Der alte Mann und das Radio

Der chaotische Hauptfaden

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Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Herrmann » Sa 9. Mär 2019, 01:08

Ihr erinnert Euch an das nette kleine Radio, welches mir zugelaufen ist?
Es handelt sich um ein Philips A43 U/B von 1940/41, Allstromgerät für 110/130 Volt
Hier gleich meine erste Frage: weiss wer, wo es zu der Zeit in Deutschland noch Gebiete mit diesen Spannungen gab?
Ich war ja erst am überlegen, ob ich das Teil nicht einfach nur ins Regal stelle, aber Wulfcat hat mich an meinem Stolz gepackt:
Sowas muss wider spielen!!!

Also gut, stellen wir der Gerät mal auf den Tisch und machen eine Bestandsaufnahme. Hier nochmal die Ausgangssituation:

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Als erstes alle Röhren durchgeprüft, Die CY2 (Gleichrichter) hat Faden/Kathodenschluss, gibts aber tatsächlich inne Bucht für nen Zehner, also nicht so dramatisch.

Schauen wir uns den Kasten mal von unten an:

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sieht recht sauber aus für knapp 80 Jahre, der Rand von dem Lautstärkepoti macht mich allerdings stutzig, also raus damit und näher ankucken :

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Da war schonmal einer dran, ganz klar :evil:
Hab das Ding dann aufgemacht um eine völlig durchgeschliffene Kohlebahn zu sehen, Foto erspar ich Euch, da total unscharf geworden... Hmmm... jetzt ist guter Rat teuer, da diese Sorte Bauteile schon eher speziell in Punkto mechanische Abmessungen und nicht in jeder Bastelkiste zu finden sind.. aber da war doch noch was...
Eine einzelne Gehirnzelle macht sich auf, die Fahne der Erkenntnis schwingend, ihre Kameraden zu informieren :mrgreen: :mrgreen:

Ich erinnerte mich, mal vor einiger Zeit von Lore ein paar Chassis bekommen zu haben, vielleicht ist da was passendes drin, also mal suchen gehen und tatsächlich:

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Da war eins drin, ist aber auch defekt, lässt sich um 360 Grad drehen, also mal aufmachen:

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Unten rechts ist der Pinöpel, der den Anschlag gebildet hat... wieviel Gewalt muss man anwenden um sowas abzuscheren :shock: :shock: :shock:

Naja, alles gereinigt, dann mit schwerem Gerät

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eine Steckhülse eingelötet und daraus einen neuen Anschlag geformt, mit zwei Schrauben M1,2 Unterlegscheiben und Muttern wieder zusammengefügt. Fehlt noch der Schalter, den ich dann mit M2 dranschraube, aber da müssen erst die Kontakte richtig gereinigt werden.

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Wird fortgesetzt 8-) 8-)
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Chemnitzsurfer » Sa 9. Mär 2019, 08:22

Es gab bis in die 70er (und wenn man Google trauen kann in Berlin immer noch in einigen Straßenzügen) vielerorts ein Dreileiternetze mit 127/220V(220Volt über zwei Außenleiter, 127V zwischen Außenleiter und Mittellleiter).
Dann sind 108 NiCd Zellen (a 1,2V) oder 57 Bleizellen (a2, 3V) auch etwa 130V
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Bastelbruder » Sa 9. Mär 2019, 09:01

Der Drillingskondensator sieht auch aus als wäre der nicht ganz original.
Und der tropenfeste Vaselinekondensator auf dem Netzstecker ist auch etwas moderner. Aber der ist der letzte über den ich mir Sorgen machen würde.

Das wird wieder!
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Robby_DG0ROB » Sa 9. Mär 2019, 16:10

Chemnitzsurfer hat geschrieben:Dreileiternetze mit 127/220V(220Volt über zwei Außenleiter, 127V zwischen Außenleiter und Mittellleiter


Es gibt keinen Mittelpunktleiter (N), sondern die Unterspannungsseite der Trafos ist im Dreieck geschaltet. Die 127 V ergeben sich nur hochohmig (relativ zur Netzimpedanz) gegenüber Erde. Der Mittelpunkt ergibt sich nur parasitär aus den symmetrischen Impedanzen der Außenleiter zur Erde.

(Nachgerüstete) Schukosteckdosen mussten daher immer eine örtliche Erde erhalten. Da zu dieser Zeit das Wasserleitungsnetz noch durchgängig aus Stahlrohren bestand, wurde meist der Schutzleiter direkt an der Wasserleitung angeschlossen. Heutzutage, wo Plasteleitungen vorherrschen, geht das nicht mehr, da das Wasser selbst ein Isolator ist.
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Herrmann » Sa 9. Mär 2019, 23:24

Und der tropenfeste Vaselinekondensator auf dem Netzstecker ist auch etwas moderner

Dürfte ein "Tropidur" sein und damit nahezu unverwüstlich. Aber bevor ich mich um die einzelnen Bauelemente kümmer, erstmal das grobe.

Weiter gehts mit der Schaltereinheit vom Poti; alles gesäubert, montiert und eine kaputte Niete durch Schraube M2 ersetzt:

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Alles montiert, Schrauben gekürzt und das Ganze mit Drahtbürste und Drehmel etwas aufgehübscht:

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An dieser Stelle sei gesagt, das ich kein Freund von Überrestauration bin, wer also zum Schluss verchromte Abschirmbecher oder ob des Erscheinungsbildes in der alten Teerhülle eingegossene neue Kondensatoren erwartet, möge bitte an dieser Stelle aussteigen. Ich bin da ähnlich gepolt, wie der Kollege mit dem Bulli (komm grad nicht auf den Namen),
wichtig ist, das es funktioniert und einigermassen stimmig ausschaut :!: :mrgreen:

So, jetzt ist erstmal strippen und Reinemachen angesagt... aus

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wird nach einmal feucht Durchwischen:

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Wie ich jetzt genau weitermache, muss ich noch sehen, auf jeden Fall muss die komplette Verdrahtung erneuert werden, da die Isolierung komplett bröselig geworden ist (auf dem letzten Foto schön zu sehen) Mal schauen, ob ich noch genug schwarze oder graue Litze habe... hier knallbunte Drahtreste zu verwenden sähe jetzt doch ein bisschen Scheisse aus :lol:
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Robby_DG0ROB » So 10. Mär 2019, 00:11

Herrmann hat geschrieben:
Und der tropenfeste Vaselinekondensator auf dem Netzstecker ist auch etwas moderner

Dürfte ein "Tropidur" sein und damit nahezu unverwüstlich.


Mit "unverwüstlich" wäre ich vorsichtig, denn die berüchtigten Dinger sind nicht grundlos als "Wima Knallbonbons" bekannt.
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Herrmann » So 10. Mär 2019, 00:59

Mit "unverwüstlich" wäre ich vorsichtig, denn die berüchtigten Dinger sind nicht grundlos als "Wima Knallbonbons" bekannt.


HeHe, Recht haste, da hab ich mit den Namen Mist gebaut :oops: :oops:

Ich meinte "Sikatrop" :!: , die sind quasi aus "Unzerstörium" gebaut :lol:
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Wulfcat » So 10. Mär 2019, 13:57

Hut ab mit dem Poti.

Ich schätze solche sachen stehen mir auch noch bevor, wenn ich mich über mein eigenes "Das muss wider Spielen" Projekt hermache, zumal dieses noch einen Familenbezug hat.

"Achtung kuze Storie"
vor ca 5 Jahre war ich in Düsseldorf während es Japan Tags. Innenstadt Verkehrskollaps. Dachte mir dann, fährste halt über Geresheim, Richtung Erkrad und dann Autobahn Richtung Neuss. Fahr gerade durch die Dreherstrasse, an dem Haus vorbei, wo mein Opa bis 1976 ne Aphoteke hatte......
Vollbremsung!
Vor dem Haus nen Sperrmüllhaufen.
Oben Drauf, das Radio, das Opa im Büro der Aphotheke stehen hatte, und dort stehen geblieben war, als Opa die Aphotheke aufgab.
Das Gerät einem Kupfersammler unter Prügelandrohung entrissen, der gerad die Zange ansetzen wollte.
Nen 1948ziger Mende in furchtbarem zustand. Amblätternder lack. Rost. Delaminierendes Sperrholz. Keine Rückwand...:cry: :cry:
Wenigstens stecken noch alle Röhren.
Das schlimmste ist der Dreko, der in der Kellerfeuchte aufgeblüht ist. Weisses Aluoxid zwichen den Drekoplatten, blockiert diesen.
Trotzdem soll das Ding irgendwann wider laufen, Ist hat von Opa, von dem ich sonst nichts habe. Steht augenblicklich gut verpackt in nem Karton und wartet auf heilende Hände.
Irrsinn, zwichen dem Letzten mal sehen, von dem Ding und es vor der entgültigen Zerstörung sichern, lagen ........38Jahre.... :shock:

Weis einer hier einen Chemischen weg, das weisse Aluoxid aus dem Dreko zu entfernen, ohne das Alu aufzulösen(und den ganzen Dreko)?
Strafverschärfend ist zudem der restliche Materialmix des Drekos: Stahlachse, Messing Kontacktschleifer zur Achse, Zinkdruckgussgehäuse.
Ich trau mich nicht, es mechanisch zu versuchen. Die Plattenabstände sind kleiner, als ne Cutterklinge dick ist. Sonst fällt mir kein Werkzeug ein, womit man in die Tiefen zwischen den Drekoplatten kommt.
Nen neuen Dreko zu bekommen ist ja wohl eher Ilusorisch. Nen Anderen Adaptieren??? Nur wenn es nicht anders geht. Da will ich tatsächlich mal möglichst optisch Orginool bleiben. Ist halt von Opa....:mrgreen:
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon ferdimh » So 10. Mär 2019, 18:33

Generell sollten nach "die stärkere Säure vertreibt die Schwächere aus ihrem Salz" Oxide jeglicher Art mit Salzsäure zu lösen sein. Evtl auch schon mit was langweiligerem, Zitronensäure oder so. Oxide sind halt Salze der Säure "Wasser".
Die Frage ist, was die Säure dann noch mit den Resten anstellt.
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Nello » So 10. Mär 2019, 19:05

Ein neuer Thread wäre vielleicht doch ganz gut: Wie ich das hier kenne, ufert das ganz schnell aus, und dann geht's durcheinander.

Aber zum Thema: Foto wäre sehr gut! Immerhin ist die Chance größer Null, daß jemand tatsächlich was passendes in der Voodookiste hat. Wie stark würde eine Säurebehandlung wohl die Oberflächen der Platten und damit die Kapazität ändern? Kann man so ein Ding zerlegen?
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Bastelbruder » So 10. Mär 2019, 19:10

Das Aluoxid ist zwar Hydroxid und es besteht die Gefahr daß der gegossene Kern seine Abmessungen inzwischen dramatisch verändert hat so daß Rotor und Stator nimmermehr zusammenpassen. Es gab da nämlich ein paar Legierungen die auch bei optimaler Lagerung ihre Form einbüßen.

Wenn die genaue Typenbezeichnung und das Geburtsjahr bekannt wären, könnte man wahrscheinlich qualifiziertere Aussagen treffen.
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Wulfcat » So 10. Mär 2019, 23:00

OK an alle, Ich such das Radio heraus, mach demnächst ne Fotostrecke und nen neuen Faden auf.
Sorry wollte hier nicht den Faden Okupieren und ja ihr habt ja recht, das es ausufern Könnte...... :oops: :lol:
Werd das Bisher geschriebene abspeichern und mit neu Hochladen.
Vorweg aber schon mal danke.
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Desinfector » Mo 11. Mär 2019, 16:52

Hut ab mit dem Poti.
Ich schätze solche sachen stehen mir auch noch bevor


das handwerkliche ist bei solchen Sachen eher nicht das Problem,
Die Teile zu bekommen, wenns orig sein soll schon eher.
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Robby_DG0ROB » Mo 11. Mär 2019, 18:25

Auf einigen Flohmärkten (HamRadio in FN; Eggenfelden am 1. Samstag im Oktober.…) warten zuweilen Anbieter mit Kleinmaterial in Kübeln und Kisten auf. Allerdings scheinen sie damit schon Jahrzehnte durch die Lande zu tingeln. Der Aufwand ist jedoch immens, in diesen Bergen mit Schrott brauchbare Dinge zu finden, die sich darunter sicher verbergen.
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon andreas6 » Mo 11. Mär 2019, 20:01

Am letzten Sonntag war Funkflohmarkt in Berlin im Fez, parallel zu der sehr lauten Modellbauausstellung, die weit mehr Platz einnahm (die Verpflegung im Hause hat übrigens stark nachgelassen, das ging früher deutlich besser). Dort taucht auch immer der gleiche Händler auf mit vielen Tischen und vielen Kästen darunter. U.a. sind dort viele Drehkos unterm Tisch vorhanden, ziemlich unbeachtet von den meisten Besuchern. Der wird erfahrungsgemäß auch in Garitz zugegen sein, natürlich mit dem gleichen Sortiment. Wenn der einen von seinen hundert Drehkos los wird, ist er bestimmt froh darüber. Überhaupt geht es in Garitz vor allem um alte Radios. Normale Funktechnik ist dort fast nicht zu finden, dafür teils uralte Ruinen und etliches an Konsumertechnik. Nimm mobile Messtechnik mit, wenn vorhanden. Solche HF-Mechanik ist oft gar nicht beschriftet, da muss man vor Ort messen können. Oder man kauft einen Karton voll und misst das zu Hause aus. Optisch ist das alles gut erhalten und funktionsfähig, ich brauche es nur nicht.

MfG. Andreas
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Herrmann » Do 14. Mär 2019, 22:56

CY2 ist heute angekommen :D :D :D
Kaum zu glauben, das man noch fast 80 Jahre alte Röhren findet (mit Versand kein 12 Euronen)
Am WE gehts weiter :mrgreen:

Bild
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Herrmann » Sa 16. Mär 2019, 22:52

Es geht ein bisschen weiter, heute ist der Bereichswähler dran. Man kann gut die angelaufenen Kontakte am Schalter sehen:

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Erstmal aufmachen und dabei feststellen, das sich auf der Innenseite auch Kontakte befinden und ein Widerstand (Rechts in der Isolierhülle), der nur noch 2/3 seines Sollwertes hat :shock: :shock: Ja, richtig gelesen, der ist nicht hochohmig geworden, wie man es ja kennt, neinnein, der hat seinen Wert verringert. Daraufhin neugierig geworden, hab ich die beiden auf dem ersten Bild sichtbaren Widerstände auch mal gemessen, soll: 100 Ohm ist: 75 Ohm, der andere soll: 10 kOhm, ist: 8,5 kOhm... also alle Widerstände auch raus, na egal, hab ich genug von

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Halb sauber:

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wieder zusammen und etwas aufgehübscht:

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Da jetzt unten im Chassis gut Platz ist, werden erstmal alle Leitungen erneuert, dann gehts an den Wiederaufbau :mrgreen:
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Bastelbruder » So 17. Mär 2019, 00:30

Probier mal an dem Ohmmeter einen ganz neuen Widerstand.
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Herrmann » So 17. Mär 2019, 01:19

Also leere Batterie oder sowas kann ich ausschliessen, zumal ein Vergleichsgerät dieselben Messwerte liefert. Trotzdem mal grade ausprobiert: ein neuer, noch nie benutzter
18 kOhm Widerstand liefert an zwei Messgeräten 17895 Ohm
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Name vergessen » So 17. Mär 2019, 19:14

>20% toller Ranz war damals doch nicht unüblich, und dafür wären die z.T. sogar noch ziemlich gut dabei... ich meine aber gelesen zu haben, daß es auch Widerstandstechnologien gibt / gab, die tatsächlich niederohmig werden, KA welche das aber wären und ob's überhaupt stimmt.
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Herrmann » So 17. Mär 2019, 21:26

Geht noch weiter: Alle mit Sollwerten über 30k liegen satt drüber, wie man es ja auch nicht anders erwartet, die mit 10k und weniger habe deutlich zu niedrige Werte :? :? :?
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Herrmann » Sa 23. Mär 2019, 00:43

So, es geht mal wieder etwas weiter :)
Erstmal ein wunderschönes Beispiel eines defekten alten Widerstandes, dessen Anschlusskappe gerissen ist:

Bild

wenn die Kappe noch nicht ganz durch ist, sehr schwer zu erkennen, kann ganz böse Aussetzfehler generieren :evil:

Und hier noch ein "Head Up" für den engagierten Restaurator :lol:
Im Zuge der Erneuerung der Verdrahtung bin ich auf dieses Konstrukt gestossen:

Bild


Tatsächlich handelt es sich hier um einen 3,5 pF Kondensator, der auch so im Schaltbild erscheint. Es ist mir als ehemaliger Radio und Fernsehtechniker etwas peinlich zuzugeben, das mir die Funktion an dieser Stelle nicht ganz klar ist, da mir der Wert extrem klein erscheint (Bedenke: Radio von 1941, höchster Bereich Kurzwelle) und die Schaltung dermassen wirr aufgebaut ist, das deren Eigenkapazität schon ein Vielfaches betragen dürfte. Meine Vermutung geht in Richtung Regelspannung.

Hier das Schaltbild:

Bild



Wie dem auch sei, als Lehre entnehmen wir, das auch bei so scheinbar einfachen Sachen wie die Erneuerung der Verdrahtung genaues Hinsehen anstelle von "alles rausraken" :lol: :lol: angebracht ist ;)
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Robby_DG0ROB » Sa 23. Mär 2019, 14:11

Kappenfehler sind teilweise nur schwer auszumachen, v.a. wenn keine hohe Klopfempfindlichkeit vorliegt.
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon ferdimh » Sa 23. Mär 2019, 15:20

Der Kondensator koppelt HF auf die Diode, die die Regelspannung gleichrichtet. Der Wert ist der Hochohmigkeit der ganzen Konstruktion angemessen und dürfte deutlich über den Schaltkapazitäten liegen.
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Re: Der alte Mann und das Radio

Beitragvon Herrmann » Di 30. Apr 2019, 22:35

Hui, bin ja ganz schön nach unten gerutscht, wird Zeit, dass ich mich mal wieder melde :shock:

Langsam füllt es sich wieder; Drehko und Koppel C für Endröhre montiert:

Bild

Auch unten tut sich was:

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Endspurt:

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Die Filter und der Drehko sehen mit blossem Auge nicht annähernd so scheisse aus, wie auf dem Bild 8-) , hab die nur kurz mit Drehmel und Drahtbürste sauber gemacht

Neues Skalenseil aufgezogen und Skala montiert:

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Röhren rein und unter Überwachung der Stromaufnahme vorsichtig hochfahren:

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Und es lebt :mrgreen: :mrgreen:

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78 Jahre alt und wieder zum Leben erweckt :o
Ich empfange mit 1 Meter Draht als Antenne schon ein Paar Französische und Russische Sender, leider erweist sich die ECH1 als klopfempfindlich, wobei mir noch nicht ganz klar ist, ob es an der Röhre selbst, oder an schlechten Kontakten in der Fassung liegt. Eine neue käme mich auf ca 20 Euro. Da ich das gute Stück wohl eh nur zu Demozwecken mal sporadisch am Trenntrafo hochfahre, weiss ich noch nicht, ob ich das Geld noch reinstecke. Sonst bau ich es jetzt zusammen und dann ins Regal.

Bzgl. Aufhübschen: womit kann man eigentlich Bakelit polieren?
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