Lesenswerte Geschichte des VU-Meters

Der chaotische Hauptfaden

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Lesenswerte Geschichte des VU-Meters

Beitragvon Nello » So 12. Aug 2018, 22:32

Bin gerade auf diese (englische) schön geschriebene Historie gestoßen:
https://hackaday.com/2018/08/09/the-vu- ... ore-318652
Wer sich immer schon gefragt hat, was die komisch-logarithmische Skala auf Pegelmessern soll und wie die Dinger überhaupt entstanden sind, bekommt hier Antwort. Auch die Kommentare sind lesenswert.

Was ich nicht verstanden habe: Warum ist es für den Funkverkehr nicht bei TU (Transmission Units) geblieben? Statt dessen gibt es das S-Meter, ein Ding dessen Anzeige, wenn ich das richtig begriffen habe, zur Hälfte vom Wunschdenken der Marketingfritzen bewegt wird. Wenig aussagekräftig, kaum vergleichbar, trotzdem sind alle wild drauf, ein "S 7" oder besser bestätigt zu bekommen. Oder irre ich da?

Jedenfalls liebe ich diese Geschichten von der Herkunft solcher technischen Dinge, um die sich heute kaum noch jemand Gedanken macht.
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Re: Lesenswerte Geschichte des VU-Meters

Beitragvon Bastelbruder » So 12. Aug 2018, 23:02

wild drauf, ein "S 7" oder besser bestätigt zu bekommen
:lol: :lol: :lol:
Seitdem die Funkamateure überwiegend Superhet-Empfänger verwenden die eine Anzeige der empfangenen Feldstärke erlauben, und der Jahre später erfolgten Erfindung des elektronischen Logbuchs, gibt es hunderte immer bessere Versionen, programmiert von praxiserfahrenen Funkamateuren die im Fieber von Bandverteidigungs-Wettbewerben eine immer noch höhere Anzahl geistig flacher Funkgespräche anstreben. Der gewohnte Redefluß solcher Schwerstarbeiter am Mikrofon kommt sofort ins Stocken, wenn sie den ungewöhnlichen Rapport "You get four nine ..." in den Computer hacken müssen. Dort sind nämlich die Konstanten "five nine" schon vorausgefüllt.

Ein oft gehörter Satz ist dann auch "five nine, please repeat your call" entsprechend "gut lesbares Signal, sehr gute Lautsprecherstärke, ich habe nichts verstanden (weil die Modulation total übersteuert ist)". Das liegt daran, daß dem VU-Meter des Modulators nur beiläufig Beachtung geschenkt wird, allein um zu bestätigen daß die Batterie im Mikrofonverstärker noch geht. Der alle Amplitudenregler stehen auf elf, wie das auch bei der Gitarre üblich ist.
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Re: Lesenswerte Geschichte des VU-Meters

Beitragvon ferdimh » Mo 13. Aug 2018, 08:14

Was ich nicht verstanden habe: Warum ist es für den Funkverkehr nicht bei TU (Transmission Units) geblieben?

Ist man doch. Nach diesem Dokument sind 10 TU ein Faktor 10 in der Leistung. Damit ist eine TU genau ein dB... (erklärt das evtl die Seltsamkeit, dass man deziBel verwendet?).
Aber für TU gilt auch, was für dB gilt: ohne Bezugswert ist die Skala nutzlos. "dB über S9" wäre z.B. eine sinnvolle Angabe, bei dem stetigen Anstieg der elektromagnetischen Verseuchung vieleicht auch "dB über S11". Das passt dann ungefähr; jedes Signal mit positiver Zahl hat eine Chance, innerhalb einer Stadt gehört zu werden.
Am Ende wird außerhalb des Liebhaberfunks eigentlich immer in dBµV oder in dBm gemessen. Wenn ich im FüKomKW sitze, verwende ich ein Funkgerät, das ca 0 dBµV für rauscharme Demodulation sehen will, 40dBm aus dem Sender drückt und antworte mit "Verständigung klar und deutlich" (auch hier gibt es eine 5schrittige Tabelle), wenn mich jemand danach fragt.
Dank der relativ breitbandigen Frequenzmodulation (20kHz-Raster, 5kHz Hub) und genormter Frequenzgänge und Pegel ist das kein Hexenwerk. Die Notwendigkeit, eine schlechte Verständigung anzusagen, kam bisher einmal vor.
Ok, es gibt da auch noch TETRA, das hat dann eher Contestcharakter. Hier gibt es keinen genormten Pegel, aber eben auch keinen "Telefon"hörer, der einen festen Abstand zum Mikrofon aufzwingt. Da im Funkerleergang mittlerweile ein großer Abstand zum Mikrofon gelehrt wird, sind alle Funkstellen etwa gleich leise, bis auf die drei, die in lauter Umgebung arbeiten müssen. Die werden zwar sauber übertragen, aber der Audioverstärker des hörenden Funkgerätes wird dann zum Class-D und drückt gute 20W Rechteck in den armen 5cm-Lautsprecher.
Wenn jemand aber eine völlig unmögliche Modulation liefert, ist es vergleichbar mit dem bekannten Amateurfunkproblem: Es kommt durchaus vor, dass jemand Fetzen völlig unmöglicher Geräusche in den Äther drückt, und man erkennt nur, dass er alle beschimpft, weil sie ihm nicht "klar und deutlich" gesagt haben.

Ich weiß aber nicht, was Bastelbruder hat, die Modulation geht noch viel schlimmer. Schon mal 9AM gehört?
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