohne nennenswerte Gegenkopplung handelt, wird der Widerstand Systemresonanzen dämpfen und linearisierend wirken. Die Authentizität der immer als Gesamtsystem zu betrachtenden Kombination Endstufe-Schallwandler(-Raum) tritt in den Hintergrund. Man könnte statt dem Widerstand auch Schallschluckmatten um den Lautsprecher anbringen, oder die Box mit Wolle ausstopfen wie es die selbstbeweihräuchernde HiFi-Industrie seit Jahrzehnten pflegt. Ob da Energie in ohmschen oder akustischen Widerständen zu Wärme wird ist ziemlich gleichwertig. Die akustischen Widerstände sind oft billiger, nicht preiswerter.
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