Altes Haus, neuer Faden

Der chaotische Hauptfaden

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uxlaxel
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Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von uxlaxel » Sa 23. Mai 2020, 13:16

Moin,
die einen oder anderen sind schon einen Schritt weiter als ich und können mir da bestimmt einige Fragen beantworten:

In dem Haus, welches ich nun erworben habe, gibt es unter anderem Lehmputz. Augenscheinlich ist dieser oberflächlich mit einem weißen Belag versiegelt worden, ich würde vermuten Kalkfarbe oder -putz? Die Oberfläche ist vielleicht 2mm stark.
Fehlstellen werde ich partiell wieder ausbessern müssen, ebenfalls die Verschlimmbesserungen mit Gipsputz. Die Verarbeitung mit Lehm ist klar, auf Balken muss dann auch etwas Gitter drauf, damit das hält usw.
Nun gibts im lokalen Baustoffhöker was zum festigen von Lehm- und Kalkputz. Das Zeugs basiert auf Kali-Wasserglas. Taugt das was und kann man das tatsächlich bedenkenlos streichen?

Danke, Axel

BernhardS
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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von BernhardS » Sa 23. Mai 2020, 13:33

Wasserglas an sich hat natürlich erstmal eine starke Ätzwirkung; abgesehen davon ist es aber recht harmlos. Vor allen hat es keinen eingebauten Bummerang, so daß man nicht zwanzig Jahre später sagen würde: Hätte ich bloß nicht...
Mit der Zeit nimmt es aus der Luft CO2 auf und neutralisiert sich so.

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reutron
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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von reutron » Sa 23. Mai 2020, 21:01

Lehm mit Kalk ist Atmungsaktiv und sorgt für ein super Raumklima, mit Wasserglas ist das vorbei. ;)

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uxlaxel
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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von uxlaxel » Sa 23. Mai 2020, 21:48

der putz ist teilweise großflächig locker und beulig, werde wohl die eine oder andere fläche gleich neu verputzen müssen.

kann man lehm und kalk auch mischen?

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Sterne
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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von Sterne » Sa 23. Mai 2020, 22:13

Lehm- und Kalkputz vertragen sich einigermaßen, da sie bei recht weich nach dem Aushärten sind. Normalerweise enthält heute fertiger „Kalkputz“ aber immer Zement und andere Zuschlagstoffe, das Zeug verträgt sich mit Lehm gar nicht.
Das leuchtende, warme Weiß erhältst du also nur, wenn du feuchten Lehmputz mit reiner Sumpfkalkfarbe streichst.

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von berlinerbaer » So 24. Mai 2020, 02:41

So wird Sumpfalk übrigens seit Jahrhunderten gemacht:

https://www.youtube.com/watch?v=zDMWnpaqdz0

abneustadt
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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von abneustadt » So 24. Mai 2020, 07:18

Moin,
Der Vorteil von Lehm ist doch, dass auch nach Jahrzenten Wasser ihn wiederverwertbar macht. Es reicht die Schadstellen auszubessern. Lehmputz wird günstiger als lose Schüttware, bloss kein teures claytec im bigbag kaufen, falls Du viel brauchst.
Kasseinfarbe kann man Sehr günstig selber machen. Kreidet nicht und ist abwischbar. Bloss kein teures Marmormehl, Sportplatzkreide reicht ;)
Wenn Dein Haus mit Lehm und Kalkputz alt geworden ist verschlimmbesser es nicht mit modernen Stoffen.
Wir haben mittlerweile den zweiten LKW Lehmputz verarbeitet, also frag ruhig. Vielleicht kannst Du dann ein paar unserer Anfangsfehler vermeiden :D
Außerdem brauchen wir Bilder 8-)
Gruß André

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reutron
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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von reutron » So 24. Mai 2020, 10:23

zu Fachwerk, Kalkputz und anderer Resturanionstechniken and ich diese Videos recht aufschlussreich......
https://www.youtube.com/user/tracheide2/playlists

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von Sterne » So 24. Mai 2020, 13:52

abneustadt hat geschrieben:
So 24. Mai 2020, 07:18
... Kasseinfarbe kann man Sehr günstig selber machen. Kreidet nicht und ist abwischbar. ...
Aber aufpassen, dass die nicht dauerhaft feucht wird oder Reste länger im Eimer mit Deckel lagern.
Wenn die wieder zum Leben erwacht, hat die surströmming Format. :twisted:

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von abneustadt » So 24. Mai 2020, 14:54

Da hab ich keine Erfahrung, haben immer passend frisch angemixt. Wenn jedoch die Wand dauerhaft feucht ist, ist nicht die Farbe das Problem :D

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uxlaxel
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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von uxlaxel » Mo 25. Mai 2020, 02:33

André, ich kann erst wirklich anfangen mit Putz abklopfen, wenn die Grundbuchvormerkung durch ist. Leider bin ich noch nicht offizieller Eigentümer, so dass ich auch noch nicht wirklich anfangen kann. Bis jetzt bin ich auf Tapete runterpopeln ausgebremst.

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von Hansele » Mo 25. Mai 2020, 08:28

uxlaxel hat geschrieben:
Mo 25. Mai 2020, 02:33
André, ich kann erst wirklich anfangen mit Putz abklopfen, wenn die Grundbuchvormerkung durch ist. Leider bin ich noch nicht offizieller Eigentümer, so dass ich auch noch nicht wirklich anfangen kann. Bis jetzt bin ich auf Tapete runterpopeln ausgebremst.
Popeln?

Besorg dir eine 5 Liter Druckspritze und fülle dort Leitungswasser rein, dann die Tapete nassmachen,
dass ganze mindestens für 30 Minuten (vielleicht kürzer oder länger je nach Untergrund und Tapete) nasshalten und dann geht das ohne Probleme weg.

Nicht mit dem Wasser sparen, unten auf dem Boden kannst du alte Handtücher zusammenrollen die das Wasser aufsaugen.

So konnten wir fast überall immer nahezu ganze Bahnen oder mindestens große Stücke einfach wegspachteln.

Grüßle

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von Daffid » Mo 25. Mai 2020, 08:43

Hansele hat geschrieben:
Mo 25. Mai 2020, 08:28
uxlaxel hat geschrieben:
Mo 25. Mai 2020, 02:33
André, ich kann erst wirklich anfangen mit Putz abklopfen, wenn die Grundbuchvormerkung durch ist. Leider bin ich noch nicht offizieller Eigentümer, so dass ich auch noch nicht wirklich anfangen kann. Bis jetzt bin ich auf Tapete runterpopeln ausgebremst.
Popeln?

Besorg dir eine 5 Liter Druckspritze und fülle dort Leitungswasser rein, dann die Tapete nassmachen,
dass ganze mindestens für 30 Minuten (vielleicht kürzer oder länger je nach Untergrund und Tapete) nasshalten und dann geht das ohne Probleme weg.

Nicht mit dem Wasser sparen, unten auf dem Boden kannst du alte Handtücher zusammenrollen die das Wasser aufsaugen.

So konnten wir fast überall immer nahezu ganze Bahnen oder mindestens große Stücke einfach wegspachteln.

Grüßle
Bei meiner Wohnzimmerrenovierung habe ich die alten Tapeten über Stunden eingeweicht. Bis ich einmal rundrum gesprüht habe gings von vorne los. Manche Bahnen haben sich sogar von selbst abgelöst. Was auch hilft ist eine Nadelwalze.
Geduld Geduld Geduld. Mehr braucht's nicht zum Tapetenentfernen.

Gruß David

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von Bastelbruder » Mo 25. Mai 2020, 08:45

In Gebäuden wo mit Lehm gebundenes Mauerwerk verbaut ist soll es auch Tapeten geben, die mit drei Lagen Zeitungspapier als Untergrund angeklebt und schließlich mit Wasserglas (siehe oben) imprägniert wurden. Da geht das nicht ganz so einfach mit der Kübelspritze, eher mit Stachelwalze und Spüli-Wasser in Filztuch ... Und auf dem Boden sind auch (anfangs) trockene Handtücher nicht unbedingt optimal wenn sich dort klassisches Holzparkett befindet.

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von Miraculix » Mo 25. Mai 2020, 10:37

Es gibt auch Tapeten, da löst sich nur die bedruckte Schicht und der Untergrund bleibt drauf als Grundlage für die neue. Hab ich auch auf die harte Tour lernen müssen...

Oder so Spezialisten die die Tapete mit Latex Farbe versiegeln.

Dampf Ablöser haben bei mir gut funktioniert. Allerdings sollte man kein Brillen Träger sein. :geek:

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von Jerry » Mo 25. Mai 2020, 15:15

Tapetenkleister mag es nicht alkalisch - statt Spüli lieber Gastro-Fettlöser auf NaOH-Basis dem Wasser zusetzen. Dann klebt auch nix wieder an, wenn die Tapete wieder zu trocknen beginnt. Nix anderes ist auch der käufliche Tapetenlöser - nur kauft man dort mehr Wasser als Wirkstoff. :roll:

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von uxlaxel » Mo 25. Mai 2020, 17:41

das feuchte entfernen von tapeten und tapetenresten ist mir wohlbekannt. ich habe es bewusst erst einmal vermieden, da man die feuchtigkeit auch wieder rausbekommen muss und wenn man nicht täglich vor ort ist, kann man auch nicht sinnvoll lüften. daher erst einmal alles nur trocken entfernen.
trotzdem ist in einem raum eben der gesamte lehmputz komplett sandig, in dem anderen raum ist er so fest, wie ich es auch kenne. der nachbar hat mir aber schon einen lehmhaufen angeboten, das angebot werde ich wohl annehmen und eben diese 3 von den 4 wänden neu vermutzen. die gips(karton)schollen müssen eh raus, wenn man keine schwarzen flecken an der wand züchten will. da muss ich wohl jetzt durch als lurch.
im gegenzug zum lehmhaufen will er alte bakelitschalter und -steckdosen haben, jetzt weiß ich auch, warum ich das so lange aufgehoben habe :-D

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von uxlaxel » Mo 25. Mai 2020, 17:45

reutron hat geschrieben:
So 24. Mai 2020, 10:23
zu Fachwerk, Kalkputz und anderer Resturanionstechniken and ich diese Videos recht aufschlussreich......
https://www.youtube.com/user/tracheide2/playlists
jou, der typ ist echt klasse. seinen kanal kenne ich schon. auch gut ist der hier:
https://www.youtube.com/channel/UCjAX3G ... tR6yqZr53g (matthias burger, macht sehr viel mit holz und fachwerk, erklärt alles auch bis ins detail und stellt auch werkzeuge vor)

lg axel

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von reutron » Mo 25. Mai 2020, 18:03

Ja der ist auch gut, habe ich auch in meiner Linkliste. :D

Azze
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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von Azze » Mo 25. Mai 2020, 18:06

Ein guter Tipp ist auch, dem Lösewasser für die Tapeten eine halbe Dosis Tapetenkleister beizumischen. Damit hält das ganze etwas besser und länger an der Wand und erleichtert das Anlösen

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von yehti » Mo 25. Mai 2020, 18:57

Moin!
Wenn da noch Steckdosen in die Wand sollen:
Vor dem Tapezieren legen, nicht hinterher.
Leider schon viel zu oft erlebt.
Gruß Gerrit

abneustadt
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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von abneustadt » Mo 25. Mai 2020, 19:29

Moin,
@ gerrit
Axel ist Elektriker! Ich denke er wird das schon hinbekommen :D

@ Axel
Lehm ist aber ungleich Lehmputz!
Wenn das reiner Lehm ist muss da noch Sand zu zum verputzen.
Wenn Lehmputz sandet ist er häufig feucht. Wenn es wirklich nur reines sanden ist bindet das die Kasseinfarbe auch ganz gut.

Lehmputz funktioniert nur im Zwangsmischer gut, Freifallmischer sind eher ungeeignet.
Als Fasermaterial haben wir Kleintierstreu gekauft. Ist maximal 30mm langes Stroh in absolut staubfrei. So wenig wie man davon braucht lohnt es nicht das selber häckseln zu wollen. Denn zu langgebliebene Fasern stören massiv beim abreiben!

Gruß André

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von ZBPDT4MWM » Mi 27. Mai 2020, 11:06

Und wenn Lehm in seiner Naturfarbe bleiben und dennoch nicht sanden soll, gibt es eine Kaseingrundierung. Empfiehlt auch auch vor einer Anwendung von Sumpfkalkfarbe.
Ich bin bekennender Fan der Produkte von Kreidezeit.

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von ZBPDT4MWM » Mi 27. Mai 2020, 11:07

Ach und Tapete auf Lehm ist ähnlich wie Klingeldrähte als Netzleitung :evil:

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Re: Altes Haus, neuer Faden

Beitrag von uxlaxel » Mi 27. Mai 2020, 16:01

ZBPDT4MWM hat geschrieben:
Mi 27. Mai 2020, 11:07
Ach und Tapete auf Lehm ist ähnlich wie Klingeldrähte als Netzleitung :evil:
naja so lange sie nicht kunststoff in großen mengen enthält, sondern halbwegs noch aus papier besteht, sollte das doch nicht das große problem darstellen, oder?
gerade im kinderzimmer sind abfärbende wandfarben (kreide oder kalk) sehr kontraproduktiv. bei der decke wird es wohl sowas werden.

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