Inventur in Messie-Firma

Wenn das Irrenhaus überfordert ist

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Mr_P
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Inventur in Messie-Firma

Beitrag von Mr_P » Di 8. Okt 2019, 18:14

Hallo,

ich habe bisher noch in keiner größeren Firma gearbeitet, daher habe ich keine große Ahnung, wie eine Inventur ablaufen soll(te). Nun möchte mein Chef die Firma (nur Chef + ich) von einem Einzelunternehmen auf eine GmbH umstellen, damit er aus der PKV in die GKV wechseln kann. Dazu muss Ende des Jahres eine erste Inventur erstellt werden. Das macht mir beim derzeitigen Zustand der Firma Angst. :shock: Ich habe nun schon ein bisschen was im Netz gelesen, aber wollte doch mal gerne wissen, wie diese Theorie dann in die Praxis umgesetzt wird.

Wie genau muss die Inventur denn sein? Muss da wirklich jede Schraube, jede Gewindestange, Kabelbinder und Handwerkzeug etc. erfasst werden? Wie sieht es denn mit Reststücken von Material aus?

Nur mal so als Beispiel. Mein Chef macht ja fast alles. Daher ist auch von allem ein bisschen was vorhanden. Im Plattenlager stehen ca. 20 verschiedene Holz- und Kunststoffplatten in den unterschiedlichsten Maßen rum, im anderen Ständer stehen alle möglichen Metallstäbe, Gewindestangen, Aluprofile, Reste von Parkettschienen, im Schubladenschrank sind dann diverse Möbelgriffe, Beschläge, alte ausgebaute Teile "die man ja mal gebrauchen kann". Das Lackregal besteht zu 90% aus angebrochenen Dosen etc.

Wie soll man denn da anfangen? Am liebsten wäre mir ja einen großen Container hin und erst mal alles raus was nicht ins Schema passt. Aber das bekomme ich nie durchgesetzt...

Hilfe!!! :D

Gruß
Andi

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Toddybaer
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Re: Inventur in Messie-Firma

Beitrag von Toddybaer » Di 8. Okt 2019, 18:55

Mr_P hat geschrieben:
Di 8. Okt 2019, 18:14

Wie soll man denn da anfangen? Am liebsten wäre mir ja einen großen Container hin und erst mal alles raus was nicht ins Schema passt. Aber das bekomme ich nie durchgesetzt...
Genau so!!
Denn mal ehrlich, was man das letzte Jahr nicht angefasst hat, wird mann die nächsten 5 Jahre auch nicht anfassen. Wenn man die jetzt in der Inventur erfassen würde, würde der "Wert" der Firma steigen. Aber eigentlich ist das alles entweder abgeschrieben oder Schwarzbestand oder wird so lange mitgeschleppt, bis es weggeworfen wird.
Solch Material taucht jetzt schon nicht mehr in den Büchern auf, warum sollte man das jetzt in die Bücher schreiben? Bindet nur unnätig Kapital und macht die Firma mehr wert als sie ist.

Wenn man da überhaupt was von behalten will, dann bei der Inventur ignorieren oder zur Inventur wegschaffen. Und dann sollte das Material nach Möglichkeit auch auf keiner Rechnung mehr auftauchen

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Sir_Death
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Re: Inventur in Messie-Firma

Beitrag von Sir_Death » Di 8. Okt 2019, 19:43

Keine Ahnung, wie das bei euch in D so funktioniert.
Die großen Inventuren bei denen ich so mitgemacht habe (in Ö) wurden alle angebrochenen Kleinteilgebinde (Schrauben,...) also GWGs grundsätzlich ignoriert.
Diese Teile tauchten auf Rechnungen oft als "Kleinteilpauschale" auf

Alle nicht GWGs - sprich Anlagengüter, sowie nicht angebrochene Kleinteilgebinde kamen in die Inventur und wurden dann auch dort als gesamtes ausgebucht sobald sie angebrochen wurden.

GWG = geringwertiges Wirtschaftsgut.

EDIT: Handwerkzeuge - wieder alles GWGs wurden nie inventarisiert.

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Hansele
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Re: Inventur in Messie-Firma

Beitrag von Hansele » Di 8. Okt 2019, 20:19

Ich gehe mal davon aus das es auch kein System gibt, dass die aktuellen (wenn auch falschen) Bestände beinhaltet?

Der wichtigste Tipp ist aber schon gefallen, verschrotten!

Aufräumen und verschrotten sollte am besten eine Person, die nicht für alles 100 Ideen hat,
denn sonst wird nur umgeräumt und wirklich Sinn macht es im Betrieb später auch nicht.

Ruhig den Mitarbeitern anbieten, dass Zeug mit nach Hause zu nehmen, wenn es denn für diese noch einen Wert hat,
wichtig ist die Regale und Lagerplätze müssen leer werden.

Insbesondere dann, wenn vieles für kundenspezifische Aufträge angeschafft wird und das Material übrig geblieben ist,
weil kein Ausschuss/Verschnitt und passiert ist.


Das Stichwort Kleinteile lautet "Schüttgut", dass wird bei Anbruch direkt auf die Kostenstelle aus dem Lager abgeschrieben,
somit sind diese auch nicht mehr zu invertieren. Die Wertmäßige Grenze bei uns liegt bei etwa 2€ je Stück.

Ansonsten muss gewogen oder geschätzt werden:
https://www.rechnungswesen-info.de/inventur.html (Suche nach Kleinteile)

Informiert euch auch noch über die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen und die grundsätzliche und richtige Durchführung einer Inventur,
dort gibt es stellenweise ein paar Fallstricke.

Grüßle

€dit:
Noch eine Anmerkung zum Thema GWG, hier nach GWG suchen:

https://www.rechnungswesen-portal.de/Fa ... ttner.html

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Re: Inventur in Messie-Firma

Beitrag von Toddybaer » Di 8. Okt 2019, 21:16

Also in D ist eine Kleinteilepauschale nicht rechtens!
Strenggenommen muss man jede Schraube und jeden Dübel und U-Scheibe extra erfassen und zählen, wenn man da Geld für vom Kunden haben will. Oder die Befestigungsschrauben mit in den Preis für die Dose mit einrechnen.

Trotzdem weis ich das oft diese Kleinteilepauschalen abgrechnet werden. Ist meistens auch billiger als den Knilch fürs Schraubenzählen zu bezahlen :)

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Re: Inventur in Messie-Firma

Beitrag von Bastelbruder » Di 8. Okt 2019, 21:29

Kleinteilepauschale für Verbrauchsmaterial?
5 ml Friseurschnaps, 10 cm Lötzinn, 10 cm Sauglitze.

Und was mache ich mit je einer Glimmerscheibe, Kunststoffisolierbuchse und einem Tropfen Luftverdrängungspaste? Wenn ich den Lieferantenkatalog konsultiere, ist es wohl möglich die Stückpreise rauszukriegen. Allein die Zeit um solche Artikel aufzuschreiben ist teurer als der Warenwert.

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Re: Inventur in Messie-Firma

Beitrag von Mr_P » Di 8. Okt 2019, 22:02

Hallo,

danke schon mal für eure Beteiligung. Dann werde ich mal angehen, dass endlich der Schrott mal wegkommt, und auch wirklich wegkommt. Ich kenne da eine Kiste, in die ich schon mal aussortiert habe und auch zum Müll gestellt habe, die ist dann auf wundersame weise wieder im Regal gelandet... :roll:

Hansele, schöne Idee, die Mitarbeiter (also MICH) zu fragen, ob sie was brauchen. Ich will den Scheiß aber auch nicht. :D

Die Links werde ich mir mal in einer ruhigen Minute zu Gemüte führen.

Genau diese Kleinteile machen mir halt Sorgen. Die angebrochene Packung dem Kunden zuschreiben wird schwer. Zum Beispiel Schrauben, die eher selten gebraucht werden, reichen über 2-3 Jahre und für 10-20 Kunden. Da kann die Packung nicht komplett dem 1. Kunden berechnet werden.
Aber vielleicht finde ich da ja noch was in den Links...

Gruß
Andi

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Re: Inventur in Messie-Firma

Beitrag von Hansele » Mi 9. Okt 2019, 18:20

Werden diese Schrauben dann auch wirklich auf das Stück dem Kunde berechnet?

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Mr_P
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Re: Inventur in Messie-Firma

Beitrag von Mr_P » Mi 9. Okt 2019, 18:52

Hallo,

also mit den Rechnungen habe ich nicht viel am Hut, aber die werden eigentlich ziemlich pauschal geschrieben, z.B. "Beleuchtungsanlage Kirmesgeschäft". Also oft eigentlich gar keine einzelnen Bauteile aufgeführt. Keine Ahnung, wie das dann mit Inventarliste etc. bei der GmbH zu laufen hat. Aber einen wirklichen vergleich, was wurde verkauft, was bestellt, wie viel muss also Bestand sein, gibt es so nicht.

Gruß
Andi

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Re: Inventur in Messie-Firma

Beitrag von Sven » Mi 9. Okt 2019, 19:09

Euer Steuerberater sollte euch da weiterhelfen können.

Für Kleinteile, die wirklich auch einzeln inventarisiert werden müssen gibt es ja Zählwagen. So macht das hier der örtliche Eisenwarenhändler einmal im Jahr.
Meine Kräuterwage in der Küche hat auch eine Zählwagenfunktion, die kalibriert man mit einem oder zehn Teilen, die zu zählen sind und kippt dann alle drauf. Die Wage spuckt dann die Anzahl aus.

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Re: Inventur in Messie-Firma

Beitrag von Obelix77 » Mi 9. Okt 2019, 20:42

Also bei Uns in der Firma werden absolute Kleinteile
nach Aussage der Chefin geschätzt.
So Sachen wie Plektren oder Einzelsaiten.
Der Rest muss wohl genau angegeben werden,
und anscheinend wird das auch kontrolliert.

Zum Glück muss ich mich da net drum kümmern :lol:

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Re: Inventur in Messie-Firma

Beitrag von Mista X » Do 10. Okt 2019, 10:19

Also wir machen es hier so:
Gebrauchtteile / Schlachtgut wird gar nicht gezählt - ist ja Schrott und abgeschrieben
Reparierte Geräte werden normal gezählt
Schüttgut wird nur das erfasst was als komplette Tüte geschlossen ist. Offene Gebinde werden ignoriert.

Läuft ganz gut und erspart einem eine Menge dämliche Erbsenzählerei.

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