Ballonablauf

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siehe auch: http://www.fingers-welt.de/wiki/index.php?title=Alles,_was_fliegt

Inhaltsverzeichnis

Ballonprojekt auf dem Fingertreffen 2012

auch genannt 'Fachtagung für ausufernde und angewandte Frickelei 2012' in Eiterfeld-Leimbach (Für Außenstehende: Das "Fingertreffen" ist ein Forentreffen des Finger-Elektronik-Bastelforums und seiner Sympathisanten).

Auf dieser Seite sollen folgende Dinge Platz finden:

  • Entwicklungsprozess im Forum
  • Vorgänge auf dem Treffen
  • Zusammenfassung des Flugs
  • Zusammenfassung der Auswertungsversuche im Forum

Schreibfehler und Zeitsprünge (ich ändere irgendwie oft die Zeitform der Verben...) ignorieren oder verbessern. Bei größeren Änderungen wie Löschung von Textteilen bitte ich um Benachrichtigung... Teil 2 ist äußerst subjektiv und nur aus meiner Sicht beschrieben, hier bitte ich um Schilderung von anderen Personen.

Entwicklung der Idee

(Was jetzt folgt ist im Prinzip eine chronologische Zusammenfassung des Threads "Ballonmission zum Treffen?", damit man sich den über 50-seitigen Faden nicht ganz durchlesen muss. Ich denke, für Außenstehende dürfte es ganz Interessant sein, was für Ideen wir da so übers Internet zustande gebracht haben.)

19.7.2012, t minus 44 d, 8 h: Jan kommt auf die Idee, zum Treffen eine Ballonmission zu starten, ausgelegt als Gemeinschaftsprojekt - es wird vorher abgesprochen, wer was baut und beim Treffen wird alles zu einer funktionierenden Nutzlast vereint. Hier stand schon fest, dass die Last einen APRS-Sender mit angeknüppelter GPS-Maus beinhalten soll. Außerdem eine Kamera, um den Flug graphisch zu dokumentieren. Die Diskussion kommt noch in der selben Nacht in Gang, Gerald erklärt sich um 5:26 bereit, einen Temperaturmessaufbau mit Ausgabe auf 27MHz (CB bzw ISM Band) zu bauen. Als Gag sollte er die Temperatur mit einer Sprachausgabe ausgeben, Jan schlägt das Ding: http://elm-chan.org/works/sd20p/report.html vor. Irgendjemand tauft das Teil scherzhaft "Rülps-Sender". Weitere, tagelang andauernde Überlegungen, einen echten Rülpssender auf UKW oder so schwingen zu lassen, um die mediale Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen, verlaufen im Sande.

20.7.12 Finger beweist Wahrsagerische Fähigkeiten und prophezeit den Ausgang des Experiments: "Ich seh das gerade vor mir: ein riesiges Ungetüm aus blauen, roten und gelben Säcken, zusammengehalten mit 10 km Panzertape. Unten dran hängt ein Einkaufswagen vollgestopft mit Technik, ein riesiger, angeschweisster Lautsprecher zeigt nach unten und quasselt aufgrund einer Fehlfunktion unverständliches Zeug in brachialer Lautstärke. Am Boden bleibt eine blubbernde, schäumende Badewanne zurück und das Teil nimmt Kurs auf die nächste Hochspannungsleitung."

Es kam noch die Idee auf, dem Ding ein altes Handy zuzugeben, um es am Landeort akustisch orten zu können. Oder eine andere möglichst krachmachende Klapparatur. Die Idee wird später aber wieder verworfen. Auch gab es Planungen, ein Hartz-4-Modell mit Erdgas als Füllgas zu bauen. Das sollte 0,45 kg pro m³ tragen können und dabei nur 1,50 € kosten. Die Idee ist aber im Sande verlaufen. Denn auch bereits am 20.7. erklärt sich Virtex bereit, sich um ein bisschen H2 zu bemühen.

Es wird irgendwas von CR500 und CR800 Ballons geredet, und dass wir für die ca 1,6 m³ H2 brauchen. Pläne für einen weltherrschaftlichen Weltumrundungsballon tauchen auf: http://www.fingers-welt.de/phpBB/backup/83/39416_7.htm.

Erste Versagensszenarien werden entwickelt: "Andererseits frage ich mich: Wie hoch fliegen eigentlich Geier? Wenn sich so ein Geier denkt: och nett.. ein fliegender Rastplatz.... -> brfffffffff...." (Jan)

Ozonisator schlägt die Nutzung einer 808 Key Cam vor, das Ding kostet wohl 15-25 € (wird hier notiert zum Merken für zukünftige Missionen!). Etwas ähnlich billiges gibts auch bei Max: http://www.pollin.de/shop/dt/ODI5OTcyOTk-Computer_und_Zubehoer/Multimedia/Kameras/Mini_DV_Camcorder_PMDV80.html

Eine Versicherung hätte wohl ca. 100 € gekostet (bspw. über den AATiS e.v.), Anmeldung bei der Flugsicherung kost nix.

Peppo bemerkt, dass die meisten GPS Empfänger über 18 km Höhe nicht mehr funktionieren. Ein weiteres Problem, welches es zu lösen gilt. (Wir befinden uns bereits auf S.10 des Threads und schreiben den 22.7.12) Von Censer kommt noch diese zukünftig brauchbare Info: "Ein Ballon-Berechner: http://www.cusf.co.uk/calc/ und ein Tool, um den ungefähren Landeort herauszufinden: http://habhub.org/predict/"

24.7., Jan hat eine Dame bei Flugsicherung angerufen. Ergebnis: Alles zusammen (Ballon und Nutzlast) muss unter 500 gr. sein, dann darf man einfach so starten. Bei allem drüber muss man 8 Tage vorher Bescheid sagen, es entstehen keine Kosten. Versicherungstechnisch sagte die Dame, man solle der Haftpflicht Bescheid sagen. Aber ob die zahlen würde.... Jan entscheidet sich jedenfalls für die No risk, no fun Variante. Freak: "Andererseits werden täglich einige Wetterballons losgelassen, aber passiert ist bis jetzt noch nichts gröberes. Außerdem, wenn der Ballon in ner Turbine landen sollte, dann kann man sowieso nicht mehr feststellen, wer der Absender war." Jan: "Ach.. für so ne Turbine ist das bestimmt mal ne willkommende Abwechslung.. ;-)" Ich musste laut loslachen! :)

Stand 25.7., t minus 38 d: Tracker fast fertig, Ballon reserviert. Lötzinn und LM35 sind auf dem Weg. Jan wartet auf Rückruf vom Gashändler. Gerald hat Temperatursensoren bestellt und kämpft noch mit dem Voodoo-Teil des Sprachsenders. Am 27.7. hat Gerald gemeldet, einen "Ballon geplatzt"-Schalter implementiert zu haben. Jan: "Das AX25-System läuft. Jetzt werde ich versuchen den GPS an die serielle zu tütteln und danach die LM35-Sensoren." Ozonisator: "Ich hab noch eine komplette Funk-Farbkamera rumfliegen. 200 mW Aufkleber aufm Gehäuse. Anhand der Antennenlänge würde ich fast auf 1,2 GHz tippen und somit nicht erlaubt in Dland. Wurde aber in Dland vertrieben?? Kamera und Empfänger würde ich noch zur Verfügung stellen. Braucht man nur noch ne gute Antenne am RX." Das Teil sieht so aus:

Ballon1.jpg

Obendrauf die Kamera mit 1,2 GHz Senderchen, unten drunter der durchstimmbare Empfänger dazu (Daten: 9 V/100 mA, 15 gr Gewicht). Die Reaktion war voraussehbar: "SÜÜSSSSS!!!! Das Ding muss mit!"

28.7.: Jan: "1. Der GPS läuft. Ich kriege meine Position hier am Fenster rein. 2. Der GPS 35 HVS wurde schon in Ballons getestet und hat über 60000 ft (18,3 km) angezeigt. Leider genehmigt er sich ganze 800 mW.. aber irgendwann ist mir das wurscht und packe nen Akku mehr dazu." Idee: Es gibt fertige GPS-Tracker, da steckt man eine SIM-Karte rein, ruft an, und es schickt ne SMS mit den Koordinaten zurück. Käuflich für 30-100 €. Evtl. interessant für künftige Projekte. Wir entschieden uns, es bei APRS zu belassen, weil APRS-Ballone meistens auch wiedergefunden wurden.

1.8.: Jan: "OlimexBoard und 10 Jahre alter GPS (soll aber über 60000 Fuß kommen) hängen zusammen an einem selbstgebastelten effizienten Schaltwandler der bis hinunter zu 2,7 V arbeitet. GPS Subsystem und AX25 Subsystem läuft." Kommentar dazu: "Wie es aussieht, bräuchten wir dann also doch einen alten Einkaufswagen um den ganzen Krempel an den Ballon zu tüddeln." (Gerald) :D

2.8. Der Ballon ist bestellt. In den folgenden Tagen dreht sich Diskussion nur noch um das Besorgen des benötigten Gases (Wasserstoff, Ballongas oder Helium), möglichst günstige Bezugsmöglichkeiten, wer es besorgt, und wie es zum Treffen kommt.

10.8., t minus 22,5 d: Virtex erklärt sich bereit, eine Pulle Wasserstoff plus benötigtem Ventil mitzubringen.

16.8. Jan versucht immernoch, einen WLAN-Stick an sein Olimexboard zu tüddeln, um mal zu sehen, was man alles für Netze in mehreren km Höhe über Deutschland empfängt. Aus dem einfachen Grund, weil es fast nix wiegt und interessant ist.. funktioniert aber noch nicht so richtig: "ich hänge schon seit ein paar Tagen daran, den Kernel so hinzubiegen, das er meine Wlan-Karte frisst.."

Auf den folgenden Seiten des Threads geht es nochmal um das "Jagen" von kommerziellen Wettersonden, und um den 23.8. (S. 39) herum darum, wie man das Videosignal von Ozonisators Videosender wohl am besten aufzeichnen könnte.

t minus 16 d, 6 h (25.8.): Ozonisator präsentiert die fertige Helix-Richtantenne für den 1,2 GHz Videosender. Jan kündigt einen Tag vorher noch kleinere Probleme mit dem GPS-Empfänger und irgendwelchen Einstreuungen und sonstigen Merkwürdigkeiten an. ferdimh verfolgt nun die Idee, diese Helixantenne irgendwie auf seinem Auto zu befestigen und mittels GPS-Info über Fahrtrichtung und -geschwindigkeit des Autos und der GPS-Daten des Ballons über APRS die Antenne automatisch ausrichten zu lassen (nachzulesen auf S. 41 des Threads). Äußerst weltherrschaftlich!

27.8., t minus 5 d 1 h: Jan verkündet weitere Ergebnisse: "Endlich habe ich es geschafft, das GPS-Problem in den Griff zu bekommen. Eine Ferritdrossel da.. ein paar Almanac Daten hier.. ein ziemlich rudimentäres halboffenes Gehäuse.. Und ich habe den GPS-35-HVS gegen einen Navilock eingetauscht.. Vorteil: Braucht weniger Strom. Viel weniger. Nachteil: Die Höhe über 60000 Fuß ist nicht erwiesen.. Egal.. hoffentlich liefert der GPS Daten. Die eigentliche Trackersoftware habe ich dann auch noch neu geschrieben... z.Z. wird diese ausgetestet. Wird doch harmloser als ich dachte.." ferdimh präsentiert einen ersten Test für seinen experimentellen Antennenrotor (das ging ja äußerst schnell): http://youtu.be/clENw72ue_M Dieser schafft es allerdings leider nicht mehr bis zur Serienreife.

Am 29.8. (t minus 2 d) hat Jan nochmal bei der Flugsicherung nachgefragt, ob wir jetzt einen Radarreflektor brauchen oder nicht. Das Ergebnis könnte man gut unter "Lacher" setzen: "Noch was: Wegen Radarreflektor: Ich habe nochmal nachgefragt, ob die Kollegin Recht hatte, das er nicht benötigt wird... A: "Ich weis nicht wie die alle darauf kommen.. in sämtlichen Internetforen wird darüber gesprochen.. aber uns stört der nur... Wir kriegen da ein Signal auf den Schirm und wissen nicht was das ist. Und wenn wir das Dinges anfunken, antwortet es uns nicht..." Jan: "Auf welcher Frequenz sollte es denn antworten???" ;-) Nebenbei erwähnt haben wir dieses Problem bei unserem Ballon fast gelöst. Auf der 5. Oberwelle von 27,055 (und Nebenwellen +-60 kHz), also 135,3 MHz (und außenrum alle +-0,3 MHz), dürfte man zur Zeit des Geschehens ein verrauschtes "..chrr spricht der Ballon..chrr.. geplatzt chrr.." empfangen haben. Näheres hierzu später...

Kurz vor knapp, ebenfalls am 29. (die Kulturveranstaltung, während welcher der Ballon steigen sollte, startete ja bereits am frühen Nachmittag des 31.8.2012), hat sich Ludwig nochmal wegen des CB-Senders eingeklinkt. Ergebnis davon war, dass diese Schaltung hier ihres mikrofonverstärkenden Teils beraubt und von Gerald nachgebaut wird (nachdem seine ersten Versuche mit einem zerfledderten Modellbausender nicht funktioniert haben): http://www.b-kainka.de/Bast1216.jpg

Er setzt hier ein Gesamtgewicht von ca. 150 g incl 9 V Block an. Ludwig hat einen Thread im Funkbasis-Forum gepostet, so dass wir eventuell auf Hörberichte (und Temperaturmesswertaufzeichnungen) hoffen können, wenn das Ding außer Reichweite kommt.

Auch unser Voodoo-Guru (HF-Experte) Bastelbruder versucht sich daran, einen möglichst kleinen und effizienten 27 MHz Oszillator zu bauen. Er bringt es auf ein halbes Watt HF-Leistung, aber die Transistoren streiken. Wenigstens wissen wir jetzt, wie ein 2N2369A ohne Deckel aber mit mysteriös durchgebrannter Basis aussieht:

TransistorBasis.jpg

Wir haben jetzt bereits t minus 1 d, 20 h.

Hier enden die Vorbereitungen und Vorbesprechungen der ganzen Sache via Internet. (Fast) Alle Ballon-, Frickel- und Igorverrückten befinden sich in Eiterfeld-Leimbach und zelebrieren die Veranstaltung des Jahres.

Vorgänge auf dem Treffen

"Ab jetzt basieren alle Rekonstruktionen der Ereignisse auf den Augenzeugenberichten verschiedener Personen, welche völlig verstört auf dem Fußballplatz einer kleinen Gemeinde bei Fulda aufgegriffen wurden. Sie verwendeten mehrfach Begriffe wie Wasserstoff, Weltherrschaft und Flugobjekt."

Ich, harry02, schildere ab jetzt, was ich mitgekriegt habe. Sollten hier Details, Begebenheiten, lustige Sprüche oder sonstwas fehlen, bitte ich um eine Mail (z.B. via Forum), werde sie hier einfügen.

CB-Ballonsender Fertigstellung

Ich selbst habe den Ballonthread nur so halb mitverfolgt, eigentlich garnicht. APRS, Ondulino (oder so) und Linux, keinen Plan von. Ich verbrachte also den ersten Abend des Treffens (31.8.) mit anderen Spielereien, bis Ludwig mich auf die andere Seite des Platzes lotste. Dort saß Jan an seinem Laptop, Gerald und Virtex beugten sich über ein unförmiges Objekt, welches durch Oszilloskope, Lötkolben und Kneifzangen am Entfleuchen gehindert wurde.

Der Quarzoszillator tat also noch nicht so richtig wie er sollte, und ich sollte mir das ganze mal ansehen. Von seiner Existenz habe ich am Rande schon erfahren, als auf Kanal 13 ein Träger stand, der etwas unverständliches sabbelte. Der Oszillator lief etwas instabil, außerdem brachte er zu wenig Leistung. Ich mache es kurz, wir haben dann versucht eine kleine Endstufe hinzuzufügen. Die brachte aber nach mehreren Stunden Arbeit auch nicht mehr als 2 dB Verstärkung oder so (bis 2:30). Mein Zeitgefühl löst sich hier auf, wir haben ca. t minus 10 h. Uns fällt auf, dass der Oszillator irgendwie Nebenwellen produziert, er ist auf mehreren Kanälen ca. alle 60 kHz empfangbar. Bastelbruder vermutet hier eine eventuelle Pendelschwingung, die der Oszillator ausführen könnte. Wir bemerken, dass Teile des Oszillators und die Endstufe irgendwie die ganze Zeit auf komplett falschem Massepotential liegen. Ich verliere irgendwie die Lust und verschwinde kurzzeitig (wohin eigentlich?). Ludwig, Gerald und Virtex, außerdem Bahmtec als interessierten Zuhörer und Taschenlampenhalter (danke hierfür!), (und andere spontan anwesende, Namen mir bitte mitteilen) versuchen währenddessen einen anderen Transistor als Endverstärker (Ziel: 0,5 W), aber es gibt weder Internet noch Datenbücher. So zerschießt es den Ersten. Nachdem der zweite jetzt richtig eingelötet wurde, setze ich mich wieder dazu, um das Ergebnis zu optimieren. Das Teil verstärkt, aber zuwenig! Nach erfolglosem hin und her haben wir uns entschieden, den Leistungsverstärker weg zu lassen und den Oszillator auf maximale Leistungsabgabe zu optimieren (Spulen umwickeln, Widerstände tauschen etc.). Nun missbrauchen wir ein Kohleschicht-Poti als 70-Ohm-Lastwiderstand (soll den später angeschlossenen Dipol simulieren) und bringen es nicht auf über 10 mW Leistungsabgabe. Bastelbruder hat hier und da ein paar sinnvolle Tipps eingeworfen, aber wir haben es hier schließlich mit Voodoo zu tun. Ab Mitternacht funzt das nicht mehr, der Mond könnte außerdem schlecht gestanden haben. Zwischenzeitlich entdecken wir die Quelle der mysteriösen Nebenwellen: Der Ausgang des Sprachchips macht PWM, scheinbar mit exakt 60 kHz. Tiefpassfilterei wird provisorisch probiert. Die Modulation ist deutlich zu leise, beschissener Modulationsgrad. Schuld ist (meiner Meinung nach) die für NF unbrauchbare Modulationsdrossel. Nach langen Herumgemurkse steht fest: Der Sender erzeugt 7 mW an 70 Ohm. Wir schneiden 5,5 m Draht ab um einen Fullsize-Dipol anzuschließen und mal die Reichweite zu testen. Ludwig und Gerald sind glaube ich 1 km gelaufen, Ergebnis: 7 mW reicht. Wir hätten eh keine andere Möglichkeit mehr gehabt. Inzwischen ist es 4:13 Uhr morgens, t minus 6 h 15 min. Das Drahtigelmonster lebt.

Cbsender.jpg

Der Tag des Starts

... ist bereits angebrochen.

Jan sitzt noch an seinem Laptop (5:30), was er da getrieben hat, muss er mir mal per PN schicken, oder selber hier einfügen. Ich erinnere mich an irgendwas von Analog-Digitalwandler, Herumgefluche, kreative Denkpausen (manche Leute fressen in diesem Zustand Schokolade am liebsten kiloweise) und ein hysterisches Lachen um ca. 7 Uhr morgens (+-2 h) und die Worte "Das @°&%€!!*~ Klinkenkabel hatte die ganze Zeit einen Wackler!!!" (oder so ähnlich). Jetzt ist es definitiv Zeit für ein gutes Frühstück (so gegen 6:30 Uhr)... ein Holzkohlegrill-Toastbrot mit Barbecuesauce drauf, eine Filterlose und einen Kaffee dazu. Den hatten wir übrigens aus der Maschine (80% Altteile), ein Hauch Luxus in der Wildnis.

Die Kamera, welche Schnappschüsse hätte liefern sollen, ist beim Anfrickeln irgendwie kaputtgegangen. Ich erinnere mich noch an "Jan, uns ist eben so ein dreibeiniges SMD Dingsbums in deiner Kamera explodiert, macht das was?". Aufgrund mehrer Probleme (u.A. weil wir eh kein Gewicht mehr frei hatten) war sie dann wohl nicht einsatzbereit - aber das Thema ist komplett an mir vorbeigegangen.

Irgendwann zu der Zeit, als die Leute mit normalem Tag-/Nachtrhythmus ihre Zelte verlassen (7:30) um einen bestimmten Zeltnachbarn zu bitten, die Luftschutz-Weck-Sirene bitte etwas leiser zu drehen, wiegt die Crew die Nutzlast:

Ballonnutzlast.jpg

Der Drahtverhau am Boden der Kiste ist unser CB-Sender, welcher aber noch eine eigene Box bekommen soll. Was man auf dem Bild nicht sieht: Die professionelle Waage:

Ballonwaage.jpg

Ist der WLAN-Stick hier oder schon früher rausgeflogen? Für die Digitalkamera ist jedenfalls kein Gewicht mehr frei.

So gegen 8:30 Uhr hat Ozonisator seiner 1,2 GHz Kamera ein Styroporgehäuse verpasst, damit wir diese an einem langen Faden räumlich vom GPS/APRS Geraffel trennen können (störende Beeinflussungen wurden befürchtet).

Jetzt fehlt ein alter VHS Videorecorder, um das, was das Funkkameramodul sendet, festzuhalten. Es taucht aber nur einer ohne Composite Eingang auf. Die Noteingreiftruppe fährt daraufhin los, irgendwo einen besorgen. Währenddessen hört Ferdinand davon und zaubert einen professionellen Videorecorder samt passendem Bildschirm hervor. Ein Megafon zum Rumfragen hätte hier Zeit gespart! (Merken fürs nächste Mal.)

Ballonvideo.jpg

Kurz vor dem Start wird entschieden: Der CB-Sender fliegt nicht mit. Zu schwer das alles. Gerald, Ludwig und Virtex (glaub ich) bequatschen Jan... Kompromisslösung: Wenn der Ballon voll ist, und noch was tragen kann (vielleicht hätten wir weniger Vodka in die Mische tun sollen?), kommt der Sender doch mit. Wir überlegen, wie wir dessen Gewicht nochmal reduzieren könnten. Die recht schwere Modulationsdrossel aus Kupferdraht und Ferrit brauchen wir leider. Der Apparillo hat einen Zugschalter, welcher zwischen Ballon und Nutzlast hätte kommen sollen. Platzt der Ballon, kriegt der µC im Rülpssender das Kommando, "Der Ballon ist geplatzt" zu senden. Der Schalter wiegt aber einiges und der CB-Sender kommt ja jetzt wenn überhaupt eh nur ganz unten dran (dann wär der Schalter sinnlos)- also haben wir ihn rausgeschmissen.

Jetzt wirds ernst

Die Vorbereitungszeit ist rum. Jetzt muss alles laufen. Ein Biertisch wird auf dem Fußballplatz positioniert, um Videorekorder, Bildschirm, 2 m und 11 m Handfunkgerät zu platzieren. Mission Control geht auf Empfang.

Sam 0088.jpg

In der Mitte des Platzes wird eine Decke, der Ballon und die Wasserstoffflasche in Position gebracht. "Bitte stellen Sie das Rauchen ein und schnallen.. ähm.. gehen Sie in Deckung!". Ab hier war ich irgendwo anders rumgefleucht, Bericht über die sich beim Ballon ereigneten Geschehnisse bitte einreichen.

Hier als Panorama:

Ballonpanorama.jpg

t minus 2 min 5 sec. Plötzlich kamen Gerald und Ludwig mit einer Plastik-Keksverpackung angerannt, der CB-Sender fliegt doch mit! Schnell knapp 6 m 0,3er CuL abgeschnitten und die Mitte um die Oszillatorspule gewickelt (4 Windungen oder so), den Drahtverhau des Senders mit viel Ducttape in die Kekspackung geklebt. t minus 2 min 4 sec. Die Oszilatorspule muss noch auf maximalen Output abgeglichen werden. Scheiss LED-Balken-S-Meter der Handfunken! Schnell ein Oszi her. Virtex eilt mit seinem herbei (glaub ich), aber keine Zeit mehr, der Ballon ist schon lange voll mit Wasserstoff, die warten auf uns, Ferritkern einfach auf Bauchgefühl einstellen, t minus 2 min 3 sec *keuch*.

Ich hoffe ich bringe die Dramatik gut rüber?

3 merkwürdige Typen rennen Richtung Fußballplatz, einer eine Keksschachtel in der Hand, die anderen die zwei Drahtenden. Ich stelle mir das lustig vor, als Aussenstehender. Ich weiß nicht, wie die Gesichter der Ballonbefüller ausgesehen haben, wahrscheinlich haben sie auf uns gewartet, irgendjemand fiel sicher schon der Arm vom Ballonheben ab... Jemand anderes sorgte noch für ausreichenden Sicherheitsabstand.. "Tut das Not, dass hier 40 Unbeteiligte so nah an 2 Kubikmeter Wasserstoff stehen?" Der Ballonsender wurde an einem der 2,6 m Dipolschenkel an den Ballon, besser gesagt unter die 2. Nutzlast, getüddelt.

1.9.2012, 10:06 t gleich null. LIFTOFF!!!

Ballonliftoff.jpg

Irgendwie ging dann auch die Countdownuhr auf 'FUMP' und die Sirene sprang an, leicht verzögert. Ich weiß das nur noch, weil ich es auf meinem eigenen Film gesehen habe.

Chronologische Ungereimtheiten und die vielen Details und Ereignisse, die mir hier entgangen sind, bitte ich, mir per PN mitzuteilen.

Die eine Hälfte der Frickler schaute dem Ballon nach, die andere scharrte sich um das Mission Control Center. Dort fuchtelte man wild mit einem Besenstiel.. ach ne, Dachlatte, an welcher eine Drahtspirale befestigt war. Zu Deutsch: Die Richtantenne wurde per Hand auf maximale Feldstärke ausgerichtet und im Betrieb nachjustiert.

Ballonhelix.jpg

Der Ballon flog irgendwie relativ tief davon. Ein Munkeln ging durch die Menge, einzelne Personen rennen dem Ballon nach. Weitere folgten, und auch ich vertraute auf die Schwarmintelligenz - ach ne, das gibts doch jetzt nicht. Der oben zitierte Finger hatte mit seiner Prophezeihung fast recht. Der Ballon hängt im nächstbesten Baum!! Über 70 % der anwesenden Personen liefen den Kilometer dort hin, fuhren sogar mit dem Fahrrad (lol'd). Jan höre ich irgendwas sagen ("Macht ruhig weiter, ich geh erstmal schlafen"), aber mit einem speziellen Unterton zwischen Begeisterung, Niedergeschlagenheit und Resignation (lieg ich da richtig?).

Der Baum steht in einem Bach, trotzdem wagten sich ein paar Mutige ans Raufklettern. Sie kamen jedoch nicht weit genug. Da fällt mir ein - ich hab doch eine übergroße Angel in Form eines 12 m GFK-Antennenmast dabei. Ich bin die ersten 100 m zurück gelaufen, um das Ding zu holen, als mir Bastelbruder entgegenkommt - mit meinem Antennenmast, an der Spitze ein "Angelhaken" aus 4 mm³ Erdungskabel.

Hiervon gibts ein sehr eindrucksvolles Bild. Jan hat wieder Hoffnung geschöpft und angelt fleißig:

Ballonrettung.jpg

Leider bringt die Angelei nix, es fehlt ca. ein halber Meter Mast. Langsam wird die Situation etwas ausweglos. t plus ca 30 min +-20 min.

Plötzlich flutscht die erste Styroporbox (ich glaub mit dem Videosender von Ozon) durch die Äste. Die Kommunikation war leider etwas ungeplant, eine Verbindung zur Missioncontrol gabs nicht, und die Rettungscrew auf der anderen Seite des Bachs wollte uns was auf Kanal 13 sagen, aber der Ballonsender war stärker. Noch ein sanfter Windstoß, und schwupps, das Ballon war frei!!! Unglaublich.

Der Flug

Wir haben dem Ding noch eine Weile hinterher gesehen, augenscheinlich schien es den nächsten bewaldeten Hügel überqueren zu können. Nun habe ich meinen Mast wieder geschnappt und bin zurück geeilt (um die Antenne wieder aufzubauen), um möglichst viele Temperaturdaten aufzeichnen zu können (für den Fall, dass wir die Balonnutzlast samt den Daten auf den SD-Karten nicht mehr zurück erhalten).

Nach den ersten paar aufgeschriebenen Datensätzen habe ich mal geguckt, was Mission Control treibt. Das CB-Bakensignal war mit deren Handfunke langsam nicht mehr empfangbar. Die Helixantenne an der Dachlatte wurde wild hin und her bewegt und gleichzeitig feinfühlig am 1,2 GHz Empfänger gedreht, um ein stehendes Bild zu bekommen (Empfänger und Sender waren freischwingend, sind daher ständig irgendwie weg gelaufen). Davon gibts auch noch ein Bild, wenn ich wieder daheim bin. Vorläufig muss es dieses Gesichtszensierte hier tun:

Ballon2.jpg

(eigentlich ist das hier chronologisch falsch, es ist vor dem Start entstanden).

Mittlerweile ist das Signal am Verschwinden, und es wird mit Dunkelkammer gearbeitet:

Ballonmissionc2.jpg

Hier gibts einen Screenshot vom Live-Video während des Starts:

Ballon3.jpg

(Im Bild sieht man Ozonisator, der diese Kamerabilder ermöglicht hat. Ist denke ich ausreichend anonymisiert.) ferdimh, der Video-Meister, kommentiert zu diesem Bild: "Der turbulente Aufstieg mit verwackelter Bodenmannschaft (evtl. geht hier mit nem besseren Deinterlacer noch was). Das Teil hat sich wirklich sehr schnell gedreht, die Betrachtung des Monitors war besser als jede Kombination aller auf diesem Planeten verfügbaren Psychoaktiven Substanzen." Weiteres dazu gibts dann später unter "Auswertung".

Ich habe mich jetzt wieder an meine Funkkiste (an einer Halbwellenantenne, Spitze 12,5 m hoch) gehockt und alle 1-2 min Messwerte aufgeschrieben. Interessanterweise war der Ballon auf Kanal 8 AM besser hörbar als auf 13 (obwohl er eigentlich dort sendete (+- die 60 kHz Nebenwellen halt) und auch das Signal stärker war). Zwei CB-Funker aus der Nähe empfangen das Signal (so zwischen 11 und 12), angeblich ohne Modulation. Einer der beiden hört selbige dann doch noch sehr leise (auf Kanal 13 war die Mod auch echt sehr mager). Die Außen- und Innentemperatur sinkt langsam immer mehr, sehr schön. Mittlerweile würde ein Normalo die Geräusche aus dem Lautsprecher nicht mehr als Sprache identifizieren (die umstehenden interessierten nicht-Funker haben schon ihre Pobleme); das hohe Grundrauschen von S8 macht mir zu schaffen. Außerdem herrschen leichte sporadic-E Bedingungen auf 11 m, irgend eine russische Taxifirma blökt da ab und zu mit rein. Von Bastelbruder kommt der Tipp, mal auf USB oder LSB zu schalten (vergleichen wo es besser geht), wenn man das richtige Seitenband wählt und entweder Störsignal (Russe) oder Sender, oder beide, etwas neben der Frequenz liegen, kann man so das Interferenzpfeifen ausblenden (dank dem 2,7 kHz Seitenbandfilter). Das hat auch super funktioniert. Hin und wieder werden die Aufzeichnungen durch ein ohrenbetäubendes "B-B-R-R-R-R-R-R-B-B-B-Blop-Blop-knatter-Brrrrr-wup-wup-wup-wup-wup-wup-knatter" (o.ä.) leicht beeinträchtigt (man stelle sich eine Mischung aus all diesen Tönen vor, bei ca 30 Hz). Die Kulturveranstaltung (manche präferieren "Fachtagung") war in vollem Gange!

Interessierte konnten das APRS-Signal auf aprs.fi unter DG0JAZ-11 verfolgen. Was die Digital- und APRS-Bastler auf der anderen Seite des Geländes gemacht haben, während ich dem Rauschen im Walde lauschte, weiß ich nicht - Bericht bitte einreichen!

Ein kurzes und schlechtes Video von Teilen des Flugs gibt es noch, vor allem aber ist die Sprachbake interessant, deren Worte ich hier absichtlich noch nicht niedergeschrieben habe:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&list=UUw7Q7EoAMVDHMPZCriuBdfQ&v=VAuIRcPZBS8#t=146s

"Hier spricht - der Ballon. Der Ballon ist intakt..." wurde zum running Gag, hat uns viele Lacher beschert!

1.9.2012 12:09 MESZ, t plus fast 2 h: Außentemperatur -32°C. Das ist und bleibt das letzte, was der Sender an Sprache von sich gibt. Es bleibt ein leerer Träger stehen. Ein APRS-Signal spuckte das Internet jetzt scheinbar auch nicht mehr aus. Also, meine Arbeit war getan, Nello (meine Mitfahrgelegenheit - Danke hierfür!) nimmt mich schnell zum Einkaufen mit (Toastbrot mit BBQ-Sauce ist auf Dauer nicht so der Burner). Auf der Rückfahrt bin ich beinahe eingeschlafen. Kaum steige ich aus dem Auto, höre ich, dass wir Besuch haben. Wer was wie wo? 'Rhöner Dröhner' aus dem Funkbasis-Forum hat von unserer Aktion gelesen und empfängt den leeren Träger seit einiger Zeit konstant (er wohnt in der Nähe). Die Vermutung war, dass der Ballon irgendwie schon abgestürzt ist (vllt. auch nur der CB-Teil) und in der Nähe in nem Baum hängt. Über Funk hat er sich mit Ludwig und Co zu einer Fuchsjagd verabredet und war mittlerweile angekommen (vielen lieben Dank für die Hilfsbereitschaft!). Ich hab also mal meine Funkkiste samt Akku eingepackt, die Peilantenne stellte 'Rhöner Dröner'. Außerdem ist Ferdinand (ferdimh) hinterher gefahren.

Er berichtet: "Da lief mein Auto-PC mit APRS-Empfang und GPS-Tracking, bedient von Omega. APRS-Empfang blieb komplett erfolglos, der GPS-Track wurde irgendwann mal im Forum dem APRS-Ballon-Track gegenübergestellt [s.Auswertung]. Außerdem gabs da noch Censer anfangs an der Funke[...]. Die Videoausrüstung war auch eingeladen, eine Videopeilung wurde kurzzeitig in Betracht gezogen, dann aber verworfen, weil keiner wusste, wie man den Empfänger ohne Skala und ohne PLL auf die richtige Frequenz bringen sollte. Es war auch noch eine 4. Person im Auto (sieht man aufm Foto mit Censer im Rückspiegel), ich habe aber keinen Schimmer mehr, wer das war."

Die Kommunikation mit 'Mission Control slash mobile, team beta' war etwas schwierig, weil der dort kurzfristig eingebaute Auto-PC (ein Dauerprovisorium mit katastrophalen EMV-Problemen) im Funk störte, und der Funkoffizier ab und zu eingepennt ist, wie wir später rekonstruieren (juhuu, ich war nicht der einzige!!). Davon gibts auch noch ein Dokument:

Ferdinandauto.jpg

(mit IBM-Tastatur, ich brech ab!)

Wir waren noch nicht am geplanten Ort zum Starten der Peilung, da war der Träger auf Kanal 13 weg. Mist! Ich war so langsam im Wachschlaf, wir sind dann halt offensichtlich wieder zurück gefahren. Jan war da bereits zum Nachhol-Schlaf verschwunden und ich hab mich an den Grill gehockt um die durchgehenden ersten 24 Stunden Frickel-Treffen zu verarbeiten.

Das wären die Ereignisse zum Thema Ballon während des Treffens. Wie mehrfach erwähnt sind Ergänzungen höchst erwünscht.

Auswertung

folgt. Edit: im Bau.

Gerald gibt am 3.9. (S. 47 im Thread "Ballonmission zum Treffen") nach Analyse der Kamerastandbilder im Vergleich mit Google Earth bekannt, dass wir das 1,2 GHz Kamera-Signal ca. 6 km weit empfangen haben. Ozonisator kommentiert hierzu: "wenn das mit den 6 km stimmt, dann darf sich das Team mal heftig auf die Schulter klopfen!!! Die Empfangsantenne hat 10 dBi Gewinn, und der Sender aufgerundet nicht mehr als 10 mW. [Kommentar: ich dachte 200?] Und wenn man bedenkt, dass die Kerle für 100 m Freifeld ausgelegt sind, dann sind 6 km schon eine verdammt gute Leistung. Wär der Ballon schneller aufgestiegen, hätten wir bestimmt noch mehr geschafft! Weil der ja auch recht fix hinter dem nächsten Hügel verschwunden war, und bei 23cm Sichtlinie von Vorteil ist."

Thoretisch hätten wir ein paar APRS-Daten, solange sie über die 2m-Handfunke auf der Mission-Control Bierbank empfangbar waren, auf der Tonspur des Kamera Videos haben müssen. Ferdinand: "Da der Videorekorder bei fehlender Synchronisation den Ton wegschaltet, gabs trotz sauberem APRS-Empfang keine Daten :-( Nur ein paar Pakete vom Startpunkt kamen durch, aber die sind ja uninteressant."

Ferdinand (ferdimh):

"Ich schmeiß gerade noch mal ne potentielle Fehlerquelle in die Runde: aprs.fi interpretiert die Höhe in Fuß. Könnte es sein, dass die übermittelten Höhen aber in Metern waren?

085014h5041.04N/00943.30EO234/010/A=001679/Sats:09 Fingertreff 2012 Open-Balloon

[harry02 fragt: wo kommt dieses Paket her? Laut der aprs.fi Karte ist die erste Höhenangabe 970 m, nicht 510 m wie hier drunter geschrieben?!]

Ich sehe hier keine Einheit... wurde da eventuell ein Fehler gemacht? Es gibt keinen Datensatz, der "im Boden" wäre, aber wenn der Ballon am ersten Empfangspunkt nur [1679 ft =] 510 Meter über NN (=~100 m über Boden) gewesen wäre bezweifle ich die weite Hörbarkeit. Schließlich wurde das nicht in der Nähe, sondern durch 1/4 Mittelgebirge und ne Menge Flachland empfangen.

Auch die Elevation an der TV-Antenne spricht da ebenso wie die Empfangbarkeit des TV-Signals eine andere Sprache. Außerdem: Ein Feldweg ist ungefähr so breit, wie unsere Uhr hoch. Aus 100 m (oder weniger, der Videokontakt ist ja vor dem APRS-Kontaktbeginn abgerissen) hätten Feldwege [auf den Video-Standbildern] deutlich größer erscheinen müssen. Es waren ja mehrere Straßen und Felder erkennbar. Wenn man den Öffnungswinkel der Kamera kennen würde, könnte man die Höhe recht gut bestimmen.

Auch ein Augenzeugenbericht über die Höhe könnte hier etwas mehr Klarheit schaffen.

100916h5044.99N/00936.89EO221/031/A=010057/Sats:07 Fingertreff 2012 Open-Balloon ; CB-Bake: 12:08 -32°C -10°C 6V

Hier passt die Temperatur (Annahme: Wert ist wg. schwarzem Sensor und Sonne eher zu hoch) sehr gut zur Höhe "in Metern" und überhaupt nicht zur Höhe "in Fuß". Ebenso wäre der Abgang der Elektronik durch die Temperaturen so sehr gut zu erklären (genauso wie der postulierte Abgang der APRS-Kiste durch Übertemp mangels Kühlluft, wobei ich eher auf gefrostete Batterie tippe)."

Gesammelte Daten

Vorläufig schonmal die gesammelten Temperaturdaten:

http://finger.space-server.org/harry02bilder/TemperaturdatenBallon.xls

Und hier APRS:

http://aprs.fi/#!mt=roadmap&z=11&call=a%2FDG0JAZ-11&timerange=3600

Theorien zum Verbleib und Erklärungsursachen für das Versagen der Elektronik

Also, wilde Vermutungen gingen ja schon auf dem Treffen los, als wir den CB-Sender suchen/peilen wollten. Und zwar ging die hier um:

Theorie 1: Der CB-Ballonsenderchip hat sich durch Unterspannung automatisch abgeschaltet, wodurch nur noch der Träger übrig blieb. Pro: Das Teil war so programmiert, dass es sich unter 6 V selbst abschaltet, um die Daten im EEprom zu retten (bei Unterschreitung von ca 6 V hängt sich der Chip auf und alles ist weg). 2. Die zur Zeit des Sprachausfalls ausgegebene Spannung betrug schon länger 6 V. 3. Eine Zink-Kohle Batterie (worst case) hat 190-330 mAh (Wikipedia). Ein Verbrauch von 80 mA der kompletten Sprachbake (also Mikrochip und Oszillator), zusammen mit der Tatsache, dass die Kapazitätsangaben meist auf C/20 Entladung bezogen sind, und der erwiesenen Abkühlung der fliegenden Keksschachtel auf -10°C, lassen vermuten, dass eine Zink-Kohle die 2h Ballonfahrt nie und nimmer ausgehalten hätte. Es war also eine Alkaline, die hier unter 6 V gerutscht ist. (q.e.d.) Der Quarzoszillator ist dann wohl auf Restkapazität noch ein, zwei Stündchen gelaufen (was hat der an Strom gezogen?). Contra: 1. Der APRS-Sender hat das letzte Datenpaket exakt Zeitgleich (12:09 MESZ) mit dem Ausfall des Sprachchips (~12:08 MESZ) gesendet. Zufall?

Diese Theorie erklärt zumindest den Ausfall der Sprachansage vollständig. Interessant wäre dazu noch zu, ob um 12:08 der Träger auf Kanal 8, wo ich ja gehört habe, verschwand. Denn: Die Aussendung auf Kanal 8 ist das Mischprodukt mit den 60 kHz PWM-Frequenz des Sprachbakenchips. Wäre das tatsächlich verschwunden gewesen, spräche das noch zusätzlich für die Unterspannungsabschaltung. Diese Information werden wir wohl aber nie erhalten, da ich es nicht mehr weiß und sonst wohl keiner drauf geachtet hat.

Theorie 2.1: Die gesamte Nutzlast ist um 12:09 unplanmäßig abgestürzt (vor 12:09 kann das nicht der Fall sein, denn bis dahin haben wir steigende Temperatur- und Höhenwerte) und hängt paar km weiter in nem Baum. Pro: 1. Wir hatten einen über ca 1..2 h konstanten Träger auf CB, was _eventuell_ darauf hindeutet, dass der Sender _nicht_ mit dem Ballon weitergeflogen ist und sich entfernt hat, sondern halt in der Nähe des Treffens gelandet ist. Contra: 1. Selbes Argument. Wir hatten einen konstanten Träger auf CB. Während das Ding aus einer Höhe, in welcher -32°C herrschten, nach unten fliegt, verheddert sich doch die Antenne, die Höhe nimmt stark ab, da hätte uns doch ein schwankendes Signal auffallen müssen!? 2. Warum sollte die Sprachbake ausgerechnet exakt beim Absturz aufhören zu labern, und nicht noch ein zwei nun wieder steigenede Temperaturmesswerte melden? (Mögliche Erklärung s. Theorie 2.2) 3. Außerdem hätte über APRS während des Absturzes (eventuell) mal noch eine Höhe, welche niedriger als die höchste gemessene (10 km) gewesen wäre, kommen müssen.

Theorie 2.1.1: Nur der CB-Sender (welcher als unterste Nutzlast angebunden war) ist um 12:08 abgestürzt/abgefallen und in nem nahen Baum gelandet, weshalb wir den konstanten Träger hatten. Contra: 1. Keine Temperaturwerte während dem freien Fall (ließe sich aber durch im Fall rausgerutschte SD-Karte erklären). 2. Dann wäre die APRS-Nutzlast ja weiter geflogen (und wäre zu unserer Freude schneller gestiegen), aber die sendet ja auch ab 12:09 nix mehr.

Theorie 2.2: Der Ballon ist bereits in 10 km Höhe geplatzt, sofern er die überhaupt erreicht hat/die Daten stimmen, und der Stoß hat irgendwie das APRS-Board außer Gefecht gesetzt und die SD-Karte der Sprachbake gelockert, wodurch nur noch der autarke 27 MHz Quarzoszillator lief. Pro: 1. Beide Nutzlastsender fielenn fast zeitgleich aus. 2. Theoretisch möglich.... Contra: 1. Der konstante CB-Träger ohne Absturzfading. 2. Wie sollte der APRS-Sender durch Erschütterung ausgefallen sein (gabs da Schwachpunkte?). 3. Die Warscheinlichkeit für Doppelten Ausfall durch Vibration dürfte echt niedrig sein. 4. Zwischen Ballon und APRS-Sender waren mehrere Meter Schnur, ebenso zwischen APRS-Box und CB-Bake. Da kanns nicht sonderlich viel gerüttelt haben.

Theorie 3: ESD (Electrostatic Discharge) oder sowas innerhalb einer Wolke haben GPS- oder APRS-Board oder die Funke, und gleichzeitig den Sprachbakenchip gekillt. Contra: Warum haben es diese maximal 15 cm großen Geräte (incl allen Kabeln) nicht überlebt, der Quarzoszillator mit einem BC547 und 5 m Draht dran aber schon? Pro: Diese 5 m Draht sind an einem Stück und sind an keiner Stelle galvanisch mit dem Oszillator verbunden, sondern koppeln nur über 4 Windungen auf die Spule zwischen Kollektor und +.

Uxlaxl bemerkt, dass der UV-3R eventuell einen automatischen sleep-timer hat. Wurde diese Möglichkeit mittlerweile ausgeschlossen? (Hat keinen, war aus, oder ist im benutzen Betriebszustand inaktiv, oder wurde, falls eingeschaltet, nicht getriggert, da er bei jedem Datenpaket='PTT drück' zurückgesetzt wurde)<= eins bitte ankreuzen, Jan_Tuks!

Technische Daten des Ballons

Besser benannt "Endgültige technische Daten", denn am Anfang hätte er ja viel mehr können sollen. Bis zur letzten Minute war nicht klar, was alles mit kommt, deshalb kommen die Daten auch hier zum Schluss (Daten in der 'ich' Form aus Foren-Beiträgen zusammenkopiert).

Der Ballon fasst 1,76 m³ Gas(also so ziemlich genau eine 10 l 200 Bar Pulle. ). Wiegt aber selber 800 g. Am Ende gingen 1,8 m³ (geplant: 2 m³) Wasserstoff rein in den Wetterballon.

UV-3R Handfunkgerät (2W auf 2m, aber auf 0,5W gedrosselt) mit Originlantenne als APRS-Sender Tracker: Olimexino ARM Board unter Debian Linux mit AX25 Kernel, und einem netten Perl-Script. 8 GB SD-Card, 64 MB Ram, und eventuell eine Wlan Experimentiernutzlast.

27,115 (+- 60 kHz, zB. 27,055) bzw. Kanal 13(bzw. 8) 11m Band Sender mit ca. 7 mW Leistung welcher die Außentemperatur und die Innentemperatur der Keksschachtel in AM als Sprachsignal ausgibt. Sensoren sind DS18S20 (bis -55°).

~1,2x GHz Video-Sender mit Kameramodul, ca 200 mW

Cam: olle 5 Megapixel Fujitsu 310A.. und wahrscheinlich sogar ne Webcam, die ich an den Olimexino anschließe. Ich muss langsam aber sicher den Stromverbrauch im Auge behalten...

Strom: (Für Olimex Board) Wahrscheinlich doch 2*2 LiIon von Samsung die mit 2600 mA angegeben sind (unter 0,2C sogar noch mehr) aber schon 2 Jahre alt sind. Muss mal nachmessen. CB-Sender und Video-Sender: je ein 9V-Block. 2m Handfunke: Internes Akkupack.

Lacher

Nello, während der Vorbereitung im Ballonthread: "Ah, und noch was: Hoffentlich ruft jemand an während der Aktion. Damit sich endlich mal jemand mit "Mission Control" am Telefon melden kann :D"

(Jan_Tuks zum Thema Restluft im Ballon während dem Befüllen:) "Falls er sich dann entzünden sollte, weil einer meint seine Kippe daran ausdrücken zu müssen... sieht das dann so aus:

http://www.tagesschau.de/ausland/armenien118.html (link tot) http://www.ksta.de/politik/armenien-144-verletzte-bei-ballon-explosion,15187246,16205228.html

Keine Tote.. also ne neue Frisur für den Gegenwert von Ballon und 10 l Gas.. ;-)"

"Andererseits frage ich mich: Wie hoch fliegen eigentlich Geier ? Wenn sich so ein Geier denkt: "och nett.. ein fliegender Rastplatz.... " -> brfffffffff...."(auch Jan)

Eine Philosophische Betrachtung von Jan_Tuks aus dem Vorfeld heraus:

"Zitat Parser: "Respekt an Jan der sich einen abfrickelt und sich die Finger wundtippert, ebenfalls an alle anderen Sponsoren und Wegbereiter."

(B)Lötzinn.. das ist ne spassige Angelegenheit, bei der es viel zu lernen gibt, und alleine kann ich das schon alleine wegen der fehlenden 4 Räder nicht durchziehen. Mit anderen Amateurfunkern, wird das u.U. auch schwierig, weil die dann bei H2 direkt an Versicherungen denken.. usw... Dann wird daraus auch noch gleichzeitig ein Vereinsevent gemacht.. Und gleichzeitig signalisiert, ohne DARC geht gar nix.. Aber hier kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen, und ich habe auch in der Vergangenheit gemerkt, das das sehr fruchtbar sein kann. Beim Militär arbeiten die Funker ja auch Hand in Hand mit den Sanis, den ... , den... (Stichwort Weltherrschaft) Und dann ist da noch der Lernfaktor.. also wie schon mal erwähnt, mache ich viele Sachen bei dem Projekt zum ersten Mal, und kann nur dabei lernen. Ich hoffe, das geht anderen dabei genau so. Und so wie ich mein Leben kenne, werde ich das Wissen, irgendwann noch mal nützlich einsetzen können.. ;-)

Kurzum : Ich verspreche mir und anderen (und das wurde schon teilweise schon realisiert) Spass, Lernfaktor, und Nervenkitzel (spätestens beim auffüllen des Ballons mit H2)"