Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Der chaotische Hauptfaden

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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Propeller » Mi 1. Feb 2017, 08:27

Nur mal schnell die Schaltung des Netzteiles (muß gleich weg):
EDIT: Ich glaube, ich habe den Brückengleichrichter falsch herum gemalt. Aber wo Plus und Minus hingehört dürfte wohl klar sein.
Bild

Bis heute Abend!

beste Grüße
Peter
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon ferdimh » Mi 1. Feb 2017, 17:24

So, ich bin jetzt endlich zu den angedrohten Messungen gekommen.
Opfer war eine arme ECC81, die mit 100k Anodenwiderstand und 1k Kathodenwiderstand auf einen Arbeitspunkt mit der Anode auf etwa der halben Betriebspannung (hier 360V) eingestellt wurde.
Die folgenden Oszillogramme sind alle mit 1:10-Tastköpfen aufgenommen, so dass abgelesene Spannungswerte mit 10 multipliziert werden müssen (leider funktioniert die Umstellung des Readouts am 7000er Tek nur mit original Tek-Tastköpfen; da muss ich mal was basteln). Die Nulllinie liegt für Gitter- und Anodenspannung auf dem 3. Strich von unten.
Zuallererst wird die Röhre niederohmig mit 1Veff Sinus versorgt:
Bild
Man sieht, dass die Verstärkerstufe invertiert und "obenrum" ein bisschen platt drückt. Es wird eine zweite Oberwelle erzeugt.
Wenn wir jetzt weiter aufdrehen,
Bild
Bild
Bild
verhält sich die Röhre ganz ähnlich wie ein Transistor: Zu hohen Anodenspannungen lässt die Verstärkung nach, der Sinus wird ein bisschen (oder ein bisschen mehr) plattgedrückt. Nach unten hin ist plötzlich (bei <10V an der Anode!) Schluss mit lustig, es wird hart abgesäbelt.
Soweit, so einfach.
Jetzt haben wir es uns aber zu einfach gemacht:
der Funktionsgenerator hatte nämlich 50Ω Innenwiderstand. Eine Gitarre (und eine vorhergehende Stufe) hat einen deutlich höheren Innenwiderstand!
Also bekam der Generator einfach mal einen mächtigen Widerstand in Reihe. 620kΩ lagen rum und sind sicher größer als jeder Quellwiderstand, das macht das Verhalten aber sehr deutlich sichtbar.
Bild
Bei 1Veff am Eingang ist es noch harmlos. Die Gitter-Kathoden-Strecke ist immer negativ vorgespannt (die Kathode liegt bei +1,6V), in das Gitter fließt (näherungsweise) kein Strom.
Bild
In dem Moment, wo das Gitter positiv gegenüber der Kathode wird, landen Elektronen auf dem Gitter und bremsen den weiteren Spannungsanstieg. Damit ist die Aussteuerung der Triode erheblich begrenzt. Wenn wir jetzt weiter aufdrehen, wird das ganze schlimmer:
Bild
Bild
Die Gitter-Kathodenstrecke stellt also eine Diode dar, die das Eingangssignal gleichrichtet. Der durch Übersteuerung verursachte Gitterstrom ist also ein Gleichstrom. Jetzt kommt aber zur Belustigung noch dazu, dass der Eingang üblicherweise über einen Kondensator angeschlossen ist, der durch diesen Gleichstrom aufgeladen wird.
Die Bastelkiste hatte gerade 56nF oben liegen, also rein damit:
Bild
Bekanntes Bild, kein Gitterstrom.
Bild
Wenn wir dieses Bild mit dem vorhergehenden 2V-Bild vergleichen, stellen wir (hoffentlich) fest, dass sich die Gitterspannung ins Negative verschoben hat. Das bedeutet, dass der Arbeitspunkt der gesamten Konstruktion in Richtung höherer Anodenspannung wandert. Dabei sinkt die Verstärkung, das Signal wird weniger verzerrt. Wir haben uns einen Kompressor für Arme gebaut.
Mit mehr Gas verschiebt sich die Gittervorspannung weiter ins Negative, die Ausgangsspannung steigt fast nicht mehr an, ohne Ecken zu kriegen:
Bild
Bild
Wenn man genau hinguckt, sieht man, dass die obere Spitze der Gittervorspannung und die untere Spitze der Anodenspannung immer fast an der gleichen Stelle landen.
Zur Einordnung: Eine Verzerrung dieser Größenordnung würde der durchschnittliche Gitarrist gerade noch als "Clean" bezeichnen.
Jetzt verstärken wir aber nicht nur Sinustöne, sondern ein Signal, das kommt und geht.
Der Arbeitspunkt der Kiste wandert also ständig hin und her!
Außerdem braucht die Kiste einen Moment, bis der Kondensator geladen ist, das Übersteuerungsverhalten ändert sich also mit der Zeit, die der Ton klingt.
Jetzt sind leider die schönen Bilder alle, jetzt ist es Zeit für das Digitaloszi:
Bild
Man sieht, dass nach dem Einschalten des Funktionsgenerators erst untenrum "Hart" abgesäbelt wird, und sich mit der Zeit ein "weicheres" Verzerrungsbild einstellt. Dieses Verhalten entspricht ungefähr dem Anschwingverhalten vieler "akustischer" Instrumente.

Warum reite ich auf dem letzten Punkt so rum?
Ganz einfach: Der Mensch hat gelernt, im Wesentlichen auf die Veränderungen im Klangbild zu achten. Der exakte Klang kann durch eine Höhle, Dämpfung über längere Strecken oder ein Funkgerät stark verändert werden, um die Information "Säbelzahntiger auf 19,2° Ost" sicher mitzubekommen, kann man sich nicht auf einen bestimmten Klang verlassen. Man muss hier instinktiv nur die (kleinen!) Veränderungen des gehörten Signals bewerten.
Daraus folgt: Das Zeitverhalten ist für den Klang des Verstärkers von großer Bedeutung und wird von vielen Modellen völlig ausgeblendet. Insbesondere die diversen Röhrenverstärkerfakes mit Diodenbegrenzern versagen hier total, wobei der Unterschied nicht so in der Kurvenform liegt.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Mi 1. Feb 2017, 19:04

Sehr interessant, vielen Dank!!

1. ist das jetzt noch Betrieb unter habwegs gesitteter Beschaltung ? Oder sind wir da schon am Rand des Arbeitspunktes oder schon drüber?
2. siehst Du da Ausbaupotenzial bei dem gezeigten Einschwingverhalten? Also ist das jetzt gottgegeben oder kann man das noch manipulieren?

-wobei, ich sollte erst mal mit den Basics wenigstens ansatzweise klar kommen... :roll:
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon ferdimh » Mi 1. Feb 2017, 19:50

Achja, ich kann nur ermutigen, Fragen zu stellen... MIR sind die Zusammenhänge größtenteils klar, ich kann nicht beurteilen, ob der Text verständlich war.
Die gewählte Arbeitspunkteinstellung ist ziemlich standard. Für eine HiFi-Kiste würde ich den Arbeitspunkt vermutlich auf einen etwas höheren Strom (=geringere Anodenspannung) legen, was den Gitterstromeinsatz früher kommen lässt, im Ausgleich aber das weiche "Plattdrücken" später kommen lässt - das ergibt geringere Verzerrungen bei geringer Aussteuerung zum Preis von einem härteren Einsatz der Verzerrungen bei hoher Aussteuerung.
Ein entsprechendes Konstrukt wurde mal von einem Gitarristen als "Zu kratzig" bewertet.
Eigentlich wäre es besser gewesen, wenn ich eine ECC83 verwendet hätte, die zeigt (nach meiner Erinnerung) die Effekte deutlicher, aber ich hatte gerade keine mehr rumliegen.
Zu 2.
"Ausbaupotential" ist immer relativ. Wenn ich eine HiFi-Büchse baue, versuche ich diese Effekte so gut es geht zu vermeiden. Bei der Gitarrenkiste hängt das Verhalten stark von den verwendeten Koppelkondesatoren ab, die aber gleichzeitig auch den Frequenzgang beeinflussen...
Das gezielt zu beeinflussen stelle ich mir schwierig vor; Das ganze wird in der Praxis noch von dem Einschwingvorgang der Saite überlagert. Man müsste das mal mit einem realistischen Signal testen.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Mi 1. Feb 2017, 20:06

Fragen werden noch kommen, glaube mir :roll:
Ich hab jetzt erstmal ein Oszi bekommen und muss mich damit auseinandersetzen....

Diese ganzen Gitarrenschaltungen (auch Effekte) haben eine ECC83 drin - was mitlerweile dazu führt, das man Verzerrer kaufen kann mit ECC83, wo ich mich frage - was hat das nu gebracht?? Der Umkehrschluss 83=gut stimmt eben nicht. Verkauft sich aber.

Ich hoffe in ein paar Tagen habe ich den Verstärker komplett und das Oszi grundsätlich verstanden, dann wird an den Schrauben gedreht!
Ich muss dringend da lang:
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon ferdimh » Mi 1. Feb 2017, 20:33

Tatsächlich ist die 83 die am wenigsten verzerrende NF-Röhre und die mit der höchsten Verstärkung.
Von daher ist die Verwendung der 83er in Audiokisten historisch schon richtig.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Spike » Do 2. Feb 2017, 09:10

Als Gewächs aus der Zeit der IC-Verstärker ist mein Wissen nur angelesen, aber: Wer sich traut einen Sockel umzulöten, kann auch mal die ECC808 probieren. Die ist als "rauschärmere" Variante mit höherer Verlustleistung gebaut worden. Propeller, "sach mal Bescheid" wenn Du weitere Experimente machen möchtest :-). Ich wollte in näherer Zukunft einen kleinen Verstärker für ein Zupfinstrument (ähnlich einer Zitter) bauen und frage mich, ob ich eine Elektretkapsel als Tonabnehmer aufs Holz klemmen kann - Wie macht man das bei akustischen Gitarren ohne ein Dynamisches Mikro davorzuhalten? @ferdimh: Danke für die viele Arbeit und die Erklärungen - Das muss ich erstmal verdauen.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Do 2. Feb 2017, 09:27

Die einfachste Methode ist Piezos aufzukleben. Wenn man gute Stellen findet, kann das auch ganz gut klingen. Neigt natürlich schon zum rückkoppeln, wenn man lauter spielen will. Für Gitarren gibts auch stabförmige Piezos die statt des Steges eingebaut werden
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Spike » Do 2. Feb 2017, 09:35

Piezo... Das "Aufkleben" ist leider keine Option, da die Verstärkung nur unregelmäßig gebraucht wird und das Instrument keine Veränderungen erfahren darf. Ich dachte da an eine einfache Klammerlösung am Schalloch?
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Do 2. Feb 2017, 09:44

Der Schall kommt nicht unbedingt aus dem Schalloch... Kontaktmikros halte ich für besser. Man muss ja nicht kleben, mann kann sie auch klemmen oder so - Problem werden eher die Kabel sein. Kauf Dir einfach mal ein paar Piezo Scheiben und probier damit rum ich vergieße die auch gerne ein bisschen um sie zu dämpfen -> ist aber schon ein eigenes Thema!

PS: wenn Stahlseiten wäre ein richtiger Pickup oder beides bestimmt besser
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Spike » Do 2. Feb 2017, 12:11

Gobi hat geschrieben:Der Schall kommt nicht unbedingt aus dem Schalloch...

... da ist dann aber ein Bereich zum Klemmen vorhanden ;) Sonst ist das Teil nämlich recht handlich, da es auch von expliziten "Nichtmusikern" und Menschen mit Einschränkungen gespielt werden soll. Pickup ist overkill bei 23 Saiten, obwohl alle aus Stahl sind...
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon ferdimh » Do 2. Feb 2017, 13:42

Bitte nicht einfach Röhren tauschen!
Der Wechsel der Röhre verändert ungefähr alles in unkontrollierter Form:
Bei Trioden ergibt sich ungefähr immer ein Arbeitspunkt, der irgendwie funktioniert. Die Chancen stehen aber gut, dass ein veränderter Arbeitspunkt alleine den beobachteten klanglichen Effekt verursacht.
Ein Tausch ECC83 gegen ECC808 wird ziemlich sicher außer im Geldbeutel nirgendwo zu merken sein. Die Kennlinien sind quasi perfekt gleich, der Vorteil der extremen Rausch- und Brummarmut wird mit einer Gitarre (und keinem Tonkopf) am Eingang nicht auffallen, da die Gitarre deutlich mehr Signal liefert(=fast die tausendfache Ausgangsspannung von einem Tonkopf) und außerdem in der Praxis ohnehin brummt wie Sau.
Ein Tausch ECC83 gegen 81 oder 82 oder gegen die üblichen HF-Trioden (84,85,88,89,189) wird sicher massiven Einfluß auf den Klang haben, aber eben weil der Arbeitspunkt ganz woanders landet und möglicherweise die Verstärkung auch... äääh... anders ist.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Roehricht » Do 2. Feb 2017, 13:57

Hallo,

Wer sich traut einen Sockel umzulöten, kann auch mal die ECC808 probieren. Die ist als "rauschärmere" Variante mit höherer Verlustleistung gebaut worden.


Die Röhre ist in der Tat etwas rauschärmer. Aber leistungsmässig steht die ECC83 besser da. Ausserdem ist die ECC808 so rar geworden das sie schon mit Freudenhauspreisen gehandelt wird. In einem Gitarreneamp spielt die rauscharmut nicht eine so grosse Rolle. Die Tonabnehmer tun locker 50-100mV raus.
Anders in Hi-Fi Amps wo die Röhren im Phono Entzerrer eingesetzt wurden oder bei Mikrofonvorstufen.
Die ECC83 ist meines erachten die beste Wahl in Gitarrenverstärkern. Zumindest in den Kleinsignalstufen.
Hier die beiden DaBlas zum Vergleich.

ECC808:http://frank.pocnet.net/sheets/124/e/ECC808.pdf

ECC83: http://frank.pocnet.net/sheets/010/e/ECC83.pdf

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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Fr 3. Feb 2017, 21:35

ferdimh hat geschrieben:Warum reite ich auf dem letzten Punkt so rum?
Ganz einfach: Der Mensch hat gelernt, im Wesentlichen auf die Veränderungen im Klangbild zu achten. Der exakte Klang kann durch eine Höhle, Dämpfung über längere Strecken oder ein Funkgerät stark verändert werden, um die Information "Säbelzahntiger auf 19,2° Ost" sicher mitzubekommen, kann man sich nicht auf einen bestimmten Klang verlassen. Man muss hier instinktiv nur die (kleinen!) Veränderungen des gehörten Signals bewerten.
Daraus folgt: Das Zeitverhalten ist für den Klang des Verstärkers von großer Bedeutung und wird von vielen Modellen völlig ausgeblendet. Insbesondere die diversen Röhrenverstärkerfakes mit Diodenbegrenzern versagen hier total, wobei der Unterschied nicht so in der Kurvenform liegt.

Du hast absolut recht. Ich habe heute eine Weile versucht meine neues Oszi zu verstehen und habe es an meinen alten Sythisizer angeschlossen und gleichzeitig mitgehört. Eine total bizarre Wellenform klingt fürs Ohr noch lange nicht interessant, nur Obertonreicher. Bringt man einen Verlauf in den Klang, fängt das Hirn an zu interpetieren.
Ich hätte allerdings nicht vermutet, das ein Verstärker überhaupt in der Lage ist, so etwas zu manipulieren. Sehr, sehr interessant.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Mo 6. Feb 2017, 17:42

mann, bin ich momentan leicht zu überfordern. :cry:
Teile sind jetzt da, einige falsch bestellt, einige vergessen :cry: aber ich hab das annähernd so gelötet bekommen. Kann sein, daß ein paar Widerstände in Flammen aufgehen werden.

@Propeller: kannst Du bitte die Schaltung mal in etwas besserer Auflösung hochladen oder mir schicken, ich kann etliche Werte nur raten..

Bild
was ich aktuell nicht verstehe: an den Punkten A B & C gibts unterschiedliche Spannungen - wo kommen die her?
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Propeller » Mo 6. Feb 2017, 17:52

Hallo,
ich bitte um Entschuldigung, daß ich den Thread aufgrund momentanen Stresses etwas schleifen lasse.

Die Spannungen kommen aus dem Netzteil:

Bild

Wie oben schon geschrieben: Ich weiß nicht, ob ich den Brückengleichrichter richtig herum gezeichnet habe. Durch diesen Unsinn mit der technischen und der physikalischen Stromrichtung komme ich dauernd durcheinander. (Wer hat sich diesen Mist mal ausgedacht? Warum nimmt man nicht einheitlich die tatsächliche Stromrichtung und gut?!)
Was in der Schaltung Plus und Minus ist, sollte aber trotzdem klar sein, oder?

Ich schreibe später nochmal die Bauteilwerte raus. Der Plan liegt in der Werkstatt.

beste Grüße
Peter
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon ferdimh » Mo 6. Feb 2017, 18:10

Gobi: die kommen aus dem oben gezeigten Bild:
Bild
Der Gleichrichter+Elko liefert 342 Volt.
Nach dem ersten Widerstand sind es noch 338 Volt, nach dem 2. eben 320 Volt.
Das baut man so, weil man auf diese Weise eine der Brummempfindlichkeit angepasste Siebung erhält. Die Anode der Endröhre ist am unempfindlichsten, weil, wenn man sich die Ausgangskennlinie anguckt, die Anodenspannung fast keinen Einfluß auf den Anodenstrom hat. Bei üblichen 7kΩ und einer EL84 findet sich ungefähr ein Sechstel der Brummspannung auf dem Ausgangsübertrager wieder.
Das Schirmgitter ist schon empfindlicher, die Brummspannung auf Saft "B" wird hier etwa vervierfacht. Die Vorstufe wird am stärksten betroffen sein, hier dürfte etwa die 1000fache Brummspannung von Saft "C" am Ausgang erscheinen.
Man filtert nicht einfach alles so gut, weil der Filterungsaufwand mit steigendem Strom steigt. Wenn man den Widerstand größer machen würde, würde mehr Spannung verloren gehen. Man muss also mit dem Kondensator hochgehen. Das wird aber groß und teuer. Für die Vorstufen kann man aber den Widerstand massiv vergrößern, weil man einerseits mehr Spannungsverlust akzeptiert, andererseits einfach deutlich weniger Strom fließt.
Zum Vergleich:
auf Saft "A" werden etwa 40mA gezogen.
Auf Saft "B" etwa 5mA.
Auf Saft "C" etwa 1,8 mA...

Dementsprechend kann man an "C" viel einfacher sauber gesiebten Saft bereitstellen als an B oder gar A. Natürlich sähe das anders aus, wenn man Drosseln verwenden würde, aber Drosseln kosten Geld und es tut auch so...

Nebenbei ist es ohnehin eine gute Idee, nicht alle Stufen an die gleiche Besaftung zu hängen, weil das die Gefahr einer Rückkopplung über die Betriebsspannung birgt.

Der Brückengleichrichter ist übrigens richtig rum.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Mo 6. Feb 2017, 18:16

aja, da ham wirs wieder, konfuser Gobi - hätte ich eigentlich sehen sollen....
Vielen Dank für die Erklärung und Geduld!
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Do 9. Feb 2017, 14:17

Bild
So, Schaltung hab ich jetzt zusammen, ein paar Teile haben leicht andere Werte, weil nicht aufzutreiben.
Ich hab den Plan jetzt mal bei mir hochgeladen und würde auf Zuruf die Werte usw. ändern und das Bild dann jeweils aktualisieren - ich denke mal, so macht es Sinn?

Meiner läuft aber noch nicht korrekt. Ich habe erstens etwas niedrigere Spannungen und ganz langsames Schwingen? wenn ich beide Stufen aufdrehe.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon ferdimh » Do 9. Feb 2017, 14:22

Etwas niedrigere Spannungen können schon daher kommen, dass der Trafo weniger liefert.
Das langsame Schwingen ist schnell erklärt: Du hast die Koppelkondensatoren vergrößert. Damit kommen niedrigere Frequenzen durch den Verstärker durch. Möglicherweise so niedrige Frequenzen, wie sie durch die Siebkette wieder von der Endstufe in die Vorstufe kommen...
Für HiFi-Anwendungen müsste man stärker sieben oder eine andere Schaltung verwenden; für die Gitarrenanwendung macht es mehr Sinn, C1 unc C4 zu verkleinern - auf 10n oder gar 4,7n, oder irgendwas dazwischen, was rumliegt. Einige Kisten der Marke "Orange" gingen sogar bis auf 300pF runter.
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Do 9. Feb 2017, 15:33

Es liegt leider kaum was rum, das ist ja das nervige, wenn man in so eine Materie einsteigt. Ich hab mir zwar eine Menge Kram angeschafft aber nur zufällig Teile für hohe Spannungen.
Aber Du hast recht, Koppelkondesatoren sind zu groß! Hab jetzt mal provisorisch verkleinert, mag sein, daß jetzt ein Pfeifen bei Vollaussteuerung drüber liegt. Und mein Trafo liefert tatsächlich nur 320V - macht das in dem Fall einen großen Unterschied?
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon ferdimh » Do 9. Feb 2017, 15:47

Und mein Trafo liefert tatsächlich nur 320V - macht das in dem Fall einen großen Unterschied?

Nö.
Es zeigt nur die Nichtanwendbarkeit von genauen Spannungsangaben in Geräten ohne stabilisierte Betriebsspannung.
Arbeitspunkte werden Pi*Daumen eingestellt, nur bei der Endröhre muss man etwas gucken, dass man sie nicht überlastet. (Die Spannung am Kathodenwiderstand und das Ohmsche Gesetz ersetzen hier sehr elegant ein Amperemeter).
Bei Vorstufen ist ein üblicher Arbeitspunkt bei 1/3 bis 1/2 Betriebsspannung an der Anode. Der Verstärker hier liegt deutlich höher, was die Verstärkung senkt. Alles, was zwischen 50V und 50V weniger als Betriebsspannung liegt, funktioniert aber üblicherweise.

Das Pfeifen hat ja "Propeller" auch schon festgestellt. Ich vermute hier weiterhin ein Schirmungs- oder Aufbauproblem. Alternativ einfach den Masterregler nicht so weit aufdrehen ;-)
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Do 9. Feb 2017, 16:05

Das kann sein, bei mir ist ja jetzt alle extrem fliegend aufgebaut. Ich hab jetzt mal meine große Instrumentenbox angestöpselt und das Ding klingt tatsächlich ganz gut und wieder mal überraschen laut!

Jetzt mal zum pädagogischen:
Arbeitspunkte werden Pi*Daumen eingestellt, nur bei der Endröhre muss man etwas gucken, dass man sie nicht überlastet. (Die Spannung am Kathodenwiderstand und das Ohmsche Gesetz ersetzen hier sehr elegant ein Amperemeter).


Nicht verstanden, kannst Du das noch mal praktisch Anhand der Schaltung erklären?

Bei Vorstufen ist ein üblicher Arbeitspunkt bei 1/3 bis 1/2 Betriebsspannung an der Anode. Der Verstärker hier liegt deutlich höher, was die Verstärkung senkt. Alles, was zwischen 50V und 50V weniger als Betriebsspannung liegt, funktioniert aber üblicherweise.

das habe ich überhaupt noch nicht geschnallt wo der Arbeitspunkt eingestellt wird - nur über das Verhältnis von z.B. R3 zu R5? :oops: oh jeh.... :oops:

(Plan ist aktualisiert)
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon ferdimh » Do 9. Feb 2017, 16:49

Zum Arbeitspunkt der Endstufe. Ich nehme an, du hast eine EL84. (keine ominöse 844).
Die EL84 hat eine maximale Anodenverlustleistung von 12W. Das heißt, Ua*Ia soll kleiner als 12W sein.
Außerdem gibt es noch eine maximale Schirmgitterverlustleistung, die ist uns hier aber erstmal egal.
Ua können wir einfach mit dem Voltmeter messen.
Um Ia zu messen, müssten wir die Leitung auftrennen. Da wir das nicht wollen, greifen wir zu einem Trick:
Wir messen die Spannung am Kathodenwiderstand. Der Kondensator ist für Gleichstrom nicht da.
Angeschrieben stehen 7,4V. Nach Ohm fließen damit 7,4V/200Ω=35,2mA. Jetzt gilt bei ungefähr allen Röhren (Ausnahmen bestätigen die Regel), dass ungefähr 10% des Stroms im Schirmgitter landet, der Rest in der Anode. Wir gehen also mal von 32mA Ia aus. Die Anodenverlustleistung ist damit 31mA*300V=9600mW. Das ist weniger als 12W, damit ist die Röhre nicht überlastet. Wir könnten jetzt noch etwas am Kathodenwiderstand drehen (verkleinern), damit mehr Strom fließt, und noch etwas mehr Bums rauskommt.

Zur Vorstufe:
Hier ist die Bedingung eine andere, weil wir einen Widerstand im Anodenkreis haben. Das Ziel ist nicht, möglichst viel Strom durchzupusten, sondern so viel Strom durchzupusten, dass man ihn noch sinnvoll in beide Richtungen verändern kann. (Anders gesagt: die Ausgangsspannung muss sich in beide Richtungen verändern können). Hier wären wir wieder bei der Forderung des Arbeitspunktes bei der halben Betriebsspannung.
Da wir in der Regel vorher aus dem einen oder anderen Grund den Anodenwiderstand festgelegt haben, können wir hier wieder nur zum Kathodenwiderstand greifen. Üblich ist 100k/1k. Größerer Kathodenwiderstand ergibt mehr Spannung an der Anode (sieht man an der Schaltung: die 2. Röhre hat weniger Anodenspannung als die 1., obwohl die Anodenwiderstände gleich sind).
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Re: Der Gitarrenverstärker- Lern- und Frickelthread

Beitragvon Gobi » Do 9. Feb 2017, 17:53

Mal wieder vielen Dank! Ich weiß das sehr zu schätzen, das Du es so gründlich erklärst und hoffe ich kann Dir auch mal was schlossern oder so.
Bestimmt brauche ich jetzt erst mal eine Weile um das nach zu vollziehen....


EDIT: warum rechnest Du 31mA*300V ? Also, ich meine die gerundeten (?) Zahlen
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